Akne vulgaris

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Internationale Klassifikation (ICD) L70.9

Grundlagen

Mit dem Einsetzen der Pubertät bekommen viele Heranwachsende Probleme mit der Haut. Die vielmals verhasste Akne sorgt für den einen oder anderen ewigen Aufenthalt im Badezimmer. Mit Peelings, Waschlotionen, Pickelstiften und besonderen Hautcremes wird versucht, der Hauterkrankung Herr zu werden.

In der Medizin versteht man unter der Akne vulgaris eine von mehreren Ursachen ausgelöste Hauterkrankung des Haarfollikels. Dadurch wird der Inhalt des Follikels zurückgehalten und kann sich entzünden, wodurch die typischen Pusteln entstehen. Betroffen sind vor allem Jugendliche in der Pubertät. Meistens heilt die Erkrankung innerhalb weniger Jahre wieder aus, bei manchen bleibt sie aber bis ins 30. Lebensjahr erhalten.

Da es sich um eine Erkrankung der Talgdrüsen handelt, tritt die Akne vulgaris vor allem in den Hautbereichen auf, welche viele Talgdrüsen aufweisen. Diese befinden sich nicht nur im Gesicht, sondern auch am Nacken, auf der Brust und am Rücken.

Der Begriff „Akne“ ist eigentlich eine Sammelbezeichnung für alle mit einer Knötchenbildung einhergehenden Krankheiten der Talgdrüsen und Haarfollikel. Das, was landläufig unter Akne verstanden wird, ist die Akne vulgaris, auch Akne simplex genannt.

Ursachen

Die Ursachen für die Akne sind sehr vielschichtig und komplex. Es müssen mehrere Kriterien zusammentreffen, dass sich die Hauterkrankung überhaupt ausbildet. Einige dieser Faktoren werden im Folgenden erörtert.

Hormonelle Faktoren

Das ausschließliche Auftreten der Akne vulgaris in der Pubertät bis zur dritten Lebensdekade kann dadurch erklärt werden, dass die Hormone eine äußerst große Rolle spielen. Vor allem die Hormonumstellung, die während der Pubertät vor sich geht, löst die Akne aus. Dabei spielen die männlichen Geschlechtshormone, die Androgene, eine übergeordnete Rolle, weswegen Jungs meistens auch mehr von der Akne betroffen sind als Mädchen.

Genetische Faktoren

Neben den Hormonen, die bei allen Jugendlichen ähnlich sind, spielt auch die genetische Veranlagung eine große Rolle. Es ist zwar nicht so, dass die Disposition für die Akne vulgaris direkt von den Eltern auf die Kinder übertragen wird, aber man kann eine familiäre Häufung beobachten. Dies weist darauf hin, dass die Neigung zur Akne über einen komplexen Mechanismus vererbt wird.

Follikuläre Verhornungsstörung

Damit sich die Akne vulgaris entwickeln kann, muss man auch an einer follikulären Verhornungsstörung leiden. Diese sorgt dafür, dass die Poren der Haarfollikel verstopft werden, wodurch sich das darin befindliche Material entzünden kann.

Vergrößerung der Talgdrüsen

Zudem müssen auch die Talgdrüsen vergrößert sein und dadurch vermehrt Talg produzieren.

Bakterielle Besiedelung

Jede Entzündung braucht auch einen Erreger. Im Fall der Akne vulgaris sind es Bakterien, die auf unserer Haut leben. Dies mag auf dem ersten Blick abstoßend klingen, aber wir brauchen die Mikroorganismen, die unsere Haut besiedeln, um gesund bleiben zu können. Ein Großteil dieser Bakterien ist für uns vollkommen harmlos, zumindest solange sie auf der Haut bleiben. Einige produzieren aber Stoffe, die dazu führen, dass sich die Talgdrüsen leichter entzünden. Diese begünstigen die Entstehung der Akne vulgaris.

Entzündung und Immunreaktion

Nicht zuletzt spielt auch die Art und Weise, wie der Körper auf Entzündungsreize reagiert, eine große Rolle. So ist die Akne vulgaris natürlich wesentlich ausgeprägter, wenn das eigene Immunsystem generell zu einer überschießenden Reaktion neigt. Dann entstehen nämlich viel leichter Entzündungen, die dann in Form von mit Eiter gefüllten Pusteln auf der Haut sichtbar werden.

Symptome

Durch die große Verbreitung der Akne vulgaris in unserer Bevölkerung ist wohl jedem auf dem ersten Blick klar, wenn jemand an der Erkrankung leidet. Um jedoch eine wirksame Behandlung durchführen zu können, muss genau überprüft werden, ob es sich wirklich um Akne vulgaris oder um eine der anderen Formen handelt.

Bildung von Mitessern

Bei der Akne vulgaris kommt es an den Öffnungen der Talgdrüsenfollikel zu Retentionen. Unter Retentionen versteht man in der Medizin verschiedene Mechanismen, die dazu führen, dass Flüssigkeiten, Gewebe oder andere Stoffe irgendwo zurückgehalten werden. Bei der Akne vulgaris kommt es zum Verschluss der Talgdrüsenfollikel, welche vor allem im Gesicht, auf der Brust, am Rücken und im Nacken vorkommen.

Diese Verschlüsse der Talgdrüsenfollikel werden dann durch schwärzliche oder weißliche Pünktchen sichtbar. Bei den schwarz verfärbten Follikeln handelt es sich um die, welche noch offen sind, weißlich verfärbte sind vollkommen verschlossen.

Besonders betroffene Hautbezirke

Wie schon erwähnt, tritt die Akne vulgaris prinzipiell sowohl im Gesicht als auch am Nacken, am Rücken und auf der Brust auf. Jedoch gibt es auch im Gesicht noch Regionen, die besonders häufig von den Mitessern betroffen sind. Dazu zählen die Stirn, die Nasolabialfalten, die Nase und die Region um den Mund.

Besonders unangenehm ist natürlich, dass die Akne vulgaris nur sehr selten isoliert auftritt. Meist sind gleich mehrere Hautbezirke von den schmerzhaften und kosmetisch ungünstigen Entzündungen betroffen.

Pusteln und entzündliche Papeln

Neben den Mitessern prägen vor allem Pusteln und Papeln das Bild der Akne vulgaris. Unter Pusteln versteht man hierbei direkt unter der Haut liegende, mit Eiter gefüllte Bläschen. Diese werden auch als Eiterbläschen oder Wimmerl bezeichnet. Papeln sind Knötchen unter der Haut, die bis zu erbsengroß werden können. Sind die Papeln entzündet, zeigen diese meistens eine rötliche Verfärbung und sind schmerzempfindlich. Mit der Zeit entwickeln sie sich dann zu Pusteln weiter.

Definierend für die Akne vulgaris ist auch, dass alle Hauterscheinungen gleichzeitig auftreten. Man findet also sowohl offene und geschlossene Mitesser, als auch Papeln und Pusteln in unterschiedlichen Heilungsstadien.

Provokation der Symptome

Es gibt mehrere Faktoren, die dazu führen können, dass sich die Akne verschlimmert. Dazu zählt zum Beispiel die Arbeit in einem feuchten Milieu, als auch der Hautkontakt mit Fetten, Ölen und Chlorwasser. Bei Frauen kann es zyklusabhängig während der Menstruation zu einer Verschlimmerung kommen, weil die Haut in dieser Zeit mehr Talg absondert.

Wie sich wohl jeder Jugendliche häufig anhören muss, verschlimmert auch das Ausdrücken der Pickel das Hautbild. Dadurch werden Entzündungen gefördert, wodurch die Akne insgesamt stärker wird.

Nicht zuletzt spielen Arzneimittel und Chemikalien eine große Rolle bei der Verstärkung der Akne. Man sollte deswegen beim Arztbesuch immer erwähnen, dass man unter einer starken Akne leidet, wenn es darum geht eine langfristige Therapie zu starten.

Diagnose

Die Diagnose der Akne vulgaris erfolgt durch die Bewertung der beschriebenen Symptome. Weitere Tests und Untersuchungen sind nicht notwendig, meist handelt es sich sogar um eine einfache Blickdiagnose.

Verlauf der Akne vulgaris

Der Verlauf der Akne kann meistens nicht vorausgesehen werden. Während sie bei manchen innerhalb weniger Monate wieder ausheilt, sind andere über viele Jahre hinweg von der Hautveränderung betroffen.

Durch die Entzündungen kann es auch zur Bildung von Narben kommen, die dann meistens lebenslang sichtbar bleiben. Dabei ist zu beachten, dass die Art der Narbenbildung individuell sehr unterschiedlich ausfallen kann.

Psychologische Belastung

Trotzdem ist die Diagnosestellung durch einen Facharzt von großer Bedeutung. Denn nur so kann eine Therapie in Betracht gezogen werden, die das Hautbild positiv beeinflusst. Und dies ist nicht nur im Hinblick auf die Verhinderung der Narbenbildung von großer Bedeutung. Denn für viele Jugendliche ist es auch eine schwere psychologische Belastung, von einer starken Akne vulgaris betroffen zu sein. Diese kann nicht nur zu einem verminderten Selbstwertgefühl, sondern vor allem auch zum sozialen Rückzug führen.

Therapie

Die Therapie der Akne muss immer auf den individuellen Schweregrad und die Geschwindigkeit mit der sich die Erkrankung entwickelt angepasst werden. Am effektivsten ist es, wenn mehrere Therapieansätze miteinander kombiniert werden.

Eine Therapie sollte vor allem dann ins Auge gefasst werden, wenn man an großen und stark entzündeten Pickeln leidet oder sich Akne-Narben entwickeln. Der Arztbesuch ist auch indiziert, wenn nach abheilen der Pusteln dunkle Flecken entstehen, oder die Hautveränderungen eine starke psychische Belastung mit sich bringen.

Lokale Behandlung der Akne

Zur Behandlung der Akne kommen vor allem Seifen und Lotionen zum Einsatz, die die Bildung von Mitessern verhindern sollten oder die Bakterienbesiedelung der Haut verändern. Dazu muss die Haut in der Regel zweimal täglich mit den medizinischen Produkten gereinigt werden.

Hauptsächlich werden sogenannte topische Retinoide eingesetzt. Diese verhindern vor allem die Bildung von Mitessern, wodurch auch die Entzündungen ausbleiben. Ein kleiner Nachteil der Retinoide ist, dass diese das Hautbild bei Behandlungsbeginn oft verschlimmern, da es zu einem kurzen Aufflackern der Akne vulgaris kommt. Dies legt sich aber meistens innerhalb weniger Wochen.

Alternativ dazu kann Benzoylperoxid als Waschsuspension oder Gel verwendet werden. Es überzeugt mit einer hohen Wirksamkeit, guter Kombinationsmöglichkeit mit anderen Mitteln und dem Ausbleiben von Resistenzen.

Besonders bei der häufigen Bildung von Papeln können auch Antibiotika topisch, also direkt auf der Haut, angewendet werden. Vor allem Clindamycin und Erythromycin kommen häufig zum Einsatz.

Nicht zuletzt kommt auch Azelainsäure zum Einsatz, die Mittesser und Entzündungen verhindert. Diese hat jedoch kaum einen positiven Effekt auf den vermehrten Talgfluss, weswegen es unbedingt mit anderen Präparaten kombiniert werden sollte.

Systemische Behandlung

Wenn die Anwendung der oben beschriebenen Substanzen auf der Haut nicht den gewünschten Effekt bringt, kann auch eine systemische Therapie durchgeführt werden. Dabei wird der Wirkstoff nicht nur in der betroffenen Region, sondern über die Blutbahn im ganzen Körper verteilt.

Besonders wirkungsvoll hat sich die systemische Anwendung von Antibiotika erwiesen. Hierbei werden vor allem Tetrazykline verwendet. Nach zwei bis drei Monaten sollte es zu einer deutlichen Besserung des Hautbildes kommen. Dann kann die Dosis zwar reduziert werden, jedoch sollte das Präparat nicht vorschnell abgesetzt werden.

Vor allem Frauen mit schwerer Akne profizierten von der Gabe von Östrogenen, welche die Talgproduktion verhindern. Diese werden meist mit Antiandrogenen kombiniert, also Stoffen, die die fördernde Wirkung von Androgenen auf die Akne verhindern. Die Anwendung sollte aber unbedingt in Abstimmung mit einem Gynäkologen gemacht werden, um negative Effekte auf den Menstruationszyklus zu verhindern.

Auch die oben erwähnten Retinoide können systemisch gegeben werden, was schnell zu einer deutlichen Besserung des Erscheinungsbildes führt. Diese dürften aber nicht mit den Tetrazyklinen kombiniert werden.

Unterstützende Verhaltensweisen

Neben der medikamentösen Behandlung der Akne gibt es noch einige Möglichkeiten, wie man die Entstehung von Pusteln und Papeln verhindern oder deren Abheilung beschleunigen kann.

Vor allem eine angemessene Aknetoilette kann sehr hilfreich sein. Dazu können ein bis zwei Mal wöchentlich medizinische Peelings oder andere Lotionen verwendet werden. Auch die Anwendung von Hautpflegeprodukten mit Fruchtsäuren, Salizylsäure oder Milchsäure kann das Hautbild verbessern. Dabei muss aber darauf hingewiesen werden, dass seine übertriebene Gesichtshygiene meist zur Verschlimmerung der Symptome führt.

Eine Besserung kann auch durch häufiges Haarewaschen erreicht werden. Zudem sollte man darauf achten, dass die Haare nicht ins Gesicht hängen. Dies könnte die Haut irritieren und vor allem auch Talg aus den Haaren im Gesicht verteilen, welches dann wieder zur Verstopfung von Poren führt.

Die Entfernung von Mitessern sollte man nicht selbst machen, sondern am besten von einer ausgebildeten Kosmetikerin. Ansonsten wird die Akne nur noch verschlimmert.

Zur Hauptpflege sollen vor allem Produkte verwendet werden, die auf der Basis von Wasser hergestellt werden. Ölige oder fettige Produkte führen nur zu einer vermehrten Verstopfung der Talgdrüsenfollikel und damit zu einer Verschlimmerung der Symptome.

Der Einfluss der Ernährung ist noch nicht eindeutig nachgewiesen worden, jedoch machen viele Menschen die Erfahrung, dass Koffein, Schokolade, Alkohol, Nikotin oder Schweinefleisch die Symptome noch verstärken.

Behandlung von Aknenarben

Eine frühzeitige und aggressive Behandlung der Akne vulgaris ist vor allem auch deswegen anzustreben, da bereits bestehende Aknenarben kaum mehr behandelt werden können. Es gibt zwar mehrere Methoden, um diese zu verbessern, diese sind aber insgesamt nur mäßig erfolgreich.

Trotzdem lohnt es sich die eine oder andere Behandlung gegen Aknenarben auszuprobieren, denn es kann durchwegs sein, dass die eigenen Vernarbungen zumindest deutlich vermindert werden können. Die wirksamsten Methoden zur Behandlung der Aknenarben sind die Lasertherapie, die Dermabrasion, die Kryotherapie und die Kollagenunterspritzung.

Prognose

Durch neue Therapieansätze ist die Prognose bei einer Akne vulgaris heute sehr gut. Besonders bei starker Ausprägung ist es auch sinnvoll eine medikamentöse Therapie einzusetzen, die die Hauterscheinung schnell und effektiv verbessert. Durch Kombination mehrere Wirkstoffe mit einer sinnvollen Aknehygiene kann das Hautbild innerhalb kürzester Zeit wesentlich verschönert werden. Und dies wirkt sich dann auch auf das Auftreten und das Selbstbewusstsein der Heranwachsenden positiv aus.

Um die Prognose weiter zu optimieren, ist es wichtig, dass die Therapie frühzeitig begonnen und nicht vorschnell abgesetzt wird. Ansonsten kommt es schnell wieder zu einem Rückfall und die Akne vulgaris macht einen neuerlichen Schub.

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