Windpocken (Varizellen)

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Internationale Klassifikation (ICD) B01.9

Grundlagen

Windpocken (Varizellen) sind eine hoch infektiöse Krankheit, von der hauptsächlich Kinder betroffen sind. Charakteristisch für diese Infektionskrankheit ist ein Hautausschlag, der juckende rote Bläschen aufweist. In den meisten Fällen hat die Erkrankung einen positiven Verlauf.

Windpocken werden durch das Varizella-Zoster-Virus ausgelöst, das unbemerkt viele Jahre in den Nervenendigungen sistiert und später Gürtelrose verursachen kann.

Bevor eine allgemeine Varizellen-Impfempfehlung herausgebracht wurde, kam es pro Jahr zu etwa 750.000 Neuerkrankungen. Demnach sind bei mehr als 95% der Erwachsenen Antikörper gegen das Varizella-Zoster-Virus aufzufinden.

Ursachen

Windpocken werden durch das Varizella-Zoster-Virus ausgelöst, das zu der Gruppe der Herpesviren zählt. Die Erkrankung wird durch Tröpfcheninfektion, also in Form von Husten, Niesen oder Sprechen übetragen. In seltenen Fällen kommt es zu einer Ansteckung infolge von Berührungen des virushaltigen Bläscheninhalts. Eine Infektion mittels Kleidung, Spielzeug oder Bettwäsche ist ausgeschlossen, da die Viren nach etwa zehn Minuten an der Luft nicht mehr ansteckend sind.

Die Inkubationszeit bei Windpocken beträgt in etwa zwei bis drei Wochen. Es ist jedoch zu beachten, dass die Krankheit schon ein bis zwei Tage bevor die ersten Symptome auftreten, übertragbar ist. Die Gefahr der Ansteckung ist erst dann gebannt, wenn sich eine Kruste auf den Bläschen gebildet hat.

Symptome

Erste Annzeichen von Windpocken können Fieber, sowie Müdigkeit und Abgeschlagenheit sein. Der typische Hautausschlag tritt meist zuerst am Rumpf und im Bereich des Gesichts auf, bevor er später auf die beharrte Kopfhaut, sowie auf Armen und Beinen übergeht.

Mitunter können auch die Schleimhäute im Bereich des Mundes sowie die Geschlechtsorgane von Windpocken befallen sein.

Nachstehende Symptome sind charakteristisch für Windpocken:

  • Juckender Hautausschlag
  • Rötliche kleine Flecken, die binnen Stunden einen bläschenähnliche Zustand annehmen und nach ein bis zwei Tagen eine Kruste ausbilden
  •  Innerhalb von drei bis sechs Tagen kann es zu einer erneuten Ausbildung von Bläschen kommen
  • Die Zahl der Bläschen variiert dabei stark. So bilden kleine Kinder weniger Bläschen aus als ältere Menschen
  • Mitunter kann es zu Fieber kommen • Bei Kinder tritt die Erkrankung mit einem weniger starken Ausmaß auf als bei Erwachsenen

Diagnose

Die Diagnose von Windpocken lässt sich in den meisten Fällen sehr rasch erstellen, indem der Arzt eine allgemeine Befragung des Patienten durchführt (Anamnese) und das äußere Erscheinungsbild begutachtet. Dies ist gekennzeichnet durch einen sehr charakteristischen Hautausschlag, bei dem juckende Bläschen gebildet werden.

Theoretisch ist es auch möglich, Windpocken direkt anhand der Viren im Bläscheninhalt oder der vom Körper gebildeten Varizellen- Antikörper im Blut, nachzuweisen. Dies ist jedoch in den meisten Fällen nicht notwendig.

Therapie

Das Hauptziel der Behandlung bei Windpocken ist eine Linderung der Beschwerden. Dies kann in Form von kalten Umschlägen geschehen, die den Juckreiz reduzieren, oder durch juckreizstillende Medikamente, wie etwa zinkhaltige Salben, die auf die Haut aufgetragen werden.

Mitunter kann es im Anfangsstadium der Krankheit zu einem derart akuten Juckreiz kommen, dass der Betroffene keinen Schlaf findet. In diesem Fall kann die Verwendung von Antihistaminika in Erwägung gezogen werden, die auch bei allergischen Krankheiten verabreicht werden. Als Nebenwirkung kann jedoch Müdigkeit auftreten.

Kommt es zu einer Windpockeninfektion mit schwerem Verlauf, kann eine Therapie mit Virustatika helfen, wie etwa Aciclovir, die die Vermehrung der Viren blockieren. Die Gabe dieser Medikamente ist besonders ratsam, wenn der Betroffene ein geschwächtes Immunsystem hat.

Ist die Krankheit einmal ausgebrochen, sollte der Betroffene auf jeden Fall daheim bleiben, da sonst eine hohe Ansteckungsgefahr besteht. Diese ist erst gebannt, wenn alle Bläschen verkrustet sind und keine neuen mehr hinzukommen.

Folgende Faktoren sollten bei einer Windpocken- Infektion beachtet werden:

  • Die Bläschen sollten nicht aufgekratzt werden, da sonst die Möglichkeit einer bakteriellen Entzündung besteht
  • Hygiene ist während der Krankheitsdauer besonders wichtig
  • Die Umgebung sollte möglichst kühl gehalten werden, da Hitze und Schweiß den Juckreiz verstärken

Prognose

Im Normalfall heilen Windpocken ohne zutun von alleine aus. Bei Kindern verläuft der Heilungsprozess etwas schneller und dauert meist zwischen sieben und zehn Tagen, bei Erwachsenen ist mit einer etwas längeren Dauer zu rechnen.

Eine aktive Schutzimpfung gegen Windpocken ist generell zu empfehlen und wird normalerweise in den ersten zwei Lebensjahren verabreicht. Ist ein Kind dennoch nicht geimpft, ist auch ein späteres Impfen ratsam, da Windpocken im späteren Alter häufig Komplikationen verursachen können.

Erwachsenen, die in der Kindheit keine Windpocken- Infektion durchgemacht haben, sollten sich in folgenden Fällen impfen lassen:

  • Frauen, die einen Kinderwunsch haben
  • Personal, das im Gesundheitsdienst tätig ist
  • Patienten, die unter schwerer Neurodermitis oder Leukämie leiden, sowie Patienten, die unter einer immunsuppressiven Therapie und vor Organtransplantationen stehen

Hatte man bereits Windpocken, besteht eine lebenslange Immunität. Dennoch kann es später zum Auftreten einer Gürtelrose (Herpes zoster) kommen. Diese Erkrankung ist im Gegensatz zu Windpocken weniger verbreitet und betrifft hauptsächlich ältere Menschen sowie Menschen mit einer Immunschwäche.

Vorbeugen

Am besten lassen sich Windpocken durch eine Impfung vermeiden. Kinder sollten laut Impfkommission zwischen dem 11. und 14., sowie erneut zwischen dem 15. und 23. Lebensmonat, geimpft werden. Erfolgt die Impfung nicht in diesem Zeitraum, sollte sie spätestens zwischen 9 und 17 Jahren verabreicht werden.

Auch Erwachsenen sollten sich unter bestimmten Bedingungen impfen lassen. Dies betrifft vor allem Frauen mit Kinderwunsch, Menschen mit chronischen Krankheiten und Mitarbeiter des Gesundheitswesens.

Da Windpocken hoch infektiös sind, sollten Betroffene Abstand von Erkrankten halten. Hatte man dennoch Kontakt mit einer infizierten Person, kann die Impfung binnen fünf Tagen nachgeholt werden, um einen Schutz zu erreichen.

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