Prostatakrebs (Prostatakarzinom, Prostatatumor)

Prostatakrebs (Prostatakarzinom, Prostatatumor)
Internationale Klassifikation (ICD) C61

Grundlagen

Unter Prostatakrebs (fachsprachlich Prostatakarzinom, PCA) versteht man einen b√∂sartigen Tumor der m√§nnlichen Prostata (Vorsteherdr√ľse). Die Prostata hat etwa die Gr√∂√üe und Form einer Kastanie. Sie ist direkt unter der Harnblase lokalisiert und umschlie√üt den oberen Anteil der Harnr√∂hre ringf√∂rmig. Die Hauptfunktion der Prostata besteht in der Bildung eines Sekretes, welches bei der Ejakulation (Samenerguss) der Samenfl√ľssigkeit beigemischt wird.

Mit Fortschreiten des Prostatakarzinoms kann die Harnr√∂hre eingeengt werden, wodurch Blasenentleerungsst√∂rungen verursacht werden. In den meisten F√§llen liegen Problemen beim Wasserlassen jedoch andere Ursachen zugrunde wie zum Beispiel die benigne Prostatahyperplasie (Prostatavergr√∂√üerung) durch ein Adenom (gutartiger Tumor). Zudem k√∂nnen eine Prostataentz√ľndung oder eine Infektion der Harnwege √§hnliche Beschwerden hervorrufen.

Bei Prostatakrebs handelt es sich um die häufigste Krebserkrankung bei Männern in Deutschland. Schätzungen zufolge erkranken jedes Jahr etwa 60.000 Männer in Deutschland neu an einem Prostatakarzinom. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt zirka beim 70. Lebensjahr. Prostatakrebsfälle vor dem 50. Lebensjahr sind sehr selten.

Da die Krankheitsprognose sehr viel besser ist, je fr√ľher das Prostatakarzinom diagnostiziert und behandelt wird, wird M√§nnern √ľber 45 Jahren eine j√§hrliche Vorsorgeuntersuchung beim Urologen empfohlen. H√§ufig wird der Krebs jedoch erst sp√§t diagnostiziert, da der Prostatakrebs erst im fortgeschrittenen Stadium Symptome verursacht und nur wenige M√§nner die empfohlene Krebsvorsorgeuntersuchung absolvieren. Bei jedem dritten Prostatakrebsfall wird der Krebs erst zu einem so sp√§ten Zeit festgestellt, dass die Aussicht auf Heilung kaum oder √ľberhaupt nicht mehr vorhanden ist.

Ursachen

Die exakte Ursache f√ľr die Entstehung eines Prostatakarzinoms ist nicht bekannt. Jedoch existieren einige Faktoren, die im Verdacht stehen, die Entstehung von Prostatakrebs zu beg√ľnstigen:

  • Lebensalter: Das Alter stellt den gr√∂√üten Risikofaktor f√ľr die Entwicklung von Prostatakrebs dar. √úber 80 Prozent aller Prostatakrebs-Patienten sind beim Zeitpunkt der Diagnosestellung √§lter als 60 Jahre.
  • Genetische Disposition (Veranlagung): Ebenso spielen genetische Faktoren eine Rolle bei der Krebsentstehung. Das Risiko, dass Verwandte ersten Grades von Prostatakrebs-Patienten ebenfalls an dem Krebs erkranken, ist mindestens doppelt so hoch wie in der durchschnittlichen Bev√∂lkerung. Falls zwei oder mehr enge Verwandte an Prostatakrebs erkrankt sind, steigt das Risiko um ein Vielfaches an.
  • Hormone: Hormone √ľben einen gro√üen Einfluss auf die Entstehung eines Prostatakarzinoms aus, ihre genaue Rolle ist jedoch noch nicht ganz gekl√§rt. Gesichert ist, dass das m√§nnliche Geschlechtshormon Testosteron die Entwicklung des Krebses beeinflusst, indem es das Wachstum der Krebszellen stimuliert. Testosteron wird haupts√§chlich in den Hoden gebildet und ist notwendig f√ľr die Prostatafunktion. Ohne den Einfluss des Testosterons kann es nicht zur Entstehung eines Prostatakarzinoms kommen.
  • Ethnische Faktoren: Das Risiko f√ľr Prostatakrebs unterscheidet sich sehr zwischen verschiedenen Volksgruppen. So treten Prostatatumore beispielsweise bei der wei√üen Bev√∂lkerung der USA seltener auf als bei der farbigen. Weltweit gesehen leiden M√§nner aus Skandinavien am h√§ufigsten an Prostatakrebs, Asiaten am seltensten.
  • Ern√§hrungsgewohnheiten: Es wird vermutet, dass eine fett- und kalorienreiche sowie ballaststoffarme Ern√§hrung die Wahrscheinlichkeit, an Prostatakrebs zu erkranken, erh√∂ht. Da Prostatakrebs bei Asiaten und Vegetariern deutlich seltener auftritt, ist anzunehmen, dass der h√§ufige Konsum von Gem√ľse, Getreide und Sojaprodukten vorbeugend wirkt.
  • Berufliche Risikofaktoren: Sehr wahrscheinlich steigern auch eine Strahlen- und Schwermetallbelastung sowie ein Vitamin D-Mangel das Risiko von Prostatakrebs.

Symptome

Da sich das Prostatakarzinom zumeist in der √§u√üeren Schicht der Prostata entwickelt, verursacht es in der fr√ľhen Entwicklungsphase keine Symptome. Erst wenn der Krebs so weit fortgeschritten ist, dass die Harnr√∂hre eingeengt wird, k√∂nnen folgende Beschwerden auftreten:

  • Pollakisurie: h√§ufiges Wasserlassen mit kleinen Urinmengen ‚Äď die Gesamtmenge des Harns ist dabei nicht erh√∂ht
  • Dysurie: erschwerte, gewollte Blasenentleerung
  • Algurie: Schmerzen beim Wasserlassen
  • Erektionsst√∂rungen
  • Starker Harndrang
  • In seltenen F√§llen Blutbeimengungen in der Samenfl√ľssigkeit oder im Urin

Nur sehr selten entwickelt sich ein Prostatatumor in der inneren Zone der Vorsteherdr√ľse, wodurch die Harnr√∂hre bereits in einer sehr fr√ľhen Krankheitsphase eingeengt wird.

Falls es zur Bildung von Metastasen (Tochtergeschwulste) kommt, sind zumeist als erstes die Lymphknoten des Beckens betroffen. Anschlie√üend kann sich der Krebs weiter in den K√∂rper ausbreiten ‚Äď vorzugsweise in die Knochen des Beckens und der Lendenwirbels√§ule. Die Zerst√∂rung der Knochen kann sehr starke Schmerzen verursachen. Zudem k√∂nnen aufgrund der verminderten Knochenstabilit√§t auch leichte Verletzungen zu Knochenbr√ľchen f√ľhren. Des weiteren kann es zur Bildung von Metastasen im Leber- oder Lungengewebe kommen.

Ein Lymphknotenbefall im Bereich der Leiste und des Beckens kann zur Entwicklung von √Ėdemen (Fl√ľssigkeitsansammlungen) im Hodensack und den Beinen f√ľhren. Zus√§tzlich treten in vielen F√§llen allgemeine Symptome von Krebserkrankungen wie beispielsweise Nachtschwei√ü, Fieber, Abgeschlagenheit, ungewollter Gewichtsverlust und eine verminderte Leistungsf√§higkeit auf.

Eine gutartige Vergr√∂√üerung der Prostata (benigne Prostatahyperplasie) entwickelt sich in der inneren Schicht der Prostata. Da hierbei die Harnr√∂hre sehr schnell eingeengt wird, verursacht diese Erkrankung, im Gegensatz zum Prostatakarzinom, bereits in fr√ľhen Entwicklungsphasen Blasenentleerungsst√∂rungen.

Diagnose

Fr√ľherkennung

Da die Prognose einer Prostatakrebs-Erkrankung bedeutend besser ist, je fr√ľher der Krebs diagnostiziert und behandelt wird, sollten M√§nner eine regelm√§√üige Krebsvorsorgeuntersuchung beim Allgemeinarzt oder am bestem beim Urologen durchf√ľhren lassen. Die j√§hrliche Krebsvorsorgeuntersuchung ist f√ľr alle M√§nner ab dem 45. Lebensjahr empfohlen. M√§nner mit Blutsverwandten, die an Prostatakrebs erkrankt sind, sollten die Vorsorgeuntersuchung bereits fr√ľher durchf√ľhren lassen.

Tastuntersuchung

Die rektale Tastuntersuchung der Prostata (Palpation genannt) dient als erste Untersuchung, um ein Prostatakarzinom nachzuweisen. Dabei wird die Prostata durch das Rektum (Enddarm) mit dem Finger abgetastet, wodurch der Arzt eine etwaige Prostatavergr√∂√üerung sowie knotige Verh√§rtungen in fr√ľhen Krebsstadien feststellen kann. In vielen F√§llen hat der Prostatakrebs jedoch bereits die Kapsel der Prostata durchdrungen, sodass er nicht mehr knotig verkapselt ist. Prostatatumore, die seitlich oder in Richtung Bauchdecke liegen, k√∂nnen nicht ertastet werden. Die rektale Untersuchung kann einen Verdacht auf Prostatakrebs nahelegen, eine sichere Diagnosestellung ist jedoch nicht m√∂glich.

PSA-Test

Beim prostataspezifischen Antigen (PSA) handelt es sich um ein Protein (Eiwei√ü), das in der Prostata produziert wird. Es stellt keinen spezifischen Tumormarker dar, da der PSA-Wert generell bei jeder Erkrankung der Prostata erh√∂ht sein kann. Zudem kann der Wert ansteigen, wenn die Prostata massiert wird ‚Äď beispielsweise bei der rektalen Tastuntersuchung, beim Fahrradfahren oder beim Sex. Der PSA-Wert kann anschlie√üend bis zu 24 Stunden lang erh√∂ht sein.

Im Gegensatz zu Deutschland ist der PSA-Test in √Ėsterreich Bestandteil der urologischen Vorsorgeuntersuchung. Dabei wird der Wert des prostataspezifischen Antigens im Blut bestimmt. Der Test garantiert jedoch keine genaue Diagnose, da der PSA-Test trotz Prostatakarzinom negativ sein oder aber aufgrund einer anderen Prostataerkrankung positiv ausfallen kann.

Biopsie (Gewebeentnahme) und Ultraschall-Untersuchung

Erst mittels einer Biopsie kann eine sichere Prostatakrebs-Diagnose gestellt werden. Bei der Biopsie werden mehrere Gewebeproben mithilfe einer d√ľnnen Nadel aus der Prostata entnommen. Die Entnahme wird unter Ultraschallkontrolle √ľber das Rektum (transrektale Ultraschallsonographie) durchgef√ľhrt. Anschlie√üend werden die Gewebeproben im Labor unter dem Mikroskop auf das Vorhandensein von Krebszellen hin untersucht. Zudem kann die Aggressivit√§t des Prostatatumors bestimmt werden, wodurch sich die folgende Therapie besser planen l√§sst.

Bei der Biopsie handelt es sich um ein sicheres Untersuchungsverfahren, bei dem keine Gefahr einer Streuung der Tumorzellen besteht. Die Gewebeentnahme kann unter √∂rtlicher Bet√§ubung durchgef√ľhrt werden.

√úberpr√ľfung der Tumorausbreitung

Nach einer erfolgreichen Diagnosestellung werden weitere Untersuchungen vorgenommen, sodass beispielsweise vorhandene Metastasen (Tochtergeschwulste) festgestellt werden können:

  • Mithilfe einer Ultraschalluntersuchung l√§sst sich aufzeigen, ob der Tumor den Harnabfluss aus den Nieren behindert.
  • Eine Ausscheidungsurographie (R√∂ntgenuntersuchung der ableitenden Harnwege) macht sichtbar, ob Teile der Harnr√∂hre, Harnblase oder der Harnleiter vom Krebs befallen sind. Dieses Untersuchungsverfahren wird heutzutage jedoch nur noch selten durchgef√ľhrt, zum Beispiel bei einem auff√§lligen Ultraschallbefund.
  • Durch ein Thoraxr√∂ntgen (R√∂ntgenbild des Brustkorbes) k√∂nnen Prostatakrebs-Metastasen in der Lunge festgestellt werden.
  • Mittels einer Skelettszintigraphie kann abgekl√§rt werden, ob der Krebs bereits auf die Knochen √ľbergegriffen hat.
  • Eine Magnet-Resonanz-Tomographie (MRT) oder eine Computer-Tomographie (CT) werden durchgef√ľhrt, um weitere Metastasen festzustellen. Zudem helfen die Ergebnisse dieser bildgebenden Verfahren bei der Entscheidung, ob ein operativer Eingriff sinnvoll ist.

Zusätzliche Tests

Da bei einer Gewebeentnahme mittels der Biopsienadel nicht alle Teile der Prostata erreicht werden, kann in manchen Fällen der Befund negativ ausfallen, obwohl ein Prostatakrebs vorliegt. Falls die Vermutung nahe liegt, dass der Betroffene dennoch an Prostatakrebs leidet, muss die Biopsie gegebenenfalls wiederholt werden.

Um dieses Problem zu umgehen, sind derzeit völlig neue Diagnoseverfahren in Entwicklung. Mithilfe einer Proteinanalyse können beispielsweise veränderte Zusammensetzungen bestimmter Proteine im Harn festgestellt werden, welche möglicherweise auf ein Prostatakarzinom hinweisen. Dabei handelt es sich derzeit jedoch noch nicht um ein etabliertes Routineverfahren.

Therapie

Die Art der Behandlung eines Prostatakarzinoms h√§ngt stark davon ab, wie weit die Krebserkrankung bereits fortgeschritten ist. Zudem spielen die Wachstumsgeschwindigkeit des Tumors sowie der Allgemeinzustand, das Lebensalter und das Operationsrisiko des Betroffenen eine gro√üe Rolle. Es stehen zahlreiche unterschiedliche Therapiem√∂glichkeiten zur Verf√ľgung, die unter Umst√§nden auch miteinander kombiniert eingesetzt werden. Es ist daher empfehlenswert, sich vor Therapiebeginn von einem anderen Arzt eine zweite Meinung einzuholen.

Grunds√§tzlich stehen folgende Behandlungsans√§tze zur Verf√ľgung:

  • Operativer Eingriff
  • Chemotherapie
  • Hormontherapie
  • Strahlentherapie

Stadien des Prostatakarzinoms

Die Behandlungsmöglichkeiten und Heilungsaussichten variieren stark, je nachdem in welchem Stadium sich der Prostatakrebs befindet:

Begrenztes Prostatakarzinom

In dieser Phase des Prostatakrebses befindet sich der Tumor noch ausschlie√ülich im Prostatagewebe. Die Therapie mit den besten Heilungschancen stellt eine komplette operative Entfernung der Prostata dar. Falls der Tumor noch klein ist, kann als Alternative eine Strahlentherapie anstatt einer Operation durchgef√ľhrt werden.

Bei Patienten √ľber dem 75. Lebensjahr oder bei Menschen mit kleinen, kaum aggressiven Tumoren sollte die M√∂glichkeit in Erw√§gung gezogen werden, zun√§chst keine Behandlung durchzuf√ľhren und zu beobachten, wie schnell der Krebs fortschreitet. Andernfalls k√∂nnten durch die Krebstherapie weit gr√∂√üere Beschwerden als durch den Krebs selbst verursacht werden.

Fortgeschrittenes Prostatakarzinom

In diesem Stadium hat der Prostatatumor bereits die Kapsel der Prostata durchbrochen und infiltriert das umgebende Gewebe. Da sich das Krebsgewebe in vielen Fällen nun nicht mehr komplett mittels eines operativen Eingriffs entfernen lässt, ist eine Heilung des Prostatakrebses nur noch eingeschränkt möglich.

Als zusätzliche Behandlung kann nach einer Operation versucht werden, die eventuell verbliebenen Tumorzellen mithilfe einer Strahlentherapie abzutöten. Zudem besteht die Möglichkeit, das Wachstum der verbliebenen Krebszellen zu hemmen, indem den Zellen das wachstumsfördernde Hormon Testosteron entzogen wird.

Metastasen

Wenn das Prostatakarzinom Metastasen (Tochtergeschwulste) in anderen Organen wie beispielsweise der Lunge oder den Knochen gebildet hat, kann im Regelfall keine Heilung des Patienten mehr erreicht werden. Es wird eine sogenannte palliative Therapie durchgef√ľhrt, bei der das Behandlungsziel darin besteht, die Lebensqualit√§t des Krebspatienten zu verbessern. Das weitere Wachstum des Prostatatumors wird dabei durch einen radikalen Hormonentzug gehemmt. Zudem wird versucht, die Zellen der Metastasen mittels Zytostatika zu zerst√∂ren.

Therapiemöglichkeiten im Überblick

Aktives Beobachten

Falls es sich um einen kleinen, sehr langsam wachsenden Prostatatumor handelt, kann die Therapie gegebenenfalls aufgeschoben werden. Diese M√∂glichkeit sollte vor allem bei √§lteren Patienten √ľber 75 Jahren oder bei Betroffene mit einem schlechten Gesundheitszustand in Erw√§gung gezogen werden. Andernfalls k√∂nnten durch die Krebstherapie weit gr√∂√üere Beschwerden als durch den Krebs selbst verursacht werden. Die weitere Entwicklung des Prostatakarzinoms wird dabei regelm√§√üig untersucht und genauestens beobachtet.

Operation

Die radikale Prostatektomie (komplette Entfernung der Prostata) ist das empfohlene Verfahren, wenn sich die Ausbreitung des Tumors nur auf die Vorsteherdr√ľse beschr√§nkt und das umliegende Gewebe nicht infiltriert ist. In diesem Krebsstadium bietet eine Operation die h√∂chsten Heilungschancen. Zus√§tzlich zur Prostata werden die Bl√§schendr√ľsen unterhalb der Vorsteherdr√ľse sowie fallweise naheliegende Lymphknoten operativ entfernt.

Falls der Krebs bereits das umliegende Gewebe befallen hat, bewirkt die Operation zumindest eine Linderung der Beschwerden. Zus√§tzlich zur Prostata und den Bl√§schendr√ľsen m√ľssen hierbei auf jeden Fall alle naheliegenden Lymphknoten entfernt werden.

Beim herk√∂mmlichen Operationsverfahren wird die Prostata √ľber einen zirka 12 Zentimeter langen Bauchschnitt oberhalb des Schamhaaransatzes entfernt. Der minimalinvasive laparoskopische Eingriff stellt ein alternatives Verfahren dar, bei dem das chirurgische Ger√§t √ľber f√ľnf zirka 1,5 Zentimeter lange Hautschnitte in den Bauchraum eingef√ľhrt wird. Eine komplette Er√∂ffnung der Bauchdecke ist hierbei nicht notwendig ‚Äď die Operation findet mithilfe einer in den Bauchraum eingef√ľhrten Videokamera statt. Studien zufolge ist das laparoskopische Verfahren jedoch nicht zwangsweise schonender f√ľr den Patienten. Wundschmerzen, Genesungsdauer und Sp√§tfolgen wie beispielsweise St√∂rungen der Kontinenz (F√§higkeit, den Harn zur√ľckzuhalten) und Erektionsf√§higkeit sind nicht immer geringer als bei herk√∂mmlichen Operationsverfahren. Der Grund liegt darin, dass die postoperativen Beschwerden weniger vom Zugangsweg als von den individuellen Operationsumst√§nden sowie den F√§higkeiten des Operateurs abh√§ngen.

Eine h√§ufige Sp√§tfolge einer operativen Entfernung der Prostata ist ein Verlust der Potenz. Da bestimmte Nerven, die wichtig f√ľr die Erektion sind, direkt entlang der Prostatakapsel verlaufen, besteht ein gro√ües Risiko, dass diese Nerven bei der Operation gesch√§digt werden. Trotz nervschonender Operationsverfahren leiden etwa 80 Prozent der M√§nner nach dem Eingriff an Erektionsproblemen. In etwa 3 bis 5 Prozent der F√§lle tritt eine Stressinkontinenz auf. Dabei kann es beim Husten, Niesen oder Lachen zu einem ungewollten Harnabgang kommen.

Strahlentherapie

Die Strahlentherapie kann bei einem Prostatatumor sowohl von außen (perkutane Strahlentherapie) als auch direkt von innen her (Radionuklidimplantation, Brachytherapie) erfolgen:

  • Strahlentherapie von au√üen: Im Regelfall werden pro Woche f√ľnf Bestrahlungen √ľber einen Zeitraum von etwa acht Wochen durchgef√ľhrt. Eine einzelne Bestrahlungseinheit dauert zirka 15 Minuten.
  • Strahlentherapie von innen: Bei einem einmaligen Eingriff werden radioaktive K√∂rner, die etwa die Gr√∂√üe von Reisk√∂rnern aufweisen, in der Prostata platziert. Diese radioaktiven Teilchen geben √ľber einen Zeitraum von etwa einem Jahr kontinuierlich Strahlung wenige Millimeter tief in das umgebende Prostatagewebe ab. Eine anschlie√üende Entfernung der K√∂rner ist nicht notwendig.

Ebenso wie die Operation k√∂nnen auch eine innere oder √§u√üere Strahlentherapie St√∂rungen der Erektionsf√§higkeit hervorrufen. Der Grund liegt darin, dass durch die radioaktive Strahlung auch Gewebe gesch√§digt werden kann, das f√ľr die Erektion notwendig ist. Etwa 50 Prozent der Betroffenen leiden nach einer Strahlentherapie an Erektionsproblemen. Die H√§ufigkeit von Behandlungssp√§tfolgen wie beispielsweise einer gest√∂rten Potenz oder Erektion ist bei der nervschonenden Operation und der Strahlentherapie √§hnlich ‚Äď Unterschiede sind haupts√§chlich die Folge von individuellen Umst√§nden und den F√§higkeiten des behandelnden Arztes.

Durch die radioaktive Strahlung können zudem der Darm und die Harnröhre geschädigt werden, weshalb einige Patienten Probleme beim Wasserlassen oder mit der Verdauung (zum Beispiel Durchfall) haben.

Kryotherapie

Bei der Kryotherapie wird das Prostatagewebe √ľber den Darm eingefroren, wodurch es anschlie√üend abstirbt. Aktuellen Erkenntnissen zufolge ist die Kryotherapie jedoch weniger wirksam als andere etablierte Behandlungsmethoden, weshalb sie keine gleichwertige Alternative in der Prostatakrebs-Therapie darstellt.

Hormonentzug

Bei vielen Prostatatumoren fördert das männliche Geschlechtshormon Testosteron das Wachstum sowie die Ausbreitung des Krebses. In etwa 80 Prozent der Fälle lassen sich durch die Hemmung der Testosteronproduktion das Tumorwachstum einbremsen und die durch den Tumor verursachten Schmerzen lindern. Wie stark Prostatakarzinome auf einen Hormonentzug ansprechen ist jedoch von Patient zu Patient unterschiedlich. Zudem verliert die Therapie mit der Zeit an Wirksamkeit und der Krebs kann dann unabhängig von Testosteron wachsen, was die Behandlung anschließend erschwert.

Die komplette medikament√∂se Hemmung des Testosterons hat dieselben Auswirkungen auf den K√∂rper wie eine Kastration. Der Patient leidet unter Impotenz, einer Abnahme der Libido (Geschlechtstrieb), Hitzewallungen, Gewichtszunahme, einer Brustvergr√∂√üerung und einem erh√∂hten Abbau der Knochen- und Muskelmasse, was zu einer Erh√∂hung des Osteoporoserisikos f√ľhrt. Im Rahmen einer Hormonentzug-Therapie sollte daher regelm√§√üig eine Knochendichtemessung durchgef√ľhrt und eventuell eine Osteoporose-Therapie eingeleitet werden.

Hormontherapie

Mithilfe von LHRH-Analoga und GnRH-Analoga kann der Testosteronspiegel gesenkt werden. Die Wirkung beruht darauf, dass die Wirkstoffe körpereigenen Hormonen entsprechen, die eine Drosselung der Testosteronproduktion bewirken.

Antiandrogene hingegen schirmen das Prostatakarzinom von dem Hormon Testosteron ab, ohne dass die Produktion des Hormons beeinflusst wird. Die Präparate verursachen deutlich weniger Nebenwirkungen, da der Testosteronspiegel im Blut nicht gesenkt wird. Antiandrogene sind jedoch weniger wirkungsvoll als Testosteron-Blocker.

Mittels √Ėstrogenen (weibliche Geschlechtshormone) kann der Testosteron-Spiegel im Blut innerhalb von sieben Tagen gesenkt werden. Sie verursachen beim Mann jedoch weitaus st√§rkere Nebenwirkungen als Testosteron-Blocker. Zudem d√ľrfen sie bei Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht angewendet werden.

Entfernung der Hoden

Da der gr√∂√üte Teil der Testosteronproduktion in den Hoden stattfindet, kann durch ihre Entfernung bei Prostatakrebs in sp√§ten Stadien durch eine schnelle Senkung des Testosteronspiegels eine schnelle Linderung der Schmerzen erreicht werden. Weil die Entfernung der Hoden nicht r√ľckg√§ngig gemacht werden kann und es daher ein psychisch sehr belastender Eingriff f√ľr den Patienten ist, wird dieses Verfahren bei Prostatatumoren nur noch selten durchgef√ľhrt.

Chemotherapie

Falls der Prostatakrebs nicht bzw. nicht mehr auf den Testosteron-Entzug anspricht, wird eine Chemotherapie durchgef√ľhrt, um die Krebszellen abzut√∂ten. Mithilfe von Zytostatika (Krebsmedikamente) k√∂nnen jedoch in erster Linie schnell wachsende Tumorzellen gesch√§digt werden. Da ein Prostatatumor zeitweise nur sehr langsam w√§chst, gestaltet sich die Chemotherapie beim Prostatakarzinom schwierig. Eine lebensverl√§ngernde Wirkung der Zytostatika-Therapie ist nur bei schnell wachsenden Formen des Prostatakrebses nachgewiesen. Da durch Zytostatika nicht nur Krebszellen, sondern alle sich schnell teilenden Zellen im K√∂rper (beispielsweise Darmzellen oder Haarwurzelzellen) abget√∂tet werden, verursacht eine Chemotherapie starke Nebenwirkungen.

Palliativtherapie

Bei einem fortgeschrittenen, metastasierenden Prostatatumor leiden die Betroffenen in vielen Fällen unter starken Schmerzen. Da eine Heilung zumeist nicht mehr erreicht werden kann, ist eine wirksame Bekämpfung der Schmerzen ein wichtiges Therapieziel.

H√§ufig kommt es bei Prostatakrebs im Sp√§tstadium zur Bildung von Metastasen im Knochengewebe, wodurch starke Schmerzen und Knochenbr√ľche verursacht werden k√∂nnen. Das Risiko von Knochenbr√ľchen l√§sst sich durch eine Strahlentherapie reduzieren. Zus√§tzlich k√∂nnen bestimmte Medikamente wie beispielsweise Bisphosphonate verabreicht werden, welche den Abbau der Knochensubstanz hemmen.

Eigene Maßnahmen

Da nur bei einer fr√ľhzeitigen Diagnose eines Prostatakarzinoms eine M√∂glichkeit auf Heilung besteht, kommt der j√§hrlichen Krebsvorsorgeuntersuchung f√ľr M√§nner ab dem 45. Lebensjahr eine gro√üe Bedeutung zu. Falls es in der Familie Prostatakrebs-F√§lle gegeben hat, sollten bereits fr√ľher Vorsorgeuntersuchungen durchgef√ľhrt werden.

Prognose

Die Wachstumsgeschwindigkeit des Prostatatumors kann individuell sehr unterschiedlich sein. In manchen F√§llen w√§chst der Krebs √ľber Jahre hinweg sehr langsam, sodass gegebenenfalls von einer Behandlung abgesehen werden kann. Jedoch gibt es auch Formen des Prostatakarzinoms, bei denen der Krebs schnell und aggressiv w√§chst und in relativ kurzer Zeit zum Tod f√ľhren kann. Die genauen Ursachen, warum manche Prostatatumore schnell oder langsam wachsen, sind nicht bekannt.

Zum Zeitpunkt der Diagnosestellung l√§sst sich der Krankheitsverlauf in vielen F√§llen nicht genau absch√§tzen, wodurch die Entscheidung, welche Therapie durchgef√ľhrt werden sollte, schwer zu treffen ist. Daher sollte eine Prostatakrebserkrankung von einem erfahrenen Urologen regelm√§√üig √ľberwacht und behandelt werden.

Die Prognose von Prostatakrebs h√§ngt stark davon ab, in welchem Stadium der Tumor diagnostiziert wird. Im Allgemeinen ist die Prognose jedoch recht g√ľnstig. Falls der Prostatakrebs auf das umliegende Gewebe √ľbergreift und vor allem, falls der Tumor Metastasen bildet, sinken die Heilungschancen rapide. Die 5-Jahres-√úberlebensrate liegt beim Prostatakarzinom bei etwa 87 Prozent.

Vorbeugen

Durch einen gesunden Lebensstil kann das Risiko einer Prostatakrebs-Erkrankung reduziert werden. Wichtig sind ein normales Körpergewicht, eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung sowie regelmäßige körperliche Betätigung. Alkohol sollte nur in Maßen konsumiert werden. Folgende Punkte sollten beachtet werden:

  • Normales K√∂rpergewicht: Mithilfe einer gesunden, ma√üvollen Ern√§hrung und ausreichend k√∂rperlicher Bet√§tigung kann ein gesundes K√∂rpergewicht erhalten bzw. erreicht werden. Ein effektiver und gesunder Weg, die Zufuhr von Kalorien zu reduzieren, liegt in einem geringen Konsum von S√ľ√üem, Zucker, Fett und Alkohol. All diese Nahrungsmittel sind sehr kalorienreich und bieten dem K√∂rper kaum essentielle Nahrungsstoffe wie Vitamine, Ballaststoffe oder Mineralien.
  • Regelm√§√üige Bewegung: Durch k√∂rperliche Aktivit√§t kann das Krankheitsrisiko reduziert werden. Ein halb- bis einst√ľndiges leichtes Training an mindestens f√ľnf Wochentagen sorgt f√ľr eine ausreichende Fitness.
  • Gesunde Ern√§hrung: Obst und Gem√ľse sollten nach M√∂glichkeit t√§glich verzehrt, Fleischprodukte (besonders rotes Fleisch) hingegen nur in Ma√üen konsumiert werden.
  • Ma√üvoller Alkoholgenuss: M√§nner sollten empfehlenswerterweise pro Tag h√∂chstens zwei alkoholische Getr√§nke konsumieren. Ein Getr√§nk entspricht beispielsweise einem kleinen Bier, einem Schnapsglas Schnaps oder einem Achtel Wein.
  • Fr√ľherkennung: Je fr√ľher das Prostatakarzinom diagnostiziert und behandelt wird, desto besser sind die Heilungsaussichten. M√§nner sollten daher ab dem 45. Lebensjahr eine j√§hrliche Krebsvorsorgeuntersuchung durchf√ľhren lassen. Falls es in der Familie bereits Prostatakrebs-F√§lle gegeben hat, sollte fr√ľher mit den Vorsorgeuntersuchungen begonnen werden.

Redaktionelle Grundsätze

Alle f√ľr den Inhalt herangezogenen Informationen stammen von gepr√ľften Quellen (anerkannte Institutionen, Fachleute, Studien renommierter Universit√§ten). Dabei legen wir gro√üen Wert auf die Qualifikation der Autoren und den wissenschaftlichen Hintergrund der Informationen. Somit stellen wir sicher, dass unsere Recherchen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren.
Danilo Glisic

Danilo Glisic
Autor

Als Biologie- und Mathematikstudent verfasst er leidenschaftlich Magazinartikel zu aktuellen medizinischen Themen. Aufgrund seiner Affinität zu Zahlen, Daten und Fakten, liegt sein Fokus dabei auf der Beschreibung von relevanten klinischen Studienergebnissen.

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