Alzheimer

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Internationale Klassifikation (ICD) G30.9

Grundlagen

Von Alzheimer gehört hat wohl schon jeder. Was die Erkrankung für Betroffene und deren Angehörige wirklich bedeutet, ist vielen aber unklar. Denn es ist bei weitem mehr, als dass man nur einige Dinge vergisst. Im Gegensatz dazu ist es eine ernste Erkrankung, die zwar nicht direkt zum Tod führt, aber die Lebensqualität stark einschränkt. Und das nicht nur für die betroffene Person, sondern auch für die Angehörigen.

Die Alzheimer-Krankheit, auch als Morbus Alzheimer bezeichnet, ist eine voranschreitende Erkrankung, bei der zunehmend Nervengewebe zerstört wird. Je nachdem welche Bereiche des Gehirns zerstört werden, gehen mehr oder weniger verschiedene Gehirnfunktionen verloren.

Wie viele leiden an Morbus Alzheimer

Nicht jeder, der sich nicht mehr an alles erinnern kann oder verwirrt scheint, leidet an der Alzheimer-Krankheit. Jedoch ist der Morbus Alzheimer im Feld der Demenz-Erkrankungen die mengenmäßig wichtigste Erkrankung. So leiden 60 bis 80% aller dementen Personen an Alzheimer. Bei den 85-Jährigen ist nahezu jeder Dritte von Alzheimer betroffen.

Da Frauen rein statistisch gesehen älter werden als Männer, leiden diese auch öfter an Alzheimer. Man schätzt im Allgemeinen, dass sich die Zahl der Alzheimer-Patienten bis zum Jahr 2050 noch einmal verdoppeln wird, weil wir immer älter werden.

Ursachen

Beim Morbus Alzheimer kommt es im Gehirn zu Ablagerung von Eiweißen, wodurch die Kommunikation der einzelnen Nervenzellen miteinander gestört wird. Sobald eine Nervenzelle nicht mehr regelmäßig verwendet wird, schrumpft diese und stirbt mit der Zeit ab.

Diese Zerstörung von Hirnmasse tritt meistens zwischen dem sechsten und dem achten Lebensjahrzehnt auf und schreitet dann sehr schnell voran. Innerhalb von vier bis fünf Jahren kommt es zu einer schweren Demenz, die eine Pflege rund um die Uhr notwendig macht.

Hinzu komm noch, dass auch der Botenstoff für das Gehirn, das Acetylcholin nicht mehr genug gebildet werden kann. Dadurch wird die Kommunikation zwischen den einzelnen Gehirnzellen noch weiter eingeschränkt, die kognitiven Ausfälle werden noch schwerer.

Familiäre Form bei jüngeren Betroffenen

Eine besonders schwere und aggressive Form der Erkrankung ist der familiäre Morbus Alzheimer. Das Schlimme an dieser Form ist, dass die Erkrankung bereits zwischen dem 30. Und 60. Lebensjahr ausbrechen kann.

Hinzu kommt noch eine starke psychische Belastung, da man bei Eltern oder Großeltern schon mit ansehen musste, wie schwierig es ist, das Leben mit Alzheimer zu meistern. Vor allem, weil es immer noch keine befriedigenden Ansätze zur Therapie der Erkrankung gibt, finden sich die Betroffenen oft in einer hoffnungslosen Situation wieder.

Symptome

Die Symptomatik der Alzheimer-Krankheit kann sich sehr unterschiedlich zeigen. Anfänglich fallen vor allem eine verminderte Merkfähigkeit und andere Gedächtnisprobleme auf, die aber lange noch kompensiert und verheimlicht werden. Erst wenn die Erkrankung voran schreitet, werden die Symptome so eindeutig, dass sie nicht mehr versteckt werden können.

So kann bei einer Untersuchung die örtliche und zeitliche Orientierung anfangs noch vollkommen in Ordnung und auch die Merkfähigkeit nicht auffallend verschlechtert sein. Trotzdem weisen andere Symptome schon auf die Alzheimer-Erkrankung hin. Schwierig wird das Ganze auch noch dadurch, dass es immer bessere und schlechtere Tage gibt. So kann der Betroffene an einem Tag noch ganz klar sein, während er am nächsten vollkommen verwirrt ist.

Körperliche Einschränkung durch Alzheimer

  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Allgemeiner Leistungsabfall

Kognitive Einschränkungen durch Alzheimer

  • Vergesslichkeit
  • Überblick über vertraute Situationen und Aufgaben geht verloren
  • Rechenschwäche
  • Lese- und Schreibschwäche
  • Probleme bei der Wortfindung
  • Alltagsarbeiten können nicht mehr erledigt werden
  • Berufsunfähigkeit
  • Äußere Persönlichkeit bleibt als Fassade lange erhalten

Neuropsychologische Störungen

  • Probleme im Sprachverständnis
  • Schwierigkeiten in der Formulierung von Sprache
  • Störung der räumlichen Orientierung
  • Teilweise verlangsamte oder pathologische Reflexe
  • Rasche Ermüdung und Frustration
  • Antriebsschwäche
  • Psychomotorische Unruhe
  • Schlafstörungen oder nächtliche Unruhe
  • Depressionen
  • Sozialer Rückzug
  • Aggressivität

Diagnose

Bei der Diagnose spielen vor allem das klinische Bild und die Wahrscheinlichkeit eine große Rolle. Wenn die Symptome auftreten und ein gewisses Alter erreicht worden ist, kann man mit größter Wahrscheinlichkeit vom Morbus Alzheimer ausgehen. Trotzdem müssen alle anderen Ursachen für die Symptome zuerst ausgeschlossen werden, bevor man von Alzheimer ausgehen kann. Zudem gibt es einige Befunde, die direkt auf die Erkrankung hinweisen.

Veränderungen in bildgebenden Verfahren

In der Computertomographie (CT) sieht man im fortgeschrittenen Stadium eine Verminderung des Volumens der Hirnrinde. Die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) zeigt vor allem im Stirnlappen und im Schläfenlappen einen veränderten Abbau von Zucker. Dies ist ein sehr wichtiger Hinweis, um andere Erkrankungen auszuschließen.

Eine genauere Untersuchung des Gehirns mit seinen Strukturen erfolgt durch die Magnet-Resonanz-Tomographie (MRT). Diese ermöglicht eine bessere Zuordnung der einzelnen Strukturen und deren Veränderungen.

Weitere Diagnostik

Zusätzlich kann etwas Gehirnwasser durch eine Punktion am Rücken entnommen und analysiert werden. In Spezialuntersuchungen zeigen sich hier das Tau-Protein, das Amyloid-Präkursor-Protein und andere assoziierte Proteine.

Klinische Untersuchung

Zur klinischen Untersuchung werden speziell entwickelte Tests wie die Mini Mental State Examination, die CERAD Batterie und ADAS-cog verwendet. Zudem wird auf einen schleichenden Beginn und ein zuerst langsames Fortschreiten geachtet. Vor allem die Beeinträchtigung kognitiver Leistungen, wie zum Beispiel die Sprache, die Wahrnehmung, die räumliche Orientierung oder die Planung von einfachen Handlungsabläufen müssen genau beobachtet und getestet werden.

Therapie

Auch nach mehrjähriger Forschung konnte noch keine geeignete Therapie für den Morbus Alzheimer gefunden werden. Es gibt zwar einige Medikamente, aber diese zielen vor allem darauf ab, die Symptome etwas abzuschwächen und zu lindern, die Langzeit-Entwicklung der Erkrankung bleibt davon unbetroffen. Wenn man mit der Therapie jedoch früh genug beginnt, kann man den Verlauf zumindest etwas hinauszögern.

Die Therapie mit Medikamenten

Das vielversprechendste Medikament in der Behandlung von Alzheimer ist wohl der Acetylcholinesterase-Hemmer. Dieser sorgt dafür, dass die noch lebenden Nervenzellen über mehr Signalstoffe verfügen, da diese durch das Medikament nicht so schnell abgebaut werden. Trotz der großen Wirksamkeit dieser Medikamente muss jedoch gesagt werden, dass diese nur in der frühen oder mittleren Phase der Erkrankung zum Einsatz kommen können.

Wenn es bereits zu einer moderaten oder schweren Demenz gekommen ist, dann werden die so genannten NMDA-Antagonisten, auch Memantine genannt, gegeben, die eine Überreizung der Nerven verhindern. Denn auch dies würde zu deren Tod führen. Das kann vor allem die Fähigkeiten schützen, die für das alltägliche Leben notwendig sind, und die kognitive Leistung verbessern.

Zusätzliche therapeutische Maßnahmen

Neben dem Versuch das Voranschreiten der Erkrankung durch Medikamente zu verzögern, können auch physiotherapeutische und praktische Bewegungen dabei hilfreich sein, das eigenständige Leben noch länger zu ermöglichen. So sollte man zum Beispiel versuchen handwerkliche und künstlerische Fähigkeiten zu nützen und zum Beispiel auch mit einer Ergotherapie zu fördern.

In Gedächtniskliniken kann zudem die Gedächtnisleistung trainiert werden. Dabei ist es wichtig, sich an einen Profi zu wenden, denn die Behandlung von Alzheimer erfolgt immer in einem schmalen Grat zwischen Förderung und Überforderung.

Hilfe für die Pfleger

Wenn man einen von Alzheimer betroffenen Menschen pflegt, ist das mehr als anstrengend und energieraubend. Deswegen sollte man unbedingt auch Hilfe suchen. Auch ein regelmäßiger freier Tag ist unbedingt notwendig, um sich selbst wieder erholen zu können. Auch wenn man den Betroffenen liebt, muss man die eigenen Bedürfnisse beachten.

Prognose

Da keine wirkliche Therapie zur Verfügung steht, ist auch die Prognose nicht gut. Im Schnitt leben die Patienten noch neun bis zwölf Jahre ab der Diagnose. In manchen Ausnahmefällen können Patienten aber auch bis zu zwanzig Jahre lang überleben.

Generell kann gesagt werden, dass ein früher Krankheitsbeginn auch für einen drastischen und schnellen Verlauf spricht.

Vorbeugen

Da man die genauen Ursachen für die Alzheimer-Erkrankung noch nicht kennt, kann man auch noch keine guten Prophylaxe-Hinweise gegen die Erkrankung geben. Doch der Wunsch nach einer guten Prophylaxe wird immer ausgeprägter. Und es gibt den einen oder anderen Tipp, der zumindest manchmal hilfreich sein kann, um Alzheimer zu verhindern.

Hormonbehandlung als Schutz

Schon früh konnte festgestellt werden, dass die Östrogene einen gewissen Schutz für das Gehirn und die Nerven darstellen. Wenn Frauen in den Wechsel kommen, fällt durch das Abnehmen dieser Hormone auch diese Protektion weg, weswegen neurodegenerative Erkrankungen vor allem nach dem Wechsel auftreten.

Es scheint, als könnten Hormonersatztherapien mit Östrogenen dabei helfen, sich vor neurologischen Erkrankungen zu schützen. Jedoch muss darauf hingewiesen werden, dass die Hormonersatztherapie auch viele Nebenwirkungen wie Thrombosen, Schlaganfälle und ähnliche haben.

Viele Studien ohne nachgewiesenen Effekt

In einer ganzen Reihe von Studien über die Vorbeugung von Morbus Alzheimer musste festgestellt werden, dass weder Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure, noch entzündungshemmende Medikamente, Vitamine oder Antioxidantien wirklich vor Alzheimer schützen können.

Geistige Fitness und gesundes Leben bieten einen gewissen Schutz

Jedoch konnte auch nachgewiesen werden, dass es einen gewissen protektiven Effekt hat, wenn man sich ständig mit irgendetwas geistig fit hält. Wenn man sich also bis ins hohe Alter immer für Neues interessiert und sich auch eingehend damit beschäftigt, kann man die Entwicklung von Alzheimer verhindern oder zumindest das Voranschreiten verlangsamen.

Auch eine gesunde Lebensweise mit einer ausgewogenen Ernährung ohne übermäßig viel Fett und die effektive Behandlung von Volkskrankheiten wie Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und Diabetes mellitus können das Risiko für Alzheimer vermindern.

Glücklich und sozial aktiv sein

Es gibt auch eindeutige Hinweise darauf, dass Glück und eine gute soziale Stellung vor Alzheimer schützen können. So sollte man ein vereinsamtes und zurückgezogenes Leben vermeiden, sondern sich auch noch im Alter sozial engagieren, Menschen treffen und viel in Kontakt zu anderen bleiben.

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