Grundlagen

Vaginalmykosen sind durch Pilze verursachte Genitalinfektionen, von denen sehr viele Frauen im Laufe ihres Lebens betroffen sind. Auch im gesunden Zustand ist die Scheide von Bakterien und gewissen Pilzen besiedelt, doch besteht eine ausgeglichene Balance zwischen diesen Keimen. Kommt es zu einer Änderung des Scheidenmilieus und verändert sich das Gleichgewicht zwischen Bakterien und Pilzen, kann eine Scheidenpilzinfektion entstehen.

Einen großen Einfluss auf das spezifische Milieu in der Scheide haben weibliche Sexualhormone, deren Konzentration sich im Rahmen des monatlichen Zyklus und im Alter ändern kann. Durch diesen Hormoneinfluss ist auch das unterschiedliche Scheidenmilieu zwischen Mädchen vor und nach der Pubertät, älteren Frauen in den Wechseljahren und nach der Menopause zu erklären.

Die Schleimhaut der Scheide ist bei gesunden Frauen großteils von Milchsäurebakterien (auch Laktobazillen, Döderleinbakterien genannt) besiedelt. Diese Bakterien sind unschädlich für die Frau und produzieren aus Zucker, den sie von Zellen der Schleimhaut bekommen, Milchsäure. Durch diese Milchsäure herrscht in der Scheide ein saures Scheidenmilieu, das die Vermehrung anderer Bakterien oder Pilze unterdrückt und somit die Frau vor Infektionen schützt.

Ursachen

Die Erreger

Wie schon der Name verrät, wird eine Scheidenpilzinfektion durch Pilze verursacht. Am häufigsten ist der Erreger ein Hefepilz, nämlich Candida albicans. Dieser Pilz ist ein Vertreter der Candida-Gruppe, welche unter dem Mikroskop durch ihre großen, runden, weißen Zellen erkennbar sind. Typisch für Hefepilze ist, dass sie sich bei 37 Grad Celsius sehr gut vermehren können. So bietet also die Körpertemperatur dem Candida albicans beste Vorraussetzungen um in der Schleimhaut der Scheide zu gedeihen. Wird bei einer Infektion mit Candida albicans ein Abstrich gemacht und unter dem Mikroskop untersucht, kann man für Hefepilze typische Fäden (Hyphen) erkennen. Manche Frauen können aber auch vereinzelte Candida-Zellen in sich tragen ohne Symptome zu entwickeln.

Normalerweise ist die Scheide schon lange Zeit vor einer Infektion mit Pilzen besiedelt, die Krankheit tritt aber nicht auf, weil die Pilze durch das saure Milieu in der Scheide unterdrückt werden. Die Besiedlung der Scheide mit den Pilzen kann schon lange vor Auftreten der ersten Symptome, zum Beispiel schon bei der Geburt, stattfinden. Zum Ausbruch der Krankheit kommt es aber erst, wenn das Verhältnis zwischen Bakterien und Pilzen aus dem Gleichgewicht gerät und der Pilz sich problemlos ausbreiten kann.

Auch Geschlechtsverkehr kann der Auslöser einer Vaginalmykose sein, vor allem Analverkehr kann eine Scheidenpilzinfektion fördern. Dies lässt sich dadurch erklären, dass die Schleimhaut des Magen-Darm-Traktes, so auch der Enddarm, mit Candida albicans besiedelt ist und diese bei Analverkehr in die Scheide übertragen werden können.

Auch die gemeinsame Verwendung von Hygieneartikeln, Handtüchern und Wäsche können zum Auftreten einer Scheidenpilzinfektion beitragen. Pilzinfektionen können auch in öffentlichen Schwimmbädern übertragen werden. In Chlorwasser ist der Pilz jedoch nicht überlebensfähig, weshalb in chlorhältigen Bädern keine Gefahr der Übertragung besteht.

Begünstigende Faktoren

Ein gestörtes Scheidenmilieu kann das Entstehen einer Scheidenpilzinfektion begünstigen. Wird zum Beispiel das Gleichgewicht zwischen Bakterien und Pilzen durch eine antibakterielle Therapie zugunsten der Pilze verändert, kann das eine Pilzinfektion fördern. Neben dem sauren Scheidenmilieu spielt natürlich auch das Immunsystem eine große Rolle beim Schutz vor Vaginalmykosen. So können auch immunsupprimierende Medikamente oder in der Krebstherapie verwendete Medikamente eine Infektion begünstigen. Außerdem können andere bestehende Erkrankungen wie Diabetes oder Veränderungen im Hormonhaushalt zur Ausbreitung des Pilzes beitragen. Weiters ist auch während einer Schwangerschaft das Risiko, an einer Vaginalmykose zu erkranken, erhöht, was durch Veränderungen des Zucker- und Hormonspiegels erklärt wird. Frühere Generationen an Pillenpräparaten können auf Grund eines höheren Sexualhormonspiegels ebenfalls störend für das Scheidenmilieu sein. In diesen Fällen empfiehlt sich ein Wechsel zu neueren Präparaten mit einem geringeren Hormongehalt.

Obwohl ein gewisses Maß an Hygiene zum Vermeiden einer Scheidenpilzinfektion empfehlenswert ist, kann ein übermäßiges Waschen des Imtimbereichs die Vermehrung der Pilze fördern, weil dadurch das Scheidenmilieu gestört werden kann. Deshalb ist auch vom Verwenden spezieller Waschgels und Lotionen abzuraten. Pilze benötigen zum optimalen Gedeihen Feuchtigkeit und Wärme. Deshalb sollte man das Tragen von zu enger und synthetischer Kleidung unterlassen. Oft ist der Ausbruch einer Scheidenpilzinfektion auch auf Stress oder belastende Situationen zurückzuführen.

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