Glutenunverträglichkeit (Sprue)

Glutenunverträglichkeit (Sprue)
Internationale Klassifikation (ICD) K90.0

Grundlagen

Bei einer Glutenunverträglichkeit (bei Säuglingen und Kinder Zöliakie genannt, bei Erwachsenen Sprue) kommt es bei Konsum glutenhaltiger Lebensmittel zu einer chronischen Entzündung der Dünndarmschleimhaut in Folge einer Überempfindlichkeit gegenüber Bestandteile des Glutens, einem in vielen Getreidesorten (Weizen, Roggen, Hafer, Gerste) vorkommendes Klebereiweiß. Die Unverträglichkeit bleibt ein Leben lang bestehen und kann nach dem derzeitigen Stand der Medizin nicht ursächlich behandelt werden. Fachsprachlich wird die Glutenunverträglichkeit als glutensensitive Enteropathie bezeichnet.

Durch den Konsum glutenhaltiger Nahrungsmittel kommt es zu Entzündungen und in weiterer Folge zur Zerstörung von Dünndarmepithelzellen, wodurch die Aufnahme von Nährstoffen wie beispielsweise Vitaminen, Mineralstoffen, Kohlenhydraten und Fetten gestört wird. Wird konsequent auf eine glutenfreie Ernährung geachtet, regeneriert sich die Darmschleimhaut und die Beschwerden verschwinden.

Glutenunverträglichkeit ist eine chronische Erkrankung, an der in Mitteleuropa etwa eine Person auf 500 Einwohner erkrankt ist. Sämtliche Altersschichten sind betroffen, bei Frauen tritt die Erkrankung häufiger auf. Die Unverträglichkeit entwickelt sich oftmals im Laufe eines Reizdarmsyndroms.

Ursachen

Da bei Verwandten von Zöliakie- oder Sprue-Patienten die Erkrankung ebenfalls gehäuft auftritt, wird angenommen, dass die Tendenz, im Laufe des Lebens eine Glutenunverträglichkeit zu entwickeln, bis zu einem bestimmen Grad genetisch bedingt ist. Das Risiko für Verwandte ersten Grades, ebenfalls an einer Unverträglichkeit zu erkranken, beträgt etwa 10%.

Weiters wird vermutet, dass Umwelteinflüsse sowie das Immunsystem der Betroffenen und chronische Darmerkrankungen eine Rolle bei der Entwicklung einer Unverträglichkeit spielen.

Symptome

Bei bestehender Glutenunverträglichkeit kommt es beim Konsum von glutenhaltigen Lebensmitteln zur Entzündung und Zerstörung der Dünndarmschleimhaut, wodurch die Funktion des Darms erheblich eingeschränkt wird. Dies äußert sich in folgenden Symptome:

  • starker ungewollter Gewichtsverlust und chronisches Untergewicht
  • Exsikkose (Austrocknung des Körpers) in Folge eines starken Flüssigkeitsverlusts durch chronischen Durchfall
  • Flatulenz (Blähungen)
  • Übelkeit
  • Mangelerscheinungen (z.B. Eisen, Kalzium) aufgrund der gestörten Aufnahme von Vitaminen und Mineralstoffen – durch den Eisenmangel kann eine Anämie (Blutarmut) verursacht werden
  • Bei Kindern kann es in Folge der Mangelerscheinungen zu Entwicklungsverzögerungen und im fortgeschrittenen Stadium zur Ausprägung eines vorgewölbten Bauches und mageren Extremitäten kommen

Diagnose

Die Diagnose einer Glutenunverträglichkeit wird in der Regel durch die Abnahme und Untersuchung von Stuhl- und Blutproben gestellt, da sich im Falle einer Unverträglichkeit Antikörper gegen Teile des Glutens nachweisen lassen. Die speziellen Antikörper sind nur vorhanden, falls das Immunsystem des Körpers beim Kontakt mit Gluten überreagiert, wodurch auch die beschriebenen Symptome verursacht werden. Zusätzlich sollte bei der Blutuntersuchung auch überprüft werden, ob durch die Glutenunverträglichkeit eventuell Vitamin- oder Mineralstoffmängel verursacht wurden.

Weiters ist eine Glutenunverträglichkeit durch eine Biopsie (mikroskopische Untersuchung einer Gewebeprobe), die im Rahmen einer Darmspiegelung (Koloskopie) erfolgt, diagnostizierbar. Dabei sollte die Gewebeprobe nicht nach einem längeren Zeitraum glutenfreier Ernährung entnommen werden, da die typischen Gewebeveränderungen sonst schwerer erkennbar wären.

Therapie

Im Falle einer Unverträglichkeit müssen die Betroffenen lebenslang konsequent auf eine glutenfreie Ernährung achten. Bei Beginn der glutenfreien Diät sollte zusätzlich auf Milch und Milchprodukte verzichtet werden, da diese verhältnismäßig schwer verträglich sind und für den bereits gereizten Darm noch eine zusätzliche Belastung darstellen.

Beispiele für:

  • glutenhaltige Lebensmittel: Weizen, Roggen, Hafer, Gerste, Dinkel, Grünkern, Urkorn, Kamut, Triticale, Einkorn, Emmer
  • glutenfreie Lebensmittel: Reis, Kartoffeln, Mais, Hirse, Quinoa, Amaranth, Sojabohnen, Fleisch, Milch, Eier, Obst, Gemüse

Gluten ist oftmals auch in Fertigprodukten, Brot, Nudeln, Müsli, Saucen, Desserts und vielen weiteren Lebensmitteln enthalten – auf diese muss daher entweder gänzlich verzichtet werden oder man kauft speziell glutenfreie Produkte. Empfehlungen und Hilfestellungen für einen ausgewogenen Speiseplan trotz konsequentem Gluten-Verzicht können durch einen Ernährungscoach erfolgen.

Haben sich in Folge einer Glutenunverträglichkeit Vitamin- und Mineralstoffmängel entwickelt, sollten diese durch die Einnahme entsprechender Präparate ausgeglichen werden. In sehr schweren Fällen von Darmentzündungen können zusätzlich nach Verschreibung durch den Arzt Glucocorticoide (zum Beispiel Kortison) eingenommen werden – diese lindern effektiv die Beschwerden, sind jedoch dadurch, dass sie das gesamte Immunsystem dämpfen, relativ anfällig für unerwünschte Nebenwirkungen.

Auch wenn nach einiger Zeit ein beschwerdefreies Leben möglich ist, darf die glutenfreie Diät nie abgesetzt werden. Ansonsten besteht ein hohes Risiko, dass die exakt gleichen Symptome wieder auftreten. Durch die chronische Darmentzündung ist dann auch mit Spätfolgen und schweren Folgeerkrankungen wie beispielsweise Darmkrebs zu rechnen.

Prognose

Bei Einhaltung einer glutenfreien Diät lassen sich die Symptome und Folgeerkrankungen meist gut in den Griff bekommen. Die Lebenserwartung von Sprue-Patienten entspricht der von Normalpatienten. Wird die Diät jedoch nicht oder nur inkonsequent eingehalten, besteht durch die anhaltende Darmreizung ein erhöhtes Krebsrisiko für den Magen- und Darmbereich. Außerdem erhöht sich die Wahrscheinlichkeit an Osteoporose zu erkranken.

Vorbeugen

Da der genaue Entstehungsmechanismus einer Glutenunverträglichkeit nicht bekannt ist und es sich sehr wahrscheinlich um eine genetisch bedingte Erkrankung handelt, gibt es keine Empfehlungen für die Prävention dieser Erkrankung.

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