Angstlöser Alprazolam und seine Wirkung

Zuhause erschrecken Teenager mit Kissen, die auf einer Couch im Wohnzimmer sitzen

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Seit 1984 ist Alprazolam als angstlösender Wirkstoff auf dem deutschen Markt. Heutzutage zählt dieser Wirkstoff gleichzeitig zu den am meisten verschriebenen, jedoch auch am häufigsten im Zuge von Missbrauch eingenommenen. Seitdem beschreiben mehrere Studien die Einnahme, Wirkung und Missbrauch von Alprazolam.

Zuhause erschrecken Teenager mit Kissen, die auf einer Couch im Wohnzimmer sitzen

shutterstock.com / Antonio Guillem

Alprazolam:

Alprazolam wird als Wirkstoff f√ľr die Behandlung von Angst- und Panikzust√§nden verwendet. Dieser, meist in Tablettenform erh√§ltlicher, Psycholeptika wirkt angstl√∂send, beruhigend und entspannt die Muskulatur. In der DACH-Region ist Alprazolam rezeptpflichtig (z.B.: in √Ėsterreich durch die Psychotropenverordnung).

Wirkung und Einnahme:

Als zur Gruppe der Benzodiazepine gehörender Wirkstoff, wirkt Alprazolam beruhigend und angstlösend. Bekanntester Vertreter dieser Gruppe der Anxiolytika, d.h. Angstlöser, wäre Diazepam bzw. umgangssprachlich auch Valium. Alprazolam kann die Wirkung von GABA-Rezeptoren (d.h. Nervenbotenstoffe) in unserem Gehirn verstärken. Dieser Botenstoff hemmt die Erregung von Nervenzellen, folglich hat dies dadurch eine angstlösende und beruhigende Wirkung auf den menschlichen Körper.  

Dieser Wirkstoff wird meist in Form von Tabletten eingenommen und gelangt im Darm in die Blutbahnen. In weiterer Folge verarbeitet die Leber Alprazolam zur eigentlichen Wirkform (őĪ-Hydroxyalprazolam), welcher dann in das zentrale Nervensystem gelangt, worin die Wirkung zwischen 12 und 15 Stunden anh√§lt. ¬†

Generalisierte Angststörung:

Diese Anxiolytika werden zur Behandlung von einer langanhaltenden Angst, welche nicht auf spezifische Objekte oder Situationen beschränkt ist, eingesetzt. Die zu behandelnden Patienten leiden unter psychischer und körperlicher Unruhe, Spannungskopfschmerzen, Zittern und Sorgen. Bei einer solchen generalisierte Angststörung kann Alprazolam die vorherrschenden Angstzustände bei richtigem Gebrauch nachweislich lindern. 

Rebound-Effekt:

Wichtig bei der Nutzung des Wirkstoffes ist, dass dieser nicht abrupt abgesetzt werden soll, da sonst Entzugssymptome wie Wahrnehmungsst√∂rungen oder psychotische Symptome, sowie urspr√ľngliche Beschwerden auftreten k√∂nnen.

Vergleichende √úberpr√ľfung:

Eine, 2018 in dem Journal of Addiction Medicine erschienene, eingehende √úberpr√ľfung von Alprazolam untersucht diesen Wirkstoff in Bezug auf die Einnahme, Missbrauch und R√ľcknahme diesen. Auch Indikationen (d.h. Anzeige von Angemessenheit einer medizinischen Behandlung) von Alprazolam f√ľr die Auswirkung auf schwangere Frauen wurden in diesem Artikel ausgewertet.¬†

Der Artikel analysierte mehrere Studien, unter anderem auch eine √úbersicht von 84 Studien (Jonas und Cohon, 1993), bei der bei 8878 Studienteilnehmern festgestellt wurde, dass der Wirkstoff in Bezug auf antidepressiver Wirkung einem Placebo √ľberlegen ist und genauso wirksam wie alle vergleichenden Angstl√∂ser wie Valium. 3574 Teilnehmer wurden mit dem Wirkstoff behandelt, 3666 mit einem anderen vergleichenden Angstl√∂ser und 1638 mit einem Placebo. Die Daten aus mehreren Studien haben gezeigt, dass das Eintreten einer antidepressiven Wirkung bei Alprazolam im Vergleich zu anderen Wirkstoffen signifikant schneller war und Alprazolam genauso gut vertragen wurde wie die restlichen Vergleichsmedikamente.

Die Autoren des Artikels kamen jedoch zum Schluss, dass die in dieser √úberpr√ľfung relevanten Studien heterogen waren, keine besonders gute Qualit√§t aufwiesen und sich ausschlie√ülich mit kurzfristigen Auswirkungen befasst haben. Zus√§tzlich dazu war nicht eindeutig, ob die klinische Wirkung des Wirkstoffes auf eine spezifische oder eine unspezifische antidepressive Wirkung auf parallel dazu auftretende Angstzust√§nde und Schlafprobleme zur√ľckzuf√ľhren war.

Missbrauch:

Alle untersuchten doppelblinden, placebokontrollierten Studien haben gezeigt, dass Benzodiazepine verstärkende Wirkungen in diejenigen Menschen hervorrufen können, welche eine Tendenz zum Missbrauch dieser in Verbindung mit ihrer Vergangenheit mit Drogenkonsum hinweisen. 

Während der Schwangerschaft:

Bez√ľglich der Einnahme von Alprazolam w√§hrend der Schwangerschaft gibt es Widerspr√ľche √ľber die Ursache von Wirkung, weswegen eine sorgf√§ltige Nutzen-Risiko-Analyse gemacht werden sollte, falls eine Verschreibung des Wirkstoffes f√ľr schwangere oder stillende Frauen in Betracht gezogen wird.¬†

Fazit:

Es ist auch erwähnenswert, dass die Anzahl der klinischen Studien mit Alprazolam seit dem Aufkommen neuerer Antidepressiva signifikant abnahm. Außerdem gibt es keine klinischen Studien, in denen Alprazolam oder andere Benzodiazepine direkt mit neueren Antidepressiva in Bezug auf Angststörungen, Panikstörungen oder Depressionen verglichen werden.

Die Daten zeigen, dass eine Alprazolam-Therapie bei der Behandlung von Angstzust√§nden und Panikst√∂rungen genauso wirksam ist, wie andere Benzodiazepine. Jedoch muss dies zusammen mit Abh√§ngigkeitsneigung und Toleranz der Patienten, sowie dem Rebound-Effekt ber√ľcksichtigt werden.¬†

Der Patient muss auf jeden Fall mit Sorgfalt √ľber die Risiken wie die M√∂glichkeit einer Abh√§ngigkeit und Entzugssymptome aufgekl√§rt werden. Wie in der aktuellen Leitlinie der Bundes√§rztekammer Deutschland hingewiesen, ist es wichtig, dass f√ľr die Pr√§vention und Therapie von Medikamentenabh√§ngigkeit, Haus- und Fach√§rzte und insbesondere Psychiater unbedingt zusammenarbeiten sollten.¬†


Wirkstoffe:

    Quellenangaben

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    Danilo Glisic

    Danilo Glisic
    Autor

    Als Biologie- und Mathematikstudent verfasst er leidenschaftlich Magazinartikel zu aktuellen medizinischen Themen. Aufgrund seiner Affinität zu Zahlen, Daten und Fakten, liegt sein Fokus dabei auf der Beschreibung von relevanten klinischen Studienergebnissen.

    Letztes Update

    21.12.2020

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