Gicht

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Internationale Klassifikation (ICD) M10.99

Grundlagen

Bei Gicht handelt es sich um eine Stoffwechselerkrankung, bei der es aufgrund einer erhöhten Harnsäurekonzentration im Blut (Hyperurikämie) zur Ablagerung von Harnsäurekristallen in bestimmten Gelenken (vor allem im Großzehengrundgelenk) kommen kann. Durch die körpereigene Immunreaktion auf diese Kristallablagerungen wird ein sogenannter Gichtanfall ausgelöst, der sich mit plötzlichen starken Schmerzen sowie Schwellungen am betroffenen Gelenk äußert.

Männer erkranken weitaus häufiger an Gicht als Frauen. Schätzungen zufolge hat in den Industriestaaten etwa 20 Prozent der männlichen Bevölkerung einen zu hohen Harnsäurespiegel. Das Risiko eines Gichtanfalls ist umso größer, je höher die Harnsäurekonzentration im Blut ist. Bei Frauen tritt die Gicht zumeist erst nach der Menopause (Wechseljahre) auf.

In den meisten Fällen macht sich die Stoffwechselerkrankung zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr bemerkbar. Häufig leiden die Patienten zudem unter Übergewicht, Diabetes Mellitus (Zuckerkrankheit), Hyperlipidämie (erhöhte Blutfettwerte) und Hypertonie (Bluthochdruck). Die Kombination dieser Krankheiten wird als metabolisches Syndrom bezeichnet.

Ursachen

Eine Gicht ist die Folge eines erhöhten Harnsäurespiegels im Blut (Hyperurikämie). Harnsäure ist ein Abbauprodukt des Stoffwechsels der Purinbasen und wird beim Abbau von Nukleinsäuren (Bestandteile der DNA) oder bei der Nahrungsverdauung erzeugt und anschließend über die Nieren ausgeschieden. Steigt die Konzentration im Blut über einen gewissen Wert, entstehen Harnsäurekristalle, welche sich in den Gelenken ablagern können. Die Zellen des Immunsystems versuchen diese Harnsäurekristalle zu beseitigen, wodurch eine Entzündung im Gelenk verursacht wird, welche die charakteristischen Beschwerden der Gicht auslöst.

Es werden zwei Ursachen für einen erhöhten Harnsäurespiegel unterschieden:

  • Die primäre Form stellt die häufigste Ursache einer Hyperurikämie dar. Dabei handelt es sich um eine angeborene Stoffwechselerkrankung, bei der die Nieren aufgrund einer Ausscheidungsstörung nicht genügend Harnsäure ausscheiden. In sehr seltenen Fällen kann die Ursache auch in einer Überproduktion von Harnsäure liegen.
  • Bei der sekundären Form wird der erhöhte Harnsäurespiegel durch andere Erkrankungen oder durch bestimmte Medikamente verursacht. Beispiele können hierfür Anämien (Blutarmut), Tumorerkrankungen oder eine Krebstherapie (Bestrahlung, Zytostatika) sein.

Die Ursache, warum die Nieren nur ungenügend Harnsäure ausscheiden können, liegt oftmals in einer Diabetes-Mellitus-Erkrankung (erhöhter Blutzucker), anderen Nierenerkrankungen, harntreibenden Medikamenten oder übermäßigem Alkoholkonsum.

Symptome

Ist der Harnsäurespiegel im Blut nur leicht erhöht (Hyperurikämie), leben die Betroffenen zumeist über Jahre frei von Beschwerden, bevor es zum ersten Auftreten eines Gichtanfalles kommt.

Charakteristische Symptome für einen Gichtanfall sind:

  • starke Schmerzen im betroffenen Gelenk, die bis zu drei Tage lang anhalten
  • das Gelenk ist geschwollen, gerötet und überwärmt
  • Bewegungen des Gelenks verursachen Schmerzen
  • während einem akuten Gichtanfall kann Fieber auftreten

In zirka 60 Prozent der Fälle äußert sich der Gichtanfall beim Großzehengrundgelenk. In etwa 10 bis 15 Prozent sind auch das Kniegelenk, das Sprunggelenk oder die Fußwurzel betroffen. In seltenen Fällen können die Beschwerden auch an den Finger-, Hand- oder Ellenbogengelenken auftreten.

Nach mehreren akuten Gichtanfällen kann sich eine chronische Gicht entwickeln, bei der es zu irreversiblen Veränderungen und Schädigungen des betroffenen Gelenks kommt. Als Folge treten Gelenkdeformationen und häufige Schmerzattacken auf.

Durch den erhöhten Harnsäurespiegel kann es des weiteren zur Entstehung von Nierensteinen oder einem kompletten Versagen der Nierenfunktion kommen.

Es wird zwischen vier Phasen der Gicht unterschieden:

  • beschwerdefreie Hyperurikämie (erhöhter Harnsäurespiegel im Blut ohne Symptome)
  • akuter Gichtanfall
  • interkritische Phase (der beschwerdefreie Zeitraum zwischen zwei akuten Gichtanfällen)
  • chronische Gicht

Zwischen zwei Gichtanfällen (interkritische Phase) können manchmal mehrere symptomfreie Jahre liegen. Das Stadium der chronischen Gicht tritt heutzutage nur noch bei Patienten auf, bei denen die Gicht nicht oder nur schlecht behandelt wurde.

Diagnose

Falls die für die Gicht charakteristischen Beschwerden auftreten, kann mittels einer Blutuntersuchung festgestellt werden, ob der Harnsäurespiegel im Normbereich liegt oder erhöht ist. Durch einen normalen Harnsäurespiegel lässt sich jedoch eine Gicht nicht sicher ausschließen, da der Blutspiegel je nach Nahrungsaufnahme schwankt und sich die Harnsäurekonzentration bei der Blutabnahme daher trotz Gichtanfall bereits wieder im Normbereich befinden kann. Während einem akuten Gichtanfall können zudem häufig erhöhte Entzündungswerte (beispielsweise CRP oder Blutsenkungsgeschwindigkeit) festgestellt werden. Lassen sich in der Gelenksflüssigkeit Harnsäurekristalle nachweisen, gilt dies als sichere Diagnose einer Gicht.

Bei chronischem Verlauf lassen sich die krankheitsbedingten Gelenksveränderungen im Röntgenbild nachweisen. Zudem werden die Nieren in manchen Fällen überprüft, da die Nierenfunktion durch eine lang bestehende,unbehandelte Gicht stark beeinträchtigt werden kann.

Therapie

Bei der Therapie wird zwischen der Behandlung des akuten Gichtanfalles und der Senkung des erhöhten Harnsäurespiegels unterschieden:

akuter Gichtanfall

Das Ziel bei der Therapie des akuten Gichtanfalles besteht darin, die Schmerzen so weit wie möglich zu reduzieren. Dafür werden entzündungshemmende Schmerzmittel aus der Klasse der NSAR (nichtsteroidale-Antirheumatika, wie beispielsweise Diclofenac, Indometacin) eingesetzt. Zusätzlich bewirken kühlende Gelenksumschläge und eine Ruhigstellung des Gelenks eine Milderung der Beschwerden. Bei einem starken Gichtanfall können auch Kortisonpräparate eingesetzt werden, da diese eine weitaus stärkere entzündungshemmende Wirkung als die NSAR-Schmerzmittel haben. Falls die bisherige Therapie keine Wirkung zeigt, kann auch Colchizin verabreicht werden, wodurch sich die Beschwerden innerhalb kurzer Zeit bessern – aufgrund der stärkeren Nebenwirkungen ist Colchizin jedoch nur ein Mittel zweiter Wahl.

Hyperurikämie (erhöhter Harnsäurespiegel)

Um weitere akute Gichtanfälle zu vermeiden, ist es besonders wichtig, den Harnsäurespiegel im Normalbereich zu halten. Dies kann gut erreicht werden, indem stark purinhaltige Lebensmittel (werden zu Harnsäure verstoffwechselt) wie beispielsweise Innereien, Fisch und Hülsenfrüchte vermieden werden. Auch der Alkoholkonsum sollte stark reduziert werden, da auch dieser den Harnsäurespiegel erhöht. Durch ein gesundes Körpergewicht kann eine erhöhte Harnsäurekonzentration normalisiert werden. Zudem sollte darauf geachtet werden, jeden Tag genügend Flüssigkeit (vor allem Wasser oder ungesüßte Kräutertees) zu sich zu nehmen.

Zusätzlich zur Änderung des Lebensstils stehen auch verschiedene Medikamente zur Verfügung, durch welche sich die Harnsäureausscheidung steigern (Urikosurika) oder die Harnsäurebildung reduzieren (Urikostatika) lässt.

Prognose

Die individuelle Neigung zu einem erhöhten Harnsäurespiegel lässt sich nicht behandeln, jedoch kann dieser durch eine bewusste Ernährung (Vermeidung von Harnsäure-steigernden Lebensmitteln) und mittels einer medikamentösen Therapie im Normbereich gehalten werden. Dadurch wird das Risiko eines Gichtanfalls stark reduziert. Auch Langzeitschäden wie Gelenksdeformationen oder Nierenschäden können auf diese Weise effektiv vermieden werden.

Vorbeugen

Um einem Gichtanfall vorzubeugen, ist es besonders wichtig, den Harnsäurespiegel im normalen Bereich zu halten. Dies kann zumeist leicht erreicht werden, indem bei der Ernährung auf bestimmte purinhaltige Lebensmittel (erhöhen den Harnsäurespiegel) gänzlich verzichtet oder zumindest deren Verzehr stark reduziert wird.

Beispiele für stark purinhaltige Lebensmittel wären:

  • Innereien (Leber, Niere, Kalbsbries)
  • Fisch (vor allem Forelle, Hering)
  • Hülsenfrüchte
  • Fleisch

Da Übergewicht das Risiko eines Gichtanfalles erhöht, wirkt sich auch eine Reduzierung des Körpergewichts positiv auf das Risiko einer Gichterkrankung aus. Zudem sollten Lebensmittel mit hohem Fettanteil sowie Alkohol nur in geringen Mengen konsumiert werden.

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