Scheidenpilzinfektion (Vaginalmykose)

Scheidenpilzinfektion (Vaginalmykose)
Internationale Klassifikation (ICD) B37.-

Grundlagen

Vaginalmykosen sind durch Pilze verursachte Genitalinfektionen, von denen sehr viele Frauen im Laufe ihres Lebens betroffen sind. Auch im gesunden Zustand ist die Scheide von Bakterien und gewissen Pilzen besiedelt, doch besteht eine ausgeglichene Balance zwischen diesen Keimen. Kommt es zu einer Änderung des Scheidenmilieus und verändert sich das Gleichgewicht zwischen Bakterien und Pilzen, kann eine Scheidenpilzinfektion entstehen.

Einen großen Einfluss auf das spezifische Milieu in der Scheide haben weibliche Sexualhormone, deren Konzentration sich im Rahmen des monatlichen Zyklus und im Alter ändern kann. Durch diesen Hormoneinfluss ist auch das unterschiedliche Scheidenmilieu zwischen Mädchen vor und nach der Pubertät, älteren Frauen in den Wechseljahren und nach der Menopause zu erklären.

Die Schleimhaut der Scheide ist bei gesunden Frauen großteils von Milchsäurebakterien (auch Laktobazillen, Döderleinbakterien genannt) besiedelt. Diese Bakterien sind unschädlich für die Frau und produzieren aus Zucker, den sie von Zellen der Schleimhaut bekommen, Milchsäure. Durch diese Milchsäure herrscht in der Scheide ein saures Scheidenmilieu, das die Vermehrung anderer Bakterien oder Pilze unterdrückt und somit die Frau vor Infektionen schützt.

Ursachen

Die Erreger

Wie schon der Name verrät, wird eine Scheidenpilzinfektion durch Pilze verursacht. Am häufigsten ist der Erreger ein Hefepilz, nämlich Candida albicans. Dieser Pilz ist ein Vertreter der Candida-Gruppe, welche unter dem Mikroskop durch ihre großen, runden, weißen Zellen erkennbar sind. Typisch für Hefepilze ist, dass sie sich bei 37 Grad Celsius sehr gut vermehren können. So bietet also die Körpertemperatur dem Candida albicans beste Vorraussetzungen um in der Schleimhaut der Scheide zu gedeihen. Wird bei einer Infektion mit Candida albicans ein Abstrich gemacht und unter dem Mikroskop untersucht, kann man für Hefepilze typische Fäden (Hyphen) erkennen. Manche Frauen können aber auch vereinzelte Candida-Zellen in sich tragen ohne Symptome zu entwickeln.

Normalerweise ist die Scheide schon lange Zeit vor einer Infektion mit Pilzen besiedelt, die Krankheit tritt aber nicht auf, weil die Pilze durch das saure Milieu in der Scheide unterdrückt werden. Die Besiedlung der Scheide mit den Pilzen kann schon lange vor Auftreten der ersten Symptome, zum Beispiel schon bei der Geburt, stattfinden. Zum Ausbruch der Krankheit kommt es aber erst, wenn das Verhältnis zwischen Bakterien und Pilzen aus dem Gleichgewicht gerät und der Pilz sich problemlos ausbreiten kann.

Auch Geschlechtsverkehr kann der Auslöser einer Vaginalmykose sein, vor allem Analverkehr kann eine Scheidenpilzinfektion fördern. Dies lässt sich dadurch erklären, dass die Schleimhaut des Magen-Darm-Traktes, so auch der Enddarm, mit Candida albicans besiedelt ist und diese bei Analverkehr in die Scheide übertragen werden können.

Auch die gemeinsame Verwendung von Hygieneartikeln, Handtüchern und Wäsche können zum Auftreten einer Scheidenpilzinfektion beitragen. Pilzinfektionen können auch in öffentlichen Schwimmbädern übertragen werden. In Chlorwasser ist der Pilz jedoch nicht überlebensfähig, weshalb in chlorhältigen Bädern keine Gefahr der Übertragung besteht.

Begünstigende Faktoren

Ein gestörtes Scheidenmilieu kann das Entstehen einer Scheidenpilzinfektion begünstigen. Wird zum Beispiel das Gleichgewicht zwischen Bakterien und Pilzen durch eine antibakterielle Therapie zugunsten der Pilze verändert, kann das eine Pilzinfektion fördern. Neben dem sauren Scheidenmilieu spielt natürlich auch das Immunsystem eine große Rolle beim Schutz vor Vaginalmykosen. So können auch immunsupprimierende Medikamente oder in der Krebstherapie verwendete Medikamente eine Infektion begünstigen. Außerdem können andere bestehende Erkrankungen wie Diabetes oder Veränderungen im Hormonhaushalt zur Ausbreitung des Pilzes beitragen. Weiters ist auch während einer Schwangerschaft das Risiko, an einer Vaginalmykose zu erkranken, erhöht, was durch Veränderungen des Zucker- und Hormonspiegels erklärt wird. Frühere Generationen an Pillenpräparaten können auf Grund eines höheren Sexualhormonspiegels ebenfalls störend für das Scheidenmilieu sein. In diesen Fällen empfiehlt sich ein Wechsel zu neueren Präparaten mit einem geringeren Hormongehalt.

Obwohl ein gewisses Maß an Hygiene zum Vermeiden einer Scheidenpilzinfektion empfehlenswert ist, kann ein übermäßiges Waschen des Imtimbereichs die Vermehrung der Pilze fördern, weil dadurch das Scheidenmilieu gestört werden kann. Deshalb ist auch vom Verwenden spezieller Waschgels und Lotionen abzuraten. Pilze benötigen zum optimalen Gedeihen Feuchtigkeit und Wärme. Deshalb sollte man das Tragen von zu enger und synthetischer Kleidung unterlassen. Oft ist der Ausbruch einer Scheidenpilzinfektion auch auf Stress oder belastende Situationen zurückzuführen.

Symptome

Bei einer Pilzinfektion der Scheide treten vor allem folgende Krankheitszeichen auf:

• Starker Juckreiz

• Brennender Schmerz

• Rötungen

• Ödeme (Schwellungen)

• Schmerzen beim Urinieren Manche Frauen berichten auch über Schmerzen verschiedensten Ausmaßes beim Sexualverkehr. Des Weiteren ist ein weißer, bröseliger Ausfluss bei einer Scheidenpilzinfektion häufig. Bei Untersuchung der Vaginalwände, kann ebenfalls ein weißlicher Belag gefunden werden. Nach Ablösen dieses Belages erscheint die nun sichtbare Schleimhaut der Scheide normalerweise geschwollen und gerötet. Auch kleine Blutungen nach dem Entfernen des Belags sind keine Seltenheit.

Insbesondere wenn Frauen schon einmal eine Vaginalmykose durchlebt haben, können sie meistens ein Auftreten der typischen Symptomatik ziemlich schnell als Hinweis für eine neue Pilzinfektion erkennen. Besonders die Kardinalsymptome Juckreiz und Brennen in Kombination mit dem typischen Ausfluss veranlasst viele Frauen zum Stellen der Selbstdiagnose Scheidenpilzinfektion.

Jedoch kann ein ähnliches Krankheitsbild auch durch andere Erreger verursacht werden, weshalb von einer Therapie auf eigene Faust abzuraten ist und lieber eine Kontrolle durch einen Gynäkologen durchgeführt werden sollte. Auf jeden Fall sollte man einen Gynäkologen aufsuchen, wenn die Beschwerden anhalten, in kurzen Abständen wiederkehren, aber auch bei Scheidenpilzinfektion während der Schwangerschaft. Fieber und Schmerzen im Unterleib können ein Hinweis für schwere Infektionen des Unterbauchs sein und sollten ebenfalls abgeklärt werden.

Diagnose

Eine Scheidenpilzinfektion kann durch die Krankengeschichte, durch eine gynäkologische Untersuchung und durch einen Scheidenabstrich diagnostiziert werden.

Manchmal ist es nicht möglich eine Pilzinfektion unter dem Mikroskop nachzuweisen oder von bakteriellen Infektionen zu unterscheiden. In diesem Fall ist das Anlegen einer Pilzkultur oft sehr hilfreich. Vor allem bei wiederholten Vaginalmykosen ist es sehr wichtig, gewisse Risikofaktoren wie Medikamente, andere Erkrankungen oder Hygienegewohnheiten zu erheben, die das Entstehen einer Pilzinfektion fördern können.

Therapie

Antipilzmittel

Zur Behandlung der Vaginalmykose werden Antipilzmittel in verschieden Darreichungsformen, wie zum Beispiel Vaginaltabletten, Salben oder Zäpfchen, verwendet. Typische Antimykotika sind unter anderem Clotrimazol, Ketoconazol oder Fenticonazol. Die meisten Antipilzmittel werden zur örtlichen Therapie des Scheidenpilzes verwendet, in manchen Fällen ist aber auch eine systemische Behandlung mittels Tabletten sinnvoll. Diese Art der Therapie, bei der die Tabletten oral aufgenommen werden, sollte jedoch nicht während der Schwangerschaft angewendet werden. Gegen eine örtliche Behandlung durch Salben oder Zäpfchen gibt es zwar keine Bedenken, trotzdem sollte die Therapie von einem Arzt kontrolliert werden. Während der Therapie sollte man Sexualverkehr unterlassen, und nach Abschluss der Behandlung ist zumindest eine vorübergehende Verwendung von Präservativen empfehlenswert.

Eigenmaßnahmen

Zu den Maßnahmen, die man beim Verdacht auf eine Scheidenpilzinfektion selbst durchführen kann, gehört unter anderem die lokale Verabreichung von Joghurts, die mit Milchsäurebakterien angereichert sind. Dadurch kann das saure Scheidenmilieu wiederhergestellt oder unterstützt werden, was die Ausbreitung der Pilze hemmt. Der Erfolg dieser Maßnahme ist jedoch von Frau zu Frau variabel.

Eine andere Methode dem Fortschreiten einer beginnenden Scheidenpilzinfektion entgegenzusteuern, ist die Scheide für wenige Stunden austrocknen zu lassen. So kann man zum Beispiel durch einen Tampon den Pilzen Feuchtigkeit entziehen, welche die Erreger zur Vermehrung benötigen. Jedoch kann eine zu lange dauernde Austrocknung der Scheide zu weitern Schäden führen.

Prognose

Vaginalmykosen haben im Normalfall eine gute Prognose. 90 Prozent der Scheidenpilzinfektionen sprechen gut auf die Therapie an und heilen aus. Es kann aber nach kurzer Zeit zu einer neuen Scheidenpilzinfektion (Rezidiv) kommen, was in den meisten Fällen auf ein Ungleichgewicht zwischen Bakterien und Pilzen zurückzuführen ist. Der Therapie die Schuld für den nur kurz anhaltenden Heilungserfolg zu geben, ist also in den meisten Fällen nicht gerechtfertig. Vielmehr sollte auch die wieder aufgetretene Scheidenpilzinfektion mit Antimykotika behandelt werden.

Im Gegensatz zu früheren Annahmen das Rückfallrisiko von Pilzinfektionen durch gleichzeitige Behandlung des Partners reduzieren zu können, haben viele Untersuchungen leider kaum Erfolge dafür gezeigt. In manchen Fällen ist es aber dennoch sinnvoll den Partner zu untersuchen und in die Therapie miteinzubeziehen.

Leidet die Betroffene mehr als viermal pro Jahr an Vaginalmykosen, sollte eine genau Erhebung von Faktoren, die eine Pilzinfektion fördern können, durchgeführt werden. In vielen Fällen hat sich bei Frauen, welche die Pille nehmen, die Verschreibung eines Präparats mit einem geringeren Östrogengehalt als wirksam herausgestellt. Es kann auch durchaus möglich sein, dass man über einen Zeitraum von mehren Monaten bis zu einem halben Jahr mit oralen Antimykotika therapieren muss. Leider ist die dauerhafte Behandlung aber nur bei ungefähr fünfzig Prozent auch wirklich auf lange Sicht erfolgreich.

Vorbeugen

Die Betroffene selbst kann verschiedenste Maßnahmen setzen um das Auftreten einer Infektion entgegenzusteuern:

• So sollte man zum Beispiel keine hautenge, synthetische Unterwäsche tragen.

• Bei manchen Frauen kann auch das Tragen von Tampons zu einer Vaginalmykose führen. Vor allem ist aber von Slipeinlagen mit Kunststoffbeschichtung abzuraten, weil dadurch Feuchtigkeit und Wärme entstehen kann, die wiederum das Wachstum der Pilze fördern.

• Auch feuchte Badebekleidung sollte möglichst bald gewechselt werden.

• Man sollte den Genitalbereich nicht übermäßig mit Seife waschen und im besten Fall Seife mit einem saurem pH-Wert benutzen.

• Pilze benötigen Zucker zum Gedeihen. So kann man durch eine möglichst kohlenhydratarme Kost Pilzinfektionen etwas vorbeugen.

• Wichtig ist es bei einer bereits aufgetretenen Vaginalmykose sämtliche Handtücher, die Bettwäsche und Kleidung zu wechseln und mit speziellen, in der Apotheke erhältlichen Waschmittel zu waschen.

• Um das Verschleppen von Keimen aus dem Analbereich zu verhindern sollte man nach einem Toilettenbesuch den Intimbereich immer von vorne nach hinten säubern.

• Auch die Verwendung von Präparaten zum Aufbau des sauren Scheidenmilieus, wie Milchsäurebakterien-Kulturen, ist empfehlenswert.

• Manchmal kann die Verwendung von Präservativen vor neuerlichen Infektionen schützen. Denn unter der Vorhaut des männlichen Gliedes können sich Pilze vermehren und beim Geschlechtsverkehr übertragen werden. Dies ist bei beschnittenen Männern viel seltener der Fall.

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