Grundlagen

Ganz egal, ob man die Zeitung aufschlägt, den Fernseher einschaltet oder Frauenzeitschriften durchblättert, überall wird man mit dem Thema Übergewicht konfrontiert. Unsere Gesellschaft würde immer dicker werden. Zurückzuführen wäre es auf eine falsche Ernährung und einen Mangel an Bewegung. Besonders drastisch sei die Situation bei Kindern und Jugendlichen, die besonders unter den Extra-Kilos leiden – sowohl physisch als auch psychisch.

Auch wenn man sich offizielle Statistiken und neueste Studien zur Adipositas ansieht, muss man feststellen, dass dieser Trend wirklich Tatsache ist. Je nach Alter, Geschlecht, Wohnort und sozioökonomischer Herkunft liegt die Rate an fettleibigen Personen heute zwischen einem und 25%. Dies mag nicht viel klingen, aber wenn man bedenkt, dass jeder vierte Mensch in unserer Gesellschaft massiv übergewichtig ist, dann sieht man, dass es sich um drastische Zahlen handelt.

Doch all diese Zahlen nützen einem nichts, wenn man selbst von Fettleibigkeit betroffen ist. dann gilt es, einen Weg zu finden, wie man die überflüssigen Kilos dauerhaft loswird. Und das ist alles andere als einfach, wie die Erfahrungen Dutzender Menschen beweisen.

Unter Adipositas oder Fettleibigkeit wird die relative Zunahme der Fettmasse verstanden. Das heißt, dass im Gegensatz zu den anderen Baustoffen des Körpers überproportional viel Fett vorhanden ist. Um eine Abgrenzung vom Übergewicht zu ermöglichen, werden mehrere Quantifizierungen verwendet.

Der Body Mass Index (BMI)

Aktuell spielt vor allem der BMI eine größe Rolle bei der Diagnostik von Adipositas. Bei diesem Wert wird die Körpergröße mit dem Gewicht in Bezug gesetzt. Durch Anwendung der Formel „(Gewicht in kg) / (Größe in m)²“ ergibt sich der BMI.

Je nach BMI werden mehrere Gewichtsklassen eingeteilt:

  • Untergewicht: BMI unter 18,5
  • Normalgewicht: BMI zwischen 18,5 und 25
  • Übergewicht: BMI zwischen 25 und 30
  • Adipositas: BMI über 30

Auch wenn der BMI heute wohl das gängigste Maß zur Bewertung des Körpergewichtes ist, gibt es auch bei diesem einen entscheidenden Nachteil. So wird die Zusammensetzung des Körpergewichtes überhaupt nicht berücksichtigt. Vor allem bei Sportlern wird deswegen oft Übergewicht oder gar Adipositas angezeigt, auch wenn deren Fettanteil völlig im Normbereich liegt.

Hip-Waist-Ratio (Taillen-Hüft-Verhältnis)

Ein weiteres wichtiges Beurteilungskriterium für das Körpergewicht ist das Verhältnis zwischen Hüftumfang und Taillenumfang. Dafür wird der Taillenumfang einfach durch den Hüftumfang dividiert.

Bei Frauen sollte die Hip-Waist-Ratio laut den von der WHO festgesetzten Risikogrenzen unter 0,85 liegen, bei Männern unter 1,00. Andere Institute schlagen eine geringere Hip-Waist-Ratio vor. So sollte diese bei Frauen unter 0,80 und bei Männern unter 0,90 liegen.

Messung des Bauchumfanges

Auch die Betrachtung des Bauchumfanges kann für die Bewertung des Körpergewichts herangezogen werden. Vor allem in neueren Untersuchungen konnte festgestellt werden, dass dieser eine große Bedeutung für die Beurteilung eines gesunden Körpergewichtes hat.

Bei Frauen sollte der Bauchumfang unter 80cm liegen, bei Männern unter 94cm. Ab einem Bauchumfang von mehr als 88cm bei Frauen oder mehr als 102cm bei Männern spricht man von einer bedenklichen Fettverteilung, die ein stark erhöhtes Risiko für Folgeerkrankungen mit sich bringt.

Einteilung der Fettverteilung

Die Adipositas kann aufgrund der Fettverteilung in zwei Formen eingeteilt werden.

  • Abdominale Adipositas: Diese wird gerne auch als Bierbauch bezeichnet und kommt vor allem bei Männern vor. Das Risiko für Folgeerkrankungen ist bei dieser Fett-Verteilungsform beträchtlich erhöht. Man spricht deswegen auch gerne vom gefährlichen Bauchfett.
  • Periphere Adipositas: Hier lagert sich das Fett gleichmäßig im Unterhautfettgewebe an. Größere Fettansammlungen findet man vor allem an den Extremitäten, wie zum Beispiel an den Hüften. Diese Verteilungsform wird oft auch als weibliche Form bezeichnet und ist weniger gefährlich als die abdominale Adipositas.

Ursachen

Bei der Adipositas wird zwischen primären und sekundären Ursachen unterschieden. Bei sekundären Erkrankungen gibt es eine zugrunde liegende Erkrankung, die als Verursacher infrage kommt. Bei einer primären Adipositas besteht die Erkrankung, ohne dass eine verursachende Grunderkrankung gefunden werden kann.

Primäre Adipositas

Bei dieser ist die genaue Ursache vielen Fällen unbekannt. Da es oftmals zu einer familiären Häufung kommt, geht man davon aus, dass sowohl die Gene als auch psychosoziale Faktoren eine Rolle spielen. Denn neben den Genen bekommen wir von unseren Eltern auch gewisse Verhaltensweisen vererbt. Diese betreffen vor allem den Lebensstil, der meistens von den Eltern übernommen wird, auch wenn dieser alles andere als gesund ist.

Sekundäre Adipositas

Zahlenmäßig spielt diese nur eine untergeordnete Rolle. Trotzdem ist es wichtig, dass diese Form ausgeschlossen wird, bevor eine Therapie begonnen wird. Ansonsten kann die eingesetzte Behandlung nicht nur ineffektiv, sondern vor allem auch gefährlich sein.

Zu den möglichen Grunderkrankungen, die eine Adipositas auslösen können, zählen:

  • hormonelle Veränderungen
  • Unterfunktion der Schilddrüse
  • Morbus Cushing
  • polyzystisches Ovar
  • gutartiger Tumor der Bauchspeicheldrüse mit Insulin-Ausschüttung
  • zentralnervöse Veränderungen
  • Schädigung des Hypothalamus
  • Neubildungen in oder am Hypothalamus

Neben anderen Erkrankungen können auch Medikamente an der Entstehung von Fettleibigkeit beteiligt sein. Darunter fallen vor allem Antidepressiva, Neuroleptika, Hypnotika, Antiepileptika, Steroide, Antihistaminika, orale Antidiabetika und Insulin.

Forschung nach weiteren Ursachen

Auch wenn sehr viele Menschen von Fettleibigkeit betroffen sind und diese auch sehr negative Auswirkungen auf die Gesundheit hat, gibt es noch relativ wenige Daten zu deren Entstehung und Behandlung. Heute findet man immer mehr Forschungen auf diesem Gebiet. Dadurch sollen neue und effektivere Methoden der Behandlung und der Vorbeugung entwickelt werden.

So wird heute zum Beispiel vermutet, dass durch ein Ungleichgewicht gewisser Botenstoffe im Gehirn die Regulation von Appetit und Sättigung bei vielen adipösen Menschen nicht funktioniert. So wird auch bei Energieüberschuss weiter ein Hunger-Signal gesendet. Zudem bleibt das Sättigungsgefühl aus, wodurch sich das Überangebot von Nährstoffen nochmals erhöht.

Unterstützt wird diese Theorie von der Tatsache, dass sich bei jedem Patienten mit Adipositas eine positive Energiebilanz findet. Das heißt, dass mehr Nährstoffe aufgenommen werden, als der Körper verbraucht. Die Ursache, warum dies so ist, warum der Körper dies nicht selbst verhindert, ist jedoch unbekannt.

Schlechter Lebensstil und Adipositas

Bei all den Versuchen, die Ursachen für das starke Übergewicht zu klären, muss jedoch erwähnt werden, dass vor allem auch der Lebensstil eine große Rolle spielt. Körperliche Inaktivität und zu hohe Energiezufuhren müssen einfach dazu führen, dass Fettreserven aufgebaut liegen.

Bei vielen Adipösen ist auch zu beobachten, dass vor allem psychischer Stress und einschneidende Veränderungen im Leben das Gewicht außer Kontrolle geraten lassen. Dazu zählen unter anderem die Heirat, die Trennung oder eine berufliche Veränderung. Bei Frauen spielen auch Schwangerschaften eine große Rolle. Auch psychische Störungen wie zum Beispiel Depressionen führen häufig zu einer Gewichtszunahme.

Im Laufe des Lebens steigt das Körpergewicht nahezu automatisch immer weiter an. Dabei ist es ein langsamer Prozess, der ungefähr bis ins 65. Lebensjahr anhält. Und auch im fortgeschrittenen Alter ist oft eine Gewichtszunahme zu beobachten, da die körperlichen Aktivitäten durch Abnützungen des Bewegungsapparates und andere Erkrankungen eingeschränkt sind. Somit ist es oft schon ein Erfolg, wenn man sein Gewicht über viele Jahre konstant halten kann.

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