Hormonell-erblicher Haarausfall (Alopecia androgenetica)

Hormonell-erblicher Haarausfall (Alopecia androgenetica)
Internationale Klassifikation (ICD) L64.-

Grundlagen

Bei hormonell-erblichem Haarausfall (fachsprachlich Alopecia androgenetica) handelt es sich um die häufigste Ursache von Haarausfall. Alopecia androgenetica ist in zirka 95 Prozent der Fälle für den Haarverlust verantwortlich. Dieser wird dadurch verursacht, dass genetisch bedingt eine Überempfindlichkeit der Haarwurzeln gegenüber Testosteron (männliches Sexualhormon) besteht, welche zu einem frühzeitigen Verlust der Kopfhaare führt.

Von Alopecia androgenetica sind in erster Linie Männer ab dem 20. bis 25. Lebensjahr betroffen. In manchen Fällen setzt der Haarverlust bereits früher ein. Etwa 50 Prozent aller Männer leiden im Laufe ihres Lebens unter hormonell-bedingtem Haarausfall.

Auch Frauen können von Alopecia androgenetica betroffen sein – aufgrund der geringeren körpereigenen Testosteronproduktion jedoch weitaus seltener als Männer. Vor Beginn der Menopause (Wechseljahre) leiden schätzungsweise zehn Prozent und im Lebensabschnitt nach der Menopause etwa 25 Prozent aller Frauen an hormonell-erblichem Haarausfall.

Ursachen

Entgegen der weit verbreiteten Meinung, dass hormonell-erblicher Haarverlust auf einer übermäßigen Bildung des männlichen Geschlechtshormons Testosteron beruht, liegt die Ursache in einer vererbten Überempfindlichkeit der Haarwurzeln gegenüber Androgenen (männlichen Hormonen). Die Ansicht, glatzköpfige Männer seien aufgrund hoher Testosteronspiegel besonders potent, weist sich somit als falsch heraus.

Besteht eine genetisch-bedingte Überempfindlichkeit gegenüber Androgenen (beispielsweise Testosteron), wird unter Androgen-Einfluss die Wachstumsphase der Haare immer kürzer. Zusätzlich schrumpfen die Haarfollikel zusehends. Dies führt dazu, dass mit der Zeit nur noch dünne und kaum sichtbare Vellushaare (Wollhaare) gebildet werden können. Die Vellushaare bleiben auf der Kopfhaut bestehen oder fallen komplett aus, ohne dass es zur Neubildung von Haaren kommt.

Für den genetisch-bedingten Haarausfall bei Frauen spielt die Menopause (Wechseljahre) eine große Rolle. Durch die Umstellung des Hormonhaushaltes während den Wechseljahren wird der Haarausfall begünstigt.

Symptome

Der Verlauf des Haarausfalls unterscheidet sich bei Männern und Frauen:

Männer

Bei jedem Mann mit hormonell-erblich bedingtem Haarausfall gibt es leichte Unterschiede beim Verlauf des Haarausfalls. Der Haarverlust kann sich auf klar abgegrenzte, kahle Stellen beschränken – bei anderen Betroffenen bleibt bis ins hohe Lebensalter ein Flaum von Wollhaaren (Vellushaaren) am Oberkopf bestehen.

Häufig beginnt der Haarausfall oberhalb der Schläfen, wodurch sich sogenannte Geheimratsecken bilden. Im weiteren Verlauf wird auch die Behaarung am Oberkopf lichter, bis nur noch ein hinterer oder seitlicher Haarkranz besteht, was als Stirnglatze bezeichnet wird. Bei manchen Betroffenen setzt ein kompletter Verlust der Haupthaare ein, was zu einer Vollglatze führt.

In vielen Fällen macht sich der hormonell-bedingte Haarausfall bei Männern zwischen dem 20. und 25. Lebensjahr bemerkbar – manchmal setzt der Haarverlust bereits früher ein.

Frauen

Bei Frauen verläuft der hormonell-bedingte Haarausfall anders als bei Männern. Häufig dünnt sich das Haar entlang des Scheitels aus, eine komplette Kahlheit tritt jedoch nur selten auf. Dies hat seinen Grund darin, dass im Gegensatz zu männlichen Betroffenen nicht sämtliche Haarfollikel des Kopfes von der Überempfindlichkeit gegenüber Androgenen betroffen sind, wodurch ein Teil der Behaarung erhalten bleibt.

Frauen können bereits vor der Menopause (Wechseljahre) an Alopecia androgenetica leiden – typischerweise macht sich der genetisch-bedingte Haarausfall jedoch erst nach den Wechseljahren bemerkbar.

Diagnose

Mittels einer körperlichen Untersuchung durch den Arzt kann festgestellt werden, ob ein Haarausfall vorliegt. Durch das charakteristische Bild der Haarausdünnung sowie Glatzenbildung kann Alopecia androgenetica (erblich-bedingter Haarausfall) eindeutig diagnostiziert werden.

Die Erstellung eines Trichogramms kann hilfreich sein, die exakte Art des Haarverlusts zu bestimmen. Dabei werden mittels einer Klemme zirka 20 bis 50 Haare epiliert (ausgezupft), welche anschließend unter dem Mikroskop untersucht werden. Durch die Beurteilung der Haarwurzeln können Rückschlüsse auf das Wachstumsverhalten der Kopfbehaarung gezogen werden, wodurch sich das Ausmaß des Haarausfalls abschätzen lässt.

Therapie

Es stehen verschieden Behandlungsansätze zur Behandlung der Alopecia androgenetica zur Verfügung:

Haartransplantation

Eine Möglichkeit, die Kopfbehaarung zu erhalten, ist die Haartransplantation. Dank der Tatsache, dass die Haarfollikel am Hinterkopf im Regelfall keine Überempfindlichkeit gegenüber Testosteron besitzen, können winzige Gewebestücke des Hinterkopfes auf die haarlosen Hautstellen verpflanzt werden. Auf diese Weise lässt sich wieder eine komplette Kopfbehaarung herstellen. Das Ergebnis sieht jedoch nicht so natürlich aus, wie es mittels einer erfolgreichen medikamentösen Therapie erreicht werden kann, bei der die ursprünglichen Haare am Ausfallen gehindert werden. Alternativ können Kunsthaare an den kahlen Kopfhautstellen eingesetzt werden.

Medikamentöse Therapie

Mithilfe von Medikamenten gegen Alopecia androgenetica lässt sich der Ist-Zustand der Kopfbehaarung erhalten oder sogar eine Verdichtung der Haare erreichen. Die Wirkung hält jedoch nur an, solange die entsprechenden Präparate eingenommen werden – sobald die Medikamente abgesetzt werden, kommt es in der Regel wieder zum Fortschreiten des Haarausfalls. Bei manchen Betroffenen zeigen die Präparate jedoch keine Wirkung.

Für ein gutes Behandlungsergebnis sollte mit der Therapie so früh als möglich begonnen werden. Zu Beginn werden häufig Haartinkturen angewendet, die örtlich auf die betroffenen Stellen aufgetragen werden, da auf diese Weise der Körper am wenigsten belastet wird. Nach etwa drei bis sechs Monaten tritt bei Behandlungserfolg eine Besserung des Haarverlusts auf. Falls die Kopfbehaarung auf die örtliche Behandlung nicht anspricht, kann auch eine Therapie mit Tabletten in Erwägung gezogen werden.

Der Großteil der erhältlichen Präparate gegen Haarausfall ist verschreibungspflichtig. Für Männer und Frauen liegen unterschiedliche Wirkstoff-Empfehlungen vor:

Medikamente für männliche Betroffene

Häufig wird der Wirkstoff Finasterid verabreicht, der die Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron (aktive Form des Testosterons) verhindert. Mithilfe von Finasterid lässt sich bei etwa 90 Prozent der Betroffenen ein Fortschreiten des hormonell-bedingten Haarausfalls verhindern, bei etwa 50 Prozent wird zusätzlich eine Verdichtung der Kopfbehaarung bewirkt.

Als mögliche Nebenwirkung kann Finasterid eine Beeinträchtigung der Libido (sexuellen Lust) und der Potenz verursachen. Auch wurden während der Anwendung geringe Mengen des Wirkstoffs in der Samenflüssigkeit nachgewiesen. Bei Finasterid-Anwendungen bei Frauen während der Schwangerschaft besteht das Risiko, dass es zu Missbildungen des Ungeborenen kommt.

Medikamente für weibliche Betroffene

Falls Frauen mit der Pille verhüten wollen, empfiehlt sich die Verwendung von Präparaten, in denen Östrogene und spezielle Gestagene kombiniert werden. Durch die anti-androgene Wirkung (Hemmung der Testosteronwirkung) der Gestagene kann der erblich-bedingte Haarverlust behandelt werden. Sehr gute Erfolge zeigen Kombinationen der Wirkstoffe Dienogest und Ethinylestradiol, Chlormadinon und Ethinylestradiol oder Mestranol. Sehr schwere Formen des Haarausfalls werden mit Cyproteron mit Ethinylestradiol behandelt.

Zur Behandlung von erblich-bedingtem Haarausfall nach den Wechseljahren können Dienogest, Chlormadinon oder Cyproteron als Einzelpräparate eingesetzt werden.

Medikamente für Frauen und Männer

Das Östrogen 17-Alpha-Estradiol ist rezeptfrei erhältlich und wird als Haartinktur angewendet. Ähnlich wie Finasterid verhindert 17-Alpha-Estradiol die Umwandlung von Testosteron in seine aktive Form. Das Mittel wird einmal täglich auf die Kopfhaut aufgetragen.

Der Wirkstoff Minoxidil wird ebenfalls in Form einer Haartinktur angewendet. Er fördert die Durchblutung der Haarfollikel und soll dadurch eine Anregung des Haarwachstums bewirken. Minoxidil wird zweimal täglich aufgetragen.

Prognose

Die Prognose von Alopecia androgenetica (hormonell-erblich bedingter Haarausfall) variiert stark von Person zu Person. Je nach individueller Veranlagung kann eine Behandlung erfolgreich verlaufen oder die Betroffenen sprechen wenig bis überhaupt nicht auf die Therapie an.

Frühestens sechs Monate nach Therapiebeginn lässt sich abschätzen, ob die Patienten auf die Behandlung ansprechen. Auch bei erfolgreicher Therapie setzt der Haarausfall erneut ein, sobald die entsprechenden Präparate abgesetzt werden.

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Danilo Glisic

Danilo Glisic
Autor

Als Biologie- und Mathematikstudent verfasst er leidenschaftlich Magazinartikel zu aktuellen medizinischen Themen. Aufgrund seiner Affinität zu Zahlen, Daten und Fakten, liegt sein Fokus dabei auf der Beschreibung von relevanten klinischen Studienergebnissen.

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