Gehörlosigkeit (Taubheit)

Gehörlosigkeit (Taubheit)
Internationale Klassifikation (ICD) H91.9

Grundlagen

Unter Gehörlosigkeit (lateinisch Surditas) versteht man eine starke Schwerhörigkeit oder komplette Taubheit. Beim Grad der Ausprägung wird zwischen der absoluten und der praktischen Taubheit unterschieden. Absolute Taubheit bedeutet, dass der/die Betroffene keinerlei Geräusche wahrnehmen kann. Bei der praktischen Taubheit ist das Hören von verschiedenen Tönen und Geräuschen möglich, jedoch in zu geringem Umfang, um gesprochene Sprache zu verstehen.

Dem Verlust des Hörvermögens muss nicht zwangsweise eine Schädigung des peripheren Hörorgans (zu dem Außen-, Mittel- und Innenohr zählen) zugrunde liegen. Die Ursache kann auch in einem Ausfall der Nervi cochleares (Hörnerven) oder der für das Hören zuständigen Areale im Gehirn sowie in bestimmten psychischen Störungen liegen.

Ursachen

Grundsätzlich können sämtliche Erkrankungen, die eine Schwerhörigkeit auslösen, im ungünstigsten Fall auch zu einer absoluten Gehörlosigkeit führen. Auch besteht die Möglichkeit einer angeborenen Gehörlosigkeit.

Mögliche Ursachen für eine angeborene Gehörlosigkeit wären:

  • genetisch bedingte Taubheit wie sie beispielsweise beim Down-Syndrom auftritt
  • Infektionskrankheiten wie zum Beispiel Röteln im Laufe der Schwangerschaft
  • Alkoholmissbrauch, Drogenkonsum oder die Einnahme bestimmter schädlicher Medikamente während einer Schwangerschaft
  • Sauerstoffmangel oder Hirnblutungen des Neugeborenen bei der Geburt

Durch folgende Krankheiten/Ursachen kann sich eine Gehörlosigkeit im Laufe des Lebens entwickeln (erworbene Taubheit):

  • Infektionen des Ohrs wie beispielsweise eine Grippe-Otitis (Ohrenentzündung während einer Grippe), Zoster oticus (Herpes Zoster-Infektion der Ohren), Borreliose, Meningitis (Hirnhautentzündung) oder Mumps
  • durch ein akutes akustisches Trauma hervorgerufene Taubheit
  • chronische Lärmschwerhörigkeit
  • bestimmte Medikamentenwirkstoffe wie zum Beispiel Aminoglykoside, Chinin, Etacrynsäure, Furosemid, Salizylsäure, Cisplatin können zum Verlust des Hörvermögens führen
  • Industrieschadstoffe wie Nitrobenzol, Kohlenmonoxid oder Anilin
  • Verletzungen des peripheren Hörorgans, beispielsweise bei einem Schädelbasisbruch
  • Tumore, die auf den Nervus cochlearis oder die Hörkerne im Gehirn drücken

Symptome

Schlechtes Hörvermögen, das nicht ausreicht, um Sprache zu verstehen oder dass generell keine Töne und Geräusche wahrgenommen werden können, stellt das Leitsymptom dar.

Diagnose

Die Diagnose einer Gehörlosigkeit wird durch spezielle Hörtests gestellt. Es gibt zahlreiche Störungen, von denen eine Gehörlosigkeit diagnostisch abgegrenzt werden muss:

  • aktives Weghören – die Betroffenen verhalten sich, als ob sie nichts hören würden
  • starke Schwerhörigkeit
  • Autismus
  • Verzögerungen in der Sprachentwicklung
  • geistige Behinderung
  • Vorliegen einer Schizophrenie, die mit Alogie (Spracharmut) und einer Abkapselung vor äußeren Eindrücken einhergeht
  • soziale Phobie und starke Angstsyndrome

Ob die Ursache einer Gehörlosigkeit in einer dieser Störungen liegt, kann durch spezielle Tests und Analysen von Sozial- und Sprachverhalten überprüft werden.

Therapie

Da sich das natürliche Hörvermögen normalerweise nicht wiederherstellen lässt, richtet sich die Behandlung danach, dass Betroffenen mit Hörgeräten geholfen wird oder dass sie alternative Kommunikationswege für die Verständigung mit anderen Menschen erlernen, um sich so im Alltag besser zurecht zu finden.

Dass gehörlose Kinder in ihrer Geistes- und Sprachentwicklung nicht gebremst werden, kann nur sichergestellt werden, indem die Gehörlosigkeit möglichst früh entdeckt und entsprechend behandelt wird.

Für eine Behandlung stehen folgende Möglichkeiten zur Verfügung:

  • Mithilfe von Hörgeräten kann das Hörverständnis wiederhergestellt werden, falls die Betroffenen noch ein eigenes restliches Hörvermögen besitzen.
  • Durch ein Cochlea-Implantat kann bei starker Schwerhörigkeit oder Gehörlosigkeit die Hörfunktion des Ohres ersetzt werden – dabei werden Schallwellen als elektronische Impulse auf das Mittelohr übertragen. Es bedarf jedoch eines langen Trainings, bis eine Zuordnung der elektronischen Reize auf Umgebungsgeräusche möglich ist.
  • Das Erlernen der Gebärden- sowie der Lautsprache.
  • Das Erlernen des Lippenablesens.
  • Die frühe Förderung von gehörlosen Kindern in speziellen Schulen mithilfe von gezieltem Hör- und Sprechtraining sowie Spracherziehung.

Prognose

Die Prognose ist stark abhängig vom Zeitpunkt der Therapie. Je früher eine Taubheit erkannt und behandelt wird, desto besser sind die Chancen sich im Alltag zurecht zu finden.

Vorbeugen

Außer der chronischen Lärmschwerhörigkeit, die durch starke Lärmbelastung über einen sehr langen Zeitraum ausgelöst wird, kann einer Gehörlosigkeit nur schwer vorgebeugt werden. Die zahlreichen, schwerwiegenden Auslösefaktoren (wie schwere Erkrankungen oder Unfälle) oder angeborene Taubheit lassen sich nicht verhindern.

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