Ist das Metabolische Syndrom des Mannes eine Gefährdung der Schwangerschaft seiner Frau?

Der Verlauf der Schwangerschaft einer Frau kann durch den gesundheitlichen Zustand des Mannes beeinflusst werden. Laut neuen Studienergebnissen stieg die Häufigkeit von Fehl- und Totgeburten, wenn der Mann eine oder mehrere Komponenten eines Metabolischen Syndroms aufwies - einer Kombination verschiedener Krankheiten und Symptome.
Paar Händen, die einen Bauch von schwangeren jungen Frauen haltenshutterstock.com / Filimonova Liliia

Metabolisches Syndrom erklärt:

Das sogenannte Metabolische Syndrom ist keine eigenständige Krankheit, sondern eine Kombination aus unterschiedlichen Erkrankungen und Anzeichen. Heutzutage zählt es als signifikantester Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen – die häufigste Todesursache in Industrieländern. Dabei fasst das Syndrom die verschiedenen Aspekte zusammen, welche häufig zu einer Herz-Kreislauf-Erkrankung führt. Die wären: Adipositas (d.h. Übergewicht), gestörter Fett- und Cholesterinhaushalt, arterielle Hypertonie (d.h. Bluthochdruck) und ein erhöhter Blutzuckerspiegel. Die Kombination dieser vier Teilerkrankungen wird im angloamerikanischen Sprachraum auch deadly quartet (d.h. tödliches Quartett) genannt. Nach Schätzungen von Experten erkrankt in Deutschland jeder vierte Mensch im Laufe seines Lebens an einem Metabolischen Syndrom. Es besteht auch eine Möglichkeit, dass sich dadurch die Wahrscheinlichkeit, an den Folgen eines Herzinfarktes oder Schlaganfalls zu sterben, vervielfacht. Die Chance, dass ein Betroffener mit dem Syndrom eine Zuckerkrankheit wie Diabetes mellitus Typ-2 entwickelt, ist möglicherweise etwa fünfmal höher.

Laut Studienergebnissen ist sogar die Schwangerschaft einer Frau durch die Kombination solcher Erkrankungen beim Mann gefährdet.

Fast eine Million Schwangerschaften untersucht:

In der im Dezember 2020, im Universitätsverlag Oxford University Press publizierten Analyse, untersuchten die Forscher Daten aus US-Versicherungsansprüchen für 958.804 Schwangerschaften. Diese Versicherungsansprüche umfassten Daten zwischen 2007 und 2016.

Neben dem Metabolischen Syndrom wurden auch Informationen zu diversen Erkrankungen wie chronisch obstruktiver Lungenerkrankungen, Depressionen und Herzerkrankungen gesammelt. Auch die Belastung durch chronische Krankheiten für alle Patienten, einschließlich Alter und Krankengeschichte (Herzinsuffizienz, Herzinfarkt, Blutgefäß-Erkrankungen, Nieren- und Lebererkrankungen, Krebs, usw.) wurde analysiert. Diese wurden angepasst, um andere Schwangerschafts-beeinflussende Faktoren zu berücksichtigen – besonders das Alter, die Gesundheit, das Gewicht der Mutter und ob der Vater oder die Mutter geraucht haben.

4,6% der studienteilnehmenden Männer waren über 45 Jahre alt und 23,3% hatten vor der Empfängnis mindestens einen Aspekt des metabolischen Syndroms. Während der Dauer der Untersuchung gingen 22% (172.995) Schwangerschaften durch Eileiterschwangerschaft, Fehlgeburt oder Totgeburt verloren. Mit dem Alter der Mutter und der Anzahl anderer Erkrankungen nahmen auch die Schwangerschaftsverluste zu, wobei der Zusammenhang zwischen der Gesundheit des Vaters und Schwangerschaftsverlust jedoch bestehen blieb. Auch ein erhöhtes Risiko, eine Schwangerschaft zu verlieren, stieg mit dem Alter des Vaters. Die genauen Mechanismen, durch welche die Gesundheit der Vaters Einfluss auf das Risiko eines Schwangerschaftsverlustes hat, sind jedoch nicht bekannt. Eine plausible Erklärung könnten laut Studie epigenetische Schäden der DNA der männlichen Spermien sein. Folglich könnten nicht alle notwendigen Gene aktiviert werden, die im Embryo bzw. befruchtete Eizelle ihren Ursprung haben. 

Laut Forschungsleiter Prof. Michael Eisenberg von der Stanford University School of Medicine ist dies die erste Studie, die darauf hinweist, dass Schwangerschaftsrisiken einen Zusammenhang mit zunehmender Zahl von Krankheiten bei Männern zeigen.

Eindeutige Ergebnisse:

Mindestens ein Aspekt des Metabolischen Syndroms war bei 25% der 958.804 Männer (mittleres Alter von 35,3 Jahren) aus der US-Schwangerschaftskohorte vorhanden. Verglichen mit Männern, die keine Aspekte des Metabolischen Syndroms zeigten, stieg das Risiko eines Schwangerschaftsverlustes bei Männern mit einer Syndrom-Komponente um 10% - mit zwei, drei oder mehr Komponenten um 15% bzw. 19%. Demzufolge kam es bei Vätern ohne Metabolischen Syndrom bei 17% der Schwangerschaften zu Eileiterschwangerschaften, Fehl- oder Totgeburt. Bei einem Aspekt des Syndroms erhöhte sich das Risiko auf 21%, bei zwei Aspekten auf 23% und bei drei oder mehr auf bis zu 27%. 

Studienlimitationen: 

Dabei gab es auch Einschränkungen in der Studie – unter anderem gehörten dazu: 

  • potenzieller Mangel an Details und genaue Diagnosen, welche mit dem Abrufen von Informationen aus den US-Datenbanken in Verbindung stehen
  • Schwangerschaftsverluste, die nicht zu einem Versicherungsanspruch gehörten – dazu gehört zum Beispiel eine Frühgeburt
  • Die Ergebnisse umfassten nur privat versicherte und berufstätige Eltern, wodurch die Studienergebnisse möglicherweise nicht auf andere Bevölkerungsgruppen anwendbar wären.
  • Eine unvollständige Information zu wichtigen Faktoren wie soziodemografischer Status, ethnischer Hintergrund und Drogenmissbrauch.

Fazit:

Laut Studienergebnissen ist eine nicht vorteilhafte Gesundheit des Vaters ist mit einem höheren Risiko für einen Schwangerschaftsverlust verbunden. Während die Untersuchung keine eindeutige Kausalität beweisen kann, d.h. dass eine negative Gesundheit des Vaters eine Ursache für einen Schwangerschaftsverlust ist, zeigt diese jedoch, dass ein Zusammenhang existiert. Die Studienergebnisse implizieren, dass vor der Empfängnis eine Beratung des Vaters nicht in Vergessenheit geraten soll, da seine Gesundheit möglicherweise einen wichtigen Einfluss auf die Schwangerschaft haben könnte.

Laut Prof. Eisenberg sind nun Studien zur Bestätigung nötig, um die gefundenen Verknüpfungen von Schwangerschaftskomplikationen und der Gesundheit des Vaters in naher Zukunft besser verstehen zu können.

Danilo Glisic

Danilo Glisic

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Zuletzt aktualisiert am 12.04.2021

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