√úberdosierungen durch Paracetamol mit doppelter Dosis?

Strukturelle chemische Formel des Paracetamolmolek√ľls mit Tabletten und Tabletten im Hintergrund. Paracetamol oder Acetaminophen ist ein Medikament zur Behandlung von Schmerzen und Fieber und ein mildes Analgetikum.

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Als eines der meistgekauften rezeptfreien Schmerzmittel ist Paracetamol global bekannt- doch einer Untersuchung in Z√ľrich zufolge steigen die Vergiftungsf√§lle seitdem Paracetamol-Tabletten in einer doppelten Dosis im Angebot sind. Nun untersuchen Forscher einen m√∂glichen Zusammenhang zwischen Einf√ľhrung von 1.000 mg Paracetamol in den Schweizer Markt mit den Anwendungs- und Vergiftungs-F√§llen.

Strukturelle chemische Formel des Paracetamolmolek√ľls mit Tabletten und Tabletten im Hintergrund. Paracetamol oder Acetaminophen ist ein Medikament zur Behandlung von Schmerzen und Fieber und ein mildes Analgetikum.

shutterstock.com / Danijela Maksimovic

Wirkung von Paracetamol:

W√§hrend die bekannten Wirkstoffe Acetylsalicyls√§ure und Ibuprofen, welche ebenfalls als Schmerz- und Fiebermittel eingesetzt werden, zu den sogenannten sauren Nicht-Opioid-Analgetika geh√∂ren, z√§hlt Paracetamol jedoch zur nichtsauren Nicht-Opioid-Klasse. Diese bestimmte saure Nicht-Opioid-Analgetika-Art reichert sich besonders im akut entz√ľndeten Gewebe, in der Schleimhaut des Magen-Darm-Trakts und in der Nierenrinde an und verf√ľgt au√üerdem entz√ľndungshemmende Eigenschaften. Im Gegensatz dazu ist Paracetamol (in Nordamerika und im Iran als Acetaminophen¬†bezeichnet) nicht prim√§r in den genannten menschlichen K√∂rperregionen angereichert, sondern mehrfach im ZNS (d.h. Zentralen Nervensystem ‚Äď R√ľckenmark und Gehirn). Dort wird ein bestimmtes Enzym, welches f√ľr die Herstellung von Prostaglandinen (d.h. F√ľr Fieber, Entz√ľndungsprozesse und Schmerzvermittlung relevante Gewebshormone) zust√§ndig ist, durch den Wirkstoff gehemmt. Nebenwirkungen des nichtsauren Nicht-Opioid-Analgetika treten selten auf und k√∂nnen meistens auf schon bestehende Grunderkrankungen zur√ľckgef√ľhrt werden. Hochdosierte, l√§ngerfristige Einnahme, sowie einmalige Paracetamol-√úberdosierung k√∂nnte m√∂glicherweise Lebersch√§den verursachen, da die Leber nicht mehr als Entgiftungsorgan fungieren kann. Zu einer solchen m√∂glichen Hepatotoxizit√§t (d.h. Lebervergiftung) kann eine Einnahme von mehr als 4.000 mg pro Tag f√ľhren.

Während in der Schweiz sind 500 mg-Tabletten ohne Rezept erhältlich sind, wurden 1.000 mg-Tabletten ab Zulassung im Oktober 2003 rezeptpflichtig. 

Schweizer Studienmethode:

Obwohl die h√∂here Dosierung nur mit Rezept zur Verf√ľgung steht, sind laut Apothekerverband pharmaSuisse schon im Jahre 2005 1.000 mg-Tabletten 10 Mal mehr verkauft worden als die geringere Dosis.¬†

Laut Tox Info Suisse, der nationalen Informationszentrale f√ľr Vergiftungsf√§lle in der Schweiz, wurde ein Zuwachs der Anrufe bei der Zentrale verzeichnet. Schon vor 2003 sind die Zahlen der beabsichtigen √úberdosierungen gestiegen, w√§hrend die irrt√ľmlichen Vergiftungen ungef√§hr gleichgeblieben sind. Mittlerweile sind die Anrufe bei unbeabsichtigter Intoxikation mehr als 3-mal so hoch wie vor der Verf√ľgbarkeit der hochdosierten 1.000 mg-Dosis. Auch die Anzahl der Vergiftungen mit einer Einnahme von mehr als 10.000 mg Paracetamol ist gestiegen.¬†

Fr√ľhere Aufschl√ľsse deuten zus√§tzlich auf eine m√∂gliche Assoziation zwischen der Einschr√§nkung der Verf√ľgbarkeit gro√üer Mengen Paracetamol und einer Abnahme der Vergiftungen im Zusammenhang mit dem nichtsauren Nicht-Opioid-Analgetika.

Die Schweizer Querschnittsstudie (d.h. eine Umfrage wird einmalig durchgef√ľhrt) untersuchte mithilfe von 15 790 Paracetamol-Giftaufzeichnungen im Zeitraum vom 1. Januar 2000 bis zum 31. Dezember 2018 den Zusammenhang zwischen Zugabe von 1.000 mg Paracetamol-Tabletten auf den Markt mit der Anzahl der Vergiftungen. Alle Anrufe zu Paracetamol-Vergiftungen, welche vom nationalen Schweizerischen Giftzentrum identifiziert worden sind, sowie alle Verk√§ufe von oralen Paracetamol-Tabletten (rezeptpflichtig und ohne Rezept) im Zeitraum zwischen Januar 2000 und Dezember 2018 wurden f√ľr diese Studie inkludiert.¬†

Das prim√§re Endergebnis war die Anzahl der viertelj√§hrlichen Paracetamol-bezogenen Giftanrufe an das nationale Giftzentrum. Zus√§tzliche Endergebnisse inkludierten Paracetamol-Verk√§ufe pro Quartal und √Ąnderungen der Vergiftungsumst√§nde, welche nach Zeitr√§umen vor und nach der Intervention (d.h. Einf√ľhrung von 1.000 mg-Tabletten) sowie nach Dosierung (d.h. 500 mg- und 1.000 mg-Tabletten) gereiht waren.¬†

Ergebnisse f√ľr doppelte Dosis:

Von den im genannten Zeitraum von 18 Jahren festgestellten 15 790 Vergiftungsf√§llen waren 67,3 % Frauen (n=10 628) und das Durchschnittsalter der Patienten betrug 25,2 Jahre. Der Untersuchungszeitraum wurde unterbrochen und analysiert. Dabei ergaben die Ergebnisse einen signifikanten Anstieg nach dem Interventionspunkt, vor allem die Anzahl der unbeabsichtigten Vergiftungen. Vor der Intervention hatten 15,3 % (d.h. 120 von 961) Vergiftungen eine Dosis von mehr als 10.000 mg ‚Äď in der Zeit nach der Intervention 30,6% (d.h. 1140 von 5696). Die Verk√§ufe von 1.000 mg Paracetamol-Tabletten verzeichneten einen schnellen Zuwachs, w√§hrend die Verk√§ufe von 500 mg-Tabletten etwas zur√ľckgingen. Seit dem Jahr 2012 wurden im Quartal im Mittel 20,7 Mio. 1.000 mg-Tabletten und 2,7 Mio. 500 mg-Tabletten verteilt.¬†

Eine statistisch signifikante √Ąnderung wurde bei zuf√§lligen, jedoch nicht bei beabsichtigten Vergiftungen verzeichnet. Besonders der Anteil der Patienten mit unbeabsichtigten Vergiftungen mit einer Einnahme von 1.000 mg-Tabletten zeigte einen Anstieg im Gegensatz zu 500 mg-Dosis bei Patienten mit eingenommenen Dosierungen √ľber dem therapeutischen Bereich von 4.000 mg. Zus√§tzlich zeigten die Daten der Anrufe, dass bei √úberdosierungen mit mehr als 10.000 mg, die meisten eine Einnahme der 1.000 mg-Tabletten berichteten.¬†

Fazit:

Bei 1.000 mg-Tabletten kann die empfohlene Tagesh√∂chstdosis von 4.000 mg bereits mit wenigen Tabletten √ľberschritten werden, wobei diese Gefahr bei 500 mg- Tabletten geringer sei. Folglich ergaben die Ergebnisse der Studie einen signifikanten Anstieg der Verteilung von Paracetamol und den mit Paracetamol-assoziierten Vergiftungsanrufen in der Schweiz nach der Zulassung von 1.000 mg-Tabletten im Jahr 2003. Um einen weiteren m√∂glichen Anstieg der hochdosierten Paracetamol-Vergiftungen zu minimieren, legen die Forscher dieser Studie nahe, dass die Verf√ľgbarkeit von 1000-mg Paracetamol neu bewertet werden sollte. Vor allem bei rezeptpflichtiger doppelter Dosierung ist vor einer Anwendung √§rztliche Auskunft empfohlen, um Paracetamol weiterhin mit einem geringeren Risiko anwenden zu k√∂nnen.¬†


Wirkstoffe:

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    Danilo Glisic

    Danilo Glisic
    Autor

    Als Biologie- und Mathematikstudent verfasst er leidenschaftlich Magazinartikel zu aktuellen medizinischen Themen. Aufgrund seiner Affinität zu Zahlen, Daten und Fakten, liegt sein Fokus dabei auf der Beschreibung von relevanten klinischen Studienergebnissen.

    Letztes Update

    10.05.2021

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