Grundlagen

Über Erkrankungen, wie die anale Inkontinenz will man so wenig wie möglich nachdenken. Allein der Gedanke daran, dass man nicht mehr kontrollieren kann, wie und wann der Darm entleert wird, ist befremdend und unangenehm.

Dazu kommt noch, dass es schnell zu einem sozialen Stigma kommen kann, wenn man Winde und Stuhl nicht kontrolliert zurückhalten kann. Denn nur selten denken fremde Personen daran, dass es sich um eine Erkrankung handeln könnte. Die Unterstellung, es würde an fehlender Hygiene oder mangelnden Manieren liegen, ist nämlich viel einfacher.

Ganz allgemein beschreibt eine Inkontinenz immer die Undichtheit eines Schließmuskels. Dies kann sowohl die Harnblase, als auch den Dickdarmausgang betreffen. Bei einer analen Inkontinenz kommt es je nach Schweregrad dann zur unkontrollierten Abgabe von Winden, dünnflüssigen Stuhls oder auch des gesamten Darminhalts.

Die Erkrankung ist häufiger als man denkt. So leidet zwischen einem und drei Prozent der Bevölkerung an Stuhlinkontinenz, wobei das Auftreten mit dem Alter drastisch ansteigt. Bei jüngeren Menschen kann es vor allem durch Durchfallserkrankungen zu einer vorrübergehenden analen Inkontinenz kommen.

Ursachen

Die Ursachen für die anale Inkontinenz können sehr unterschiedlich sein. Deswegen ist es immer wichtig, dass eine ausführliche Diagnostik durchgeführt wird. Neben den im Folgenden erwähnten primären Ursachen für eine anale Inkontinenz gibt es natürlich noch eine ganze Reihe von Erkrankungen, die zu einer analen Inkontinenz führen. Dazu gehören zum Beispiel auch diverse Darmerkrankungen, die das Stuhlverhalten sehr stark einschränken.

Verletzung oder Erkrankung des Nervensystems

Vor allem Schädigungen von Nerven im Gehirn, im Rückenmark oder im peripheren Nervensystem können die Funktion des analen Schließmuskels beeinträchtigen. Dabei kommen sowohl neurologische Erkrankungen wie Alzheimer, Multiple Sklerose und ein Gehirntumor, als auch Schlaganfälle als Ursache in Frage.

Zudem können Störungen bei der Informationsweiterleitung eine anale Inkontinenz hervorrufen. Dazu zählt nicht nur die Querschnittslähmung, sondern auch andere angeborene und erworbene neurologischen Erkrankungen, die die Reizleitung im Rückenmark verhindern.

Aber nicht nur der Ausfall der Nerven, die den Schließmuskel steuern, kann zur analen Inkontinenz führen. Auch eine Störung der sensorischen Wahrnehmung kann eine Inkontinenz nach sich ziehen. Durch den fehlenden Input, weiß der Patient nicht mehr, wann der Darm entleert werden muss. Ab einer gewissen Füllung kommt es dann zu einer spontanen Entleerung, die nicht mehr bewusst beeinflusst werden kann.

Zerstörung der Muskulatur

In seltenen Fällen kann auch eine Schwäche des Schließmuskels selbst zur analen Inkontinenz führen. Dann ist der Muskel einfach zu schwach, um dem Druck im Darm stand zu halten.

Häufig ist eine Beteiligung der Beckenboden-Muskulatur gegeben. Wenn diese schwächer wird, oder sich absenkt, kann der Darm nicht mehr dicht geschlossen werden, was zumindest zu einer leichten analen Inkontinenz führt. Im Alter kommt es bei fast jedem zu einem Nachlassen der Beckenboden-Muskulatur, wodurch das häufige Auftreten der Erkrankung mit dem steigenden Alter erklärt werden kann.

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