Nierenkrebs (Nierenzellkarzinom)

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Internationale Klassifikation (ICD) C64

Grundlagen

Einem Nierenkrebs liegen bösartige Veränderungen von Nierenzellen zugrunde. Wenn sich der Krebs aus unterschiedlichen Zellen des Nierengewebes entwickelt, wird dies als Nierenzellkarzinom bezeichnet. Nierenzellkarzinome stellen bei Erwachsenen mit über 80 Prozent der Fälle die häufigste Art von Nierentumoren dar. Generell gesehen sind Nierenzellkarzinome jedoch recht selten, da sie nur für rund drei Prozent aller Krebsfälle verantwortlich sind.

Die restlichen Nierenkrebs-Arten entwickeln sich von den Harnwegen her oder aus dem Lymphgewebe. Auch besteht die Möglichkeit, dass es sich bei Nierentumoren um Metastasen (Tochtergeschwulste) anderer Krebserkrankungen im Körper handelt.

In Deutschland gibt es jährlich mehr als 6.500 Neuerkrankungen bei Frauen und mehr als 10.000 Neuerkrankungen bei Männern. Die Häufigkeit der Erkrankung steigt stark mit dem Alter an – das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt bei Männern beim 67. und bei Frauen beim 71. Lebensjahr.

Ursachen

Die genauen Ursachen für die Entwicklung eines Nierentumors sind bislang größtenteils unbekannt. Als Risikofaktoren gelten jedoch Rauchen, Übergewicht, Alkoholkonsum, Niereninsuffizienz (chronische Nierenschwäche) und Nierenzysten. Selten kann ein Nierenzellkarzinom auch die Folge von genetischen Veränderungen sein. Nicht eindeutig gesichert ist, ob eine chronische Belastung mit Stoffen wie beispielsweise Kadmium die Entstehung von Nierenkrebs fördern kann.

In den meisten Fällen ist der Nierentumor am unteren Pol einer Niere in der Nierenrinde lokalisiert und wuchert in Richtung des Nierenbeckens. Nur sehr selten sind beide Nieren von einem Tumor befallen.

Nierenzellkarzinome neigen dazu, sich zu einem relativ frühen Zeitpunkt über die Lymph- sowie Blutgefäße auszubreiten und Tochtergeschwulste (Metastasen) auszubilden. Häufig von Metastasen betroffen sind Lymphknoten, Knochen, Lunge, Leber sowie das Gehirn. Metastasen in der anderen Niere sind ebenfalls möglich.

Experten zufolge sind ein Rauchstopp und ein normales Körpergewicht die beste Vorbeugung gegen eine Entwicklung eines Nierenzellkarzinoms.

Symptome

Anfänglich verläuft ein Nierenzellkarzinom in den allermeisten Fällen unbemerkt. Erst später kann sich die Erkrankung bemerkbar machen – folgende Beschwerden und Symptome können Anzeichen eines Nierentumors sein:

  • Hämaturie (Blutbeimengungen im Harn)
  • Flankenschmerzen (Schmerzen im Bereich des Rückens)
  • Plötzlicher Gewichtsverlust
  • Anämie (Blutarmut)
  • Neu aufgetretene Hypertonie (Bluthochdruck)
  • Tastbarer Tumor im Bereich des Bauches
  • Verschlechterte Leberfunktionswerte
  • Hyperkalzämie (erhöhte Kalziumspiegel im Blut)
  • Fieber
  • Veränderungen des Blutdrucks

Über die Hälfte aller Nierenkrebs-Diagnosen werden durch Zufall bei Ultraschall-Untersuchungen des Bauchraumes gestellt.

Diagnose

Im Normalfall kann ein Nierenzellkarzinom nicht im Rahmen einer körperlichen Untersuchung durch den Arzt festgestellt werden. In seltenen Fällen können jedoch Hinweise auf ein Krebsgeschwulst in der Niere vorliegen. Beispiele hierfür wären:

  • Ertastbarer Widerstand bei der Untersuchung der Bauchregion.
  • Vergrößerte Lymphknoten im Bereich des Halses.
  • Wasseransammlung im Hoden (Hydrozele genannt), die sich bei Anheben des Hodens nicht wieder zurückbilden.
  • Ausgeprägte Ödeme (Wasseransammlungen) in den Beinen.

Diese Anzeichen sprechen jedoch in der Regel zumeist für andere Erkrankungen und treten nur in Ausnahmefällen bei Nierenkrebs auf. Mittels einer Blutuntersuchung können eventuelle Auswirkungen eines Nierenzellkarzinoms auf den Stoffwechsel des Körpers festgestellt werden.

Die wichtigsten Verfahren zur endgültigen Diagnosestellung eines Nierentumors sind die Computer-Tomografie (CT) und die Ultraschall-Untersuchung des Bauchraums. Vor Durchführung der CT wird meist ein Röntgen-Kontrastmittel verabreicht.

Falls der Nierentumor operativ behandelt werden soll, müssen in jedem Falle eine CT oder eine MRT (Magnet-Resonanz-Tomografie) durchgeführt werden, um eine optimale Planung der Operation zu ermöglichen. Zusätzlich können mithilfe dieser bildgebenden Verfahren der Grad der Ausbreitung des Nierenzellkarzinoms und mögliche Metastasen (Tochtergeschwulste) erkannt werden.

Bei Verdacht auf Metastasen können zusätzlich eine Röntgenuntersuchung, eine CT des Brustkorbes, eine CT des Kopfes und eine Szintigrafie der Knochen durchgeführt werden. In sehr seltenen Fällen ist zudem eine Angiografie (Darstellung der Blutgefäße mittels Röntgenaufnahme und Kontrastmittel) der Nierenarterien nötig. Auch die Feinnadelbiopsie (Entnahme und Untersuchung einer Gewebeprobe) des Nierengewebes wird nur in Ausnahmefällen durchgeführt.

Therapie

Zur Behandlung eines Nierenzellkarzinoms stehen unterschiedliche Behandlungsansätze zur Verfügung:

Operation

Auch heutzutage ist die einzige Behandlung, die zur Heilung des Krebses führen kann, die komplette Entfernung der vom Krebs betroffenen Niere und in bestimmten Fällen der umgebenden Lymphknoten. Zudem kann die Entfernung der Nebenniere notwendig sein. Nur selten kann der Nierenkrebs operativ entfernt und gleichzeitig die Funktion der Niere erhalten werden.

Besonders bei Menschen ohne Metastasen ist die operative Entfernung des Tumors die Behandlung der Wahl. Jedoch kann auch bei Patienten mit Metastasen ein chirurgischer Eingriff durchgeführt werden, um beispielsweise die Schmerzen zu lindern oder die Erfolgsaussichten anderer Behandlungen zu erhöhen.

Medikamentöse Therapie

Es stehen mehrere unterschiedliche Medikamente zur Behandlung von Nierenkrebs zur Verfügung. Die Wirkung besteht häufig darin, den Stoffwechsel der Krebszellen (beispielsweise Blutversorgung, Nährstoffversorgung) zu beeinflussen und dadurch das Fortschreiten des Krebses zu verhindern. Beispiele hierfür wären:

  • Tyrosinkinase-Inhibitoren (beispielsweise Sunitinib)
  • mTor-Hemmer (zum Beispiel Temsirolimus)
  • Immuntherapie mit Interleukin-2 und Interferon-Alpha (führt zur Aktivierung des Immunsystems, wodurch das Wachstums des Tumors gebremst werden soll)
  • monoklonale Antikörper (zum Beispiel Bevacizumab)

Häufig werden unterschiedliche Behandlungsmethoden kombiniert eingesetzt, um die bestmöglichen Erfolgsaussichten zu erreichen.

Strahlen- / Chemotherapie

In bestimmten Fällen – wie beispielsweise bei Fernmetastasen im Gehirn oder in den Knochen – kann eine Strahlentherapie durchgeführt werden, um die Krankheitsbeschwerden zu mildern. Eine Chemotherapie zeigt bei Nierenzellkarzinomen keine Erfolge.

Prognose

Die Prognose einer Erkrankung an Nierenkrebs hängt stark vom Zeitpunkt der Diagnosestellung ab. Je später der Krebs entdeckt wird, desto größer ist der Tumor und desto höher das Risiko von Metastasen. Mithilfe von Ultraschall-Untersuchungen lassen sich heutzutage viele Nierenzellkarzinome bereits in einem sehr frühen Stadium diagnostizieren. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate (Anzahl der lebenden Patienten fünf Jahre nach Diagnosestellung) beträgt etwa 65 Prozent.

Bei Nierenproblemen wie beispielsweise verfärbtem Urin oder bei unerklärlichen Flankenschmerzen ist es empfehlenswert, rechtzeitig den Arzt aufzusuchen, um einen möglichen Tumor rechtzeitig erkennen zu können. Zusätzlich kann das Erkrankungsrisiko deutlich reduziert werden, indem auf Nikotin und Alkohol verzichtet und ein erhöhtes Körpergewicht vermieden wird.

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