Krampfadern der Beinen (Varikosis, Varizen)

Krampfadern der Beinen (Varikosis, Varizen)
Internationale Klassifikation (ICD) I83.9

Grundlagen

Als Krampfadern (Varikosis, Varizen) bezeichnet man erweiterte, oberflächliche und in den meisten Fällen geschlängelte Venen. Äußerlich erkennt man sie als knotige, bläulich schimmernde Blutgefäße, die auch häufig die Ursache für schmerzende Beine oder geschwollene Knöchel sein können. Generell können aus allen Venen Krampfadern entstehen, in der Regel treten sie jedoch an den oberflächlichen Beinvenen auf. Der Name „Krampfader“ leitet sich aus dem mittelhochdeutschen Wort für „Krummader“ ab.

Krampfadern sind sehr verbreitet. Laut Experten sind rund 20 Prozent der Erwachsenen zumindest von leichten Veränderungen der Beinvenen betroffen. Solche feinen oberflächlichen Krampfäderchen werden als Besenreiser bezeichnet. Mit steigendem Alter nehmen Venenveränderungen, sowie ihr Schweregrad zu. Frauen sind dreimal so oft von Krampfadern betroffen wie Männer. Sie treten meistens zwischen dem 30. und 40.

Lebensjahr auf. Im Normalfall treten Krampfadern in geringer Ausprägung auf und verursachen keinerlei gesundheitliche Probleme. Nimmt das Alter der Betroffenen zu, steigt auch der Schweregrad der Beschwerden und macht somit eine Behandlung unumgänglich.

Ursachen

Krampfadern treten auf, wenn die Venen ihre Arbeit nicht mehr effizient verrichten. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, das Blut entgegen der Schwerkraft zum Herzen zu transportieren. Den größten Teil der Pumparbeit verrichtet das Herz, aber die Wadenmuskulatur sowie die elastische Wand der Blutgefäße leisten einen nicht unerheblichen Teil. Bei jeder Bewegung vollzieht sich ein Vorgang, bei dem das Blut durch Muskeln und Venenwände Richtung Herz gepresst wird. In den Venen sind Klappen lokalisiert, die in ihrer Funktion Ventilen gleichen und einen Blutrückfluss unterbinden. Die oberflächlichen Venen haben die Aufgabe, das Blut über Verbindungskanäle, die als Perforansvenen bezeichnet werden, in die tiefen Beinvenen zu befördern.

Kommt es zu einem Blutstau in den Beinen, zum Beispiel infolge eines langen Arbeitstages im Stehen, kann sich eine Überdehnung und Ausbuchtung der Venen ereignen. Aufgrund dieser Belastung kommt es zu einem Umbau der Venenwand, die damit an Elastizität verliert. Mit der Zeit schließen die Venenklappen nicht mehr vollständig, was zu einem verstärkten Blutstau führt.

Die Faktoren für die Entstehung von Krampfadern sind unterschiedlich. Rund 95 Prozent der Venenveränderungen entstehen ohne erkenntliche Ursache. Ärzte bezeichnen diese Art von Krampfadern auch als primäre oder anlagebedingte Varikose. Diese steht der sekundären Varikose gegenüber, die als Ursache eine andere Erkrankung hat (beispielsweise Venenthrombose).

Folgende Faktoren erhöhen das Risiko an primären Krampfadern (Varikose) zu erkranken:

  • Vererbung: Bindegewebsschwächen und somit auch Krampfadern sind in bis zu 50 Prozent der Fälle erblich bedingt.
  • Hormone: Weibliche Hormone (Östrogene) können für die Erschlaffung des Bindegewebes verantwortlich sein. Dies ist auch der Grund weshalb Krampfadern unter Frauen häufiger auftreten. In der Schwangerschaft treten bei jeder dritten Frau Krampfadern auf, die sich aber nach der Geburt wieder zurückbilden.
  • Bewegungsmangel: Verrichtet man hauptsächlich stehende oder sitzende Tätigkeiten, kann es zu einer Erschlaffung der Muskelpumpe kommen. Zusätzlich werden beim Sitzen die Venen in den Kniekehlen abgeknickt, was den behinderten Blutfluss noch verstärkt.
  • Nicht unerheblich sind auch Faktoren wie Alter, Übergewicht und Rauchen.

Symptome

Besenreiservarizen:

Von diesen feinen Krampfadern, die sich in den oberen Hautschichten befinden, geht normalerweise keine Gefahr aus. Sie lösen keine Beschwerden aus und stellen ein rein ästhetisches Problem dar.

Stamm- beziehungsweise Seitenastvarikosis:

Das erste Merkmal von Krampfadern ist ein Gefühl von Schwere, Müdigkeit und Spannung in den Beinen. Eine Verbesserung dieser Beschwerden stellt sich in liegender Position und bei Bewegungen ein. Mitunter kann es auch zu einem Juckreiz oder nächtlichen Fuß- und Wasenkrämpfen kommen. Generell ist eine Verstärkung der Beschwerden bei warmem Wetter zu bemerken.

Dauert der Blutstau über einen längeren Zeitraum hinweg an, werden die Gefäße immer permeabler, wodurch Flüssigkeit, Eiweiß und Blutpigmente (Hämosiderin) in das Gewebe gepresst werden. Daraus resultieren anfangs abendliche und in späterer Folge ständige Wasseransammlungen in den Beinen (Ödeme), die hauptsächlich im Knöchelbereich auftreten. In einem späteren Stadium kann es auch zu Hautverfärbungen (Stauungsdermatitis, Stauungsekzem) kommen.

Ältere Menschen leiden zusätzlich noch unter einer dünner werdenden Haut infolge der chronischen Schädigung („Pergamenthaut“). Dadurch neigt sie auch bei leichten Verletzungen zu minimalen Blutungen.

Infolge des Blutstaus kommt es zu einer verringerten Versorgung des Gewebes mit Sauerstoff das im Endeffekt zur Entstehung von „offenen“ Beinen führt (Ulcus cruris). Durch Krampfadern begünstigt, entsteht auch oft eine oberflächliche Venenentzündung (Phlebitis). Entsteht außerdem noch ein Blutgerinnsel (Thrombus), spricht man von Thrombophlebitis. In seltenen Fällen kann sich dieses Blutgerinnsel lösen und mit dem Blutstrom bis zur Lunge transportiert werden, wo es ein Gefäß verstopft (Lungenembolie). Abhängig von den Beschwerden der Venenveränderungen, unterscheidet man vier Stadien von Krampfadern:

  • Stadium I: keine Beschwerden
  • Stadium II: Stauungsgefühl, Wadenkrämpfe in der Nacht, müde oder schwere Beine
  • Stadium III: Wasseransammlungen in den Beinen (Ödeme), Hautveränderungen, abgeheilte Geschwüre
  • Stadium IV: Offene Beingeschwüre (Ulcus cruris)

Diagnose

Anhand der Krankengeschichte und der körperlichen Untersuchung kann der Arzt bereits erste Hinweise auf Krampfadern (Varizen) erhalten. Durch unterschiedliche Tests können Informationen über Funktionsstörungen der Venenklappen und Beteiligung des tiefen Venensystems eingeholt werden. Abhängig von der Lage kann man verschiedene Formen von Krampfadern unterscheiden:

  • Stammvenen- Varizen und Seitenast- Varizen: Als solche bezeichnet man Krampfadern der großen und mittelgroßen Venen. Diese Art von Krampfadern ist am häufigsten und tritt hauptsächlich an der Innenseite der Ober- und Unterschenkel auf.
  • Perforans- Varizen: Krampfadern der Verbindungsvenen zwischen oberflächlichen und tiefen Venen.
  • Retikuläre Varizen: Krampfadern der kleinen Venen, die einen Durchmesser von zwei bis vier Millimeter besitzen. Sie kommen hauptsächlich an den Kniekehlen und Außenseiten der Ober- und Unterschenkel vor.
  • Besenreiser- Varizen: Krampfadern der oberflächlichen, feinen Venen, die einen Durchmesser von unter einem Millimeter haben. Sie kommen oftmals an der Rückseite der Oberschenkel vor.

Anhand einer speziellen Ultraschalluntersuchung (Doppler-/Duplex- Sonografie) kann der Arzt erkennen, ob die tiefen Venen durchlässig sind und die Venenklappen ihre Aufgabe verrichten können. Zusätzlich kann man so erkennen in welche Richtung das Blut fließt. Selten kann es vorkommen, dass die Duplex- Sonografie nicht verfügbar ist und somit eine Röntgenkontrastdarstellung der Venen (Phlebografie) gemacht werden muss.

Therapie

Die Therapie zielt darauf ab den Blutfluss in den Venen zu erhalten und einen Blutstau zu unterbinden. Infolge sollen Ödeme minimiert, die Versorgung des Gewebes verbessert und die Bildung von Geschwüren verhindert werden.

Allgemeine Maßnahmen:

  • Es ist ratsam in Bewegung zu bleiben. Langes Stehen oder Sitzen stellt eine Belastung für die Venen dar. Auch während der Arbeit sollte versucht werden, möglichst oft zwischen Sitzen, Stehen und Gehen zu wechseln.
  • Beim Sitzen kann es hilfreich sein die Beine immer wieder hochzulagern. Kreisende Fußbewegungen können auch im Sitzen die Blutzirkulation anregen.
  • In der Nacht können die Beine leicht erhöht gelagert werden was zu einer Verbesserung des Blutrückflusses führt.
  • Kalte Beingüsse während dem Duschen führen zu einer besseren Durchblutung.
  • Extreme Hitze, wie sie in der Sonne oder Sauna herrscht, sollte vermieden werden.

Stützstrümpfe:

Bestehen leichte bis mittlere Beschwerden (beispielsweise Wasseransammlungen) können diese mithilfe von Stützverbänden oder- strümpfen (Kompressionsstrümpfe) behandelt werden. Durch diese Methode werden jedoch nur die Beschwerden reduziert, wohingegen die Krampfadern bestehen bleiben. Dennoch gilt diese Therapie als erste Wahl.

Durch Stützstrümpfe wird ein dosierter Druck auf das Bein ausgeübt und somit die lädierten Venenwände unterstützt. Infolge kommt es zu einer geringeren Blutstauung in den Venen, die Venenklappen schließen effizienter und es kommt zu einer Reduzierung der Wasseransammlungen im Gewebe. Die Wirkung kann sich jedoch nur entfalten, wenn die Betroffenen die Stützstrümpfe im Liegen anziehen, da im Stehen bereits 500 ml Blut in beiden Beinen „versackt“ sind.

Je nach Lage und Ausdehnung der Krampfadern können Waden-, Knie-, Halbschenkel- oder Schenkelstrümpfe angewendet werden. Stützstrümpfe müssen genau auf den Betroffenen zugeschnitten sein, weshalb sie oftmals nach Maß angefertigt werden. Nach vier bis sechs Monaten sollten sie gewechselt werden.

Stützstrümpfe sind in den Kompressionsklassen I bis IV erhältlich, wobei Klasse I am schwächsten ist. Sie werden nur bei leichten Beschwerden, sowie zur Vorbeugung in der Schwangerschaft angewendet.

Kompressionsverbände:

 Kompressionsverbände führen zu einer Erhöhung des Drucks im Gewebe. Infolge werden Wasseransammlungen ausgeschwemmt, die Venen werden schlanker und die Venenklappen schließen wieder besser. Kompressionsverbände werden vor allem in den ersten Tagen nach einer Venenoperation, sowie bei akuten, ausgeprägten Schwellungen angewendet. Bei dauerhafter Anwendung haben sich gut angepasste Kompressionsstrümpfe besser bewährt.

Medikamente:

Medikamente gegen Krampfadern sind bislang nicht bekannt. Dennoch gibt es verschiedene Präparate zur inneren und äußeren Anwendung. Die Wirksamkeit ist jedoch umstritten.

Um Ödeme zu vermeiden, können verschiedene pflanzliche Präparate angewendet werden (Ödemprotektiva), die die Gefäße abdichten sollen. Einigen Studien zufolge verhält sich Rosskastanienextrakt, sowie das daraus isolierte Stoffgemisch Aescin, Troxerutin und Hydroxyethylrutoside positiv auf die Ödemvermeidung. Weitere gut untersuchte pflanzliche Arzneien sind Mäusedorn, rotes Weinlaub und Steinklee.

Venenstärkende Arzneimittel haben zur Folge, dass die Spannung der Gefäßwände erhöht wird.

Diuretika bewirken eine Wasserausschwemmung aus dem Körper, sollten jedoch nicht über einen längeren Zeitraum eingenommen werden und nur wenn der Betroffene unter sehr starken Ödemen leidet.

Wirkung verspricht auch eine Vielzahl an Venensalben, die hauptsächlich Heparin in Kombination mit unterschiedlichen Pflanzenextrakten enthalten. Es existieren jedoch keine Beweise über die Wirksamkeit dieser Stoffe und ob sie überhaupt die Haut durchdringen.

Sklerosierung (Verödung), Lasertherapie:

Diese Methode kommt bei oberflächlichen und dünneren Krampfadern (Besenreiser- oder Seitenastvarizen) zum Tragen. Diese können unter lokaler Betäubung verödet werden. Hierzu wird eine Flüssigkeit oder ein Schaum in die Venen injiziert um sie zu verschließen. Diese Methode soll vor allem das kosmetische Ergebnis verbessern.

Bei größeren Krampfadern oder wenn die Verbindungsvenen zwischen oberflächlichen und tiefen Blutgefäßen (Perforansvenen) betroffen sind, kann keine Verödung durchgeführt werden, da das Risiko zu hoch wäre, die Blutabflusswege in der Tiefe des Beins zu schädigen.

Die Verödung von Krampfadern kann auch unter örtlicher Betäubung mit einem Laser oder mit Radiowellen erfolgen. Die Verfahren ähneln sich. Der behandelnde Arzt führt an der Knöchelinnenseite oder in der Kniekehle einen kleinen Schnitt durch und bringt eine dünne Spezialfaser in die Krampfader ein. Diese wird, abhängig von der Technik mit Laserlicht oder mit Radiowellen erwärmt. Infolge verklebt sich die Veneninnenwand und die Krampfadern werden verschlossen. Es kommt zu einer Verhärtung der Vene und innerhalb von einigen Monaten wird sie vom Körper abgebaut. Beide Methoden sind noch relativ neu und weisen wenige Erfahrungsberichte auf.

Operation:

Die Operation stellt die Methode dar, die am ehesten dauerhaft von Krampfadern befreit. Bei der Operation entfernt oder unterbindet der Arzt die veränderte Vene. In der Regel stellt die fehlende Krampfader kein Problem dar, da im Bein viele Venen verlaufen. Diese Operation kann jedoch nur erfolgen, wenn die tiefen Beinvenen durchgängig sind.

Leidet der betroffene unter ausgeprägten Krampfadern, die Beschwerden verursachen, stellt die Operation die beste Methode dar.

Zwischen folgenden Operationstechniken kann ausgewählt werden:

  • Venenstripping: Bei dieser Methode wird die gesamte Krampfader entfernt. Hierzu führt der Arzt auf der Innenseite des Knöchels einen Draht in die Vene ein und führt ihn bis zur Leiste, wo die Krampfader ins tiefe Venensystem mündet. Mithilfe dieses Drahtes ist es möglich die Vene komplett herauszuziehen.
  • Krossektomie: Neben dem Venenstripping werden ergänzend oftmals alle Venenäste am sogenannten Venenstern (Krosse) unterbunden. Dieser Ort in der Leiste stellt die Mündung der oberflächlichen Beinvenen in das tiefe Venensystem dar. Durch diese Technik soll verhindert werden, dass nach der Operation neue Krampfadern entstehen.
  • Perforansligatur: Hierbei führt der Arzt über jeder veränderten Verbindungsvene zwischen oberflächlichen und tiefen Beinvenen einen kleinen Schnitt durch. Die Krampfader wird entweder abgebunden und innerhalb von Monaten vom Körper abgebaut oder sofort herausgezogen.

Vorbeugen

Diese Maßnahmen führen zu einer Entlastung der Venen und somit zur Vermeidung von Krampfadern beziehungsweise den damit einhergehenden Beschwerden:

  • Ausdauersport wie Gehen, Schwimmen oder Radfahren beugen Krampfadern vor
  • Extreme Hitze wie Sonne oder Sauna belasten die Venen
  • Wechselduschen und kaltes Wasser führen zu einer verbesserten Blutzirkulation
  • Generell ist Sitzen und Stehen eher schlecht und Laufen und Liegen besser
  • Gefäßabdichtende Arzneimittel, die frühzeitig zur Vorbeugung eingenommen werden sollen, sollten kritisch betrachtet werden.
  • Besonders während der Schwangerschaft sollten die Beinvenen beachtet werden. Wenn sich Hinweise auf Krampfadern zeigen, ist es ratsam Kompressionsstrümpfe zu tragen.

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