Nierenentz√ľndung (Glomerulonephritis)

Nierenentz√ľndung (Glomerulonephritis)
Internationale Klassifikation (ICD) N05.-

Grundlagen

Unter einer Nierenentz√ľndung (Glomerulonephritis) versteht man eine Entz√ľndung der Nierenk√∂rperchen (Glomeruli). Jede Niere beinhaltet √ľber eine Million dieser Nierenk√∂rperchen, deren Funktion darin besteht, das Blut zu filtern und zu reinigen und dadurch Urin zu bilden, welcher dann √ľber den Harnleiter in die Harnblase geleitet wird. Bei der Glomerulonephritis handelt es sich (im Gegensatz zur Pyelonephritis/Nierenbeckenentz√ľndung, welche durch Bakterien ausgel√∂st wird) zumeist um eine Autoimmunerkrankung. Hierbei werden die Nieren vom k√∂rpereigenen Immunsystem angegriffen und gesch√§digt, wodurch in weiterer Folge eine Niereninsuffizienz (Nierenschw√§che) ausgel√∂st werden kann. Es wird zwischen einer akuten sowie einer chronischen Glomerulonephritis unterschieden.

Ursachen

Die h√§ufigste Ursache einer Nierenentz√ľndung liegt in einer √úberreaktion des k√∂rpereigenen Immunsystems ‚Äď diese Art der Nierenentz√ľndung wird als IgA-Glomerulonephritis bezeichnet. Dabei bildet das Immunsystem sogenannte Immunglobulin A ‚Äď Antik√∂rper, welche sich in den Filterzellen der Nieren (Glomeruli) ablagern und dort eine Entz√ľndung ausl√∂sen. Dadurch wird die Niere in ihrer Filterfunktion eingeschr√§nkt, wodurch es nicht mehr m√∂glich ist, Proteine (Eiwei√üe) und Erythrozyten (rote Blutk√∂rperchen) erfolgreich im Blut zur√ľckzuhalten. Diese werden nun kontinuierlich √ľber den Harn ausgeschieden anstatt im K√∂rper zu verbleiben. Die Ausscheidung giftiger Stoffwechselprodukte ist hingegen eingeschr√§nkt, sodass es zur Ansammlung dieser Stoffe kommt.

Im Gegensatz zur Nierenbeckenentz√ľndung wird die Nierenentz√ľndung nicht durch Bakterien ausgel√∂st und kann daher auch nicht mit Antibiotika therapiert werden. Zus√§tzlich sind bei Nierenentz√ľndungen immer beide Niere betroffen, bei Nierenbeckenentz√ľndungen h√§ufig lediglich eine.

Grunds√§tzlich wird zwischen prim√§rer und sekund√§rer Nierenentz√ľndung unterschieden. Sind ausschlie√ülich die Nieren erkrankt und entz√ľndet, handelt es sich um eine prim√§re Glomerulonephritis. Liegen der Entz√ľndung jedoch andere Ursachen zugrunde (wird sie zum Beispiel durch Autoimmunkrankheiten wie den systemischen Lupus erythematodes oder aber durch Medikamente ausgel√∂st), wird dies als sekund√§re Glomerulonephritis bezeichnet.

Symptome

Da eine Glomerulonephritis im Gegensatz zu einer Nierenbeckenentz√ľndung zumeist schmerzlos verl√§uft, wird die Krankheit oft lange Zeit nicht bemerkt und nur zuf√§llig bei Routineuntersuchungen entdeckt. In einigen F√§llen √§u√üert sich die Krankheit erst zu einem so sp√§ten Zeitpunkt, dass eine Dialyse (Blutw√§sche) oder Transplantation unumg√§nglich ist.

Im Krankheitsverlauf treten folgende typische Symptome auf:

  • Dadurch dass die Nieren in ihrer Filterfunktion beeintr√§chtigt sind, kommt es zum pathologischen √úbertritt von Blut (H√§maturie) und Eiwei√üen (Proteinurie) in den Urin, wo diese Stoffe nun nachgewiesen werden k√∂nnen. Bei hohen Konzentrationen von Eiwei√üen kann der Urin schaumig werden. Auch kann der Urin durch die Erythrozyten rot eingef√§rbt sein, was als Makroh√§maturie bezeichnet wird.
  • Falls gr√∂√üere Mengen an Proteinen mit dem Harn ausgeschieden werden, kann dies eine niedrige Konzentration an Proteinen im Blut zur Folge haben.
  • Da die Urinproduktion der Nieren gest√∂rt ist, kommt es zu erh√∂hten Konzentrationen an Elektrolyten (Salzen) im K√∂rper, wodurch √Ėdeme (Wassereinlagerungen im Gewebe) und Bluthochdruck verursacht werden k√∂nnen.
  • Bei manchen Patienten kommt es zu einer schlagartigen Verschlechterung der Nierenfunktion (akutes Nierenversagen). Es kann jedoch auch zum chronischen Nierenversagen kommen, bei dem sich die Nieren √ľber Jahre hinweg in ihrer Funktion verschlechtern, wodurch eine regelm√§√üige Dialyse notwendig wird.

Diagnose

Der Verdacht auf eine m√∂gliche Nierenentz√ľndung ergibt sich zumeist anhand der Laboruntersuchung von Urin- und Blutproben. Um die Diagnose zu sichern, muss eine Nierenbiopsie (Untersuchung von Nierengewebe unter dem Mikroskop) durchgef√ľhrt werden. Zus√§tzlich werden die Nieren mittels einer Sonografie (Ultraschall) untersucht.

Durch die Bestimmung der 24-Stunden-Kreatinin-Clearance (Parameter der Aufschluss √ľber die Nierenfunktion gibt) l√§sst sich herausfinden, ob und in welchem Ausma√ü die Nieren in ihrer Leistungsf√§higkeit eingeschr√§nkt sind.

Es ist wichtig, eine bakterielle Nierenbeckenentz√ľndung auszuschlie√üen, da diese leicht mit Antibiotika behandelt werden k√∂nnte.

Therapie

Ob eine Glomerulonephritis behandelt wird, hängt in erster Linie von dem Ausmaß der Erkrankung ab.

Falls nur sehr geringe Mengen an Proteinen und roten Blutk√∂rperchen mit dem Harn ausgeschieden werden und die Nierenfunktion sowie der Blutdruck im normalen Bereich sind, herrscht kein zwingender Handlungsbedarf. Es sollten jedoch regelm√§√üig Kontrollen beim Arzt durchgef√ľhrt werden.

Da eine Glomerulonephritis oftmals durch eine √úberreaktion des Immunsystems zustande kommt, ist in diesen F√§llen eine Behandlung mit immunsuppressiven Medikamenten wie beispielsweise Cortison notwendig. Da dadurch das gesamte Immunsystem geschw√§cht wird, kommt es bei dieser Behandlung jedoch zu zahlreichen unerw√ľnschten Nebenwirkungen.

Ist die Nierenentz√ľndung die Folge einer anderen Erkrankung, hilft zumeist die Behandlung der eigentlichen Grunderkrankung. Zus√§tzlich sollten folgende Ma√ünahmen beachtet werden:

  • Es sollte auf eine ausreichende Trinkmenge geachtet werden (au√üer die Nieren sind in ihrer Funktion bereits zu stark eingeschr√§nkt).
  • Bluthochdruck sollte konsequent behandelt werden, da dieser die Filterzellen in den Nieren noch zus√§tzlich belastet und dadurch die Nierenfunktion verschlechtern kann.
  • In gewissen F√§llen kann eine protein- und salzarme Ern√§hrung hilfreich sein.

Prognose

Die Prognose einer Glomerulonephritis hängt in großem Maße davon ab, ob ausschließlich die Nieren oder auch andere Organe erkrankt sind.

Bei der prim√§ren Nierenentz√ľndung (hierbei sind nur die Nieren beteiligt) ist die Lebenserwartung der Betroffenen selbst bei starkem Verlust der Nierenfunktion und Dialysepflicht recht gut. Falls eine Nierentransplantation m√∂glich ist, k√∂nnen die Patienten anschlie√üend zumeist ein fast normales Leben f√ľhren. Jedoch kann es nach einiger Zeit auch in der transplantierten Niere zum erneuten Ausbruch einer Nierenentz√ľndung kommen, wodurch auch die neue Niere in seltenen F√§llen zerst√∂rt wird.

Da bei der sekund√§ren Nierenentz√ľndung in erster Linie andere Organe betroffen sind und erst in weiterer Folge auch die Nieren gesch√§digt werden, h√§ngt die Prognose stark von der Behandlung der urspr√ľnglichen Erkrankung ab und inwieweit bereits andere Organe gesch√§digt wurden.

Vorbeugen

Einer Glomerulonephritis kann zwar nicht sicher vorgebeugt werden, jedoch l√§sst sich die Erkrankung durch regelm√§√üige Harnuntersuchungen fr√ľhzeitig erkennen und behandeln.

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Danilo Glisic

Danilo Glisic
Autor

Als Biologie- und Mathematikstudent verfasst er leidenschaftlich Magazinartikel zu aktuellen medizinischen Themen. Aufgrund seiner Affinität zu Zahlen, Daten und Fakten, liegt sein Fokus dabei auf der Beschreibung von relevanten klinischen Studienergebnissen.

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