Aids und HIV

Aids und HIV
Internationale Klassifikation (ICD) B24

Grundlagen

Es war im Jahr 1980, als in Los Angeles, New York und San Francisco Fälle einer neuen Erkrankung beobachtet wurden. Auffallend war, dass sie scheinbar ausschließlich homosexuelle Männer betraf. Von den etwa 80 beschriebenen Fällen sind 26 noch im selben Jahr gestorben.

Schnell wurde klar, dass man sich mit der Erkrankung und den Ursachen besch√§ftigen muss, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Zudem wurde sie als sehr ernst eingestuft, da die Sterblichkeitsrate bei √ľber 40% lag.

Irgendwann nannte man die Erkrankung dann Aids, was eine Abk√ľrzung f√ľr ‚ÄěAcquired immuno deficiency syndrome‚Äú ist. Ins Deutsche √ľbersetzt bedeutet das so viel wie das Syndrom der erworbenen Abwehrschw√§che. Mit der Zeit konnte man dann auch nachweisen, dass Aids durch das HI-Virus ausgel√∂st wird.

Vorurteile, die es zu entkräften gilt

Im Gegensatz zu den Vorurteilen sind bei Weitem nicht nur m√§nnliche Homosexuelle mit h√§ufig wechselnden Partnern und Drogens√ľchtige von der Erkrankung betroffen. Im Gegensatz dazu findet man in allen Gesellschaftsschichten Patienten, die das HI-Virus in sich tragen. Im deutschsprachen Raum sind wir derzeit aber in der gl√ľcklichen Lage, dass die Zahl der Neuinfektionen relativ gering ist. Ganz anders sieht es zum Beispiel in Afrika oder Indien aus.

Zahlen zu HIV und Aids

In den letzten Jahren haben HIV und Aids bei uns etwas an Bedeutung verloren. Die Zahl der Neuinfektionen hat sich stabilisiert, die Zahl der Betroffenen ist im Gegensatz zu anderen Ländern relativ gering. Trotzdem darf die Erkrankung nicht unterschätzt werden. Denn auch wenn die Therapie heute gut anschlägt, ist es eine Krankheit, die auf jeden Fall mit dem Tod endet. Zudem bringt die HIV-Infektion auch eine massive Einschränkung der Lebensqualität mit sich, auch wenn Aids noch nicht ausgebrochen ist.

Weltweit gesehen sind die Zahlen rund um Aids und HIV verheerend. Das Aids-Bekämpfungsprogramm der Vereinten Nationen UNAIDS hat Ende 2010 einige statistische Zahlen veröffentlicht, die die Lage rund um Aids mehr als deutlich darstellen: So gibt es weltweit etwa 33,3 Millionen Menschen, die mit HIV infiziert sind. Im Jahr 2009 starben 1,8 Millionen Menschen an Aids.

Afrika gehört zu den Hot-Spots

Eine der besonders von Aids betroffenen Regionen der Erde ist der S√ľden Afrikas. S√ľdlich der Sahara gibt es etwa 22,5 Millionen Menschen, die mit einer HIV-Infektion leben m√ľssen. Das bedeutet, dass ungef√§hr 5% aller Erwachsenen mit dem Virus infiziert sind.

Auch die Zahlen bei den Kindern sind verheerend. Vor allem S√§uglinge und Kleinkinder sind oft betroffen, da bei den √§rmlichen Lebenssituationen kaum verhindert werden kann, dass das Virus von der Mutter auf das Kind √ľbertragen wird.

Besonders erschreckend ist die Anzahl an Menschen, die in dieser Region jährlich an Aids sterben. Im Jahr 2009 waren dies 1,9 Millionen Menschen.

Aids in West- und Zentraleuropa

Die Zahlen f√ľr West- und Zentraleuropa sind wesentlich positiver als f√ľr S√ľdafrika. Trotzdem ist es erschreckend, wie viele Menschen von der Erkrankung betroffen sind. So sind etwa 0,2% aller Erwachsenen mit dem HI-Virus infiziert. In Zahlen ausgedr√ľckt sind dies 820.000 Menschen.

Die Zahl der Neuinfizierten ist relativ stabil und lag 2009 bei 31.000 Menschen, die sich neu mit dem HI-Virus angesteckt haben. Im selben Jahr sind auch 8.500 Menschen an Aids gestorben ‚Äď und das, obwohl die medizinische Versorgung hier als sehr gut bezeichnet werden kann.

Die Lage in Deutschland

Alleine in Deutschland gibt es etwa 70.000 HIV-Infizierte. Von diesen sind ein Großteil Männer. Schockierend ist, dass auch 200 Kinder unter 15 Jahren mit dem HI-Virus infiziert sind.

Im Jahr 2009 gab es insgesamt in etwa 550 Menschen, die an Aids gestorben sind. Die Zahl der Neuinfektionen ist ziemlich konstant und betraf im Jahr 2010 in etwa 3.000 Menschen. Von den Infizierten sind im selben Jahr 760 Menschen neu an Aids erkrankt, dem Endstadium der HIV-Infektion, die unweigerlich zum Tod f√ľhrt. Darunter befanden sich auch f√ľnf Kinder.

Ursachen

Wenn man erst einmal an Aids erkrankt ist, kann dieses nicht mehr geheilt werden. Es kann versucht werden, die Symptome so gut wie m√∂glich in den Griff zu bekommen und zu mildern, doch fr√ľher oder sp√§ter werden diese zum Tod f√ľhren. Zudem ist die Lebensqualit√§t ab dem Ausbruch von Aids drastisch reduziert.

Der Aids-Erkrankung geht eine Infektion mit dem HI-Virus voraus. Diese Infektion verläuft in mehreren Stadien, von denen Aids als Endstadium angesehen werden kann.

Das HI-Virus

Die Abk√ľrzung HIV steht f√ľr das Humane Immundefizienz Virus. Wenn dieses in den K√∂rper gelangt ist, sch√§digt und zerst√∂rt es die sogenannten CD4-Zellen. Das sind wei√üe Blutk√∂rperchen, die unbedingt notwendig sind, um eine Abwehrreaktion hervorzurufen. Die CD4-Zellen organisieren und koordinieren n√§mlich die Abwehr von Erregern, die in den K√∂rper eingedrungen sind.

Je mehr CD4-Zellen zerst√∂rt worden sind, desto weniger ist der K√∂rper dazu in der Lage, sich gegen Bakterien, Viren oder Pilze zu wehren. Es sind zwar noch gen√ľgend Fresszellen und andere Abwehrzellen vorhanden, diese k√∂nnen ihre Aufgaben aber nicht mehr erf√ľllen, weil die Abwehrreaktion nicht mehr koordiniert wird.

Dies f√ľhrt dazu, dass auch ungef√§hrliche Erreger hartn√§ckige Infektionen ausl√∂sen. Diese werden dann als opportunistische Infektionen bezeichnet, da sie bei Menschen mit gesundem Abwehrsystem nicht vorkommen. Zudem wird auch das Auftreten von bestimmten Karzinomen beg√ľnstigt, bei denen Viren und Bakterien eine Rolle spielen.

Die Vermehrung des HI-Virus

Der HI-Virus ist eigentlich nicht daran interessiert, das Immunsystem des infizierten Menschen zu kompromittieren. Ihm geht es nur darum, selbst zu √ľberleben. Daf√ľr braucht er unbedingt die CD4-Zellen. Wenn er diese befallen hat, dringt er in die Zelle ein und vermehrt sich dort. Nach der Vermehrung werden die neuen Viren aus der Zelle geschleust und die Zelle zerst√∂rt.

Die neuen Viren befallen dann die Zellen der Nachbarschaft und vermehren sich dort weiter. So k√∂nnen im K√∂rper jeden Tag √ľber zehn Milliarden neuer Viren gebildet und freigesetzt werden. Um dagegen anzuk√§mpfen, bildet der K√∂rper t√§glich ungef√§hr zwei Milliarden neuer CD4-Zellen. Da die Viren jedoch in der gro√üen √úberzahl sind, geht die Zahl der CD4-Zellen kontinuierlich nach unten, es entsteht eine massive Immunschw√§che und eindringende Erreger k√∂nnen nicht mehr bek√§mpft werden.

Die √úbertragung des HI-Virus

Nur wenn man die √úbertragungswege kennt, kann man sich vor dem HI-Virus sch√ľtzen. Deswegen ist es sinnvoll, wenn man sich damit besch√§ftigt, welche Kontakte potenziell gef√§hrlich sind und welche ohne Bedenken gestattet werden k√∂nnen.

Sexueller Kontakt

Das HI-Virus kann sowohl durch vaginalen als auch durch analen oder oralen Geschlechtsverkehr √ľbertragen werden. Das Virus ist sowohl im Sperma als auch im Vaginalsekret enthalten und kann √ľber kleine Verletzungen, die nahezu bei jedem Sexualverkehr entstehen, in den Organismus des Sexualpartners gelangen. Durch bestehende Geschlechtskrankheiten wird die √úbertragung vereinfacht, weswegen dann besondere Vorsicht an den Tag gelegt werden muss.

In den Industriel√§ndern ist der sexuelle Kontakt bei Weitem der h√§ufigste √úbertragungsweg. Dabei spielt sowohl homosexueller als auch heterosexueller Kontakt eine Rolle. Beim heterosexuellen Verkehr infizieren sich vor allem Frauen, w√§hrend f√ľr den Mann die Gefahr der Ansteckung relativ gering ist.

Infiziertes Blut

Vor einigen Jahren gab es mehrere Berichte dar√ľber, dass das HI-Virus √ľber Blutprodukte und Organspenden √ľbertragen worden ist. Dies ist mit Sicherheit immer wieder der Fall gewesen, weil die Testmethoden f√ľr das HI-Virus noch nicht ausgereift waren. Heute k√∂nnen einfache Tests, die standardm√§√üig durchgef√ľhrt werden, eine Verseuchung von Blut und Organen verhindern.

Der Weg √ľber das Blut spielt vor allem bei Drogens√ľchtigen eine gro√üe Rolle. Oft werden Spritzen und Nadeln gleich von mehreren S√ľchtigen verwendet. Und schon die kleine Menge an Blut, die sich in einer Nadel befindet, reicht aus, um eine Infektion auszul√∂sen.

Besonders vorsichtig muss das medizinische Personal an den Tag legen, welches immer wieder mit Blut in Kontakt kommt. Nicht nur Nadelstichverletzungen, sondern auch die Ber√ľhrung offener Wunden oder Blutspritzer sind potentielle √úbertragungswege. Durch strikte Vorsichtsma√ünahmen konnte die √úbertragung im medizinischen Alltag aber drastisch reduziert werden.

Vertikale Ansteckung von Mutter zu Kind

Die Gefahr, das HI-Virus an das eigene Kind weiterzugeben, ist vor allem während der Geburt hoch. Im Rahmen dieser kommt es oft zu kleinen Verletzungen, wodurch Blut von der Mutter in den kindlichen Organismus gelangt. Nach der Geburt spielt vor allem die Muttermilch eine große Rolle, in der das HI-Virus nachgewiesen werden kann.

Das Risiko f√ľr das Kind wird drastisch reduziert, wenn die Mutter w√§hrend der gesamten Schwangerschaft mit antiretrovirale Medikamenten behandelt wird. Das sind unterschiedliche Arzneimittel, die das Ziel haben, den Virus daran zu hindern, sich zu vermehren. Auch die Geburt per Kaiserschnitt reduziert das Risiko der Ansteckung. Nach der Geburt sollte logischerweise auf das Stillen verzichtet werden.

Keine Übertragung durch alltägliche Kontakte

Durch gew√∂hnliche allt√§gliche Kontakte ist die √úbertragung des HI-Virus nicht m√∂glich. So kann man ohne Bedenken Infizierten Menschen die Hand geben und anderen engen K√∂rperkontakt durchf√ľhren. Auch √ľber den Speichel eines Infizierten ist aufgrund der geringen Viruslast keine √úbertragung m√∂glich.

Auch Insekten sind als √úbertragungsweg nicht geeignet, selbst wenn diese Blut von einer infizierten Person aufnehmen und dann eine weitere Person stechen. Die √ľbertragenen Mengen an Blut sind einfach nicht ausreichend, um gen√ľgend Viren in den Organismus einzuschleusen.

Symptome

Die Symptome einer HIV-Infektion sind nicht direkt auf das Virus zur√ľckzuf√ľhren. Dieses macht √ľberhaupt keine Beschwerden. Doch es zerst√∂rt das Immunsystem zunehmend, wodurch keine Abwehr gegen Erreger mehr m√∂glich ist. Deswegen treten vermehrt Infektionen auf, die sich ungebremst im K√∂rper ausbreiten.

CDC-Stadieneinteilung

Das Center of Disease Control hat die HIV-Infektion in drei klinische Kategorien (Kategorie A bis C) und drei CD4-Zellzahl-Bereiche eingeteilt. Durch Kombination der Kategorien A, B und C mit den drei CD4-Zellzahl-Bereichen entstehen neun Unterbereiche.

Die genaue Einteilung anhand des CDC-Schemas hilft dabei, den richtigen Zeitpunkt f√ľr eine Therapie zu ermitteln. Denn nicht immer muss sofort mit einer aggressiven Therapie begonnen werden, um die Infektion in Schach zu halten. Oft ist es sinnvoller, wenn der nat√ľrliche Verlauf der HIV-Infektion vorerst engmaschig kontrolliert und beobachtet wird.

CDC Kategorie A

Die Kategorie A enthält sowohl die akute symptomatische HIV-Infektion, die kurz nach der Ansteckung auftritt, als auch das asymptomatische Stadium der HIV-Infektion.

Die akute symptomatische HIV-Infektion tritt ungefähr bei der Hälfte der Neuinfizierten auf. In einem Zeitraum von einer Woche bis sechs Wochen nach der Ansteckung entwickeln die Betroffenen grippeähnliche Symptome, wie Fieber, Kopfschmerzen, Halsschmerzen, geschwollene Lymphknoten und ein diskreter Hautausschlag am Körperstamm.

Die asymptomatische HIV-Infektion wurde fr√ľher als Latenzphase bezeichnet. Es handelt sich um eine Phase ohne Beschwerden, die je nach Schwere der Infektion und Gesundheitszustand des Infizierten einige Monate oder viele Jahre andauern kann. Auch wenn man nichts bemerkt, vermehrt sich das Virus in dieser Zeit immer weiter und zerst√∂rt immer mehr CD4-Zellen, deren Abnahme √ľber Tests nachgewiesen werden kann.

CDC Kategorie B

In der Kategorie B treten langsam die ersten Symptome auf, die auf eine HIV-Infektion hinweisen. Die durch das geschwächte Immunsystem verursachten Infektionen werden als opportunistische Infektionen bezeichnet.

Zu diesen Symptomen zählen unter anderem folgende Erkrankungen und Symptome:

  • dauerhafte Erh√∂hung der K√∂rpertemperatur
  • chronische Durchf√§lle
  • wiederkehrende oder therapieresistente Pilzinfektionen
  • Neigung zu Karzinomen
  • wei√üe, wegwischbare Bel√§ge auf der seitlichen Zunge
  • ausgedehnter oder wiederkehrender Befall mit Zoster
  • Herpes-Infektionen
  • Erkrankungen des Nervensystems (periphere Neuropathien)

CDC Kategorie C

In diesem Stadium bricht die Krankheit Aids als Endstadium der HIV-Infektion aus. Dazu m√ľssen die sogenannten Aids-definierenden Symptome auftreten, die darauf hinweisen, dass das Immunsystem schwer gesch√§digt worden ist.

Zu diesen zählen unter anderem:

  • Pilzinfektionen in der Speiser√∂hre, der Luftr√∂hre, den Bronchien und den Lungen
  • HIV-assoziierte Entz√ľndungen des Gehirns
  • chronische Herpes-Infektion
  • Kaposi-Sarkom
  • Bildung von Lymphomen
  • Tuberkulose
  • wiederholte Lungenentz√ľndungen
  • wiederholte und schwere Salmonellen-Infektionen
  • Toxoplasmose des Gehirns
  • Wasting-Syndrom: ungewollter starker Gewichtsverlust mit anhaltenden Durchf√§llen und Abgeschlagenheit
  • invasive Geb√§rmutterhalskarzinome
  • generalisierte Infektionen mit dem Zytomegalievirus

Diagnose

Bevor eine Therapie gestartet werden kann, muss eine zuverl√§ssige und ausf√ľhrliche Diagnose vorliegen. Nur wenn der Fortschritt der Infektion festgestellt worden ist, kann die richtige Therapie ausgew√§hlt werden.

Anamnese

Wie bei jeder anderen Erkrankung auch, ist die Anamnese ein Hauptbestandteil der Diagnose. Bei dem Verdacht auf eine HIV-Infektion wird man vor allem zu folgenden Themengebieten Fragen gestellt bekommen:

  • Reiseanamnese: Gab es Reisen nach USA, Asien oder Afrika?
  • Vorerkrankungen: Gibt es derzeit Infektionen? Welche Infektionskrankheiten sind bereits durchgemacht worden? Gibt es sonstige Grunderkrankungen?
  • Sexualanamnese: Welche Kontakte gab es mit wie vielen und welchen Partnern? Sind bereits Geschlechtskrankheiten aufgetreten?
  • Risikoanamnese: Wurden Drogen konsumiert oder gab es Kontakt mit fremdem Blut?

Klinische Untersuchung

In der klinischen Untersuchung wird untersucht, ob irgendwelche Hinweise auf eine HIV-Infektion vorliegen. Zudem muss der physikalische Status inklusive einer neurologischen Grunduntersuchung gemacht werden, um den Gesundheitszustand zu ermitteln. Dieser hat eine Auswirkung auf die Therapie und die Prognose.

Laboruntersuchungen

Die HIV-Infektion kann √ľber verschiedene Verfahren im Labor nachgewiesen werden. Die einfachste und g√ľnstigste Methode ist ein sogenannter ELISA-Test (enzyme-linked immunosorbent assay). Ist der ELISA-Test positiv, wird ein weiterer HIV-Antik√∂rper-Test gemacht, um die Diagnose zu best√§tigen. Ist auch dieser Test positiv wird ein dritter Test, der sogenannte Western Blot-Test durchgef√ľhrt. Erst wenn alle drei Tests positiv ausgefallen sind, wird die Diagnose ‚ÄěHIV positiv‚Äú gestellt. Damit sollte verhindert werden, dass ein falsch positives Ergebnis weitergegeben wird.

Rechtliches beim HIV-Test

Im Gegensatz zu den anderen Laboruntersuchungen ist der HIV-Test nur zulässig, wenn man selbst eingewilligt hat. Das Ergebnis des Testes unterliegt dann selbstverständlich der ärztlichen Schweigepflicht, die nur gebrochen werden darf, wenn ein rechtfertigender Notstand gegeben ist. Zudem kann einem nach der Diagnose HIV positiv keine Therapie aufgezwungen werden.

Das Ergebnis beim HIV-Test

Wenn der HIV-Test positiv ist, dann bedeutet dies, dass im Blut HI-Viren vorhanden sind. Dies bedeutet aber noch nicht, dass man an Aids leidet. Jedoch ist jederzeit eine Weitergabe an eine andere Person m√∂glich, da sich die Viren im ganzen Organismus ausbreiten. Eine Prognose √ľber den Krankheitsverlauf ist bei einem positiven Testergebnis nicht m√∂glich. Dazu m√ľssen zuerst die Viruslast und die CD4-Zellzahl bestimmt werden.

Wenn der HIV-Test negativ ist, kann trotzdem eine HIV-Infektion vorliegen. Die Viren brauchen nämlich mindestens drei bis zwölf Wochen, um sich so stark zu vermehren, dass sie von den Tests erfasst werden können. Ein negatives Ergebnis sagt also nur aus, dass man vor mindestens drei Monaten keine HI-Viren im Blut gehabt hat.

Wenn der HIV-Test positiv ist

Ein positives Testergebnis ist wohl f√ľr jeden schockierend, auch wenn man die M√∂glichkeit schon in Betracht gezogen hat. Es sagt sich leicht, ist aber kaum durchf√ľhrbar, aber man sollte versuchen, sich von der Diagnose nicht erschlagen zu lassen. Nehmen Sie sich Zeit, und stellen Sie dem Arzt alle Fragen, die Ihnen einfallen. Oft ist es leichter, wenn man dazu in einigen Tagen nochmals einen Termin wahrnimmt, um offene Fragen zu kl√§ren und das weitere Vorgehen zu besprechen.

Neben der Betreuung durch den Arzt gibt es auch eine ganze Reihe von Beratungsstellen und anderen Institutionen, die bei der Diagnose HIV-positiv weiter helfen k√∂nnen. Auch im Internet ist Hilfe in Form von Informationsseiten und Austauschplattformen verf√ľgbar.

Auch das eigene soziale Netzwerk sollte, wenn m√∂glich, unterst√ľtzend eingesetzt werden. Das Gespr√§ch mit dem Partner wird vielleicht schwer fallen, ist aber auf jeden Fall anzuraten. Zumal dieser sich ja auch testen lassen sollte, um eine Ansteckung auszuschlie√üen oder eine fr√ľhzeitige Therapie zu erm√∂glichen.

Therapie

In der Erforschung der HIV-Infektion hat es in den letzten Jahren rasante Fortschritte gegeben, die dazu f√ľhrten, dass aktuell viele neue Medikamente in den Markt eingef√ľhrt werden. Diese sind nicht nur wirkungsvoller, sondern vor allem nebenwirkungs√§rmer. Jedoch gibt es bislang noch kein Mittel, welches Aids heilen kann. Die antiretrovirale Therapie kann aber das Leben enorm verl√§ngern und vor allem die Lebensqualit√§t steigern.

Welche Mittel f√ľr die Therapie zur Anwendung kommen sollten, muss f√ľr jeden Fall individuell festgestellt werden. Dabei spielt nicht nur die Wirkungsweise eine Rolle, sondern vor allem auch wie die Medikamente eingenommen werden m√ľssen und welche Nebenwirkungen auftreten k√∂nnen.

Zwischen effektiver Wirkung und starker Nebenwirkung

Bei allen f√ľr die antiretrovirale Therapie eingesetzten Medikamenten handelt es sich um hochpotente Arzneimittel, die aber nicht nur eine starke Wirkung, sondern auch starke Nebenwirkungen erzeugen. Bei der Wahl des richtigen Medikamentes muss deswegen immer versucht werden, das richtige Verh√§ltnis von Wirkung und Nebenwirkung zu finden.

Dabei spielt auch der Fortschritt der Erkrankung eine große Rolle. Wenn die Infektion schnell voranschreitet oder schon Beschweren auftreten, ist eine aggressivere Behandlung indiziert, da die Nebenwirkungen im Vergleich zu den Symptomen der Infektion noch erträglich sind.

Ganz egal f√ľr welchen Medikamentencocktail man sich gemeinsam mit einem Experten entschieden hat, innerhalb von wenigen Wochen sollten bereits die ersten positiven Auswirkungen in den Laboruntersuchungen sichtbar werden. So sollte die Viruslast deutlich sinken und im Idealfall sollten sich auch die CD4-Zellen bald wieder erholen.

Wirkstoffgruppen zur Therapie der HIV-Infektion

Derzeit stehen insgesamt drei Wirkstoffgruppen zur Verf√ľgung, um die HIV-Infektion zu behandeln. Ziel der Therapie ist, dass die Viruslast so weit gesenkt wird, dass das Virus nicht mehr nachgewiesen werden kann. Dies verlangsamt nicht nur das Fortschreiten der Infektion, sondern sorgt auch daf√ľr, dass die Weitergabe der Infektion erschwert wird.

Die eingesetzten Wirkstoffgruppen im √úberblick:

  • Fusionshemmer: Der Virus kann nicht mehr in die Zelle eindringen und sich daher nicht mehr vermehren.
  • Reverse-Transkriptase-Hemmer: Viren, die sich in der Zelle befinden k√∂nnen sich nicht mehr vermehren.
  • Protease-Inhibitoren: In der Zelle neu gebildete Viren k√∂nnen nicht mehr freigesetzt werden und Nachbarzellen infizieren.

Bei allen drei Wirkstoffgruppen muss ber√ľcksichtigt werden, dass nie alle Zellen gesch√ľtzt werden k√∂nnen. So kann nie ganz verhindert werden, dass sich der Virus immer weiter vermehrt.

Indikation f√ľr die antiretrovirale Therapie

Die Herausforderung ist, den richtigen Zeitpunkt f√ľr den Beginn der Therapie zu finden. Es gibt sowohl Stimmen, die f√ľr einen m√∂glichst fr√ľhzeitigen Beginn sprechen, als auch Experten, die meinen man sollte die Therapie erst so sp√§t wie m√∂glich starten. Einen wichtigen Hinweis auf den richtigen Zeitpunkt f√ľr den Start der Therapie geben die CD4-Zellzahl und die Viruslast.

Neben der antiretroviralen Therapie m√ľssen nat√ľrlich auch alle auftretenden Symptome, die auf die HIV-Infektion zur√ľckzuf√ľhren sind, effektiv behandelt werden. Zudem m√ľssen Ma√ünahmen ergriffen werden, um weitere Infektionen zu unterbinden.

Unterst√ľtzende Ma√ünahmen bei einer HIV-Infektion

Auch wenn die medikamentöse Therapie die Basis der Aids-Therapie darstellt, sollte man selbst aktiv werden um das Fortschreiten der Infektion zu verhindern.

Dies beginnt mit der Suche nach einem sympathischen Aids-Spezialisten. Nur dann ist gew√§hrleistet, dass auch eine langj√§hrige gute Zusammenarbeit m√∂glich wird. Die Anweisungen die man vom Spezialisten bekommt, sollten auch unbedingt bis ins letzte Detail befolgt werden. Die antiretrovirale Therapie ist im Alltag sehr belastend, da viele Medikamente mit starken Nebenwirkungen zu genau bestimmten Zeiten eingenommen werden m√ľssen. Weder Zeitpunkt der Einnahme noch die Dosierung d√ľrfen selbstst√§ndig ver√§ndert werden.

Um weitere Infektionen vorzubeugen, sollte man sich nicht nur gegen mögliche Erreger impfen lassen, sondern auch den Kontakt mit Erregern minimieren. Dazu gehört, dass man rohe Speisen (Fisch, Fleisch, Eier) und nicht pasteurisierte Milchprodukte meidet, sondern dass man auch im Umgang mit Haustieren sehr vorsichtig ist. Ein häufiges Händewaschen kann zudem die Infektionsrate drastisch senken.

Ein gesunder Lebensstil kann das Immunsystem stärken und damit auch Infektionen vorbeugen. Dazu gehört eine ausreichende und ausgewogene Ernährung, angemessene körperliche Betätigung und der Verzicht auf Drogen und Nikotin. Des Weiteren sind ausreichend Schlaf und Phasen der Entspannung notwendig, in der sich der Körper erholen kann. Sport kann nicht nur das Immunsystem stärken, sondern vor allem auch Depressionen abschwächen, die im Rahmen von HIV-Infektionen häufig auftreten.

Beim intimen Kontakt dem Lebenspartner ist nat√ľrlich besondere Vorsicht geboten. Es sollte immer ein Kondom verwendet werden, um eine Ansteckung zu vermindern. Wenn dieses einmal gerissen ist, sollte man sofort mit einer prophylaktischen Chemotherapie starten. Diese wirkt am besten, wenn man sie innerhalb von zwei Stunden nach der m√∂glichen Ansteckung startet. Sprechen Sie deswegen am besten schon vorab mit Ihrem Arzt dar√ľber.

Prognose

Die gro√üartigen Fortschritte in der antiretroviralen Therapie f√ľhren zu einer hohen Lebensqualit√§t und einer sehr ausgedehnten beschwerdefreien Latenzphase. Dies trifft nat√ľrlich nur zu, wenn die Therapie auch trotz starken Nebenwirkungen der Medikamente regelm√§√üig und sorgf√§ltig durchgef√ľhrt wird.

Da die Therapie aber sehr teuer und aufwendig ist, kommen nur Menschen in industrialisierten Gegenden in den Genuss dieser hochwirksamen Behandlung. √Ąrmere Gegenden dieser Welt m√ľssen immer noch damit leben, dass HIV eine Infektion ist, die unweigerlich zu einem schmerzhaften und langwierigen Tod f√ľhrt.

Vorbeugen

Die Forschung arbeitet eifrigst daran, eine Impfung zu entwickeln, die die Infektion mit dem HI-Virus verhindert. Doch bisher konnten noch keine wirksamen Pr√§parate entwickelt werden. Es ist noch nicht abzusehen, wann eine Impfung gegen HIV in den Markt eingef√ľhrt werden wird.

Durch diverse Infektionskampagnen konnte die Zahl der Neuinfektionen seit der Entdeckung der Erkrankung drastisch reduziert werden. In letzter Zeit zeigt sich aber immer √∂fter, dass die junge Generation sich der Gefahr Aids nicht mehr so bewusst ist und sich nicht angemessen vor einer Infektion sch√ľtzt.

Maßnahmen zum Eigenschutz

Selbst kann man sich am besten sch√ľtzen, indem man Safer Sex praktiziert. Das hei√üt, dass man sowohl beim Vaginal- als auch beim Analverkehr immer Kondome verwendet. Beim Oralverkehr sollte man darauf achten, dass kein Sperma oder Blut (zum Beispiel Menstruationsblut) in die Mundh√∂hle oder Augen ger√§t.

Das Zusammenleben mit einer infizierten Person und enger k√∂rperlicher Kontakt k√∂nnen nicht zu einer Ansteckung f√ľhren. Man kann also gefahrenlos gemeinsame Handt√ľcher verwenden, sich umarmen und k√ľssen.

Redaktionelle Grundsätze

Alle f√ľr den Inhalt herangezogenen Informationen stammen von gepr√ľften Quellen (anerkannte Institutionen, Fachleute, Studien renommierter Universit√§ten). Dabei legen wir gro√üen Wert auf die Qualifikation der Autoren und den wissenschaftlichen Hintergrund der Informationen. Somit stellen wir sicher, dass unsere Recherchen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren.
Danilo Glisic

Danilo Glisic
Autor

Als Biologie- und Mathematikstudent verfasst er leidenschaftlich Magazinartikel zu aktuellen medizinischen Themen. Aufgrund seiner Affinität zu Zahlen, Daten und Fakten, liegt sein Fokus dabei auf der Beschreibung von relevanten klinischen Studienergebnissen.

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