Achillessehnenriss (Achillessehnenruptur)

Grundlagen

Die Achillessehne ist eine große Sehne, die die Wadenmuskulatur mit den knöchernen Strukturen der Ferse verbindet. Vor allem im Rahmen von Sportverletzungen kann es zu einem Riss dieser Sehne kommen.

Vom Achillessehnenriss sind überproportional viele Männer betroffen: Die Ursache liegt wahrscheinlich in einem risikoreicheren Verhalten bei sportlichen Aktivitäten. Der Altersgipfel bei dieser Art von Verletzung liegt zwischen dem dritten und vierten Lebensjahrzehnt.

Nach einem kurzen Diagnoseverfahren wird in den meisten Fällen eine operative Therapie angestrebt, um die Heilung der Verletzung zu optimieren. Alternativ kommen auch konventionelle Verfahren infrage, durch welche eine Operation umgangen werden kann. Durch hochwertige Operationsmethoden ist die Prognose heute sehr gut.

Ursachen

Direkte Traumen die häufigste Ursache

90% der Achillessehnenrisse sind auf ein indirektes Trauma zurückzuführen. Dabei handelt es sich um typische Sportverletzungen, bei denen die Sehne durch einen schnellen Antritt oder beim Auf- und Absprung überdehnt wird. Vor allem Sportarten mit häufig wechselnden Schrittabfolgen sind für die Achillessehnenruptur prädestiniert. Dazu gehören zum Beispiel Ballsportarten wie Fußball oder auch Tennis.

Indirekte Traumen und offene Verletzungen sind selten

Die restlichen Achillessehnenrupturen entstehen durch ein direktes Trauma, also durch einen Schlag, Stoß oder Tritt gegen die gespannte Sehne. Eine offene Verletzung mit Durchtrennung der Sehne kommt nur äußerst selten vor, ist jedoch vor allem im Rahmen von Polytraumata bei Verkehrs- oder Arbeitsunfällen möglich.

Degenerative Veränderungen werden oft überschätzt

Lange waren auch degenerative Veränderungen, also die Alterung der Sehne im Laufe des Lebens, als Ursache in Diskussion. Grund für diese Einschätzung war die Tatsache, dass unter dem Mikroskop untersuchte gerissene Sehnen meistens auch Abnützungserscheinungen aufwiesen. Heute ist jedoch klar, dass allein die Abnützung kein wesentlicher Auslöser für eine Achillessehnenruptur ist. Auch wenn diese mit den Jahren bei jedem auftritt und durch exzessiven Sport und andere Beanspruchung noch verschlimmert werden kann, führt diese nicht zu einer verminderten Reißfestigkeit der Sehne.

Symptome

Da es sich um eine sehr große und feste Sehne handelt, ist deren Abriss mit einem laut wahrnehmbaren Knall oder Schlag verbunden. Es kommt infolge dessen zu einem sofortigen Verlust der Kraft im Fuß. Die Gehfähigkeit kann zwar erhalten bleiben, der Zehenstand ist aber nicht mehr möglich. Es können Schmerzen auftreten, doch diese müssen nicht unbedingt sehr stark sein, auch wenn es sich um eine ernste Verletzung handelt.

Diagnose

Anamnese und physikalische Untersuchung

Die Diagnose kann meistens über die Schilderung der typischen Symptomatik gestellt werden. In der klinisch-physikalischen Untersuchung kann oft eine Delle oberhalb der Ferse ertastet werden, sofern die Schwellung des Fußes noch nicht eingetreten ist. Zudem fallen bestimmte Reflexe im Bereich des Fußes aus, da die Kraft der Wadenmuskulatur nicht mehr auf den Fuß übertragen werden kann.

Apparative Untersuchung nur in Ausnahmefällen

Auch wenn auf eine apparative Untersuchung meistens verzichtet werden kann, kommt für diese vor allem die Sonografie (Ultraschall) oder die Kernspintomografie (MRT) infrage. Bei der Ultraschall-Untersuchung wird der Verlauf der Sehne abgebildet, wobei bei einem Abriss eine deutliche Lücke sichtbar wird. Das MRT ist wesentlich genauer bei der Untersuchung, so können auch kleine Einrisse und Strukturveränderungen sehr gut abgebildet werden.

Therapie

Erste Hilfe beim Achillessehnenriss

Die Erste Hilfe bei der Achillessehnenruptur sieht eine Entlastung des Fußes vor. Zudem sollte der Bereich über der Ferse gekühlt und durch Bandagen stabilisiert werden. Eine erhöhte Lagerung dient der Linderung der Schmerzen. Nach der Erstversorgung sollte eine schnelle fachärztliche Untersuchung und Behandlung angestrebt werden.

Therapieoptionen: operativ oder konservativ

Die Therapie der Wahl ist die operative Therapie mit anschließender Ruhigstellung. Vor allem bei älteren Patienten oder bei Begleiterkrankungen, die eine Operation risikoreich machen, kann auf die konservative Therapie ausgewichen werden.

Konservative Therapie

Damit die konservative Therapie erfolgreich sein kann, dürfen die Enden der gerissenen Sehne maximal einen Zentimeter auseinanderweichen. Deswegen muss vor Einsatz dieser Therapieoption eine Untersuchung mittels Ultraschall oder Kernspintomografie erfolgen.

Wenn die konservative Therapie infrage kommt, erfolgt eine Immobilisation des Fußes über eine Gipsschiene. Nach einigen Tagen wird die Schiene entfernt und ein Spezialschuh angelegt, der einen erhöhten Absatz aufweist. Mit diesem kann der Fuß wieder voll belastet werden, was eine frühe Mobilisierung ermöglicht. Die Höhe des Absatzes wird sukzessiv verringert, bis er vollkommen abgenommen werden kann.

Um die Heilung zu fördern und eine frühe Mobilisation zu erreichen, sollte unterstützend auch Krankengymnastik oder Physiotherapie in Anspruch genommen werden. Um den Erfolg der Therapie zu überprüfen, sollte eine regelmäßige Verlaufskontrolle mittels Ultraschall durchgeführt werden. So kann – wenn notwendig – doch noch eine operative Versorgung frühzeitig in die Wege geleitet werden.

Operative Therapie

Bei der operativen Therapie wird die Sehne durch eine spezielle Naht wieder miteinander verbunden. Diese Naht kann auch verstärkt werden, indem anliegende Muskelhäute (Faszien) miteinbezogen werden. Die Operation kann sowohl offen als auch minimal-invasiv durchgeführt werden. Die minimal-invasive Variante hat natürlich den Vorteil, dass das Gewebe geschont wird und so eine schnellere Heilung erzielt werden kann.

Danach erfolgt die Ruhigstellung des gesamten Fußes mittels einer Gipsschiene. In dieser Zeit muss eine medikamentöse Blutverdünnung erfolgen, um die Bildung eines Blutgerinnsels zu verhindern. Wie auch bei der konservativen Therapie wird eine Mobilisierung des Fußes so schnell wie möglich angestrebt. Auch hier kommt der Spezialschuh mit dem erhöhten Absatz zum Einsatz.

Prognose

Bei fachgerechter Versorgung ist die Prognose des Achillessehnenrisses sehr gut. Nur selten kommt es zu Infektionen, Durchblutungsstörungen oder Einschränkungen der Beweglichkeit im Sprunggelenk. Um die Heilung zu optimieren, darf eine sportliche Belastung frühestens nach zwölf Wochen erfolgen. Sportliche Wettkämpfe sollten mindestens sechs Monate lang vermieden werden.

Vor allem bei der konservativen Therapie (nicht-operativ) kommt es relativ häufig, genauer gesagt in 5 bis 18% der Fälle, zu einer Re-Ruptur (nochmaliges Reißen der Sehne). Bei der operativen Variante kommt die Re-Ruptur nur in 2% der Fälle vor. Aufgrund der besseren Prognose gilt die operative Therapie auch als Mittel der Wahl.

Danilo Glisic

Danilo Glisic

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