Lungenkrebs (Bronchialkarzinom)

Lungenkrebs (Bronchialkarzinom)
Internationale Klassifikation (ICD) C34.-

Grundlagen

Lungenkrebs bezeichnet eine Entartung des Gewebes in verschiedenen Bereichen der Lunge. Man unterscheidet verschiedene Arten, zu denen sowohl der Krebs des eigentlichen Lungengewebes, als auch seltene Krebserkrankungen wie etwa das Mesothelion (Krebs des Lungenfells) zÀhlen.

Man kann zwischen verschiedenen Arten von Bronchialkarzinom unterscheiden. Als besonders gefĂ€hrlich gilt das kleinzellige Lungenkarzinom, das extrem schnell wachsend ist und sich rasant im Körper ausbreitet. Zu den langsam wachsenden Lungenkarzinomen gehören die nicht-kleinzelligen Plattenepithelkarzinome, das Adenokarzinom und das großzellige Karzinom. Diese Karzinome haben insgesamt eine bessere Prognose.

Pro Jahr kommt es in etwa zu 52 Neuerkrankungen unter 100.000 Menschen in Europa. MĂ€nner sind dreimal hĂ€ufiger von der Erkrankung betroffen als Frauen. Allerdings geht aus der Statistik hervor, dass seit Anfang der 90er-Jahre die Zahl der Neuerkrankungen unter den Frauen um das dreifache angestiegen ist, wĂ€hrend die Anzahl der erkrankten MĂ€nner stetig zurĂŒckgeht.

Lungenkrebs kann in den seltensten FĂ€llen geheilt werden, weshalb er bei MĂ€nnern die hĂ€ufigste und bei Frauen die dritthĂ€ufigste krebsbedingte Todesursache darstellt. Die Todesstatistik verhĂ€lt sich bei Frauen und MĂ€nnern kontrovers: bei MĂ€nnern geht sie leicht zurĂŒck, wĂ€hrend sie bei Frauen zunimmt.

Krebs ist vor allem eine Erkrankung des fortgeschrittenen Alters. Die meisten Neuerkrankungen sind in der Altergruppe der 55 bis 60-JĂ€hrigen zu beobachten. Nur fĂŒnf Prozent der Erkrankten sind jĂŒnger als 40 Jahre.

Als Hauptursache fĂŒr Lungenkrebs gilt Rauchen. Man geht davon aus, dass etwa 85 Prozent der Patienten, die an Lungenkrebs sterben, Raucher sind. Laut neuesten Statistiken zeigt sich der Trend, dass immer mehr MĂ€nner auf das Rauchen verzichten, dafĂŒr aber immer mehr Frauen damit anfangen.

Der Auslöser fĂŒr das sehr selten vorkommende Mesotheliom ist Asbest. Laut SchĂ€tzungen haben rund 500.000 bis 1.000.000 Arbeitnehmer in Deutschland einen Arbeitsplatz, der durch Asbest gefĂ€hrdet ist. Diese Tumorart braucht rund 15 bis 50 Jahre um zu entstehen, weshalb mit einem Erkrankungsanstieg um das Jahr 2020 zu rechnen ist.

Ursachen

Der Grund fĂŒr Lungenkrebs ist das Rauchen. In einigen FĂ€llen können jedoch auch Schadstoffe am Arbeitsplatz oder erbliche Faktoren fĂŒr die Entstehung verantwortlich sein. Lungenkrebs entsteht meistens als Folge von Ă€ußeren EinflĂŒssen:

  • Rauchen: Etwa 85 Prozent der Personen, bei denen Lungenkrebs als Todesursache hervorgeht, sind Raucher. Das Risiko an Lungenkrebs zu erkranken steigt um das 30-Fache, wenn bereits im Jugendalter mit dem Rauchen begonnen wurde.
  • Passivrauchen: Durch Passivrauchen steigt das Risiko fĂŒr Lungenkrebs um den Faktor 1,3 bis 2,0. Steigt die Expositionsdauer, erhöht sich auch das Erkrankungsrisiko.
  • Eine hohe Schadstoffbelastung der Luft kann ebenfalls zu einer leichten Erhöhung des Risikos fĂŒhren (etwa um das 1,5-Fache). Der entscheidende Faktor scheint jedoch der Dieselruß zu sein. Besonders bei Rauchern erhöht er das Risiko. DarĂŒber hinaus kann es in GebĂ€uden mit hoher Radonbelastung zu einer erhöhten Konzentration dieses radioaktiven Gases kommen. Folglich steigt auch das Lungenkrebsrisiko.
  • FamiliĂ€re Belastung: Leidet ein Elternteil an einem Bronchialkarzinom, besteht fĂŒr die Person ein zwei- bis dreifach höheres Erkrankungsrisiko.
  • Stoffe wie Asbest, Quarzstaub, sowie Arsenverbindungen stellen ein Risiko fĂŒr Bronchialkarzinom und Mesotheliom dar.
  • Durch Lungennarben, etwa infolge einer Tuberkuloseerkrankung oder einer Lungenoperation, steigt ebenfalls das Lungenkrebsrisiko.

Symptome

Am Anfang der Erkrankung sind kaum Symptome zu bemerken. Als erstes Anzeichen kann sich beispielsweise Husten bemerkbar machen, der jedoch auch auf andere Erkrankungen, wie etwa eine chronische Bronchitis hindeuten kann.

Auf Lungenkrebs lĂ€sst sich in manchen FĂ€llen erst schließen, wenn trotz einer Antibiotikabehandlung keine Besserung des Hustens eintritt, oder Blutbeimengungen im Auswurf entdeckt werden. Dies ist jedoch bereits ein Symptom der Erkrankung im fortgeschrittenen Stadium. Nur ein vernachlĂ€ssigbar geringer Anteil der LungenkrebsfĂ€lle wird durch eine Routineuntersuchung der Lunge diagnostiziert.

Weitere typische Beschwerden, die sich bei Lungenkrebs Ă€ußern sind:

  • Appetitlosigkeit, MĂŒdigkeit, Gewichtsverlust, Atemnot, oder dauernd leicht erhöhte Körpertemperatur
  • LungenentzĂŒndungen, die keine Besserung nach erfolgter Behandlung zeigen (werden auch als therapieresistente LungenentzĂŒndungen bezeichnet). Bei Personen ĂŒber 40 Jahren können sie ein Anzeichen fĂŒr Lungenkrebs sein.
  • LĂ€hmungen, sowie starke Schmerzen und ein allgemeiner KrĂ€fteverlust.
  • LĂ€nger andauernde Hustenattacken, die ĂŒber einen Zeitraum von mehr als drei Wochen andauern. Dieses Symptom tritt meistens bei Rauchern auf, bei denen Lungenmedikamente oft eine schlechtere Wirkung zeigen.
  • In manchen FĂ€llen können sich auch fĂŒr Lungenkrebs untypische Symptome zeigen. Zu denen zĂ€hlen zum Beispiel Gehirn- oder RĂŒckenmarksverletzungen, sowie Störungen des Hormonhaushalts (wie etwa das Cushing- Syndrom). Diese Merkmale sind auf eine hormonale AktivitĂ€t des Tumors zurĂŒckzufĂŒhren (paraneoplastische Syndrome).

Diagnose

Besteht der Verdacht, dass der Patient an Lungenkrebs erkrankt ist, wie zunĂ€chst eine Röntgenuntersuchung der Lunge durchgefĂŒhrt. Danach wird meistens noch eine Computertomografie (CT) gemacht und der Hustenauswurf (Sputum) auf Krebszellen hin untersucht.

Durch eine Untersuchung des Blutes können sogenannte Tumormarker detektiert werden. Sind bestimmte Marker erhöht kann dies auf ein Bronchialkarzinom hindeuten.

Geht aus diesen Untersuchungen ein positives Ergebnis hervor, wird außerdem noch eine Bronchoskopie (Lungenspiegelung, endoskopische Untersuchung der Bronchien) gemacht. Im Zuge dieser Untersuchung werden manchmal noch Gewebeproben (Biopsie) und Zellmaterial entnommen um sie zu analysieren. Dadurch kann eine gesicherte Diagnose erstellt werden. Ein Nachteil ist, dass sich nur Tumore, die nah am Bronchialsystem lokalisiert sind, mithilfe einer Bronchoskopie erkennen lassen.

Kann dennoch keine gesicherte Diagnose erstellt werden, ist es nötig in seltenen FĂ€llen eine Operation durchzufĂŒhren (diagnostische Thorakotomie). Mithilfe dieser Methode können Gewebeproben entnommen werden, die feingeweblich (histopathologisch) auf Krebszellen untersucht werden können.

Geht aus diesen Untersuchungen die eindeutige Diagnose auf Lungenkrebs hervor, mĂŒssen weitere Untersuchungen durchgefĂŒhrt werden, um eventuelle Metastasen zu finden. Zu diesen Untersuchungen zĂ€hlen:

  • Computertomografie (CT)
  • Magnetresonanztomografie (MRT)
  • Ultraschalluntersuchung (Sonografie)
  • Skelettszintigrafie (Knochenszintigrafie)
  • Positronen- Emissions- Tomografie (PET)
  • Mediastinoskopie (Untersuchung des Brustkorbes)

Therapie

Die Therapie von Lungenkrebs richtet sich nach der Krebsart (nicht-kleinzelliges oder kleinzelliges Bronchialkarzinom) und in welchem Stadium sich der Tumor bereits befindet. Liegt ein nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom vor, wird meistens mit einer Operation und nachfolgender Strahlentherapie, sowie Chemotherapie behandelt. Das kleinzellige Lungenkarzinom ist sehr schnell wachsend und bildet schon im FrĂŒhstadium Metastasen aus. Aus diesem Grund kann eine Operation nicht in allen FĂ€llen durchgefĂŒhrt werden. Oftmals wird daher in diesem Fall eine Kombination aus Chemotherapie und Strahlentherapie angewendet.

Operation:

In dem Fall, dass noch keine Metastasierung erfolgt hat, oder nur ein tumornaher Lymphknoten befallen ist, wird das Karzinom operiert. Das Krebsgeschwulst wird dabei mit einem Teil der gesunden Lunge entfernt. Durch die Entnahme des gesunden Gewebes wird sichergestellt, dass keine Krebszellen im Gewebe verbleiben. In einigen FĂ€llen folgt auf die Operation eine Chemotherapie.

Chemotherapie/Strahlentherapie:

Ist das Bronchialkarzinom bereits fortgeschritten, kommt entweder Strahlen- oder Chemotherapie zum Einsatz. In vielen FĂ€llen wird auch eine Kombination der beiden Methoden angewendet (multimodale Therapie). Gelegentlich kann es auch vorkommen, dass die Therapie vor der Operation beginnt. Die Chemotherapie kann in Form von Kapseln oder Tabletten, aber auch per Infusion oder Spritze erfolgen.

Therapie mit Antikörpern (Target-Therapie):

Antikörper können eine Blockierung der Weiterleitung von Wachstumsimpulsen ins Innere der Krebszelle bewirken. Einige Antikörper befinden sich noch in der Testphase, andere wiederum werden bereits bei Lungenkrebs eingesetzt. Zur Behandlung des nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinoms wird beispielsweise der Antikörper Erlotinib seit Ende 2005 in Deutschland eingesetzt, der eine Hemmung des Tumorzellenwachstums bewirkt.

Eine andere Gruppe von Antikörpern hemmt das Wachstum der BlutgefĂ€ĂŸe, die fĂŒr die Versorgung des Tumors zustĂ€ndig sind (Angiogenesehemmer). Ein Angiogenesehemmer ist zum Beispiel Bevacizumab, der seit 2007 EU-weit zur Therapie von Lungenkrebs angewendet wird.

Generell sind Mesotheliome operabel, jedoch hat sich der Tumor in den meisten FÀllen schon zu weit ausgedehnt, sodass eine Operation unmöglich ist.

Besteht nicht die Hoffnung auf eine Heilung des Krebses, steht in erster Linie die Linderung der Beschwerden im Vordergrund. Zu diesen zÀhlt vor allem die Atemnot, die durch das Einwachsen des Tumors in die Luftröhre entsteht.

Die Atemnot lÀsst sich verhindern, indem ein Metallröhrchen (Stent) in die Luftröhre geschoben wird, um diese offen zu halten. Eine weitere Möglichkeit ist, die Tumormasse durch Laser oder Bestrahlung von Innen zu verkleinern (endoluminale Brachytherapie).

In vielen FÀllen leiden Lungenkrebspatienten unter Schmerzen verursachenden Knochenmetastasen. Diese können mit speziellen Medikamenten (Biphosphate) oder starken Schmerzmitteln gelindert werden.

Prognose

Die Heilungschancen bei Lungenkrebs sind meistens nicht positiv und hĂ€ngen vom Stadium und der Art des Krebses ab. Die FĂŒnf-Jahres-Überlebensprognose liegt bei lediglich 15 Prozent. Allgemein lĂ€sst sich sagen, dass die Überlebenschancen bei einem kleinzelligen Karzinom signifikant niedriger sind als bei einem nicht- kleinzelligen Karzinom. Die Prognose gestaltet sich hingegen deutlich gĂŒnstiger, wenn der Krebs im FrĂŒhstadium erkannt wird.

In vielen FĂ€llen gelingt es den Ärzten jedoch dank moderner Therapieverfahren (meistens Chemotherapie und Bestrahlung) das Wachstum des Lungenkrebses zu verringern und somit eine deutliche LebensverlĂ€ngerung herbeizufĂŒhren.

Ist der Lungenkrebs operabel, besteht die Chance auf eine vollstĂ€ndige Genesung. Manchmal lĂ€sst sich der Tumor bereits durch eine relativ kleine Operation entfernen. Dies ist vor allem der Fall, wenn der Tumor weit außen in der Lunge sitzt (im Bereich des Brustkorbs). Der betroffene Lungenlappen wird dann entfernt.

Vorbeugen

Die wirksamste Methode um Lungenkrebs vorzubeugen ist mit dem Rauchen aufzuhören.

Je mehr Zigaretten konsumiert werden, desto höher ist auch das Risiko an Lungenkrebs zu erkranken: beim tĂ€glichen Konsum von einer bis 14 Zigaretten steigt das Risiko um das 8-fache, bei einem Konsum von 25 Zigaretten steigt das Risiko bereits schon auf das 25-fache. Ein Rauchstopp fĂŒhrt zu einer deutlichen Verringerung des Erkrankungsrisikos. Das Risiko geht innerhalb weniger Jahre hinunter, bleibt aber dennoch höher als bei Personen, die nie geraucht haben. Wer das Rauchen bereits mit 30 Jahren aufgibt, hat auf lĂ€ngere Sicht betrachtet lediglich ein leicht erhöhtes Risiko an Lungenkrebs zu erkranken.

Ein hoher Konsum von Obst und GemĂŒse kann sich positiv auf die Gesundheit von Rauchern auswirken und das Erkrankungsrisiko senken, jedoch nicht in dem Ausmaß, dass dadurch das Risiko fĂŒr das Rauchen wieder aufgehoben wird. Wichtig ist, die Vitamine und Spurenelemente in ihrer natĂŒrlichen Form aufzunehmen und nicht durch NahrungsergĂ€nzungsmittel. Laut Studie fĂŒhrt die Einnahme von hoch dosiertem Beta-Carotin in Form von Tabletten sogar eher zu einer gesundheitlichen Verschlechterung von Rauchern.

Falls am Arbeitsplatz die Gefahr von lungenkrebsverursachenden Stoffen (Asbest, QuarzstĂ€ube, radioaktive Strahlung) besteht, sollte das Arbeitsschutzgesetzt beachtet werden (Tragen von Atemschutzmasken, Handschuhen oder Ähnlichem).

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Danilo Glisic

Danilo Glisic
Autor

Als Biologie- und Mathematikstudent verfasst er leidenschaftlich Magazinartikel zu aktuellen medizinischen Themen. Aufgrund seiner AffinitÀt zu Zahlen, Daten und Fakten, liegt sein Fokus dabei auf der Beschreibung von relevanten klinischen Studienergebnissen.

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