Meningitis (allgemein)

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Internationale Klassifikation (ICD) G03.9

Grundlagen

Als eine Meningitis bezeichnet man eine Entzündung der Hirnhäute (Meningen). Unter der Hirnhaut versteht man eine Bindegewebsschicht, die das Gehirn umgibt. Als Auslöser für eine Hirnhautentzündung können Viren oder Bakterien in Frage kommen. Oft kann es auch vorkommen, dass es im Zuge dieser Hirnhautentzündung zu einer Entzündung des Gehirns (Enzephalitis) kommt. In diesem Fall spricht man vor einer Meningoenzephalitis.

Zu der Risikogruppe für Meningitis zählen Kinder, sowie Menschen mit einem geschwächten Immunsystem. In den Entwicklungsländern zählt Meningitis zu den häufigsten Infektionskrankheiten.

In den westlichen Industrieländern hingegen, liegt die Zahl der an Meningitis Erkrankten bei rund 0,5 bis fünf Erkrankungen pro 100.000 Einwohner und tritt somit nur sehr selten auf. Der häufigste Auslöser für Meningitis bei Kindern sind die sognannten Meningokokken, die zu der Klasse der Bakterien zählen.

Im Allgemeinen kann man sagen, dass die Zahl der Hirnhautentzündungen zurückgeht. Der Grund dafür ist die Einführung von Impfungen gegen die häufigsten Meningitiserreger, wie etwa die Haemophilus influenzae Typ b-Impfung, die Meningokokken- Impfung, die Pneumokokken- Impfung und die Impfung gegen die durch Viren ausgelöste Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).

Ursachen

Hauptverursacher von Meningitiden sind Bakterien und Viren. Im seltenen Fall kann es auch zu einer pilz- oder parasitenbedingten Hirnhautentzündung kommen und noch seltener kann eine bösartige Krebserkrankung Ursache für eine sogenannte Meningeosis carcinomatosa sein. Strahlung kann ebenfalls eine Reizung der Hirnhäute bewirken.

Meistens sind Menschen mit einem schwächen Immunsystem von einer Hirnhautentzündung betroffen. Die Erreger sind im Blutstrom lokalisiert und gelangen so in das Gehirn, oder sie wandern von umgebenden Organen ein. Als Beispiel hierfür kann etwa eine Mittelohrentzündung (Otitis media) oder eine Nasen-Nebenhöhlenentzündung (Sinusitis) in seltenen Fällen eine Meningitis auslösen.

Bakterielle Hirnhausentzündung:

Als häufigste Ursache für Meningitis gelten eine Gruppe von Bakterien, die sogenannten Meningokokken. An zweiter Stelle folgen Pneumokokken, sowie andere Bakterien, wie beispielsweise Haemophilus influenzae. Der Grund, weshalb bei gesunden Menschen plötzlich eine Hirnhautentzündung eintritt, ist bislang nicht geklärt. Meningokokken kommen mitunter beim gesunden Menschen auch im Nasenrachenraum vor. Dort verhalten sie sich im Normalfall unauffällig, können jedoch auf andere Menschen übertragen werden.

Virale Hirnhautentzündung:

Häufig tritt eine virale Meningitis zeitgleich mit einer anderen Viruserkrankung auf. So wurde zum Beispiel bei einigen Mumps-Patienten eine virale Hirnhautentzündung diagnostiziert. Die Hirnhäute können ebenfalls Angriffspunkt für das Windpocken- und Masernvirus sein. Auch Zecken können eine Art von Meningitis übertragen, die unter der Kurzform FSME bekannt ist.

Symptome

Das eindeutigste Symptom für Meningitis ist die Nackensteife (Meningismus). So kommt es zu einem Schmerzanstieg, wenn man den Kopf nach vorne beugt. Treten außerdem noch Hörstörungen auf, ist dies ein Zeichen für eine bakterielle Begleitentzündung des Innenohrs (Labyrinthitis).

Weitere Anzeichen sind:

  • Starkes Krankheitsgefühl
  • Kopfschmerzen
  • Hohes Fieber
  • Erbrechen
  • Gesteigertes Schmerzempfinden
  • Lichtscheue
  • Verwirrtheit und Benommenheit, das bis hin zum Koma führen kann

Bei Kindern zeigen sich diese Krankheitssymptome weniger ausgeprägt und deutlich. Je jünger die Betroffenen sind, desto schwieriger ist es eine Diagnose zu stellen. Bei diesen Patienten kommt es häufig zu starken Bauchschmerzen und in manchen Fällen auch zu epileptischen Krämpfen.

Als weiteres Symptom können bei der Meningokokken- Meningitis kleine punktartige Blutungen auf der Haut zu finden sein, die man als Petechien bezeichnet. Dies gilt als Zeichen, dass sich die Bakterien in der Blutbahn befinden. Dieser Zustand gilt als äußerst dringlich. In diesem Fall sollte unverzüglich ein Arzt aufgesucht werden, der eine entsprechende antibiotische Therapie einleitet.

Diagnose

Die erste Untersuchung bei Verdacht auf Meningitis ist die Lumbalpunktion, bei der, aus dem Rückenmarkskanal, Gehirnflüssigkeit (Liquor) entnommen und auf Anzeichen einer Infektion sowie Krankheitserreger untersucht wird (Liquordiagnostik).

Ein charakteristisches Symptom für eine durch Bakterien hervorgerufene Hirnhautentzündung ist eine eitrig-trübe Gehirnflüssigkeit. Bei viralen oder parasitären Entzündungen ist die Gehirnflüssigkeit hingegen optisch unverändert, weshalb sich die Diagnostik als aufwendiger gestaltet. Zusätzlich wird eine Blutprobe entnommen und auf Bakterien und allgemeine Zeichen einer Entzündung, wie etwa ein Anstieg von Entzündungszellen (Leukozyten) hin untersucht.

Zu einem besonders raschen Ergebnis kommt man mittels Polymerase- Kettenreaktion (engl. Polymerase Chain Reaction, PCR). Bei dieser Methode wird die Erbsubstanz (DNA) des Erregers vermehrt, woraus sich schließen lässt, dass der Erreger überhaupt vorhanden ist. Die kurze Wartezeit auf das Ergebnis ist insbesondere bei Verdacht auf Meningitis sehr sinnvoll, da diese Erkrankung eine umgehende Behandlung benötigt. Die PCR lässt sich jedoch nur bei bestimmten Erregern anwenden.

Der Vorteil einer Computer-Tomografie (CT) oder einer Kernspin-Tomografie (MRT) ist, dass sowohl festgestellt werden kann woher der Erreger kommt (beispielsweise vereiterte Nasennebenhöhlen), als auch Komplikationen, wie etwa Eiteransammlungen (Empyem) oder Flüssigkeitsansammlungen im Gehirn (Hydrocephalus) angezeigt werden können.

Therapie

Besteht der Verdacht auf Meningitis, ist unverzüglich ein Arzt aufzusuchen. Gilt die Diagnose Hirnhautentzündung als sicher, erfolgt die weitere Behandlung im Krankenhaus auf einer neurologischen Abteilung.

Bakterielle Meningitis:

Gegen bakterielle Meningitiden geht man mittels Antibiotika vor. Dabei werden die Medikamente direkt in die Venen injiziert oder als Infusion (Venentropf) zugeführt. Die Wahl des Antibiotikums hängt von dem jeweiligen Bakterium ab.

In den meisten Fällen wird am Anfang eine Kombination aus verschiedenen Antibiotika verabreicht, beispielsweise Cephalosporin und Amoxicillin. Der Grund, weshalb man gleich auf mehrere Antibiotika zurückgreift ist der Zeitmangel, da der Erregernachweis oft länger dauert, man jedoch bei Meningitis schnell handeln muss. Ist einmal geklärt, welcher Erreger die Hirnhautentzündung ausgelöst hat, wird nur noch jene Substanz gegeben, die gegen die Bakterienart am besten wirksam ist. Manchmal ergänzt der Arzt die Behandlung mit Kortison.

Um eine weitere Ansteckung zu vermeiden, wird all jenen Personen, die mit dem Erkrankten Kontakt hatten, ein Antibiotikum verabreicht, um eine weitere Ausbreitung des Erregers zu unterbinden.

Virale Meningitis:

Da es keine Medikamente gibt, um eine virale Meningitis zu behandeln, werden ausschließlich die Beschwerden behandelt. Eine Ausnahme stellen die Entzündungen, die durch Viren aus der Gruppe der Herpesviren ausgelöst werden, dar. Zu diesen rechnet man Herpes simplex, Varizella- Zoster, Zytomegalie-Virus und das Epstein-Barr-Virus. Um zu verhindern, dass sich Viren im Körper weiter ungehindert vermehren, kann zu antiviralen Mitteln (Virustatika) gegriffen werden.

Patienten, die von einer viralen Meningitis betroffen sind, sollten auf jeden Fall stationär unter Beobachtung bleiben. Im Mittelpunkt steht dabei mögliches Fieber zu senken, Kopfschmerzen zu linden oder in seltenen Fällen einen epileptischen Anfall zu stoppen.

Prognose

Bakterielle Meningitis:

Erfolgt bei einer bakteriellen Meningitis keine Behandlung, kann sie einen letalen Verlauf nehmen. Da die Krankheit in manchen Fällen sehr schnell voranschreitet, versterben einige Patienten trotz bestmöglicher Behandlung. Die Wahrscheinlichkeit, einer Meningokokken-Meningitis zu erliegen, liegt bei etwa zehn Prozent. Bei einer Pneumokokken- Infektion sterben bis zu 25 Prozent und sind Listerien der Auslöser für die Erkrankung, überleben nur bis zu 50 Prozent der Betroffenen.

Auch nach überstandener Meningitis, kann es noch zu Folgeerkrankungen des Nervensystems kommen, wie etwa Seh- oder Hörminderungen, Epilepsie, Koordinationsstörungen und Lähmungen.

Virale Meningitis:

Eine virale Hirnhautentzündung hat meist einen weniger lebensbedrohlichen Verlauf als eine bakterielle Meningitis. Auch erkranken weniger Patienten an Folgeerkrankungen. Es gilt den ersten kritischen Tag der Krankheit ohne Komplikationen zu überstehen, danach stehen die Chancen für eine Heilung weitgehend gut.

Vorbeugen

Gegen einige Erreger der Hirnhautentzündungen gibt es Impfungen. Zu diesen zählen:

  • Haemophilus influenzae Typ b (Hib)
  • Meningokokken
  • Pneumokokken

Seit 2006 besteht eine Impfempfehlung von der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch- Institut für Kinder als Grundimmunisierung. Auch für Menschen, die im Verbreitungsgebiet der Frühsommer- Meningoenzephalitis (FSME) leben, ist die FSME- Impfung zu empfehlen. Als Überträger der FSME gelten Zecken, weshalb ein entsprechender Zeckenschutz anzuraten ist.

Wenn ein Kind oder Erwachsener unter Fieber, Nackensteife, Übelkeit und schwerem Krankheitsgefühl leidet, ist umgehend ein Arzt zu verständigen.

Personen, die in Kontakt mit dem Betroffenen standen, sollten sich ebenfalls zum Arzt begeben. Die Art der vorbeugenden Antibiotika- Therapie richtet sich nach der Art des auslösenden Erregers. Jeder Verdacht auf Meningokokken- Meningitis ist der Gesundheitsbehörde zu melden, da entsprechende Maßnahmen getroffen werden müssen. Patienten, die an einer Meningokokken- Meningitis leiden, werden im Krankenhaus nach Einsetzen der Antibiotika- Therapie mindestens 24 Stunden isoliert.

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