Multiple Sklerose (MS)

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Internationale Klassifikation (ICD) G35.9
Symptome Gefühlsstörungen, Fatigue, Problemen beim Stuhlgang, Kraftlosigkeit in den Armen/Beinen, Sehstörungen, Schwindel und Gleichgewichtsstörungen
Mögliche Ursachen nicht eindeutig, Fehlreaktion des Immunsystems, genetische Veranlagung, Infektionserkrankung, ungesunde Lebensweise
Mögliche Risikofaktoren genetische Veranlagung, Epstein-Barr-Virus, ungünstiger Lebensstil

Grundlagen

Multipe Sklerose (MS) zählt zu der Gruppe der chronischen Erkrankungen, von der das Gehirn, Rückenmark und der Sehnerv betroffen sind. Das Wort „Multiple Sklerose“ setzt sich aus dem Wort „skleros“ (=hart) und „multiplex“ (=vielfach) zusammen. Das Krankheitsbild wird gekennzeichnet durch charakteristische Entzündungen bestimmter Nervenstrukturen, die wiederum unterschiedliche Beschwerden, wie etwa Sehstörungen, Gefühlsstörungen, Schmerzen oder Lähmungen hervorrufen können. Einen solchen Krankheitsausbruch bezeichnet man als „Schub“.

MS zählt zu den Autoimmunerkrankungen, bei der sich körpereigene Abwehrzellen (Immunzellen), die im Normalfall für die Vertreibung von Viren, Bakterien oder anderen Keimen zuständig sind, gegen Strukturen des eigenen Körpers richten. Infolgedessen greift das Immunsystem die Hülle der Nervenfasern (Myelinhülle) an, was eine Entzündung in einigen Bereichen des Gehirns, Sehnervs oder Rückenmarks (Zentralnervensystem, ZNS) bewirkt. Es kommt zu einer kontinuierlichen Zerstörung der Myelinscheide. In diesem Fall spricht man von Demyelinisierung.

Hinzu kommt noch, dass auch die Nervenfasern und Nervenzellen von der Schädigung betroffen sind. Es kommt zu einer nicht mehr intakten Weiterleitung der Nervensignale wie es bei Gesunden der Fall ist. Mitunter kommt es auch zu Nervenausfällen. Diese Nervenausfälle können sich unterschiedlichen zeigen, je nachdem in welchem Bereich des ZNS die Entzündungen (Entzündungsherde) auftreten. Aus diesem Grund wird MS auch oftmals „Encephalomyelitis disseminata“ genannt, da „disseminata“ „Verstreut“ bedeutet. „Encephalomyelitis“ steht für grundlegende Vorgänge im Gehirn bei der MS: „Enkephalos“ bezeichnet „Gehirn“ und die Endung „-itis“ kann mit dem Wort „Entzündung“ übersetzt werden.

Die Verlaufsformen der Multiplen Sklerose zeigen sich in unterschiedlichen Ausprägungen. In den meisten Fällen kommt es zu einer vollständigen Rückbildung der Symptome, bevor es zu einem erneuten Schub kommt. 

90 -95 % der Erkrankungen haben einen schubhaften Verlauf. Bei 30 - 40 % der Betroffenen zeigt sich jedoch auch eine kontinuierliche Verschlechterung ohne Schübe. Bei einigen Betroffenen kann es auch vorkommen, dass die Krankheit von Anfang an ohne Schübe verläuft und sich zunehmend verschlechtert.

MS tritt erstmals im jungen Erwachsenenalter zwischen 20 und 40 Jahren auf. Frauen werden häufiger von der Krankheit heimgesucht als Männer. Bisher ist noch keine vollständige Heilungsmethode für MS bekannt. Der Verlauf kann sich jedoch gut mit Medikamenten beeinflussen lassen.

Entdeckung der MS:

Die Krankheit wurde in etwa gegen Ende des 18. Jahrhunderts erstmals von dem schottischen Augenarzt William MacKenzie medizinisch beschrieben. Er entdeckte die Erkrankung bei einem 23-jährigen Mann, der plötzlich unter Sehstörungen und Lähmungen litt. Später war er nicht mehr fähig zu sprechen und seinen Urin zu halten. Zwei Monate später zeigte der Betroffene jedoch keinerlei Beschwerden mehr.

1868 fertigte der französische Nervenarzt Jean-Martin Charcot eine genauere klinische und pathologische Beschreibung der Beschwerden an. Es gelang ihm auch anhand einer Autopsie die Zerstörung der Nervenscheiden aufzuzeichnen. Er gab der Erkrankung den Namen „sclerose en plaques“, was auch heutzutage noch der gängige Name in Frankreich ist.

Ursachen

Entzündung und Zerstörung:

Weswegen Menschen an MS erkranken ist trotz intensiver Forschungen von Experten bislang noch nicht genau geklärt. Es besteht jedoch die Vermutung, dass eine Fehlreaktion des Immunsystems (Autoimmunerkrankung) eine große Rolle spielt. Infolgedessen ereignet sich eine Entzündung im Bereich des Nervensystems, bei der die Nervenhüllen und Nervenfasern immer mehr zerstört werden und somit die Weiterleitung von Nervenimpulsen erschwert wird. Den Zerstörungsprozess nennt man Entmarkung oder Demyelinisierung. Im fortgeschrittenen Verlauf gehen auch die Nervenfasern zugrunde.

Verrücktes Immunsystem:

Autoantikörper haben die Wirkung, dass weiße Blutkörperchen (Leukozyten) das Nervengewebe attackieren, was zu Entzündungen führen kann. Die Entzündungsherde können überall auftreten. Heilen sie ab, verbleiben dennoch Narben im Gehirn oder Rückenmark zurück (Plaques). Aufgrund der Entzündung erfolgt nunmehr eine schlechtere Weiterleitung der Nervenimpulse oder überhaupt keine. Je nachdem wo der Entzündungsherd lokalisiert ist, können verschiedene Beschwerden auftreten. Diese können Lähmungen oder Gefühls- und Sehstörungen sein. Das Krankheitsbild ist also von Patienten zu Patienten unterschiedlich.

Gene:

Multiple Sklerose hat vermutlich auch zu einem gewissen Teil eine erbliche Disposition. Anhand von Studien kann man sagen, dass eineiige Zwillinge von Eltern, die an MS leiden, ein etwa 25 - 30 % erhöhtes Erkrankungsrisiko zeigen als die restliche Bevölkerung. Bei zweieiigen Zwillingen liegt das Risiko bei etwa 5 %. Eltern und Kinder eines MS- Patienten haben immer noch ein doppelt- bis dreifach erhöhtes Risiko. Mit abnehmendem Verwandtschaftsgrad nimmt auch die Gefahr an MS zu erkranken ab.

Bislang ist noch nicht geklärt, ob ein spezifisches Gen der Auslöser für die Entstehung von MS ist. Es wird jedoch vermutet, dass Veränderungen des HLA-DRB1-Antigens, des Apolipoproteins E oder des Interferon Gamma-Gens eine nicht unerhebliche Rolle spielen. Forschungsergebnisse zeigen, dass MS bei Betroffenen mit bestimmten Genen einen schwereren Verlauf nimmt. Andere Forscher vermuten in den Genen JAG1 oder POU2AF1 den Auslöser für Multiple Sklerose.

Infektionen:

Experten sehen oft den Zusammenhang zwischen dem Ausbruch von MS und einer Infektion, wie etwa einer Virusinfektion mit dem Humanen Herpesvirus-6 (HHV-6), dem humanen endogenen Retrovirus (HERV) oder mit dem Epstein-Barr Virus (EBV). Ein gesicherter Beweis, ob diese Hypothesen der Wahrheit entsprechen, ist bislang noch nicht erbracht.

Jugendliche und hauptsächlich Erwachsene, die von einer Infektion mit EBV (infektiöser Mononuklease) betroffen sind, haben vermutlich ein zwei- bis dreimal so hohes Risiko an MS zu erkranken als Menschen ohne EBV- Infektion. Bei anderen Keimen liegt ebenfalls die Vermutung nahe, dass sie an der Entstehung von MS beteiligt sind. Zu diesen zählt etwa das Bakterium Chlamydia pneumoniae, das im Nervenwasser (Liquor) von MS- Patienten öfter nachgewiesen wurde als bei Gesunden. Andere Studien lieferten jedoch keinen gesicherten Beweis für diese Hypothese.

Lebensstil und Umwelt:

Umweltfaktoren und ein bestimmter Lebensstil können ebenfalls einen Beitrag zu der Entstehung von MS leisten. Ein Beispiel hierfür ist Rauchen, welches das Risiko für MS nicht nur erhöht, sondern auch den Verlauf der Erkrankung beschleunigen soll. Dennoch kann MS nicht alleinig durch einen ungesunden Lebensstil ausgelöst werden.

Eine Rolle könnte eventuell auch die Menge an Vitamin D im Körper spielen. Menschen, die in ihrer Kindheit verstärkt der Sonneneinstrahlung ausgesetzt waren und somit mehr Vitamin D produzieren können, leiden seltener unter MS als Menschen mit einem geringen Vitamin D Spiegel.

Ein Beispiel hierfür wären die indigenen Volksgruppen in Grönland, die sich traditionellerweise sehr Vitamin D-reich ernähren und seltener an MS erkranken. Dennoch konnte bisher nicht gezeigt werden, dass die Einnahme von Vitamin D-Präparaten vor MS schützt.

Geschlecht:

Frauen erkranken Statistiken zufolge häufiger an MS als Männer. Die Ursache dieses Phänomens kann in bislang noch unbekannten Umweltfaktoren liegen.

Mehrere Faktoren zusammen:

Mit großer Wahrscheinlichkeit gibt es nicht einen bestimmten Faktor, der zum Ausbruch von MS führt, sonderlich gilt vielmehr ein Zusammenspiel von vielen Faktoren als Auslöser. Zu diesen Faktoren zählen der Lebensstil mit den Ernährungsgewohnheiten, die Gene, Virusinfektionen, sowie andere Umweltfaktoren.

Symptome

Das Ausmaß der Symptome richtet sich nach dem Entstehungsort des Entzündungsherdes und kann deshalb sehr unterschiedlich ausfallen.

Die ersten Anzeichen treten meistens plötzlich und bei vollständigem Wohlbefinden auf. In seltenen Fällen können sich die Symptome auch schrittweise entwickeln. Jeder dritte Betroffene leidet zuerst unter Gefühlsstörungen, die durch ein Taubheitsgefühl oder Kribbeln in den Beinen und Armen gekennzeichnet sind. Jeder fünfte Patient leidet zunächst unter einer unnatürlichen Müdigkeit, Problemen beim Stuhlgang oder der Unfähigkeit richtig gehen und stehen zu können. Andere Beschwerden sind als Erstsymptome eher selten.

Der Beginn einer MS tritt meistens völlig unerwartet auf. Den Betroffenen geht es im Normalfall gut. Innerhalb von Stunden oder Tagen kommt es dann zu den ersten Beschwerden. Eher untypisch für MS ist, dass sich die Krankheit langsam bemerkbar macht und der Grad der Beschwerden mal stärker und mal schwächer ist, sodass die Patienten kaum etwas davon merken.

Der Großteil der Betroffenen ist zwischen 20 und 40 Jahre alt, wenn sich die Symptome zum ersten Mal bemerkbar machen. Ein Drittel der Patienten leidet am Anfang unter Gefühlsstörungen, die sich durch Taubheit und Kribbeln in den Beinen und Armen äußern.

Etwa 16 Prozent klagen anfangs über Sehstörungen. Andere wiederum leiden unter Kraftlosigkeit in den Armen (seltener auch in den Beinen), sowie unter einer gestörten Blasenentleerung oder Schmerzen. Es kann jedoch auch vorkommen, dass mehrere Symptome gleichzeitig auftreten.

Kommt es zu Entzündungsherden mit ausgeprägten Beschwerden, spricht man von einem Schub. Nach einem Schub klingen die Beschwerden meistens ab, bis es dann zu einem späteren Zeitpunkt erneut zu einem Schub kommt. In manchen Fällen kommen zu den bestehenden Symptomen neue hinzu, die nach einer gewissen Zeit ebenfalls wieder verschwinden können.

Der Krankheitsverlauf ist von Patienten zu Patienten sehr unterschiedlich. Bei einigen Betroffenen bilden sich die Symptome nach einem Schub wieder vollständig zurück, bei anderen wiederum bleiben sie teilweise bestehen. Manchmal nehmen die Beschwerden immer mehr zu, sodass sich Schübe nicht mehr erkennen lassen.

Mehr als 50 Prozent der Patienten leiden im Laufe der Erkrankung unter Gang- und Gleichgewichtsstörungen oder Spastiken (Muskelverkrampfungen), sie sind von einer starken Müdigkeit befallen (Fatigue), haben ein Schwächegefühl in den Gliedmaßen oder können ihre Blase nicht mehr richtig entleeren. Hinzu kommt noch, dass Männer unter Erektionsstörungen leiden können. Bei drei von vier Patienten ist das Sehvermögen auf einem Auge gestört, andere wiederum sehen alles doppelt.

Bei etwa jedem zweiten Patienten äußern sich Unsicherheit bei Ziel- und Zeigebewegungen, psychische Störungen (etwa Depressionen), Sprechstörungen, kognitive Störungen (beispielsweise Konzentrationsstörungen) oder Darmentleerungsstörungen.

Selten aber doch ab und zu kommt es zu anderen Beschwerden, wie etwa Kopfschmerzen, Schmerzen oder Lähmungen im Gesicht, Schmerzen am Körper, Gefühlsstörungen oder Kraftlosigkeit in den Armen oder ein Kribbeln im Nacken, wenn der Kopf gebeugt wird.

Generell gestaltet sich die Diagnose als sehr kompliziert, da MS sich durch viele Symptome äußern kann und einige Betroffene nur wenig Symptome aufweisen, andere hingegen mehrere gleichzeitig.


Diagnose

Die Diagnosestellung ist meistens sehr schwierig, da es im Gegensatz zu anderen Krankheiten keine typischen Symptome, die nur bei einer Multiplen Sklerose vorkommen, gibt. Der Großteil der Beschwerden kann ebenfalls Symptome einer anderen Erkrankung, wie etwa Durchblutungsstörungen im Gehirn oder einem Bandscheibenvorfall, sein. Um eine Diagnose stellen zu können, bedient man sich folgenden Untersuchungsschritten:

  • Krankengeschichte (Anamnese)
  • Körperliche Untersuchung (klinischer Befund)
  • Technische und Laboruntersuchungen (zum Beispiel Kernspintomographie= MRT, evozierte Potentiale, Untersuchung des Nervenwassers, Blutuntersuchungen)

Während der Erstellung der Anamnese erfragt der Arzt die Dauer der Beschwerden und die Entwicklung. Manche Betroffenen wissen nicht, dass Beschwerden, unter denen sie schon seit Monaten oder manchmal sogar Jahren leiden, die ersten Anzeichen einer MS sein können. Manchmal beschreiben Patienten, dass sie vor längerer Zeit einmal für einige Tage bis Wochen ein komisches Gefühl in einem Arm oder Bein hatten, was auf eine Entzündung im Rückenmark hindeuten kann. Die Beschwerden werden häufig ignoriert und nicht weiter beachtet, da sie nicht sonderlich ausgeprägt oder sofort wieder verschwunden sind (beispielsweise bei einer Entzündung des Sehnervs). Der Arzt findet in vielen Fällen keine Ursache.

Wichtig ist auch die Information, ob der Betroffene oder ein Familienangehöriger an einer Autoimmunerkrankung leidet.

Anzeichen, wie etwa Schwierigkeiten bei der Darmentleerung, Störungen beim Wasserlassen oder Geschlechtsverkehr oder eine schnelle Ermüdung und Konzentrationsschwierigkeiten, sowie depressive Verstimmungen sollten erfragt werden.

Nach der Anamnese erfolgt eine körperliche Untersuchung, bei der eine normale klinische und eine neurologische Untersuchung gemacht werden.

Hinzu kommt noch eine Überprüfung der Sehfähigkeit. Um das Maß der Zerstörung durch Entzündungsherde festzustellen, dienen bestimmte Skalen, wie etwa die „Expanded Disability Status Scale“ (EDSS) oder die „multiple- sclerosis- funktional- composite- Skala“ (MSFC).

Um Aufmerksamkeits- oder Konzentrationsstörungen messen zu können, wird der paced- auditory- serial- addition- Test (PASAT) durchgeführt. Bei diesem Test werden über ein Tonband 60 einstellige Zahlen abgespielt. Der Proband soll dann die zweitgenannte Zahl zu der ersten addieren und die Summe nennen. Dieses Schema zieht sich bis zum Ende fort.

Zu der rein neurologischen Untersuchung kommt noch eine neuropsychologische Untersuchung hinzu. Diese Untersuchungen bestehen daraus die Lernfähigkeit, Sprachverarbeitung oder das Gedächtnis zu testen. Hierzu benutzt man ebenfalls bestimmte Tests.

Treten Probleme beim Wasserlassen auf, kann dieses Verhalten anhand eines Miktionsprotokolls kontrolliert werden. In diesem Protokoll vermerkt der Patient, wie oft er Wasser lässt. Die Urinmenge wird notiert, die nach dem Wasserlassen in der Blase verbleibt (Restharnbestimmung). Darauf folgt in manchen Fällen noch eine urodynamische Untersuchung. Dies ist ein Messverfahren, das die Funktionsweise der Harnblase durch Drucksonden und Elektroden untersucht.

Um das Ausmaß der Erkrankung zu erkennen, werden evozierte Potenziale (VEP, SSEP, MEP, AEP) ermittelt. Als Potenziale bezeichnet man elektrische Spannungen, die in den Nerven- und Muskelzellen vorkommen. Mithilfe von Elektroden werden diese Potenziale abgeleitet und notiert, nachdem eine elektronische Verstärkung erfolgte.

Hinzu kommt noch eine Kernspintomografie (Magnetresonanztomografie, MRT) des Schädels und Rückenmarks. Entzündungsherde und Plauqes im Gehirn, die eine Größe von zwei Millimetern übersteigen, zeigen sich bereits am Anfang der Erkrankung. Ein Vorteil der MRT gegenüber anderen Diagnoseverfahren ist, dass sich Veränderungen bereits zeigen, wenn der Patient noch vollkommen beschwerdefrei ist.

Als weitere Untersuchung wird Nervenwasser entnommen (Liquordiagnostik). Zur Gewinnung muss der Arzt mit einer feinen Nadel im Bereich der mittleren Lendenwirbelsäule zwischen die Wirbel stechen. Eine Entzündung des Gehirns und Rückenmarks kann anhand einer solchen Liquorpunktion ermittelt werden. Leidet der Betroffene unter einer MS, ist die Anzahl bestimmter Abwehrzellen (Leukozyten, Plasmazellen) im Nervenwasser erhöht. Nachweisbar sind in diesem Fall auch Antikörper wie Immunglobulin G (IgG). Zusätzlich erkennt der Arzt, ob die Entzündung tatsächlich durch eine MS, oder etwa durch Keime (z.B. Borreliose) hervorgerufen wird.

In der Blutuntersuchung werden folgende Parameter erhoben:

  • Großes Blutbild
  • Leberwerte
  • Nierenwerte
  • Schilddrüsenfunktion
  • Blutzucker
  • Vitamin B12
  • Rheumafaktoren
  • Antinukleäre Sntikörper (ANA)
  • Anti- Phospholipid- Antikörper
  • Lupus- Antikoagulans
  • Entzündungsmarker (C-reaktives Protein= CRP)
  • Angiotensin- Converting- Enzyme (ACE)
  • Borreliose

 Auch der Urin des Betroffenen wird einer Untersuchung unterzogen.

Meistens sind die Laborwerte von MS- Patienten im Normalbereich. Dennoch werden sie erhoben, um andere Erkrankungen auszuschließen, bei denen sich ähnliche Symptome zeigen können. Daher sind in manchen Fällen noch weitere Blutuntersuchungen notwendig, wie etwa:

  • ANCA
  • ENA
  • HIV- Serologie
  • HTLV-1-Serologie
  • TPHA
  • Bestimmung langkettiger Fettsäuren
  • Mykoplasma- Serologie
  • Methylmanylausscheidung im Urin

Bestimmte Laborwerte können unter einer Behandlung mit bestimmten Medikamenten eine Veränderung zeigen. Dies ist zum Beispiel bei einer Therapie mit Kortison der Fall: Die Anzahl der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) nimmt ab, während sie bei einer Behandlung mit Immunsuppresiva ansteigt. Der Blutzucker erhöht sich ebenfalls, wenn der Betroffene Kortison einnimmt.

Da die Diagnose auf MS nicht einfach ist, kann es mitunter Wochen, Monate oder sogar Jahre dauern, bis eindeutig geklärt ist unter welcher Erkrankung der Patient leidet.

Therapie

Bislang kennt man keine eindeutige Therapie, die eine Heilung der MS verspricht. Dasselbe gilt jedoch auch für viele andere chronische Erkrankungen, wie etwa Diabetes oder Bluthochdruck (Hypertonie). Man kann nur anhand von Medikamenten und anderen Therapien versuchen den Verlauf der Erkrankung günstig zu beeinflussen, die Beschwerden zu linden und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen.

Die Therapie von MS hat folgende Ziele:

  • Die Beschwerden, die durch einen Schub hervorgerufen werden, sollen sich, wenn möglich, vollständig wieder zurückbilden.
  • Weitere Schübe sollen verhindert werden.
  • Bleibende Behinderungen sollen vermieden werden.
  • Kommt es dennoch zu bestehenden Behinderungen, sollen sich diese zumindest nicht verschlechtern.

Um diese Ziele zu erreichen, kann man zwischen folgenden Therapiemöglichkeiten auswählen:

  • Medikamente
  • Krankengymnastik (Physiotherapie)
  • Aktivierungs- und Beschäftigungstherapie (Ergotherapie oder Psychotherapie)

Die einzelnen Therapien zeigen jedoch eine unterschiedlich gute Wirkung. Bei manchen Therapien ist die Wirkung noch umstritten. Zu diesen zählen vor allem Akupunktur, Bachblütentherapie, Meditationstechniken, Craniosakrale- Therapie, Hypnose oder Entspannungsübungen.

Bei der MS- Therapie mittels Medikamente, kann man zwischen drei Therapieansätzen unterscheiden:

  • Therapie des akuten Schubs: Kortison über die Vene. Handelt es sich um einen akuten Schub kommt Blutwäsche (Plasmapherese) oder Mitoxantron (zytotoxisches Antibiotikum, hemmt die Zellteilung und das Zellwachstum) zum Einsatz.
  • Symptomatische Therapie: Behandlung unspezifischer Beschwerden, wie etwa Spastik, Schmerzen, Depressionen, Blasen- oder Darmentleerungsstörungen. Je nach Art der Symptome gibt es unterschiedliche Präparate.
  • Langzeittherapie: Einsatz von immunmodulatorischen oder immunsuppressiven Präparaten. Sie führen zu einer Veränderung oder Unterdrückung des Immunsystems (z.B. Interferone beta 1-a und beta 1-b, Glatiramer- Azetat, Azathioprin, Mitoxantron, intravenöse Immunglobuline). Die Behandlung erfolgt in Stufen. Diese Therapie wird vor allem bei einem schubhaften Verlauf der Erkrankung eingesetzt.

Prognose

Aus neuesten Studien geht hervor, dass sich die Prognosen von MS- Patienten gebessert haben. Durchschnittlich vergehen etwa 20 bis 29 Jahre bis es einem Patienten nicht mehr möglich ist hundert Meter ohne Gehhilfe zu gehen. Früher zeigte sich diese Unfähigkeit schon noch etwa 15 Jahren. Die bessere Prognose ist vor allem auf die verbesserten Therapiemöglichkeiten zurückzuführen.

Generell gestalte sich die Vorhersage des Krankheitsverlaufes als sehr schwierig. Man kann jedoch sagen, dass die ersten zwei bis drei Jahre nach gestellter Diagnose eine große Rolle spielen. Menschen, die in der Anfangsphase viele Schübe mit ausgeprägten Beschwerden durchlitten haben, haben auf längere Zeit gesehen meistens einen schwereren Krankheitsverlauf als Patienten, bei denen zwischen den Schüben mehrere Jahre vergehen, bis ein neuer Schub auftritt.

In manchen Fällen kann es auch vorkommen, dass sich bleibende Beschwerden wieder zurückbilden. In solch einem Fall spricht man von Remission. Bei einer schubförmigen MS kommt es innerhalb der ersten Jahre häufig zu einer Remission (sekundär progrediente MS). Inzwischen kann man anhand folgender Faktoren auf einen günstigen oder ungünstigen Krankheitsverlauf schließen:

Anhaltspunkte für einen günstigen MS- Verlauf:

  • Weibliches Geschlecht bei der Geburt
  • Erkrankungsalter unter 40 Jahren
  • Krankheitsbeginn mit nur einem Symptom
  • Beginn mit einer Optikusneuritis oder mit sensiblen Symptomen (beispielsweise Gefühlsstörungen)
  • Vollständige Regeneration nach dem ersten Schub
  • Rein schubhafter Verlauf
  • Zunächst unauffälliges MRT
  • Großer Abstand zwischen dem ersten und dem zweiten Schub
  • Wenig Schübe im Verlauf
  • Geringe Behinderung wenige Jahre nach MS- Beginn

Anhaltspunkte für einen ungünstigen MS- Verlauf:

  • Männliches Geschlecht
  • Erkrankungsalter über 40 Jahre
  • Beginn mit mehreren Symptomen
  • Die Krankheit zeigt sich zuerst durch Gleichgewichtsstörungen, oder anderen Erkrankungen, bei denen das Kleinhirn oder der Hirnstamm betroffen sind, sowie durch dauerhafte Verringerung der Kraft oder mit Blasenentleerungsstörungen
  • Keine vollständige Erholung nach dem ersten Schub
  • Von Beginn an chronisch- progredienter Verlauf
  • Breites von Anfang an zahlreiche und charakteristische Veränderungen im MRT
  • Kleiner Abstand zwischen erstem und zweitem Schub
  • Viele Schübe innerhalb des Krankheitsverlaufs
  • Auffällige Behinderungen bereits wenige Jahre nach MS- Beginn

Bei einigen Faktoren ist der negative Einfluss auf den Krankheitsverlauf bekannt. Zu diesen Faktoren zählen Infektionen, Impfungen, ein Unfall, sowie eine größere Operation. Ein Aufenthalt im warmen Klima, starke körperliche oder psychische Belastung, sowie eine Fiebererkrankung können sich ebenfalls ungünstig auf die Erkrankung auswirken. Frauen, die gerade eine Geburt hinter sich haben, leiden in den ersten Monaten nach der Geburt öfter unter Schüben. Durch ein heißes Bad oder schnelles, tiefes Atmen (Hyperventilation) kann es zu einem sogenannten Pseudoschub kommen. Dieser ist durch eine drastische Verschlechterung der Beschwerden gekennzeichnet, die sich aber rasch und vollständig zurückbilden.

Weitere Auslöser die zu einem Schub, Pseudoschub oder zur Verschlechterung der Beschwerden führen können, sind:

  • Infektionen, vor allem Virusinfektionen (wie etwa ein grippaler Infekt)
  • Größere Operationen
  • Hormonelle Umstellungen (beispielsweise Wochenbett)
  • Einige Impfungen, hauptsächlich mit Lebendimpfstoffen
  • Starke Belastungen körperlicher und psychischer Natur
  • Desensibilisierungsmaßnahmen aufgrund einer Allergie (=Hyposensibilisierung)
  • Immunstimulierende Medikamente (dies kann auch auf pflanzliche Präparate zutreffen)

Jeder zweite MS- Patient stirbt an den Komplikationen der Erkrankung im fortgeschrittenen Stadium. Zu diesen Komplikationen zählen zum Beispiel Nieren- und Lungenentzündung (Nephritis bzw. Pneumonie), schweres Nieren- oder Lungenversagen (Niereninsuffizienz bzw. pneumonale Insuffizienz) oder Blutvergiftung (Sepsis). Manche Patienten leiden auch unter schweren Depressionen und begehen aus diesem Grund Suizid. Andere sterben durch Unfälle, die durch Behinderungen entstanden sind. Etwa 50 Prozent der Patienten sterben an weit verbreiteten Todesursachen, die auch die gesunde Bevölkerung treffen kann, wie etwa einem Herzinfarkt, Krebs oder einem Schlaganfall. 

Von Multipler Sklerose sind hauptsächlich Personen zwischen 20 und 40 Jahren betroffen. Vielen Erkrankten ist es dennoch möglich weiterhin über Jahre hinweg problemlos weiterzuarbeiten. Später kann die Erkrankung aber die körperliche Leistungsfähigkeit soweit beeinträchtigen, dass die Betroffenen ihren Beruf nur noch zum Teil oder gar nicht mehr ausüben können.

Ob MS- Patienten eine geringere Lebenserwartung haben als gesunde Menschen ist von der jeweiligen Verlaufsform, sowie dem Erkrankungsalter abhängig. Menschen, die in jungen Jahren an MS erkranken, haben eine etwa um sechs bis sieben Jahre kürzere Lebenserwartung als gesunde Gleichaltrige.

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