Feigwarzen (Condylomata acuminata)

Feigwarzen (Condylomata acuminata)
Internationale Klassifikation (ICD) A63.0

Grundlagen

Bei Condylomata acuminata (auch bekannt unter den Begriffen Condylome, Feigwarzen, Feuchtwarzen, Genitalwarzen) handelt es sich um eine sexuell übertragbare Erkrankung, die durch eine Infektion mit dem Humanen Papilloma-Virus (HPV) ausgelöst wird.

Sichtbare Symptome sind dabei die Feigwarzen – kleine gutartige Wucherungen, die meist zahlreich an den Geschlechtsorganen, am After und im Rektum auftreten und farblich zwischen gerötet, weißlich und graubräunlich variieren. Die Warzen neigen zur Beetbildung, was bedeutet, dass die anfänglich kleinen Warzen sich mit der Zeit zu größeren, konfluierenden (sich vereinigenden) Warzen entwickeln.

Feigwarzen zählen neben Clamydien und Herpes genitalis zu den häufigsten sexuell übertragbaren Erkrankungen. Oftmals treten sie zwischen dem 20. und 25. Lebensjahr auf. Schätzungen zufolge sind in den USA und Europa bei etwa einem Prozent aller sexuell aktiven Menschen im Alter zwischen 15 und 25 an den Genitalien oder am After Feigwarzen nachweisbar.

Eine Infektion mit dem Humanen Papilloma-Virus führt nicht zwangsweise zur Ausbildung von Feigwarzen, es besteht auch die Möglichkeit einer latenten Erkrankung ohne erkennbare Symptome. Diese besteht etwa bei einem Zehntel der Personen dieser Altersgruppe.

Ursachen

Ausgelöst werden Feigwarzen fast immer durch eine Infektion mit Niedrigrisikotypen (geringes Risiko einer Krebsentstehung) des Humanen Papilloma-Virus (HPV). Es existieren zirka 200 bekannte Typen dieses Virus, von denen etwa 50 Feigwarzen im Genitalbereich auslösen können. Zumeist handelt es sich dabei um die relativ harmlosen Varianten HPV-6 und HPV-11, selten können Feigwarzen jedoch auch durch die Varianten HPV-16 und HPV-18 ausgelöst werden, welche ein großes Entartungspotential besitzen und das Risiko für bestimmte Krebsformen wie Gebärmutterhalskrebs, Peniskrebs und Analkrebs erhöhen.

Übertragungsweg ist zumeist eine Schmierinfektion beim sexuellen Kontakt, wobei das Risiko bei Geschlechtsverkehr mit häufig wechselnden Partnern und ungeschütztem Sex stark ansteigt. Auch die indirekte Übertragung (beispielsweise über ein verschmutztes Handtuch) oder eine Infektion des Kindes während der Geburt sind möglich, allerdings relativ selten.

Voraussetzung für die Entstehung von Feigwarzen nach erfolgter HPV-Virus-Infektion sind vor allem kleine Hautverletzungen, Feuchtigkeit und bestehende Entzündungen. Faktoren, wie Rauchen, Drogenkonsum oder immunsuppressive Medikamente erhöhen zusätzlich das Entstehungsrisiko.

Symptome

Zumeist verlaufen Infektionen mit Humanen Papilloma-Viren frei von Beschwerden und daher unbemerkt. Frühestens zwei bis vier Wochen nach dem Erstkontakt kann es zum Auftreten von Feigwarzen kommen, in den meisten Fällen vergehen aber mehrere Monate. Condylome können vereinzelt oder in Gruppen von 5 bis 15 Warzen auftreten und nach längerer Zeit zu einem größeren Gebilde zusammenwachsen, was teilweise ein Hinweis auf eine Immunschwäche oder Diabetes Mellitus sein kann.

Bei betroffenen Männern treten sie zumeist am Penisschaft oder auf der Vorhaut auf, können sich jedoch auch an der Harnröhrenmündung, am After oder im Rektum befinden.

Bei Frauen sind zumeist die Schamlippen und der Gebärmutterhals betroffen, selten auch die Vagina oder der Bereich um die Harnröhrenmündung.

Normalerweise verursachen Feigwarzen keine Beschwerden wie Juckreiz oder Brennen, es kann allerdings zu leichten Blutungen durch Einrisse in der Haut um die Warzen kommen.

Diagnose

Da Feigwarzen normalerweise aufgrund ihres typischen Erscheinungsbildes für den Arzt gut erkennbar sind, wird die Diagnose meist durch eine einfache Untersuchung der Geschlechtsorgane bzw. des Afters gestellt.

Falls die Warzen nur sehr schwer erkennbar sind, kann auf die betroffene Hautstelle verdünnte Essigsäure aufgetragen werden, wodurch sich die Feigwarzen dann als weiße Felder abzeichnen. Auch der Nachweis des Humanen Papilloma-Virus (HPV) mit molekularbiologischen Methoden sichert die Diagnose.

Bei einer bestehenden oberflächlichen Feigwarzenerkrankung wird empfohlen, auch den Enddarm mittels einer Rektoskopie auf ein Vorliegen von Feigwarzen hin zu untersuchen sowie bei männlichen Patienten die ersten Zentimeter der Harnröhre mittels Uretrozystoskop überprüfen zu lassen. Ob bei weiblichen Erkrankten auch ein Befall des Gebärmutterhalses vorliegt, kann durch den Gynäkologen bzw. die Gynäkologin leicht durch eine Kolposkopie überprüft werden.

Neben einer Condylominfektion können auch zahlreiche andere Hauterkrankungen ähnliche Symptome verursachen – diese können aber durch eine histologische Untersuchung (Gewebeuntersuchung unter dem Mikroskop) ausgeschlossen werden.

Therapie

Bei der Behandlung einer Feigwarzenerkrankung ist es wichtig, dass nicht nur der Patient selbst sondern auch seine/ihre Geschlechtspartner behandelt werden, da ansonsten sehr wahrscheinlich erneut eine Infektion auftritt und somit Feigwarzen entstehen können.

Welche Therapie angewandt wird, hängt in erster Linie von Faktoren, wie der Größe und Lokalisation der Feigwarzen sowie des Zustands des Immunsystems ab. Grundsätzlich lassen sich zwei Therapiearten unterscheiden:

  • kausale Therapie: Bekämpfung der Ursache (Humane Papilloma-Viren) und in Folge Beseitigung Warzen
  • symptomatische Therapie: Entfernung der Feigwarzen

Es existiert heutzutage noch keine Behandlung, die eine erfolgreiche Therapie garantiert – es empfiehlt sich daher, verschiedene Behandlungsmethoden kombiniert einzusetzen.

Kausale Therapie

Über einen Zeitraum von mehreren Wochen wird dreimal wöchentlich eine Salbe mit dem Wirkstoff Imiquimod auf die von Feigwarzen betroffenen Stellen aufgetragen. Imiquimod bewirkt eine Stimulation des Immunsystems und fördert so die körpereigene Abwehr gegen HPV. Bei etwa 50% der Patienten entwickeln sich die Feigwarzen durch die Behandlung zurück und verschwinden gänzlich – bei Frauen weist dieser Therapieansatz eine noch höhere Erfolgswahrscheinlichkeit auf. Innerhalb von sechs Monaten nach Therapieende treten bei etwa 20 bis 70% der Behandelten erneut Feigwarzen auf (Rezidiv). Durch chirurgische Entfernung der Warzen vor Behandlungsbeginn lässt sich die Erfolgswahrscheinlichkeit der Therapie jedoch erhöhen. Während der Behandlung mit Imiquimod kann es an den betroffenen Stellen zu Hautrötungen kommen und ein brennendes Gefühl auftreten.

Die Behandlung mit Interferonen wird im Anschluss einer chirurgischen Entfernung der Warzen angewandt. Dabei handelt es sich um antivirale Botenstoffe des Immunsystems, die dem Körper bei der Bekämpfung gegen HPV-Viren unterstützen. Diese Interferone werden in Form eines Gels fünfmal täglich über einen Zeitraum von etwa vier Wochen auf die betroffenen Stellen aufgetragen. Dadurch wird das Risiko eines Wiederauftretens von Feigwarzen verringert.

Die Behandlung mit Imiquimod und Interferonen ist während einer Schwangerschaft untersagt. Auch bei Feigwarzen in der Vagina oder im Enddarm sollte die Behandlung nicht mit diesen Stoffen erfolgen.

Symptomatische Therapie

Podophyllotoxin: Das Betupfen von Feigwarzen mit einer Podophyllotoxin-haltigen Salbe führt zur Verätzung der Warzen, wodurch diese zumeist verschwinden. Die Behandlung erfolgt durch den Patienten selbst in einem sich vier mal wiederholenden Zyklus – Dabei wird in jedem Zyklus zweimal täglich drei Tage lang auf die betroffenen Stellen Podophyllotoxin aufgetragen, im Anschluss folgt für vier Tage eine Therapiepause. Bei der Behandlung kann es zu Hautreizung und damit einhergehenden Schmerzen kommen. Da Podophyllotoxin eine teratogene (fruchtschädigende) Wirkung hat, müssen Frauen im gebärfähigen Alter unbedingt auf eine wirksame Verhütungsmethode achten.

Trichloressigsäure: Die Therapie erfolgt ein- bis zweimal wöchentlich durch den Arzt, der die Säure direkt auf die Feigwarzen aufträgt. Dadurch werden die Feigwarzen verätzt, was während der Behandlung und für kurze Zeit danach zu Schmerzen und einem starken Brennen an den betroffenen Hautstellen führen kann.

Kryotherapie: Bei der Kryotherapie werden die Feigwarzen in wöchentlichen Abständen durch den Arzt mit flüssigem Stickstoff (Temperatur - 196°C) vereist, wodurch sie zerstört werden. Die Höhe der Rezidivrate (Wiederauftreten der Beschwerden) ist nicht bekannt, jedoch hilft die Behandlung bis zu 75% der Betroffenen zumindest vorübergehend.

Photodynamische Therapie: Hierbei wird auf die betroffenen Stellen 5-Aminolävulinsäure (5-ALA) aufgetragen und im Anschluss mit Licht einer bestimmten Wellenlänge bestrahlt. Die Wirkung beruht darauf, dass 5-ALA vor allem in die krankhaft veränderte Haut der Feigwarzen eindringt und dort durch die Bestrahlung in eine reaktive Substanz umgewandelt wird, wodurch die Warzen geschädigt werden und absterben.

Chirurgische Verfahren: Dabei werden Feigwarzen unter örtlicher Betäubung mittels einem Skalpell, Laser oder Elektrokoagulation entfernt. Bei etwa drei Viertel der Patienten kommt es jedoch später zu einem Wiederauftreten der Warzen. Auch die Entstehung von Narben ist möglich.

Prognose

Der Behandlungserfolg von Feigwarzen variiert stark von Patient zu Patient. In einigen Fällen kommt es zur spontanen Abheilung der Warzen auch ohne Therapie. In etwa einem Viertel der Fälle treten sie trotz Behandlung immer wieder auf. Trotzdem sollte eine Erkrankung umgehend behandelt werden, da es ansonsten zu einer schnellen Ausbreitung der Warzen kommen kann.

Da bestimmte Subtypen der Humanen Papilloma-Viren (HPV-16 und HPV-18) auch zu Gebärmutterhalskrebs führen können, sollten sich Frauen auch nach erfolgreicher Therapie ein- bis zweimal jährlich einen Abstrich des Gebärmutterhalses nehmen lassen, um eine mögliche Krebserkrankung bereits im Frühstadium erkennen und behandeln zu können.

Vorbeugen

Da HPV-Viren zumeist beim Geschlechtsverkehr übertragen werden, ist durch Verwendung von Kondomen eine deutliche Senkung des Infektionsrisikos möglich. Wechselnde Geschlechtspartner erhöhen das Risiko der Infektion stark – jedoch ist die Entwicklung von Feigwarzen bei nur einem Beziehungspartner kein sicherer Hinweis für Sexualkontakte des anderen außerhalb der Partnerschaft, da zwischen einer Infektion mit den HPV-Viren und der Entwicklung von Warzen extrem lange und variable Zeitspannen liegen können.

Bei einer Erkrankung sollten stets beide Geschlechtspartner behandelt werden um Rückinfektion zu vermeiden.

Eine Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs (ausgelöst durch die Virussubtypen HPV-16 und HPV-18) kann auch einen gewissen Schutz vor Feigwarzen bieten.

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