Erhöhtes kardiovaskuläre Risiko durch Wachstumshormone bei Kindern?

HORMONE word written on wood block, medical concept

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Ist ein Kind kleiner als 97% seiner Altersgenossen, wird es in der Fachsprache als kleinw√ľchsig bezeichnet. In diesem Fall greifen manche zu einer Hormonbehandlung ‚Äď diese trifft in Bezug auf kardiovaskul√§rer Sicherheit und Langzeitfolgen immer mehr auf Bedenken. Um dies zu √ľberpr√ľfen hat ein schwedisches Forscherteam nun eine 25 Jahre-lange Langzeitstudie publiziert.

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shutterstock.com / MinskDesign

Wachstumshormone bei Kindern:

Wenn die K√∂rpergr√∂√üe eines Kindes unterhalb der 3. Perzentile, ein Ma√ü f√ľr die Streuung einer statistischen Verteilung, liegt, gilt dieses als kleinw√ľchsig. Dabei ist das menschliche Wachstumshormon Somatropin¬†von gro√üer Bedeutung. Dieses ist f√ľr die Entwicklung wichtiger Gewebe und die Steuerung unterschiedlicher Vorg√§nge im K√∂rper zust√§ndig. Dazu z√§hlen unter anderem:

  • L√§ngenwachstum
  • Aufbau von Knochen, Muskulatur und Bindegewebe
  • Beteiligt an Regulation des Blutzucker- und Fettstoffwechsels¬†

Ein Mangel an Wachstumshormonen kann unterschiedliche Ursachen haben: familiäre Veranlagung, Mangelernährung, schwere chronische Erkrankungen oder auch Wachstumsstörungen während der Schwangerschaft der Mutter. Statistiken zufolge leidet eines von 4.000 bis 15.000 Kindern unter einem Wachstumshormonmangel. Dabei wird die Diagnose nach verschiedenen Tests gestellt und die Behandlung unterscheidet sich je nach Ursache.

Aufgrund der Beschaffenheit von Somatropin, einem Eiwei√ü, kann es nicht als Tablette eingenommen werden, da es sonst vom Magensaft abgebaut werden w√ľrde. ¬†Daher muss es, √§hnlich wie Insulin, einmal t√§glich in das Unterhautfettgewebe injiziert werden. Nach Beginn der Therapie kontrolliert ein Kinderendokrinologe (d.h. Hormonspezialist) w√§hrend der Therapiedauer die Gr√∂√üe und Gewicht des Kindes und analysiert M√∂glichkeiten von Nebenwirkungen wie Gelenkbeschwerden, allergische Reaktionen an der Einstichstelle, Muskelschmerzen, Kopfschmerzen oder √úbelkeit.¬†

Da Somatropin an Fett-, Protein-, und Kohlenhydratstoffwechsel beteiligt ist, denken Forscher, dass diese Wirkung der Wachstumshormone eine m√∂gliche Ursache f√ľr eine gr√∂√üeres Risiko f√ľr kardiovaskul√§re Erkrankungen sein k√∂nnte.¬†

Um diese Fragestellung analysieren zu können, untersuchte ein Forscherteam nun ein mögliches Langzeitrisiko von allgemeinen bis hin zu schweren kardiovaskulären Ereignissen bei Patienten, die im Kindesalter mit Wachstumshormonen behandelt wurden. Auch ein möglicher Zusammenhang mit Behandlungsdauer und Dosis wurde dabei beobachtet. 

Langzeit Beobachtung:

Die im Jahre 2021, in der Fachzeitschrift¬†JAMA Pediatrics¬†publizierte Studie, inkludierte eine landesweite bev√∂lkerungsbasierte schwedische Kohortenstudie, die Patienten umfasste, welche in ihrer Kindheit von Januar 1998 bis Dezember 2010 mit Wachstumshormonen behandelt wurde. Au√üerdem hatten Patienten dieser Kohorte eine Nachuntersuchung (d.h. Follow-Up) im Dezember 2014. Beobachtete Patienten wurden aufgrund eines isolierten Mangel an Wachstumshormonen, welcher f√ľr das Gestationsalter (d.h. Schwangerschaftsdauer der Mutter) gering war, und einer idiopathischen Kleinwuchsform (d.h. ohne erkennbare Ursache) mit sogenannten rekombinanten humanen Wachstumshormonen (dazu z√§hlt Somatropin) behandelt. Als Vergleichsgruppe wurden f√ľr jeden behandelten Patienten 15 alters-, geschlechts-, und regional-bedingte √ľbereinstimmende Individuen zuf√§llig aus der Allgemeinbev√∂lkerung ausgesucht. Die Daten zu kardiovaskul√§ren Ergebnissen, Gestationsalter, Geburtsgewicht, Gr√∂√üe bei der Geburt, sozio√∂konomischer Status und allgemeine K√∂rpergr√∂√üe wurden durch mehrere Gesundheits- und bev√∂lkerungsbezogenen Datenbanken f√ľr die Analyse im Beobachtungszeitraum von bis zu 25 Jahren herangezogen.¬†

Wachsendes Risiko:

Insgesamt wurden 53.444 Personen nachbeobachtet ‚Äď im Durchschnitt 14,9 Jahre lang. Davon waren 3.408 Patienten und die restlichen 50.0036 die vergleichenden Kontrollteilnehmer. 67,7% waren M√§nner im durchschnittlichen Alter von 25,1 Jahren am Ende der Untersuchung. Die gesamte Anzahl an untersuchten Patientenjahren betrug 795.125 Jahre.

Unter den Personen wurden insgesamt 1809 kardiovaskul√§re Ereignisse aufgezeichnet. Die Inzidenzrate pro 10.000 Personenjahre f√ľr Patienten betrug lediglich 25,6 Ereignisse, w√§hrend die Kontrollgruppe nur 22,6 Ereignisse pro 10.000 Personenjahren verzeichnete. Trotzdem war das berechnete Risiko f√ľr kardiovaskul√§re Ereignisse bei Kindern mit Wachstumshormon-Behandlung um 69% h√∂her als bei der Allgemeinbev√∂lkerung. Besonders bei Frauen zeigten sich h√∂here Werte als im Vergleich zu M√§nnern. Je l√§nger die Kinder die Wachstumshormone eingenommen hatten und je h√∂her die ansteigende Dosis, desto mehr stieg das Risiko eines allgemeinen kardiovaskul√§ren Vorfalls.¬†

Fazit:

Die Studienergebnisse suggerieren, dass an Kindern angewendete Wachstumshormon-Behandlungen aufgrund von isoliertem Mangel an Wachstumshormonen und einer Kleinwuchsform ohne erkennbare Ursache, m√∂glicherweise mit einem erh√∂hten Risiko f√ľr kardiovaskul√§re Ereignisse in jungem Erwachsenenalter in Verbindung gebracht werden k√∂nnten. Die Forscher erw√§hnen jedoch, dass eine eindeutige kausale Verbindung zwischen Einnahme von Hormonen und kardiovaskul√§ren Ereignissen mit dieser Studie nur limitiert ist, weswegen f√ľr einen klaren Zusammenhang weitere Studien notwendig sind.


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Danilo Glisic

Danilo Glisic
Autor

Als Biologie- und Mathematikstudent verfasst er leidenschaftlich Magazinartikel zu aktuellen medizinischen Themen. Aufgrund seiner Affinität zu Zahlen, Daten und Fakten, liegt sein Fokus dabei auf der Beschreibung von relevanten klinischen Studienergebnissen.

Letztes Update

16.08.2021

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