Meningitis (allgemein)

Meningitis (allgemein)
Internationale Klassifikation (ICD) G03.-

Grundlagen

Als eine Meningitis bezeichnet man eine EntzĂŒndung der HirnhĂ€ute (Meningen). Unter der Hirnhaut versteht man eine Bindegewebsschicht, die das Gehirn umgibt. Als Auslöser fĂŒr eine HirnhautentzĂŒndung können Viren oder Bakterien in Frage kommen. Oft kann es auch vorkommen, dass es im Zuge dieser HirnhautentzĂŒndung zu einer EntzĂŒndung des Gehirns (Enzephalitis) kommt. In diesem Fall spricht man vor einer Meningoenzephalitis.

Zu der Risikogruppe fĂŒr Meningitis zĂ€hlen Kinder, sowie Menschen mit einem geschwĂ€chten Immunsystem. In den EntwicklungslĂ€ndern zĂ€hlt Meningitis zu den hĂ€ufigsten Infektionskrankheiten.

In den westlichen IndustrielĂ€ndern hingegen, liegt die Zahl der an Meningitis Erkrankten bei rund 0,5 bis fĂŒnf Erkrankungen pro 100.000 Einwohner und tritt somit nur sehr selten auf. Der hĂ€ufigste Auslöser fĂŒr Meningitis bei Kindern sind die sognannten Meningokokken, die zu der Klasse der Bakterien zĂ€hlen.

Im Allgemeinen kann man sagen, dass die Zahl der HirnhautentzĂŒndungen zurĂŒckgeht. Der Grund dafĂŒr ist die EinfĂŒhrung von Impfungen gegen die hĂ€ufigsten Meningitiserreger, wie etwa die Haemophilus influenzae Typ b-Impfung, die Meningokokken- Impfung, die Pneumokokken- Impfung und die Impfung gegen die durch Viren ausgelöste FrĂŒhsommer-Meningoenzephalitis (FSME).

Ursachen

Hauptverursacher von Meningitiden sind Bakterien und Viren. Im seltenen Fall kann es auch zu einer pilz- oder parasitenbedingten HirnhautentzĂŒndung kommen und noch seltener kann eine bösartige Krebserkrankung Ursache fĂŒr eine sogenannte Meningeosis carcinomatosa sein. Strahlung kann ebenfalls eine Reizung der HirnhĂ€ute bewirken.

Meistens sind Menschen mit einem schwĂ€chen Immunsystem von einer HirnhautentzĂŒndung betroffen. Die Erreger sind im Blutstrom lokalisiert und gelangen so in das Gehirn, oder sie wandern von umgebenden Organen ein. Als Beispiel hierfĂŒr kann etwa eine MittelohrentzĂŒndung (Otitis media) oder eine Nasen-NebenhöhlenentzĂŒndung (Sinusitis) in seltenen FĂ€llen eine Meningitis auslösen.

Bakterielle HirnhausentzĂŒndung:

Als hĂ€ufigste Ursache fĂŒr Meningitis gelten eine Gruppe von Bakterien, die sogenannten Meningokokken. An zweiter Stelle folgen Pneumokokken, sowie andere Bakterien, wie beispielsweise Haemophilus influenzae. Der Grund, weshalb bei gesunden Menschen plötzlich eine HirnhautentzĂŒndung eintritt, ist bislang nicht geklĂ€rt. Meningokokken kommen mitunter beim gesunden Menschen auch im Nasenrachenraum vor. Dort verhalten sie sich im Normalfall unauffĂ€llig, können jedoch auf andere Menschen ĂŒbertragen werden.

Virale HirnhautentzĂŒndung:

HĂ€ufig tritt eine virale Meningitis zeitgleich mit einer anderen Viruserkrankung auf. So wurde zum Beispiel bei einigen Mumps-Patienten eine virale HirnhautentzĂŒndung diagnostiziert. Die HirnhĂ€ute können ebenfalls Angriffspunkt fĂŒr das Windpocken- und Masernvirus sein. Auch Zecken können eine Art von Meningitis ĂŒbertragen, die unter der Kurzform FSME bekannt ist.

Symptome

Das eindeutigste Symptom fĂŒr Meningitis ist die Nackensteife (Meningismus). So kommt es zu einem Schmerzanstieg, wenn man den Kopf nach vorne beugt. Treten außerdem noch Hörstörungen auf, ist dies ein Zeichen fĂŒr eine bakterielle BegleitentzĂŒndung des Innenohrs (Labyrinthitis).

Weitere Anzeichen sind:

  • Starkes KrankheitsgefĂŒhl
  • Kopfschmerzen
  • Hohes Fieber
  • Erbrechen
  • Gesteigertes Schmerzempfinden
  • Lichtscheue
  • Verwirrtheit und Benommenheit, das bis hin zum Koma fĂŒhren kann

Bei Kindern zeigen sich diese Krankheitssymptome weniger ausgeprĂ€gt und deutlich. Je jĂŒnger die Betroffenen sind, desto schwieriger ist es eine Diagnose zu stellen. Bei diesen Patienten kommt es hĂ€ufig zu starken Bauchschmerzen und in manchen FĂ€llen auch zu epileptischen KrĂ€mpfen.

Als weiteres Symptom können bei der Meningokokken- Meningitis kleine punktartige Blutungen auf der Haut zu finden sein, die man als Petechien bezeichnet. Dies gilt als Zeichen, dass sich die Bakterien in der Blutbahn befinden. Dieser Zustand gilt als Ă€ußerst dringlich. In diesem Fall sollte unverzĂŒglich ein Arzt aufgesucht werden, der eine entsprechende antibiotische Therapie einleitet.

Diagnose

Die erste Untersuchung bei Verdacht auf Meningitis ist die Lumbalpunktion, bei der, aus dem RĂŒckenmarkskanal, GehirnflĂŒssigkeit (Liquor) entnommen und auf Anzeichen einer Infektion sowie Krankheitserreger untersucht wird (Liquordiagnostik).

Ein charakteristisches Symptom fĂŒr eine durch Bakterien hervorgerufene HirnhautentzĂŒndung ist eine eitrig-trĂŒbe GehirnflĂŒssigkeit. Bei viralen oder parasitĂ€ren EntzĂŒndungen ist die GehirnflĂŒssigkeit hingegen optisch unverĂ€ndert, weshalb sich die Diagnostik als aufwendiger gestaltet. ZusĂ€tzlich wird eine Blutprobe entnommen und auf Bakterien und allgemeine Zeichen einer EntzĂŒndung, wie etwa ein Anstieg von EntzĂŒndungszellen (Leukozyten) hin untersucht.

Zu einem besonders raschen Ergebnis kommt man mittels Polymerase- Kettenreaktion (engl. Polymerase Chain Reaction, PCR). Bei dieser Methode wird die Erbsubstanz (DNA) des Erregers vermehrt, woraus sich schließen lĂ€sst, dass der Erreger ĂŒberhaupt vorhanden ist. Die kurze Wartezeit auf das Ergebnis ist insbesondere bei Verdacht auf Meningitis sehr sinnvoll, da diese Erkrankung eine umgehende Behandlung benötigt. Die PCR lĂ€sst sich jedoch nur bei bestimmten Erregern anwenden.

Der Vorteil einer Computer-Tomografie (CT) oder einer Kernspin-Tomografie (MRT) ist, dass sowohl festgestellt werden kann woher der Erreger kommt (beispielsweise vereiterte Nasennebenhöhlen), als auch Komplikationen, wie etwa Eiteransammlungen (Empyem) oder FlĂŒssigkeitsansammlungen im Gehirn (Hydrocephalus) angezeigt werden können.

Therapie

Besteht der Verdacht auf Meningitis, ist unverzĂŒglich ein Arzt aufzusuchen. Gilt die Diagnose HirnhautentzĂŒndung als sicher, erfolgt die weitere Behandlung im Krankenhaus auf einer neurologischen Abteilung.

Bakterielle Meningitis:

Gegen bakterielle Meningitiden geht man mittels Antibiotika vor. Dabei werden die Medikamente direkt in die Venen injiziert oder als Infusion (Venentropf) zugefĂŒhrt. Die Wahl des Antibiotikums hĂ€ngt von dem jeweiligen Bakterium ab.

In den meisten FĂ€llen wird am Anfang eine Kombination aus verschiedenen Antibiotika verabreicht, beispielsweise Cephalosporin und Amoxicillin. Der Grund, weshalb man gleich auf mehrere Antibiotika zurĂŒckgreift ist der Zeitmangel, da der Erregernachweis oft lĂ€nger dauert, man jedoch bei Meningitis schnell handeln muss. Ist einmal geklĂ€rt, welcher Erreger die HirnhautentzĂŒndung ausgelöst hat, wird nur noch jene Substanz gegeben, die gegen die Bakterienart am besten wirksam ist. Manchmal ergĂ€nzt der Arzt die Behandlung mit Kortison.

Um eine weitere Ansteckung zu vermeiden, wird all jenen Personen, die mit dem Erkrankten Kontakt hatten, ein Antibiotikum verabreicht, um eine weitere Ausbreitung des Erregers zu unterbinden.

Virale Meningitis:

Da es keine Medikamente gibt, um eine virale Meningitis zu behandeln, werden ausschließlich die Beschwerden behandelt. Eine Ausnahme stellen die EntzĂŒndungen, die durch Viren aus der Gruppe der Herpesviren ausgelöst werden, dar. Zu diesen rechnet man Herpes simplex, Varizella- Zoster, Zytomegalie-Virus und das Epstein-Barr-Virus. Um zu verhindern, dass sich Viren im Körper weiter ungehindert vermehren, kann zu antiviralen Mitteln (Virustatika) gegriffen werden.

Patienten, die von einer viralen Meningitis betroffen sind, sollten auf jeden Fall stationÀr unter Beobachtung bleiben. Im Mittelpunkt steht dabei mögliches Fieber zu senken, Kopfschmerzen zu linden oder in seltenen FÀllen einen epileptischen Anfall zu stoppen.

Prognose

Bakterielle Meningitis:

Erfolgt bei einer bakteriellen Meningitis keine Behandlung, kann sie einen letalen Verlauf nehmen. Da die Krankheit in manchen FĂ€llen sehr schnell voranschreitet, versterben einige Patienten trotz bestmöglicher Behandlung. Die Wahrscheinlichkeit, einer Meningokokken-Meningitis zu erliegen, liegt bei etwa zehn Prozent. Bei einer Pneumokokken- Infektion sterben bis zu 25 Prozent und sind Listerien der Auslöser fĂŒr die Erkrankung, ĂŒberleben nur bis zu 50 Prozent der Betroffenen.

Auch nach ĂŒberstandener Meningitis, kann es noch zu Folgeerkrankungen des Nervensystems kommen, wie etwa Seh- oder Hörminderungen, Epilepsie, Koordinationsstörungen und LĂ€hmungen.

Virale Meningitis:

Eine virale HirnhautentzĂŒndung hat meist einen weniger lebensbedrohlichen Verlauf als eine bakterielle Meningitis. Auch erkranken weniger Patienten an Folgeerkrankungen. Es gilt den ersten kritischen Tag der Krankheit ohne Komplikationen zu ĂŒberstehen, danach stehen die Chancen fĂŒr eine Heilung weitgehend gut.

Vorbeugen

Gegen einige Erreger der HirnhautentzĂŒndungen gibt es Impfungen. Zu diesen zĂ€hlen:

  • Haemophilus influenzae Typ b (Hib)
  • Meningokokken
  • Pneumokokken

Seit 2006 besteht eine Impfempfehlung von der StĂ€ndigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch- Institut fĂŒr Kinder als Grundimmunisierung. Auch fĂŒr Menschen, die im Verbreitungsgebiet der FrĂŒhsommer- Meningoenzephalitis (FSME) leben, ist die FSME- Impfung zu empfehlen. Als ÜbertrĂ€ger der FSME gelten Zecken, weshalb ein entsprechender Zeckenschutz anzuraten ist.

Wenn ein Kind oder Erwachsener unter Fieber, Nackensteife, Übelkeit und schwerem KrankheitsgefĂŒhl leidet, ist umgehend ein Arzt zu verstĂ€ndigen.

Personen, die in Kontakt mit dem Betroffenen standen, sollten sich ebenfalls zum Arzt begeben. Die Art der vorbeugenden Antibiotika- Therapie richtet sich nach der Art des auslösenden Erregers. Jeder Verdacht auf Meningokokken- Meningitis ist der Gesundheitsbehörde zu melden, da entsprechende Maßnahmen getroffen werden mĂŒssen. Patienten, die an einer Meningokokken- Meningitis leiden, werden im Krankenhaus nach Einsetzen der Antibiotika- Therapie mindestens 24 Stunden isoliert.

Redaktionelle GrundsÀtze

Alle fĂŒr den Inhalt herangezogenen Informationen stammen von geprĂŒften Quellen (anerkannte Institutionen, Fachleute, Studien renommierter UniversitĂ€ten). Dabei legen wir großen Wert auf die Qualifikation der Autoren und den wissenschaftlichen Hintergrund der Informationen. Somit stellen wir sicher, dass unsere Recherchen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren.
Danilo Glisic

Danilo Glisic
Autor

Als Biologie- und Mathematikstudent verfasst er leidenschaftlich Magazinartikel zu aktuellen medizinischen Themen. Aufgrund seiner AffinitÀt zu Zahlen, Daten und Fakten, liegt sein Fokus dabei auf der Beschreibung von relevanten klinischen Studienergebnissen.

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