Grundlagen

Multipe Sklerose (MS) zählt zu der Gruppe der chronischen Erkrankungen, von der das Gehirn, Rückenmark und der Sehnerv betroffen sind. Das Wort „Multiple Sklerose“ setzt sich aus dem Wort „skleros“ (=hart) und „multiplex“ (=vielfach) zusammen. Das Krankheitsbild wird gekennzeichnet durch charakteristische Entzündungen bestimmter Nervenstrukturen, die wiederum unterschiedliche Beschwerden, wie etwa Sehstörungen, Gefühlsstörungen, Schmerzen oder Lähmungen hervorrufen können. Einen solchen Krankheitsausbruch bezeichnet man als „Schub“.

Die Verlaufsformen der Multiplen Sklerose zeigen sich in unterschiedlichen Ausprägungen. In den meisten Fällen kommt es zu einer vollständigen Rückbildung der Symptome, bevor es zu einem erneuten Schub kommt. 90 bis 95 Prozent der Erkrankungen haben einen schubhaften Verlauf. Bei 30 bis 40 Prozent der Betroffenen zeigt sich jedoch auch eine kontinuierliche Verschlechterung ohne Schübe. Bei einigen Betroffenen kann es auch vorkommen, dass die Krankheit von Anfang an ohne Schübe verläuft und sich zunehmend verschlechtert.

MS tritt erstmals im jungen Erwachsenenalter zwischen 20 und 40 Jahren auf. Frauen werden häufiger von der Krankheit heimgesucht als Männer. Bisher ist noch keine vollständige Heilungsmethode für MS bekannt. Der Verlauf lässt sich jedoch gut mit Medikamenten beeinflussen.

MS zählt zu den Autoimmunerkrankungen, bei der sich körpereigene Abwehrzellen (Immunzellen), die im Normalfall für die Vertreibung von Viren, Bakterien oder anderen Keimen zuständig sind, gegen Strukturen des eigenen Körpers richten. Infolge greift das Immunsystem die Hülle der Nervenfasern (Myelinhülle) an, was eine Entzündung in einigen Bereichen des Gehirns, Sehnervs oder Rückenmarks (Zentralnervensystem, ZNS) bewirkt. Es kommt zu einer kontinuierlichen Zerstörung der Myelinscheide. In diesem Fall spricht man von Demyelinisierung.

Hinzu kommt noch, dass auch die Nervenfasern und Nervenzellen von der Schädigung betroffen sind. Es kommt zu einer nicht mehr intakten Weiterleitung der Nervensignale wie es beim Gesunden der Fall ist. Mitunter kommt es auch zu Nervenausfällen. Diese Nervenausfälle können sich unterschiedlichen zeigen, je nachdem in welchem Bereich des ZNS die Entzündungen (Entzündungsherde) auftreten. Aus diesem Grund wird MS auch oftmals „Encephalomyelitis disseminata“ genannt, da „disseminata“ „Verstreut“ bedeutet. „Encephalomyelitis“ steht für grundlegende Vorgänge im Gehirn bei der MS: „Enkephalos“ bezeichnet „Gehirn“ und die Endung „-itis“ kann mit dem Wort „Entzündung“ übersetzt werden.

 

Entdeckung der MS:

Die Krankheit wurde in etwa gegen Ende des 18. Jahrhunderts erstmals von dem schottischen Augenarzt William MacKenzie beschrieben. Er entdeckte die Erkrankung bei einem 23-jährigen Mann, der plötzlich unter Sehstörungen und Lähmungen litt. Später war er nicht mehr fähig zu sprechen und seinen Urin zu halten. Zwei Monate später zeigte der Betroffene jedoch keinerlei Beschwerden mehr.

1868 fertigte der französische Nervenarzt Jean-Martin Charcot eine genauere Beschreibung der Beschwerden an. Es gelang ihm auch anhand einer Autopsie die Zerstörung der Nervenscheiden aufzuzeichnen. Er gab der Erkrankung den Namen „sclerose en plaques“, was auch heutzutage noch der gängige Name in Frankreich ist.

Ursachen

Entzündung und Zerstörung:

  Die vollständige Klärung, weshalb Menschen an MS erkrankten, ist trotz intensiver Forschungen von Experten, gibt es bislang noch nicht. Es besteht jedoch die Vermutung, dass eine Fehlreaktion des Immunsystems (Autoimmunerkrankung) eine große Rolle spielt. Infolge ereignet sich eine Entzündung im Bereich des Nervensystems, bei der die Nervenhüllen und Nervenfasern immer mehr zerstört werden und somit die Weiterleitung von Nervenimpulsen erschwert wird. Den Zerstörungsprozess nennt man Entmarkung oder Demyelinisierung. Im fortgeschrittenen Verlauf gehen auch die Nervenfasern zugrunde.

 

Verrücktes Immunsystem:

Autoantikörper haben die Wirkung, dass weiße Blutkörperchen (Leukozyten) das Nervengewebe attackieren und zu Entzündungen führen. Die Entzündungsherde können überall auftreten. Heilen sie ab, verbleiben dennoch Narben im Gehirn oder Rückenmark zurück (Plaques). Aufgrund der Entzündung erfolgt nunmehr eine schlechtere Weiterleitung der Nervenimpulse oder überhaupt keine. Je nachdem wo der Entzündungsherd lokalisiert ist, können verschiedene Beschwerden auftreten. Diese können Lähmungen oder Gefühls- und Sehstörungen sein. Das Krankheitsbild ist also von Patient zu Patient unterschiedlich.

 

Gene:

Multiple Sklerose hat vermutlich auch zu einem gewissen Teil eine erbliche Disposition. Anhand von Studien kann man sagen, dass eineiige Zwillinge von Eltern, die an MS leiden, ein etwa 25 bis 30 Prozent erhöhtes Erkrankungsrisiko zeigen als die Normalbevölkerung. Bei zweieiigen Zwillingen liegt das Risiko bei etwa fünf Prozent. Eltern und Kinder eines MS- Patienten haben immer noch ein doppelt- bis dreifach erhöhtes Risiko. Mit abnehmenden Verwandtschaftsgrad nimmt auch die Gefahr an MS zu erkranken ab.

Bislang ist noch nicht geklärt, ob ein bestimmtes Gen Auslöser für die Entstehung von MS zuständig ist. Es wird jedoch vermutet, dass Veränderungen des HLA-DRB1-Antigens, des Apolipoproteins E oder des Interferon Gamma-Gens eine nicht unerhebliche Rolle spielen. Forschungsergebnisse zeigen, dass MS bei Betroffenen mit bestimmten Genen einen schwereren Verlauf nimmt. Andere Forscher vermuten in den Genen JAG1 oder POU2AF1 den Auslöser für Multiple Sklerose.

 

Infektionen:

Experten sehen oft den Zusammenhang zwischen dem Ausbruch von MS und einer Infektion, wie etwa einer Virusinfektion mit dem Humanen Herpesvirus-6 (HHV-6), dem humanen endogenen Retrovirus (HERV) oder mit dem Epstein-Barr Virus (EBV). Ein gesicherter Beweis, ob diese Hypothesen der Wahrheit entsprechen, ist bislang noch nicht erbracht.

Jugendliche und hauptsächlich Erwachsene, die von einer Infektion mit EBV (infektiöser Mononuklease) betroffen sind, haben vermutlich ein zwei- bis dreimal so hohes Risiko an MS zu erkranken als Menschen ohne EBV- Infektion. Bei anderen Keimen liegt ebenfalls die Vermutung nahe, dass sie an der Entstehung von MS beteiligt sind. Zu diesen zählt etwa das Bakterium Chlamydia pneumoniae, das im Nervenwasser (Liquor) von MS- Patienten öfter nachgewiesen wurde als bei Gesunden. Andere Studien lieferten jedoch keinen gesicherten Beweis für diese Hypothese.

 

Lebensstil und Umwelt:

Umweltfaktoren und ein bestimmter Lebensstil können ebenfalls einen Beitrag zu der Entstehung von MS leisten. Ein Beispiel hierfür ist Rauchen, das das Risiko für MS nicht nur erhöht, sondern auch den Verlauf der Erkrankung beschleunigen soll. Dennoch kann MS nicht alleinig durch einen ungesunden Lebensstil ausgelöst werden.

Eine Rolle scheint auch die Menge an Vitamin D im Körper zu spielen. Menschen, die in ihrer Kindheit verstärkt der Sonneneinstrahlung ausgesetzt waren und somit mehr Vitamin D produzieren können, leiden seltener unter MS als Menschen mit einem geringen Vitamin D Spiegel.

Ein Beispiel hierfür sind die Inuit in Grönland, die sich traditionellerweise sehr Vitamin D-reich ernähren und folglich seltener an MS erkranken. Dennoch konnte bisher nicht gezeigt werden, dass die Einnahem von Vitamin D-Präparaten vor MS schützt.

 

Geschlecht:

Frauen erkranken häufiger an MS als Männer. Die Ursache dieses Phänomens kann in bislang noch unbekannten Umweltfaktoren liegen.

 

Mehrere Faktoren zusammen:

Mit großer Wahrscheinlichkeit gibt es nicht einen bestimmten Faktor, der zum Ausbruch von MS führt, sonderlich gilt vielmehr ein Zusammenspiel von vielen Faktoren als Auslöser. Zu diesen Faktoren zählen der Lebensstil mit den Ernährungsgewohnheiten, die Gene, Virusinfektionen, sowie andere Umweltfaktoren.

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK