Anale Inkontinenz

Anale Inkontinenz
Internationale Klassifikation (ICD) R15

Grundlagen

Über Erkrankungen, wie die anale Inkontinenz will man so wenig wie möglich nachdenken. Allein der Gedanke daran, dass man nicht mehr kontrollieren kann, wie und wann der Darm entleert wird, ist befremdend und unangenehm.

Dazu kommt noch, dass es schnell zu einem sozialen Stigma kommen kann, wenn man Winde und Stuhl nicht kontrolliert zurückhalten kann. Denn nur selten denken fremde Personen daran, dass es sich um eine Erkrankung handeln könnte. Die Unterstellung, es würde an fehlender Hygiene oder mangelnden Manieren liegen, ist nämlich viel einfacher.

Ganz allgemein beschreibt eine Inkontinenz immer die Undichtheit eines Schließmuskels. Dies kann sowohl die Harnblase, als auch den Dickdarmausgang betreffen. Bei einer analen Inkontinenz kommt es je nach Schweregrad dann zur unkontrollierten Abgabe von Winden, dünnflüssigen Stuhls oder auch des gesamten Darminhalts.

Die Erkrankung ist häufiger als man denkt. So leidet zwischen einem und drei Prozent der Bevölkerung an Stuhlinkontinenz, wobei das Auftreten mit dem Alter drastisch ansteigt. Bei jüngeren Menschen kann es vor allem durch Durchfallserkrankungen zu einer vorrübergehenden analen Inkontinenz kommen.

Ursachen

Die Ursachen für die anale Inkontinenz können sehr unterschiedlich sein. Deswegen ist es immer wichtig, dass eine ausführliche Diagnostik durchgeführt wird. Neben den im Folgenden erwähnten primären Ursachen für eine anale Inkontinenz gibt es natürlich noch eine ganze Reihe von Erkrankungen, die zu einer analen Inkontinenz führen. Dazu gehören zum Beispiel auch diverse Darmerkrankungen, die das Stuhlverhalten sehr stark einschränken.

Verletzung oder Erkrankung des Nervensystems

Vor allem Schädigungen von Nerven im Gehirn, im Rückenmark oder im peripheren Nervensystem können die Funktion des analen Schließmuskels beeinträchtigen. Dabei kommen sowohl neurologische Erkrankungen wie Alzheimer, Multiple Sklerose und ein Gehirntumor, als auch Schlaganfälle als Ursache in Frage.

Zudem können Störungen bei der Informationsweiterleitung eine anale Inkontinenz hervorrufen. Dazu zählt nicht nur die Querschnittslähmung, sondern auch andere angeborene und erworbene neurologischen Erkrankungen, die die Reizleitung im Rückenmark verhindern.

Aber nicht nur der Ausfall der Nerven, die den Schließmuskel steuern, kann zur analen Inkontinenz führen. Auch eine Störung der sensorischen Wahrnehmung kann eine Inkontinenz nach sich ziehen. Durch den fehlenden Input, weiß der Patient nicht mehr, wann der Darm entleert werden muss. Ab einer gewissen Füllung kommt es dann zu einer spontanen Entleerung, die nicht mehr bewusst beeinflusst werden kann.

Zerstörung der Muskulatur

In seltenen Fällen kann auch eine Schwäche des Schließmuskels selbst zur analen Inkontinenz führen. Dann ist der Muskel einfach zu schwach, um dem Druck im Darm stand zu halten.

Häufig ist eine Beteiligung der Beckenboden-Muskulatur gegeben. Wenn diese schwächer wird, oder sich absenkt, kann der Darm nicht mehr dicht geschlossen werden, was zumindest zu einer leichten analen Inkontinenz führt. Im Alter kommt es bei fast jedem zu einem Nachlassen der Beckenboden-Muskulatur, wodurch das häufige Auftreten der Erkrankung mit dem steigenden Alter erklärt werden kann.

Symptome

Die anale Inkontinenz wird je nach Ausprägung in unterschiedliche Schweregrade unterteilt.

  • Perfekte Kontinenz
  • Gute Kontinenz: Es kommt nur zu einer leichten Beeinträchtigung der Kontinenz, die vor allem im unwillkürlichen Abgeben von Winden besteht.
  • Moderate Inkontinenz: Neben der unkontrollierten Abgabe von Winden kommt es nun zusätzlich zur gelegentlichen Abgabe von dünnflüssigem Stuhl.
  • Schwere Inkontinenz: Bei einer schweren Inkontinenz wird nicht nur dünnflüssiger Stuhl, sondern gelegentlich auch fester und geformter Stuhl unwillkürlich abgegeben
  • Totale Inkontinenz: Bei der schwersten Form der analen Inkontinenz hat der Patient überhaupt keine Kontrolle mehr darüber, wann der Darm entleert wird.

Diagnose

Am Anfang der Diagnose der analen Inkontinenz steht ein ausführliches Anamnesegespräch. Auch wenn es unangenehm ist, darüber zu sprechen, muss vor allem der Beginn der Beschwerden, die Frequenz des Stuhlganges und dessen Beschaffenheit und die Umstände der unfreiwilligen Darmentleerungen genau geschildert werden. Manchmal kann es sinnvoll sein, wenn man ein Stuhltagebuch über einige Tage führt, um ein besseres Bild der Symptomatik vermitteln zu können.

Physikalische Untersuchung

Danach erfolgt die körperliche Untersuchung mit der Inspektion und Abtastung der Analregion. Auch eine rektale Untersuchung muss durchgeführt werden, um die Funktion des Schließmuskels bewerten zu können, und weitere Hinweise auf die Ursache zu bekommen.

Um bessere Daten zu bekommen, können auch manometrische Messungen und Rektoskopien durchgeführt werden. Diese Untersuchungen sind zwar unangenehm, aber meistens schmerzlos.

Bildgebende Verfahren

Sollte die Ursache immer noch nicht eindeutig sein oder um andere Ursachen auszuschließen, werden oft noch bildgebende Verfahren angewendet. Dazu zählt nicht nur der Ultraschall, sondern auch die Aufnahme von Röntgenbildern. Dabei kann sowohl mit, als auch ohne Röntgenkontrastmittel gearbeitet werden. In bestimmten Fällen macht auch eine Computertomographie einen Sinn.

Die Mittel der Diagnostik schreiten immer weiter voran, so ist es heute sogar schon möglich, mit bestimmten Verfahren den Entleerungsvorgang genau zu beobachten, um die Ursache der Stuhlinkontinenz zweifelsfrei feststellen zu können. Da diese diagnostischen Verfahren sehr aufwendig sind, muss immer genau abgeschätzt werden, welche Mittel zur Diagnose eingesetzt werden sollten.

Therapie

Die Therapie hängt natürlich von der zugrunde liegenden Ursache ab. Deswegen kann auch keine Therapiemaßnahme beschrieben werden, die dann für alle Patienten gilt. Aber es gibt allgemeine Verhaltensmaßnahmen, die hilfreich sein können, um die Stuhlinkontinenz in den Griff zu bekommen.

Optimierung des Stuhlverhaltens

Es kann extrem hilfreich sein, wenn man sich angewöhnt, den Stuhlgang jeden Tag zur selben Zeit durchzuführen. Diese kleine Veränderung kann in vielen Fällen zumindest leichtgradige Inkontinenzen vollkommen heilen. Vor allem in den ersten Wochen kann die regelmäßige Darmentleerung auch mit Zäpfchen unterstützt werden. Nach zwei bis drei Wochen sollte sich der Darm aber daran gewöhnt haben, und es sollte einwandfrei funktionieren.

Optimierung der Ernährung

Zudem sollte natürlich auch die Ernährung optimiert werden. Dazu gehört eine ausgewogene und gesunde Ernährung. Je nach Konsistenz des Stuhles sollten gewisse Lebensmittel vermieden werden. So sollte bei dünnflüssigem Stuhl versucht werden, die Ernährung so umzustellen, dass ein fester Stuhl erreicht werden kann.

Biofeedback-Therapie bei Nervenschädigung

Wenn eine Nervenschädigung zugrunde liegt, kann die Restaktivität der Nerven durch Training des Schließmuskels und der Beckenbodenmuskulatur gesteigert werden. Zudem kann eine Biofeedback-Therapie mit elektrischen Hilfsmitteln durchgeführt werden.

Medikamentöse Therapie

Nicht nur wenn Entzündungen des Darmes oder andere Grunderkrankungen vorliegen, kann auch mit Medikamenten behandelt werden. Dazu zählt nicht nur die Therapie von Durchfällen, sondern auch die Regulation der Darmentleerung.

Operative Maßnahmen

Sollte der Defekt des Schließmuskels Ursache der analen Inkontinenz sein, kann dieser operativ rekonstruiert werden. Dabei wird häufig ein Teil eines Muskels vom Oberschenkel entnommen und um den Schließmuskel gelegt, um diesen zu verstärken. Manchmal kann auch ein aufblasbarer Ring um den Muskel gelegt werden, der über einen Ballon im Schambereich aufgepumpt werden kann, um eine Kontinenz zu erreichen.

Dies sind teilweise sehr aufwendige Verfahren, die nur in Spezialkliniken durchgeführt werden können. In manchen Fällen können sie die Lebensqualität aber enorm steigern, weswegen man nicht auf diese Möglichkeiten vergessen darf.

Inkontinenzhilfsmittel

Wenn die Stuhlinkontinenz nicht befriedigend therapiert werden kann, stehen heute einige Mittel zur Verfügung, um den Alltag mit der Inkontinenz zu erleichtern. Diese haben natürlich auch das Ziel, ein normales soziales Leben zu ermöglichen. Bei den Hilfsmitteln unterscheidet man aufsaugende Mittel (Einlagen, Pants, Windeln) und sonstige Hilfsmittel (Klebebeutel, Analtampons).

Manchmal entscheidet der Patient gemeinsam mit dem Arzt, dass eine Therapie zu aufwendig oder zu risikoreich wäre. Denn besonders eine leichte anale Inkontinenz kann sehr gut mit den zur Verfügung stehenden Inkontinenzhilfsmitteln behandelt werden.

Prognose

Die Prognose für die Behandlung der Analinkontinenz ist sehr gut. Meist kann schon mit Veränderungen des Verhaltens ein sehr guter Erfolg erzielt werden. Ansonsten kann immer noch eine Operation durchgeführt werden, wenn dies die Lebensqualität stark ansteigen lassen würde.

Es muss natürlich immer versucht werden, die jeweilige Ursache zu beseitigen, und nicht nur das Symptom zu behandeln. So ist die Behandlung der analen Inkontinenz immer sehr individuell, und nur selten können Erfahrungen eines Patienten genau auf den anderen umgelegt werden. Denn Ursache und Umgang mit der Stuhlinkontinenz sind von Person zu Person sehr verschieden.

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