Erhöht Bewegungsmangel bei Jugendlichen das Risiko auf Depression?

Klasse der Grundschulwissenschaften: Über der Schulter Little Boy and Girl verwenden Laptop mit Screen Showing Programming Software. Physik-Lehrer erklärt Lektion zu einer vielfältigen Klasse voller intelligenter Kinder

Anzeige

Da die psychische Erkrankung meistens schon im Jugendalter beginnt, ist es besonders wichtig die Risikofaktoren zu identifizieren ‚Äď denn global leiden mehr als 320 Millionen Menschen an Depressionen. Eine unl√§ngst publizierte Studie untersuchte daher den Zusammenhang zwischen depressiven Symptomen und gemessener k√∂rperlicher Aktivit√§t und Bewegungsmangel bei Jugendlichen.

Klasse der Grundschulwissenschaften: Über der Schulter Little Boy and Girl verwenden Laptop mit Screen Showing Programming Software. Physik-Lehrer erklärt Lektion zu einer vielfältigen Klasse voller intelligenter Kinder

shutterstock.com / Gorodenkoff

Depression erklärt:

W√§hrend in der allt√§glichen Sprachverwendung der Begriff depressiv¬†h√§ufig f√ľr eine normale Dysphorie (d.h. niedergeschlagene Stimmungslage meistens ohne Krankheitswert) verwendet wird, ist eine Depression im medizinischen Kontext eine weit verbreitete psychische St√∂rung. Die Symptome dieser affektiven Erkrankung w√§ren unter anderem Appetitlosigkeit, Schuldgef√ľhle, geringes Selbstwertgef√ľhl, Schlafst√∂rungen, M√ľdigkeit und Konzentrationsschw√§chen.¬†

Eine Depression kann √ľber l√§ngere Zeitr√§ume auftreten oder in wiederkehrenden Sch√ľben erscheinen und dabei eine Person in der Arbeit, beim Lernen oder allgemein beim Leben belasten. Schlimmstenfalls kann die Erkrankung zum Suizid f√ľhren. W√§hrend mildere Auspr√§gungen meistens ohne Medikamente behandelt werden k√∂nnen, m√ľssen mittlere bis schwere Formen jedoch mit Medikamenten bzw. mithilfe professioneller Gespr√§chstherapie behandelt werden. Die Erkrankung bildet sich oft schon in einem jungen Alter und betrifft Statistiken der WHO zufolge h√§ufiger Frauen als M√§nner, wobei Arbeitsuchende ebenso st√§rker betroffen sind.

Dem internationalen Klassifikationssystem ICD-10 (d.h. International Classification of Diseases) zufolge unterteilt man drei folgende Schweregrade:

  • leichte depressive Episode: wenn mindestens zwei Hauptsymptome wie depressive Stimmung und Antriebsmangel und zwei Zusatzsymptome wie Schuldgef√ľhl und Schlafst√∂rungen vorhanden sind.
  • mittlere depressive Episode: wenn zwei Hauptsymptome und mindestens drei, h√∂chstens vier weitere Symptome vorliegen.
  • Schwere depressive Episode: wenn drei Hauptsymptome und mindestens vier weitere Symptome diagnostiziert werden. Zus√§tzlich dazu m√ľssen die Merkmale mindestens zwei Wochen lang anhalten.

Weitere Subtypen depressiver Phasen k√∂nnen noch weiter spezifiziert werden ‚Äď wie bei chronisch depressiven St√∂rungen, psychotischer Depression, melancholischer Depression, saisonal abh√§ngige Depression oder psychischer St√∂rung nach der Entbindung. In der folgenden Studie sind bipolare affektive Erkrankungen nicht enthalten.

Jugendliche analysiert:

Die im Februar 2020, in der medizinischer Fachzeitschrift The Lancet publizierte Studie analysierte die Daten der ALSPAC-Studie (d.h. Avon Longitudinal Study of Parents and Children), welche seit 1991 eine Kohorte von beinahe 15.000 Kindern seit der Schwangerschaft der M√ľtter begleitet. Mithilfe von Beschleunigungssensoren, sogenannten Akzelerometern, wurde sitzendes Verhalten und k√∂rperliche Aktivit√§t bei Kindern im Alter von 12, 14 und 16 Jahren gemessen. Die gesamte Aktivit√§t wurde als Anzahl pro Minute (Englisch: Count Per Minute, kurz: CMP) bewertet und in weiterer Folge als durchschnittliche CPM pro Tag berechnet. Die Bewegungsmessung wurde dann mit den Ergebnissen des CIS-R (d.h. Clinical Interview Schedule-Revised) assoziiert, welcher bei 4.257 Teilnehmern im Alter von 18 Jahren evaluiert wurde. CIS-R ist ein strukturiertes diagnostisches Instrument, mit dem Psychiater psychische St√∂rungen erfassen und mit einem Score (d.h. Wert) bewerten k√∂nnen.¬†

Physische Bewegung genau gemessen: 

K√∂rperlichen Aktivit√§ten wurden mit einem MTI Actigraph 7164 oder 71256 Messger√§t verzeichnet, die 7 Tage lang an der rechten H√ľfte getragen wurden. Beide Modelle z√§hlen zur gleichen Generation von einachsigen Beschleunigungsmessger√§ten und es besteht laut Studie kein signifikanter Unterschied zwischen den Ergebnissen.¬†

Außer beim Waschen oder beim Wassersport haben die Studienteilnehmer während der Wach-Stunden diese Messgeräte getragen. Dabei wurden nur Daten von Probanden aufgenommen, die mindestens 3 Tage lang mehr als 10 Stunden Tragezeit aufzeichnen konnten.

Diese Messung hat die Menge und Intensit√§t der durchgef√ľhrten k√∂rperlichen Aktivit√§t in drei Kategorien definiert:

  • m√§√üige bis kr√§ftige k√∂rperliche Aktivit√§t: bei mindestens 3600 CPM. (z.B. z√ľgiges Gehen oder Joggen)
  • leichte Aktivit√§t: 200‚Äď3599 CPM. (z.B. langsames Gehen)
  • sitzendes Verhalten: maximal 199 CPM. (z.B. still liegen oder sitzen)

Um unterschiede in der Tragezeit zu ber√ľcksichtigen, wurde in jeder Aktivit√§tsintensit√§t verbrachte Zeit prozentual zur gesamten Tragezeit berechnet. Die Nachbeobachtungszeit betrug 6 Jahre

Je älter desto mehr sitzen wir:

Analysen zeigten, dass die k√∂rperliche Aktivit√§t zwischen 12 und 16 Jahren abnahm, was laut Studie auf die abnehmende Dauer der leichten Aktivit√§t zur√ľckzuf√ľhren sei ‚Äď von 5 Stunden und 26 Minuten auf 4 Stunden und 5 Minuten. Zus√§tzlich dazu wurde eine Zunahme des sitzenden Verhaltens von durchschnittlich 7 Stunden und 10 Min. auf 8 Stunden und 43 Min. verzeichnet.

Dabei besteht ein Zusammenhang zwischen der vermehrten sitzenden Tätigkeit und einem erhöhten Depressionswert im Alter von 18 Jahren. Jede weitere Stunde in Sitzendender Position ab dem alter von 12 Jahren steigerte den Wert der Depression um 11,1%. Auf der anderen Seite konnte jede weitere Stunde leichter körperlicher Aktivität den Wert um 9,6% senken. Allgemein waren die Depressionswerte bei Probanden mit anhaltend hohem und anhaltend durchschnittlichem sitzenden Verhalten höher als bei Denjenigen, die anhaltend weniger gesessen sind. Auch Personen mit anhaltend hoher körperlicher Aktivität hatten einen geringeren Depressionswert als Personen mit anhaltend niedriger Aktivität. 

Rund 15 Minuten t√§glicher Sport konnten schon ab dem Alter von 12 Jahren den Depressionswert um 9% senken. Diese Verkn√ľpfung war jedoch nicht signifikant, da dieser Zusammenhang bei m√§√üige bis starke k√∂rperliche Aktivit√§t im Alter von 14 oder 16 Jahren nicht festgestellt wurde.

Fazit:

Wie die Bewegung vor Depression genau sch√ľtzt, ist leider noch nicht bekannt. Festzuhalten ist, dass Bewegungsmangel die leichte Aktivit√§t w√§hrend der gesamten Jugend verdr√§ngt und mit einem h√∂heren Risiko f√ľr depressive Symptome im Alter von 18 Jahren in Verbindung steht. Eine Steigerung der Aktivit√§t und Verringerung des Sitzens w√§hrend des Heranwachsens k√∂nnte ein bedeutendes Interesse f√ľr den Bereich der √∂ffentlichen Gesundheit darstellen, um die steigende Anzahl der Depressionen anzufechten.¬†

Redaktionelle Grundsätze

Alle f√ľr den Inhalt herangezogenen Informationen stammen von gepr√ľften Quellen (anerkannte Institutionen, Fachleute, Studien renommierter Universit√§ten). Dabei legen wir gro√üen Wert auf die Qualifikation der Autoren und den wissenschaftlichen Hintergrund der Informationen. Somit stellen wir sicher, dass unsere Recherchen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren.
Danilo Glisic

Danilo Glisic
Autor

Als Biologie- und Mathematikstudent verfasst er leidenschaftlich Magazinartikel zu aktuellen medizinischen Themen. Aufgrund seiner Affinität zu Zahlen, Daten und Fakten, liegt sein Fokus dabei auf der Beschreibung von relevanten klinischen Studienergebnissen.

Letztes Update

14.06.2021

Anzeige

Teilen

Anzeige

Ihr persönlicher Arzneimittel-Assistent

afgis-Qualit√§tslogo mit Ablauf Jahr/Monat: Mit einem Klick auf das Logo √∂ffnet sich ein neues Bildschirmfenster mit Informationen √ľber medikamio GmbH & Co KG und sein/ihr Internet-Angebot: medikamio.com/ This website is certified by Health On the Net Foundation. Click to verify.
Medikamente

Durchsuche hier unsere umfangreiche Datenbank zu Medikamenten von A-Z, mit Wirkung und Inhaltsstoffen.

Wirkstoffe

Alle Wirkstoffe mit ihrer Anwendung, chemischen Zusammensetzung und Arzneien, in denen sie enthalten sind.

Krankheiten

Ursachen, Symptome und Behandlungsm√∂glichkeiten f√ľr h√§ufige Krankheiten und Verletzungen.

Die dargestellten Inhalte ersetzen nicht die originale Beipackzettel des Arzneimittels, insbesondere im Bezug auf Dosierung und Wirkung der einzelnen Produkte. Wir k√∂nnen f√ľr die Korrektheit der Daten keine Haftung √ľbernehmen, da die Daten zum Teil automatisch konvertiert wurden. F√ľr Diagnosen und bei anderen gesundheitlichen Fragen ist immer ein Arzt zu kontaktieren. Weitere Informationen zu diesem Thema sind hier zu finden