Arteriosklerose (Arterienverkalkung)

Arteriosklerose (Arterienverkalkung)
Internationale Klassifikation (ICD) I70.-

Grundlagen

Beschreibung

Wenn Arterien (Schlagadern) auf ihrer Innenseite Ablagerungen aufweisen, die zur Verh√§rtung und Verengung f√ľhren, spricht man von einer Arteriosklerose (ugs. Gef√§√üverkalkung).

Dieser Effekt wird durch Fetteinlagerung in Gefäßwänden hervorgerufen. Dadurch nehmen sowohl Elastizität als auch Gefäßdurchmesser ab, was den Blutfluss behindert.

Die Wahrscheinlichkeit eines Schlaganfalls oder Herzinfarkts infolge eines Arterienverschlusses nimmt zu. Auch Durchblutungsstörungen der Beine (periphere Arterielle Verschlusskrankheit, kurz PAVK) sind häufig.

Das Erkrankungsrisiko einer Arteriosklerose nimmt gemeinsam mit dem Lebensalter zu. Wei√üe Blutk√∂rperchen k√∂nnen dabei vom Blut in Gef√§√üw√§nde √ľbergehen und nehmen dort angekommen, oxidiertes (d.h. verh√§rtetes), sich im Blut befindendes, LDL Cholesterin auf. Man spricht dann von Schaumzellen, welche eine Entz√ľndungsreaktion der Gef√§√üw√§nde hervorrufen.

Infolge der Entz√ľndungsreaktion werden wei√üe Blutk√∂rperchen durch Wachstums- und Entz√ľndungsfaktoren angezogen. Diese k√∂nnen sich ebenfalls in die Gef√§√üwand einlagern und lassen sogenannte arteriosklerotische Plaques (Schaumzellen), welche von einer Kapsel aus Bindegewebe umgeben wird, entstehen.

Durch diese Kalkeinlagerungen verengen und versteifen sich die Arterieninnenhaut und ‚Äďwand. Wenn die Bindegewebskapsel einrei√üt, lagern sich dort Blutpl√§ttchen an, woraus sich ein Thrombus bilden kann, der das Gef√§√ü weiter verengt.

Ein Gefäßverschluss droht (Thrombose) und folglich auch ein Herzinfarkt.

Ursachen

Im Grunde genommen ist Arteriosklerose Bestandteil des nat√ľrlichen Alterungsprozesses. Setzt sie jedoch fr√ľhzeitig ein, k√∂nnen viele und zum Gro√üteil unbekannte Faktoren die Ursache sein.

Bekannte Risikofaktoren f√ľr fr√ľhe Arteriosklerose: ¬†

  • Ern√§hrung: Hohes Cholesterin im Blut und √úbergewicht durch √ľberm√§√üig fette und kalorienhaltige Nahrung.
  • √úbergewicht: Die Folge ungesunder Ern√§hrung √ľber Jahre hinweg.
  • Bewegungsmangel: Bewegung in ausreichendem Ma√üe hilft, Blutdruck und Cholesterin zu senken, sowie gleichzeitig die Insulinempfindlichkeit der Muskelzellen zu erh√∂hen.
  • M√§nnliches Geschlecht: Niedriger Spiegel an weiblichen Geschlechtshormonen und dadurch weniger Schutz.
  • Heredit√§re Veranlagung: Erbfaktoren spielen aufgrund famili√§rer H√§ufung vermutlich eine Rolle bei Arteriosklerose. ¬†
  • Tabakkonsum: Inhaltsstoffe des Rauches beg√ľnstigen die Bildung von instabilen Plaques (k√∂nnen aufbrechen).
  • Hoher Blutdruck: Die Innenw√§nde der Gef√§√üe werden durch Hypertonie direkt gesch√§digt.
  • Hoher Cholesterinspiegel: Die Bildung von Plaques wird durch hohe LDL- Werte gef√∂rdert.
  • Diabetes mellitus: Sofern schlecht eingestellt, sch√§digen hohe Blutzuckerwerte bei Diabetes die Gef√§√üe.
  • Lebensalter: Ab einem bestimmten Alter ist jeder Mensch von Arteriosklerose betroffen, wenn auch in unterschiedlichem Ausma√ü.

Symptome

Ablagerungen in den Arterien alleine verursachen noch keine Symptome. Erst eine wesentliche Verengung f√ľhrt zur Ausbildung von Beschwerden. Welche genau, h√§ngt davon ab, welche Gef√§√üe betroffen sind. ¬†

  • Gehirn: Ein Schlaganfall mit halbseitiger L√§hmung ist m√∂glich.
  • Herz: Angina Pectoris (Herzenge), Herzinsuffizienz (Herzschw√§che) oder Herzinfarkt k√∂nnen auftreten. ¬†
  • Aorta: Die geschw√§chte Gef√§√üwand kann sich zu einem Aortenaneurysma (erweiterte Hauptschlagader) entwickeln. ¬†
  • Nieren: Arteriosklerotische Ver√§nderungen der Nierengef√§√üe f√ľhren i.d.R. zu Hypertonie (Bluthochdruck) oder gar zu Nierenversagen.
  • Beine, Becken: Schmerzen bei intensiver Belastung, sp√§ter auch nach kurzen Strecken im Zuge einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit k√∂nnen auftreten. Bei M√§nnern kann die Gef√§√üverengung sogar zu Impotenz f√ľhren.

Diagnose

Um ein Risikoprofil erstellen zu k√∂nnen, erhebt der behandelnde Arzt eine Anamnese. Dabei wird er ausf√ľhrlich nach Ihrem Lebensstil, vor allem nach folgenden Bereichen fragen: ¬†

  • Rauchen
  • Ausreichende Bewegung, Sport (was, wie oft)
  • Ern√§hrungsgewohnheiten, bevorzugte Lebensmittel und Fette
  • Famili√§re Krankheiten (Herzinfarkt, Schlaganf√§lle, Diabetes Mellitus)

Nach einer Blutuntersuchung werden Cholesterin- und Blutzuckerwerte beurteilt. Auch Blutdruck, Gewicht und evtl. der Taillenumfang werden untersucht.

Der Ort einer m√∂glichen arteriosklerotischen Ver√§nderung wird durch eine ausf√ľhrlichere Befragung eingesch√§tzt. Der behandelnde Arzt achtet dabei besonders auf Hinweise f√ľr:

  • KHK ‚Äď Koronare Herzkrankheit
  • pAVK ‚Äď periphere arterielle Verschlusskrankheit
  • Aortenaneurysma ‚Äď erweiterte Hauptschlagader
  • Schlaganfall
  • Verkalkte Nierenarterien
  • Impotenz

Abhängig von den Ergebnissen der Befragung werden weitere Untersuchungen folgen, z.b. Angiografie oder Doppler-Sonographie um Verengungen darzustellen.

Therapie

Lebensstil

Arteriosklerose kann nicht geheilt, jedoch vorgebeugt werden. Auch bei bereits bestehender Arteriosklerose kann ein Fortschreiten durch Lebensstil√§nderung und Medikamente positiv beeinflusst werden. Eine R√ľckbildung von Plaques durch Di√§t und Trainingsma√ünahmen ist nur im Fr√ľhstadium m√∂glich.

Studien haben außerdem gezeigt, dass ein Fortschreiten einer Arteriosklerose durch Cholesterinsenker (CSE Hemmer bzw. Statine, Cholesterol Resorbtionshemmer) und Blutdrucksenker (ACE Hemmer) verlangsamt werden kann.

Blutfettwerte können durch Omega-3-Säuren-Thylester, Fibrate oder Nikotinsäure verbessert, also gesenkt werden.

Chirurgie

Bei lebensbedrohlichen Verkalkungen sind chirurgische Eingriffe zur Behandlung möglich. Je nach Art und Dimension der Gefäßveränderung werden verschiedene Verfahren angewandt.

Bypass: Durch ein körpereigenes Gefäß (meist aus der Wade) oder einer Gefäßprothese (meist Gore-Tex) wird der Blutstrom um die verengte Stelle umgeleitet. Er setzt an einem freien Abschnitt der Arterie, oberhalb der Verengung, an und wird dahinter wieder angeschlossen.

Perkutane Transluminale Angioplastie (Ballonerweiterung): Hierbei wird ein kleiner, ballonartiger Katheter √ľber die Blutbahn in das verengte Gef√§√ü geschoben und aufgeblasen. Dadurch wird das Gef√§√ü erweitert und der freie Blutfluss wieder hergestellt.

Bei einer erneuten Verengung kann ein sog. Stent, ein maschenartiges Drahtnetz eingesetzt werden, welcher das Gefäß dauerhaft offen hält.

Prognose

Die Prognose ist maßgeblich davon abhängig, wie die Arteriosklerose ausgeprägt ist und wo sie lokalisiert ist. Auch der Lebensstil ist ein wichtiger Faktor.

Im allgemeinen gilt: Je weniger Risikofaktoren, desto besser die Aussichten.

Plaques im Fr√ľhstadium k√∂nnen sich noch zur√ľckbilden. Dazu muss sich der Cholesterinspiegel deutlich senken und das Verh√§ltnis zwischen HDL (gutem) und LDL (schlechtem) Cholesterin verbessern. Dies kann beispielsweise durch Ausdauersport erreicht werden.

Ein gesunder Lebensstil ist insbesondere bei einer fortgeschrittenen Arteriosklerose vorausgesetzt. Durch ein verzichten auf Tabak, mehr Bewegung und eine ausgewogene, fettbewusste Ernährung lässt sich die Prognose deutlich verbessern.

Unbehandelt und ohne eine Lebensstil√§nderung kann eine Arteriosklerose, in Abh√§ngigkeit von Ausma√ü und Lokalisation, zu einem Schlaganfall, Herzinfarkt, Versagen der Nieren oder peripherer arterieller Verschlusskrankheit f√ľhren.

Vorbeugen

Abhängig von den individuellen Risikofaktoren, kann jeder einer Arteriosklerose gut vorbeugen.

  • Geben Sie das Rauchen auf. Holen Sie sich dazu Unterst√ľtzung von Ihrem Hausarzt oder einer Raucherentw√∂hnungsprogramm.
  • Ern√§hren Sie sich ges√ľnder. Dazu sollten Sie viel Gem√ľse, fettarm und abwechslungsreich essen. Ges√§ttigte Fette (z.b. tierische Fette) und Transfette (z.b. frittiertes, gebackenes, geh√§rtete Pflanzenfette) sollten vermieden werden.
  • Vermeiden Sie √úbergewicht. Wer √ľbergewichtig ist, tut seinem K√∂rper mit einigen Kilos weniger, etwas Gutes.
  • Bewegen Sie sich. Treiben Sie mehr Sport und Ausdauersport, bereits ein t√§glicher 30 Min. Spaziergang hilft. ¬†
  • Gehen Sie konsequent mit bestehenden Krankheiten wie Diabetes mellitus, hohem Cholesterinspiegel oder Bluthochdruck um. Nur eine dauerhafte und regelm√§√üig kontrollierte Therapie nutzt Ihnen.

Redaktionelle Grundsätze

Alle f√ľr den Inhalt herangezogenen Informationen stammen von gepr√ľften Quellen (anerkannte Institutionen, Fachleute, Studien renommierter Universit√§ten). Dabei legen wir gro√üen Wert auf die Qualifikation der Autoren und den wissenschaftlichen Hintergrund der Informationen. Somit stellen wir sicher, dass unsere Recherchen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren.
Danilo Glisic

Danilo Glisic
Autor

Als Biologie- und Mathematikstudent verfasst er leidenschaftlich Magazinartikel zu aktuellen medizinischen Themen. Aufgrund seiner Affinität zu Zahlen, Daten und Fakten, liegt sein Fokus dabei auf der Beschreibung von relevanten klinischen Studienergebnissen.

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