Myokarditis (Herzmuskelentz√ľndung)

Myokarditis (Herzmuskelentz√ľndung)
Internationale Klassifikation (ICD) I51.-

Grundlagen

Unter einer Myokarditis versteht man eine Entz√ľndung des Herzmuskels. Ist dabei nicht nur der Herzmuskel (Myokard) selbst, sondern auch der Herzbeutel (Perikard) betroffen, wird dies als Perimyokarditis bezeichnet.

Bei einer Entz√ľndung wird die Kontraktionsf√§higkeit des Herzens beeintr√§chtigt und es kommt zum Leistungsabfall oder sogar zur Herzinsuffizienz ‚Äď dabei handelt es sich um eine krankhafte Unf√§higkeit des Herzens, das Blut ohne besonderen Druckanstieg in den Herzvorh√∂fen in den K√∂rper zu pumpen. Eine Myokarditis kann die Ursache f√ľr einen pl√∂tzlichen Herztod sein.

Ursachen

Ausgel√∂st wird eine Myokarditis zumeist durch eine bakterielle oder virale Infektion. In Europa und den USA kommen daf√ľr in √ľber 50% der Erkrankungen Infektionen mit Enteroviren wie beispielsweise den Coxsackie-B-Viren in Frage. Teilweise lie√üen sich auch nach grippalen Infekten oder nach Magen-Darm-Grippen Herzmuskelentz√ľndungen, die durch Viren wie Adeno-, Influenza- oder Mumpsviren ausgel√∂st wurden, nachweisen.

Als bakterielle Erreger treten unter anderem das Corynebakterium diphtheriae (Diphtherie), das Mycobakterium tuberculosis (Tuberkulose) und Pneumokokken auf, die jedoch bei gesunden Patienten mit normalem Immunsystem nur selten zu einer Myokarditis f√ľhren.

Selten kann eine Herzmuskelentz√ľndung auch durch Infektionen mit Pilzen, einzelligen Organismen (wie zum Beispiel Toxoplasmose) oder Parasiten (Echinokokkose, Trichinose) ausgel√∂st werden.

Zus√§tzlich gibt es auch Herzmuskelentz√ľndungen, die nicht durch Infektionen, sondern zum Beispiel durch Strahlentherapien, Autoimmunerkrankungen, Medikamente oder Drogenabusus (beispielsweise Kokain) ausgel√∂st werden.

Auch besteht die M√∂glichkeit, dass eine Perikarditis (Herzbeutelentz√ľndung) auf den Herzmuskel √ľbergreift und so eine Myokarditis entsteht.

Symptome

Die Auspr√§gung von Symptomen bei einer Myokarditis kann stark von Fall zu Fall variieren und reicht von symptomlosen Entz√ľndungen bis hin zu schweren, auch t√∂dlichen Verl√§ufen. In der Anfangsphase stehen bei Betroffenen oft unspezifische Symptome wie M√ľdigkeit, allgemeines Ersch√∂pfungsgef√ľhl, Fieber, Gliederschmerzen im Vordergrund. Gelegentlich versp√ľren Patienten auch Schmerzen in der Brust und Herzrasen. Da das Herz seine normale Pumpleistung nicht mehr erf√ľllt, kann es in der Folge zu √Ėdemen (Wasseransammlungen) in der Lunge oder in den Beinen kommen. Bei schwereren Krankheitsverl√§ufen kann bereits die geringste k√∂rperliche Anstrengung eine starke Atemnot verursachen.

Liegt der Myokarditis eine virale Infektion zugrunde, treten die Symptome oftmals kurz nach einer Grippe oder einer Durchfallerkrankung auf.

Diagnose

Zun√§chst wird durch den behandelnden Arzt/die √Ąrztin eine Anamnese (√§rztliches Gespr√§ch) durchgef√ľhrt, wobei Symptome wie Atemnot oder √Ėdeme sowie die Tatsache, ob den Beschwerden ein grippaler Infekt bzw. eine Durchfallerkrankung vorausgegangen ist, schon erste Hinweise in Richtung Myokarditis liefern k√∂nnen.

Im Anschluss kann der Verdacht durch folgende Untersuchungsmethoden bekräftigt werden:

  • Blutuntersuchung: Das Blut wird auf das Vorhandensein von Antik√∂rpern gegen bestimmte Viren oder Bakterien, die eine Herzmuskelentz√ľndung ausl√∂sen k√∂nnen, hin untersucht.
  • R√∂ntgen: Auf dem R√∂ntgenbild sind krankheitsbedingte Ver√§nderungen der Herzgr√∂√üe sichtbar.
  • Echokardiographie: Durch die Herzultraschalluntersuchung kann eine etwaige Vergr√∂√üerung der Herzh√∂hlen bzw. eine Fl√ľssigkeitsansammlung zwischen Herzmuskel und Herzbeutel (als Perikarderguss bezeichnet) festgestellt werden.
  • Elektrokardiogramm: Ein EKG kann ebenfalls Hinweise auf eine Myokarditis liefern.
  • Magnetresonanztomographie: Mit Hilfe einer MRT kann entz√ľndetes von gesundem Herzgewebe unterschieden werden.
  • Biopsie: Hierbei wird mittels Herzkatheter Gewebe aus dem Herzmuskel entnommen und auf m√∂gliche Krankheitsursachen hin untersucht.

Therapie

Da eine Myokarditis oftmals spontan ausheilt, sie jedoch auch innerhalb k√ľrzester Zeit bis zum Herztod f√ľhren kann, ist die Einhaltung einer strikten k√∂rperlichen Schonung von besonderer Bedeutung.

Liegt der Herzmuskelentz√ľndung eine bakterielle Infektion zugrunde, l√§sst sich diese zumeist gut mit einer Antibiotikatherapie behandeln.

Bei einer viralen Infektion gibt es keine speziellen Medikamente, es k√∂nnen lediglich folgende generell den Krankheitsverlauf unterst√ľtzende bzw. die Beschwerden mildernde Ma√ünahmen getroffen werden:

  • Linderung der Schmerzen durch eine Schmerzmitteltherapie
  • Bei einer Herzinsuffizienz, die Einnahme von Diuretika (harntreibenden Medikamenten), Beta-Blockern und ACE-Hemmern
  • Einnahme von Medikamenten gegen Herzrhythmusst√∂rungen
  • Im Falle eines gro√üen Perikardergusses, Punktierung und Absaugen der angesammelten Fl√ľssigkeit

In Ausnahmefällen, wie beispielsweise Autoimmunerkrankungen, bei denen sich die körpereigene Abwehr gegen das Herzmuskelgewebe richtet, kann eine immunsuppressive Therapie hilfreich sein.

Wird das Herz durch die Entz√ľndung in seiner Funktion sehr stark und irreversibel gesch√§digt, bleibt als letzte M√∂glichkeit die Durchf√ľhrung einer Herztransplantation.

Prognose

Unter √§rztlicher Behandlung ist die Prognose einer Myokarditis in der Regel recht gut, sodass die Entz√ľndung meist ohne bleibende Sch√§den ausheilt. Es besteht die M√∂glichkeit, dass im Herzgewebe Narben zur√ľckbleiben, die das Herz kaum in seiner Funktion beeintr√§chtigen. Bei schwereren Verl√§ufen kann es im Rahmen der Erkrankung zu einer akuten Herzinsuffizienz (Herzschw√§che) oder Herzrhythmusst√∂rungen kommen.

Es besteht allerdings die M√∂glichkeit, dass die Myokarditis in einen chronischen Verlauf √ľbergeht, wodurch es am Herzen zu einer sogenannten dilatativen Kardiomyopathie kommen kann. Dabei kommt es zu einer krankhaften Vergr√∂√üerung des Herzmuskels bei gleichzeitiger Abnahme der Kontraktionskraft, was zu einer Herzinsuffizienz f√ľhren kann. In der Folge wird der K√∂rper nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt, wodurch die Betroffenen nicht mehr k√∂rperlich belastbar sind und bereits bei allt√§glichen T√§tigkeiten wie beispielsweise Treppensteigen in Atemnot geraten.

Vorbeugen

Da sich eine Myokarditis oftmals erst im Anschluss an einen grippalen Infekt entwickelt, ist es wichtig, bei Erkältungen darauf zu achten, den Körper zu schonen und sich ordentlich auszukurieren. Körperliche Belastungen sowie Sport sollten vermieden werden.

Eine Impfung gegen Diphtherie bietet sicheren Schutz gegen die Variante der Myokarditis, die durch das Corynebakterium diphtheriae ausgelöst wird.

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Danilo Glisic

Danilo Glisic
Autor

Als Biologie- und Mathematikstudent verfasst er leidenschaftlich Magazinartikel zu aktuellen medizinischen Themen. Aufgrund seiner Affinität zu Zahlen, Daten und Fakten, liegt sein Fokus dabei auf der Beschreibung von relevanten klinischen Studienergebnissen.

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