Affenpocken in Europa: aktuelle Situation, Verbreitung und Impfung

Nahaufnahme Affenpocken Virus

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Sie tauchen immer wieder in den Medien auf, sind pr√§sent, faszinierend und be√§ngstigend zugleich. Die sogenannten Affenpocken scheinen sich immer mehr in Europa auszubreiten. Die Weltgesundheitsorganisation, kurz WHO, bezeichnet den Virus als ernstzunehmende Erkrankung. Aber was ist das f√ľr eine Pockenerkrankung, wie verl√§uft sie und was sollte man unbedingt wissen?

Nahaufnahme Affenpocken Virus

peterschreiber.media / iStock

Krankheitsbild, √úbertragung, Therapie - alle wichtigen Informationen

Bei dieser Art von Pocken handelt es sich um eine Viruserkrankung, die vom Tier auf den Menschen sowie vom Menschen auf den Mensch √ľbertragen werden kann. Ausgel√∂st wird diese Art von Pocken durch die Virengattung Orthopoxvirus simiae, die auch bei den klassischen Pockenviren (Variola) ins Spiel kommen. Die Viren sind in Afrika vor allem unter Nagetieren verbreitet, nicht bei Affen. Den Namen ‚ÄěAffenpocken‚Äú hat der Virus, weil er erstmals bei Affen im Labor beobachtet wurde (1958). Beim Menschen wurde der Virus das erste Mal 1970 im Kongo entdeckt. Befallen war ein Baby mit 9 Monaten und seitdem wurden weitere F√§lle dieser Infektionskrankheit beim Menschen gemeldet. Diese treten vorwiegend in West- und Zentralafrika auf. Au√üerhalb Afrikas wurden die Affenpocken beim Menschen erst im Jahr 2003. Bis heute wurden nur vereinzelte F√§lle der Viruserkrankung au√üerhalb Afrikas bekannt. Vermutlich wurde das Virus durch den Import von Tieren aus Afrika au√üer Landes gebracht. Aktuell tritt die Infektion ausschlie√ülich durch eine Ansteckung von Mensch zu Mensch auf.

Beim Menschen verl√§uft die Erkrankung in der Regel mild und selbstheilend. Ausnahmen bilden Menschen mit einem schwachen Immunsystem und Kinder. Die Symptome zeigen sich bisher wesentlich milder als die 1980 als ausgerottet erkl√§rten Pocken (Variola). Zu den h√§ufigsten Symptomen geh√∂ren Fieber, Sch√ľttelfrost, Kopf- und Muskelschmerzen sowie Abgeschlagenheit. Charakteristisch aber sind Hautver√§nderungen (Ausschl√§ge), die erst fleckig erscheinen und im Verlauf zu Pusteln werden, bis sie trocknen, verkrusten und abfallen. Die Ausschl√§ge k√∂nnen sowohl im Gesicht, als auch im Genitalbereich, an den H√§nden und F√ľ√üen sowie auf der Brust auftreten. Auch auf Schleimh√§uten k√∂nnen die Pusteln auftreten. In der Regel ist der Ausschlag nach sp√§testens vier Wochen vollst√§ndig abgeheilt.

√úbertragen werden die Affenpockenviren durch engen K√∂rperkontakt, den Kontakt mit K√∂rperfl√ľssigkeiten oder √ľber die f√ľr die Erkrankung typischen Ausschl√§ge. Auch die √úbertragung √ľber Tr√∂pfcheninfektion kann nicht ausgeschlossen werden. Betroffene sind so lange ansteckend, bis die Ausschl√§ge vollst√§ndig abheilen konnten. Die √úbertragung kann auch √ľber Gegenst√§nde erfolgen (z.B. Handt√ľcher, Bettw√§sche, T√ľrklinken), die ein Infizierter ber√ľhrt/genutzt hat. In betroffenen Gebieten in Afrika kann die √úbertragung auch von Tiere auf Menschen erfolgen, in der Regel dann von Nagetieren. Tiere √ľbertragen die Virusinfektion √ľber Bisse, Extrete, Sekrete und kontaminiertem Fell oder Material. Die Inkubationszeit dauert mindestens 3 bis maximal 21 Tage.

Es sollten Haut- und K√∂rperkontakt mit Infizierten eingeschr√§nkt und offene Wunden oder Ausschl√§ge nicht ber√ľhrt werden. Auch sexueller Kontakt sollte vorerst unterbunden werden, da eine Infektion auch √ľber Geschlechtsverkehr √ľbertragen werden kann. Kondome k√∂nnen das Infektionsrisiko zwar verringern, aber nicht verhindern. Die Nutzung von Kondomen wird im √úbrigen auch bis zu acht Wochen nach Abheilung der Ausschl√§ge noch dringend empfohlen. Der Virus kann nach nachweislich noch einige Zeit in der Samenfl√ľssigkeit auftreten.

Wer sich mit den Affenpocken infiziert, muss sich ab dem ersten Tag, an dem sich Symptome zeigen, in mindestens 21-t√§gige Quarant√§ne begeben. Wenn eine Infektion symptomlos verl√§uft und √ľber eine Probennahme diagnostiziert wird, beginnt die Isolation ab dem Zeitpunkt der Probennahme. Die Quarant√§ne darf aufgehoben werden, wenn die Ausschl√§ge vollst√§ndig verheilt sind. Die Probennahme erfolgt aus n√§ssenden Wunden, Bl√§schen, Pusteln und Krusten. Auch Abstriche an Hautl√§sionen sind eine g√§ngige Methode zur Diagnostik. Obwohl die Affenpocken zur selben Gattung wie die 1980 als ausgerottet erkl√§rten Menschenpocken geh√∂ren, sind Symptome milder und das Sterberisiko deutlich geringer. Auf eine Infektion mit diesen Pockenviren getestet werden in der Regel nur Patienten mit typischen Symptomen und Risikofaktoren (Reisen in endemische Gebiete). Wer selbst Symptome bemerkt, begibt sich am besten sofort in Quarant√§ne und holt sich Rat beim Gesundheitsamt oder dem Hausarzt.

Die Behandlung ist in der Regel unkompliziert, da die Infektion innerhalb einiger Wochen von alleine abklingt (schwere Verl√§ufe sind aber m√∂glich). Eine Therapie findet lediglich unterst√ľtzend statt, damit es nicht zu Superinfektionen √ľber Bakterien kommt. Erst k√ľrzlich wurde in der EU das Medikament Tecovirimat zur Behandlung der Virusinfektion zugelassen und ist auch in Deutschland begrenzt verf√ľgbar.

Geographische Karte mit Verbreitung der Affenpocken in Europa

European Centre for Disease Prevention and Control

Aktuelle Lage und Entwicklung in Europa

Laut Global Health Netzwerk sind zwischen Januar und September 2022 aktuell √ľber 64.000 Affenpockenf√§lle weltweit best√§tigt worden. Bereits 3.570 F√§lle davon kommen aus Deutschland. Registriert werden solche F√§lle au√üerhalb des afrikanischen Kontinents seit dem Fr√ľhjahr 2022, bei denen die Betroffenen nicht aus endemischen L√§ndern kamen. Bekannt geworden ist hierzulande vor allem die angenommene √úbertragung des Virus √ľber Geschlechtsverkehr.

Das Robert Koch Institut und die Weltgesundheitsorganisation beobachten und analysieren die aktuellen F√§lle und aktualisieren st√§ndig den Stand ihrer Forschungen und Erkenntnisse. Damit das Risiko f√ľr Europa und Deutschland eingesch√§tzt werden kann, muss die Entwicklung der √úbertragung und Forschung genau erfasst werden. Im Juli 2022 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Virenerkrankung als ‚ÄěGesundheitsnotlage mit internationaler Tragweite‚Äú erkl√§rt. Empfohlen werden neben der Isolation bzw. Quarant√§ne und der richtigen Behandlung der Erkrankten auch die Nachverfolgung von Kontaktpersonen, das Impfen sowie eine bessere Kommunikation, um das Virus einzud√§mmen. Die breite deutsche Bev√∂lkerung erf√§hrt bislang keine Gef√§hrdung der Gesundheit, da diese Pockenart hierzulande nur unter bestimmten Voraussetzungen ansteckend ist. Selbiges gilt f√ľr ganz Europa. Bisher konnten sich die Affenpocken nicht als pandemische Infektionskrankheit in Europa festsetzen. Weltweit sind sie dennoch als Epidemie gelistet, die meist von Mensch zu Mensch √ľbertragen wird. Erfolgen keine Pr√§ventionsma√ünahmen, besteht durchaus die Gefahr, dass die Infektionen weltweit pandemische Ausma√üe annehmen. Der aktuelle Ausbruch in Europa soll weiter begrenzt werden, indem Vorsichtsma√ünahmen getroffen und Infektionen zeitnah erkannt werden.

Grunds√§tzlich kann das aus der Covid-Pandemie gewonnene Wissen und die Erfahrungen auch bei Epidemien wie dieser Infektionskrankheit genutzt werden. Ein fr√ľhzeitiges Erkennen, Quarant√§nema√ünahmen, Meldung von Erkrankungen sowie Aufkl√§rungskampagnen k√∂nnen helfen, die Bev√∂lkerung weiterhin zu sch√ľtzen und eine erneute Pandemie zu verhindern.

Alles √ľber die Affenpocken-Impfung

Die (Menschen-)Pocken wurden 1980 als ausgerottet erkl√§rt und Impfungen eingestellt. Bis dato war die Pockenimpfung sogar Pflicht. Seit 2013 gibt es in der EU einen neuen Pocken-Impfschutz (Imvanex), der auch bei Affenpocken-Erkrankungen angewendet werden kann. Geimpft werden d√ľrfen allerdings nur Menschen ab 18 Jahren. Das Robert Koch Institut und die St√§ndige Impfkommission (STIKO) geben umfassend Auskunft zu Impfm√∂glichkeiten und neuen Entwicklungen. Aktuell sollten nur bestimmte Risikogruppen √ľber eine Impfung nachdenken, beispielsweise immunschwache Menschen. Andernfalls wird eine Impfung derzeit nicht empfohlen und gilt noch als nicht zwingend notwendig.

Geimpft werden soll laut STIKO mit dem Impfstoff Imvanex/Jynneos/Imvamune. Die Grundimmunisierung besteht aus zwei Impfdosen. Die zweite Dosis erfolgt nach mindestens 28 Tagen. Dabei garantiert die erste Dosis einen guten Basisschutz nach schon 14 Tagen, die zweite Dosis verlängert den Impfschutz. Hat man in der Vergangenheit bereits die Pockenimpfung erhalten, reicht eine einmalige Impfdosis. Bereits gegen Pocken geimpften, immunschwachen Menschen werden zwei Auffrischungsimpfungen empfohlen.

Die Impfung gegen die Pocken erfolgt √ľber die Haut, also subkutan. Wer mit einem Infizierten in Kontakt war, kann sich vorbeugend impfen lassen, allerdings schon innerhalb von 14 Tagen nach Kontakt und solange keine Symptome auftreten. Wird die Impfung direkt nach Kontakt gegeben, kann die Infektion verhindert werden. Erfolgt die Impfung erst nach vier bis maximal 14 Tagen kann die Infektion nicht verhindert, aber Symptome gemildert werden. Ob der Impfstoff Imvanex bei Kindern wirkt, ist bisher nicht ausreichend erforscht. Da der Impfstoff nur begrenzt verf√ľgbar ist, werden die Dosen an die L√§nder und Bundesl√§nder verteilt.

Wird die Krankheit auch in Zukunft ein Problem sein?

Europaweit und hierzulande wird die Entwicklung der Verbreitung der Affenpocken st√§ndig beobachtet. Neue Erkenntnisse und Informationen sind regelm√§√üig abrufbar, Gesundheits√§mter geben ebenfalls gern Auskunft. Wichtig sind vor allem pr√§ventive Ma√ünahmen, die der aktuellen Forschung mehr Zeit geben. Infizierte sollten behandelt und postexpositionelle Ma√ünahmen ergriffen werden. Zudem wird es immer wichtiger, die Bev√∂lkerung aufzukl√§ren und zu informieren. Mittel zur Pr√§vention, wie Tests und mehr Impfstoffdosen f√ľr die L√§nder, sollten aufgestockt werden.

Redaktionelle Grundsätze

Alle f√ľr den Inhalt herangezogenen Informationen stammen von gepr√ľften Quellen (anerkannte Institutionen, Fachleute, Studien renommierter Universit√§ten). Dabei legen wir gro√üen Wert auf die Qualifikation der Autoren und den wissenschaftlichen Hintergrund der Informationen. Somit stellen wir sicher, dass unsere Recherchen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren.

Medikamio
Autor

Letztes Update

27.09.2022

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