Akutes Nierenversagen (Akute Niereninsuffizienz)

Akutes Nierenversagen (Akute Niereninsuffizienz)
Internationale Klassifikation (ICD) N17.-

Grundlagen

Die Nieren geh├Âren wohl zu den Organen, an die wir am wenigsten denken. Wir nehmen allerlei Nahrung und Giftstoffe zu uns, und denken ├╝berhaupt nicht daran, dass unsere Nieren einen Gro├čteil der potentiell sch├Ądlichen Substanzen wieder ausscheiden m├╝ssen. Nebenbei regulieren die Nieren auch den Wasser- und Elektrolythaushalt und halten den Blutdruck stabil.

Erst bei einem akuten Nierenversagen oder bei einer chronischen Niereninsuffizienz f├Ąllt einem selbst auf, wie wichtig diese kleinen Organe sind. Bei der akuten Niereninsuffizient versagen die Nieren innerhalb weniger Stunden oder Tage komplett. Die gute Nachricht dabei ist, dass dies meist so gut behandelt werden kann, dass die Niere danach wieder einwandfrei funktioniert.

Ursachen

Die Ursachen der akuten Niereninsuffizienz k├Ânnen prinzipiell in drei Gruppen geteilt werden. Dazu geh├Âren die pr├Ąrenalen Ursachen, die au├čerhalb der Niere bestehen und sich auf deren Durchblutung auswirken, die renalen Ursachen, die direkt auf Erkrankungen der Niere zur├╝ckzuf├╝hren sind und die postrenalen Ursachen, die auf St├Ârungen im Abflusssystem aus der Niere beruhen.

Pr├Ąrenale Ursachen

Wenn die Niere nicht gut durchblutet ist, kann sie nat├╝rlich auch nicht funktionieren. So kann ein hoher Fl├╝ssigkeitsverlust durch Blutungen, Erbrechen, Durchfall oder gro├čfl├Ąchige Verbrennungen zu einer schlechten Nierendurchblutung und damit zum akuten Nierenversagen f├╝hren.

Aber auch ein zu niedriger Blutdruck, der Verschluss von Nierengef├Ą├čen oder bestimmte Medikamente, die auf die Wandspannung in den Nierengef├Ą├čen wirken, k├Ânnen eine akute Niereninsuffizienz ausl├Âsen.

Renale Ursachen

Hier kommt vor allem eine Entz├╝ndung der Niere in Frage, welche die Funktionsf├Ąhigkeit des Organs herabsetzt. Aber auch Medikamente oder Giftstoffe k├Ânnen die Niere zerst├Âren, vor allem wenn sie in zu gro├čen Mengen aufgenommen werden.

Bei Kindern liegt hinter der akuten Niereninsuffizienz meist das Gasser-Syndrom (h├Ąmolytisch-ur├Ąmisches Syndrom). Hierbei kommt es nach einer Infektion zur Bildung von kleinen Blutpfropfen, die dann die Nierengef├Ą├če verstopfen und damit deren Funktion beeintr├Ąchtigen.

Postrenale Ursachen

Im Bereich der ableitenden Harnwege spielen vor allem Steine, Tumoren oder die Prostatavergr├Â├čerung eine gro├če Rolle. All diese Ursachen engen den Harnleiter ein, wodurch der Urin in die Niere zur├╝ck gestaut wird.

Symptome

Bei der akuten Niereninsuffizienz h├Ąngt die Symptomatik sehr stark von der ausl├Âsenden Ursache ab. Mit geeigneten Testverfahren k├Ânnen jedoch trotzdem gewisse Parameter erhoben werden, die auf ein Nierenversagen hinweisen.

Symptome der Fr├╝hphase

In der so genannten Fr├╝hphase kommt es vor allem zu einer Verminderung der Urinausscheidung oder zu einer fehlenden Urinausscheidung. Da kein gesunder Mensch ein Protokoll ├╝ber den eigenen Toilettengang f├╝hrt, bleibt dies aber lange unentdeckt.

Offensichtlicher k├Ânnen hierbei die typischen ├ťberw├Ąsserungszeichen sein. Dazu geh├Âren zum Beispiel Wassereinlagerungen in Arme und Beine, in die Lunge oder in das Gehirn. Diese sind in vielen F├Ąllen sehr leicht zu diagnostizieren.

In dieser Phase werden auch die so genannten Ur├Ąmiesymptome der chronischen Niereninsuffizienz in mehr oder weniger starkem Umfang ausgebildet.

├ťbersicht ├╝ber die Ur├Ąmiesymptome

  • Allgemein: Schw├Ąche, Wassereinlagerungen, Uringeruch
  • Herz/Kreislaufsystem: Bluthochdruck, Herzrhythmusst├Ârungen
  • Lunge: Wassereinlagerung, Lungenentz├╝ndung, Rippfellentz├╝ndung
  • Blut: Blutarmut, Gerinnungsst├Ârung
  • Knochen: Knochenschmerzen, Neigung zu Knochenbr├╝chen
  • Verdauungstrakt: Magen-Darm-Grippe
  • Gehirn: Konzentrationsschw├Ąche, Bewusstseinsst├Ârung, Schmerzen
  • Hormonsystem: Potenzst├Ârung, Zyklusst├Ârung, Libidoverlust

Symptome in der Sp├Ątphase

In der Sp├Ątphase kommt es durch das vollkommene Versagen der Filterfunktion der Niere manchmal zu einer ├╝berm├Ą├čigen Harnausscheidung. Anstatt dass die gefilterte Fl├╝ssigkeit wieder in den K├Ârper zur├╝ckgef├╝hrt wird, scheidet die Niere einfach alles aus. Dies f├╝hrt nat├╝rlich innerhalb k├╝rzester Zeit zu erheblichen St├Ârungen im Wasser- und Elektrolythaushalt, was auch t├Âdlich enden kann.

Diagnose

Zur Diagnose der akuten Niereninsuffizienz muss vor allem die Grunderkrankung richtig diagnostiziert werden. Dass es wirklich zu einer Sch├Ądigung der Niere gekommen ist, wird meistens nur herausgefunden, wenn explizit danach gesucht wird.

Genaue Bilanzierung von Ein- und Ausfuhr

Wenn eine m├Âgliche Nierensch├Ądigung vorliegt, muss sowohl die Fl├╝ssigkeitsaufnahme, so wie die Fl├╝ssigkeitsabnahme und das K├Ârpergewicht genauestens aufgeschrieben und ├╝berpr├╝ft werden. So kann am effektivsten festgestellt werden, ob die Nieren noch funktionieren.

Blutuntersuchung ergeben weitere Hinweise

Weitere Hinweise kann man von der Blutuntersuchung gewinnen, bei der vor allem Harnstoff und Elektrolyte gemessen werden. Bei einer St├Ârung der Nieren kommt es zu entsprechend erh├Âhten oder erniedrigten Werten.

Untersuchung des Urins

Naheliegend ist nat├╝rlich, dass auch das Produkt der Niere, der Urin, untersucht werden muss. Dabei wird zum Beispiel darauf geachtet, ob Zellen, die normalerweise nicht dort sein sollten, gefunden werden k├Ânnen. Dazu geh├Âren zum Beispiel bestimmte Eiwei├če oder auch wei├če Blutk├Ârperchen oder der Blutfarbstoff.

Zus├Ątzlich wird auch gemessen, inwieweit der Urin konzentriert werden konnte oder nicht. Stark verd├╝nnter Harn weist n├Ąmlich genau so auf eine Nierensch├Ądigung hin, wie zu stark konzentrierter Harn.

Weitere Untersuchungen

Die Niere kann auch direkt untersucht werden. So kann ├╝ber einen Ultraschall zum Beispiel festgestellt werden, ob die Nieren die richtige Gr├Â├če und Konsistenz haben. Ein so genannter Farb-Doppler kann zudem noch ├╝berpr├╝fen, ob die Niere gut durchblutet wird.

In einem R├Ântgenbild des Brustkorbs kann festgestellt werden, ob es bereits Wassereinlagerungen in die Lunge gibt.

Wenn man mit den anderen Untersuchungen nicht zweifelsfrei feststellen kann, wie es den Nieren geht, muss eine Nierenbiopsie gemacht werden. Dabei wird ├╝ber eine Nadel ein kleines St├╝ck der Niere entnommen, und in einem Labor untersucht.

Therapie

Bei der Therapie des akuten Nierenversagens steht die Behandlung der ausl├Âsenden Erkrankung im Vordergrund. Zudem sollten alle nierensch├Ądigenden Substanzen sofort abgesetzt werden. Denn bei einem schon bestehenden Nierenschaden sind auch die geringsten Mengen an Nierengiften nicht akzeptabel.

├ťberwachung der K├Ârperfunktionen

Neben der Bek├Ąmpfung der Grunderkrankung m├╝ssen vor allem die K├Ârperfunktionen st├Ąndig ├╝berwacht werden. Dazu geh├Ârt nicht nur eine genaue Kontrolle der zugef├╝hrten und der abgegebenen Fl├╝ssigkeitsmengen, sondern auch die t├Ągliche Urin- und Blutuntersuchung.

Diese geben dann auch genaue Informationen ├╝ber die Lage der Elektrolyte, die bei Bedarf sofort korrigiert werden muss. Zur Regulierung des Wasserhaushaltes k├Ânnen auch so genannte Diuretika gegeben werden, welche entw├Ąssernd wirken.

Dosisanpassung aller Medikamente

Viele Medikamente werden ├╝ber die Niere ausgeschieden. Wenn die Niere nicht mehr funktioniert oder nur im geringen Ma├če ihre Arbeit macht, dann muss nat├╝rlich auch die Dosis der gegebenen Medikamente verringert werden. Ansonsten h├Ątte man einen zu hohen Wirkstoffspiegel im Blut und die Niere w├╝rde unn├Âtig belastet werden.

Dialysetherapie

Diese wird bei der akuten Niereninsuffizienz oft sehr fr├╝hzeitig eingesetzt, weil sie meist nur vorr├╝bergehend erforderlich ist. Dabei wird die Funktion der Niere von einer Maschine ├╝bernommen, die das Blut sozusagen w├Ąscht. Sch├Ądliche Substanzen werden herausgefiltert und so die Fl├╝ssigkeits- und Elektrolytbilanz optimiert.

Prognose

Wenn das Nierenversagen im Rahmen eines so genannten Multiorganversagens auftritt, dann ist die Prognose sehr schlecht. Denn wenn dann auch noch die Nieren versagen, ist das ein eindeutiges Zeichen daf├╝r, dass der Organismus nicht mehr lange durchhalten kann. In diesem Fall liegt die Sterblichkeit bei etwa 50%.

Wenn die Grunderkrankung, die zu den Nierenproblemen gef├╝hrt hat, aber ad├Ąquat behandelt und geheilt werden kann, dann sind die Chancen gut, dass die Nieren wieder ihre normale Funktionalit├Ąt erreichen werden. Daf├╝r m├╝ssen diese nat├╝rlich auch entsprechend geschont und entlastet werden, um deren Erholung zu unterst├╝tzen.

Redaktionelle Grunds├Ątze

Alle f├╝r den Inhalt herangezogenen Informationen stammen von gepr├╝ften Quellen (anerkannte Institutionen, Fachleute, Studien renommierter Universit├Ąten). Dabei legen wir gro├čen Wert auf die Qualifikation der Autoren und den wissenschaftlichen Hintergrund der Informationen. Somit stellen wir sicher, dass unsere Recherchen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren.
Danilo Glisic

Danilo Glisic
Autor

Als Biologie- und Mathematikstudent verfasst er leidenschaftlich Magazinartikel zu aktuellen medizinischen Themen. Aufgrund seiner Affinit├Ąt zu Zahlen, Daten und Fakten, liegt sein Fokus dabei auf der Beschreibung von relevanten klinischen Studienergebnissen.

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