Auswirkung der Medikation bei Nierenschwäche

Menschlicher Nierenquerschnitt auf wissenschaftlichem Hintergrund. 3D-Illustration

Anzeige

Als Eliminationsweg sind die Nieren f√ľr viele Arzneistoffe und den menschlichen Stoffwechsel wichtig. In den USA wurde f√ľr die 200 am h√§ufigsten verordneten Arzneistoffe berechnet, dass rund ein Drittel mindestens zu 25% unver√§ndert auch wieder aus dem K√∂rper ausgeschieden wird - Niereninsuffizienz kann diesen Prozess jedoch einschr√§nken, wodurch es zu Nebenwirkungen kommen kann.

Menschlicher Nierenquerschnitt auf wissenschaftlichem Hintergrund. 3D-Illustration

shutterstock.com / crystal light

Niereninsuffizienz definiert:

Die Niereninsuffizienz (d.h. Nierenschw√§che) wird durch die eingeschr√§nkte Funktionsweise oder totales nicht-Funktionieren der Nieren definiert. Die wichtigste Aufgabe der Nieren ist es, das Blut zu filtern und zu s√§ubern. Dabei entziehen die Nieren dem Blut das √ľbersch√ľssige Wasser und toxische Metabolite (d.h. Stoffwechselprodukte), welche in weiterer Folge in Form von Urin ausgeschieden werden. Dadurch sind die bohnenf√∂rmigen Organe f√ľr die Wasser- und Salzhaushaltregulation und f√ľr die K√∂rperentgiftung lebenswichtig.¬†

Eine Schw√§che der Nieren kann unter anderem zu √Ėdemen (d.h. Wassereinlagerung im Gewebe), Bluthochdruck, St√∂rung des Nervensystems und Knochenabbau f√ľhren. Falls es zum totalen Versagen der Nieren kommt, kann nur noch eine Dialyse (d.h. Blutreinigung) oder eine Nierentransplantation f√ľr das √úberleben des Patienten sorgen. ¬†

Niere als Eliminationsweg f√ľr Arzneistoffe:

Unterschiedliche Prozesse sind am Substanz-Abbau beteiligt:

  • Passive glomerul√§re Filtration
  • Aktive Sekretion in Nierenkan√§lchen (d.h. Tubulus)
  • Tubul√§re R√ľckresorption

Die glomerul√§re Filtration ist eine sogenannte Ultrafiltration des Blutes, bei welcher der Prim√§rharn gebildet wird. Dabei gehen Stoffe mit √ľber, die frei im Blut vorliegen (d.h. nicht an Proteine gebunden sind). Die Substanzmenge dieser Ausscheidung h√§ngt daher von der Proteinbindung und von der glomerul√§ren Filtrationsrate (Kurz: GFR) ab. Mit der GFR beschreibt man die Leistungsf√§higkeit aller Nierenk√∂rperchen (d.h. Glomeruli) im Organ.¬†

Die aktive Sekretion in Nierenkan√§lchen kann mit Hilfe unterschiedlicher Transporter (z.B.: ABC-Transporter) geschehen. Auch die tubul√§re R√ľckresorption kann durch Transporter erfolgen ‚Äď jedoch prim√§r durch Diffusion. Die Niereninsuffizienz kann alle drei Abbau-Prozesse betreffen, wodurch Arzneistoffe schlechter ausgeschieden werden und zu Nebenwirkungen oder sogar Intoxikation f√ľhren k√∂nnen.¬†

Nierenschwäche in Zahlen:

Laut einer im Deutschen √Ąrzteblatt publizierten Studie zur Gesundheit von Erwachsenen in Deutschland weisen etwa 2,3% im Alter von 18 bis 79 Jahren eine beschr√§nkte Nierenfunktion auf, wobei jedoch nur 16% dieser Betroffenen in √§rztlicher Betreuung sind. Eine andere Studie in Deutschland zeigte, dass in Pflegeheimen rund zwei Drittel der Bewohner im durchschnittlichen Alter von 83,3 Jahren eine eingeschr√§nkte Nierenfunktion aufweisen ‚Äď 20% von diesen erhielt mindestens eine dauerhafte Medikation mit unpassender Dosierung oder einer Gegenindikation (d.h. eintretender Umstand, der eine diagnostische oder therapeutische Ma√ünahme verbietet).

Daraus l√§sst sich schlie√üen, dass bei einem Teil der Patienten eine Niereninsuffizienz m√∂glicherweise unbekannt oder nicht ausreichen ber√ľcksichtig wird.¬†

Bestimmung der Nierenfunktion:

Im Alltag ist eine sehr genaue Bestimmung der Nierenfunktion nicht einfach umzusetzen, da hierf√ľr sogenannte exogene Marker (d.h. Substanz, die Auskunft √ľber den biologischen Zustand gibt) die GRF (glomerul√§ren Filtrationsrate) messen m√ľssten. F√ľr die Routinediagnostik wird daher die Nierenfunktion anhand des endogenen Markers Kreatinin (d.h. Stoff, welcher f√ľr die Energieversorgung der Muskeln zust√§ndig ist) bestimmt. Gesunde Erwachsene haben meistens eine GFR von mehr als 120 ml/min, welche mit dem alter abnimmt. Von einer Nierenschw√§che ist bei einer GFR von unter 60 ml/min die Rede, wobei sich auch die Arzneimitteldosis an die glomerul√§ren Filtrationsrate orientiert. √úbliche Dosierungen finden sich bei 30 bis 60 ml/min, 15 bis 30 ml/min und unter 10 bzw. 15 ml/min ‚Äď die letzte Kategorie liegt im Bereich einer sogenannten dauerhaften Niereninsuffizienz.

Erkennen Apotheker Niereninsuffizienz?

In einer im Jahre 2015 publizierten franz√∂sischen Studie identifizierten Allgemeinapotheker Patienten mit Niereninsuffizienz lediglich nach den Kriterien: Alter √ľber 65 Jahre und Verordnung von mindestens zwei Antihypertensiva (d.h. blutdrucksenkende Arzneimittel) bzw. Antidiabetika. Durch das Erkennen solcher Patienten, k√∂nnten Apotheker m√∂glicherweise effektiver in der Selbstmedikation beratschlagen und unpassende Dosierungen korrigiert bzw. Gegenindikationen erkennen. Eine 2013 erschienene, ¬†multizentrische Beobachtungs- bzw. Querschnittsdesign-Studie untersuchte 40 spanische Apotheken und ermittelte, dass solch ein Anpassungsdienst f√ľr die Medikamentendosierung bei √§lteren Patienten mit Niereninsuffizienz, den Anteil einer angepassten Dosierung erh√∂hen und dadurch bedingte arzneimittelbezogene Probleme vermeiden kann.¬†

Gefährliche Selbstmedikation:

Als allgemeines Problem wird gesehen, dass die meisten Menschen Schmerzmittel ohne Rezeptpflicht als harmlos identifizieren. Der Mineralstoff Calcium kann unter Umst√§nden f√ľr Patienten mit eingeschr√§nkter Nierenfunktion problematisch sein, da bei einer chronischen Niereninsuffizienz mehrere Mechanismen der Calciumspiegel-Regulation beeintr√§chtigt sind. Dadurch k√∂nnen die Aufnahme durch den Magen-Darm-Trakt und auch die renale Calcium-Ausscheidung verringert sein. Folglich k√∂nnte ein m√∂glicher niedriger Calciumspiegel St√∂rungen des Knochenstoffwechsels mit erh√∂htem Osteoporose-Risiko bei chronischer Niereninsuffizienz beg√ľnstigen. Ein zu hoher Calciumspiegel kann jedoch zu Einlagerung von Calciumsalzen in den Blutgef√§√üen f√ľhren und dadurch eine m√∂gliche Atherosklerose bzw. Bluthochdruck f√∂rdern.¬†

Fazit:

Patienten mit Niereninsuffizienz sollten daher Calciumpr√§parate nur nach Absprache mit dem Arzt einnehmen und regelm√§√üige Kontrolle der Serumspiegel durchf√ľhren. Sowohl die richtige Anpassung der Dosis als auch das Meiden von Risikoarzneistoffen sind von gro√üer Signifikanz. Besonders bei √§lteren Patienten kann mithilfe genauer Beobachtung der Schmerzmittel durch die Apotheker eine komplexere Nebenwirkung oder sogar Intoxikation m√∂glicherweise vermieden werden.

Quellenangaben

  • Brunton L. L., Lazo, J. S., Parker, K. L., (ed.). The Pharmacological Basis of Therapeutics. Mc Graw Hill Education. 2010.
  • Lepist, E. I., et al. Renal transporter-mediated drug-drug interactioons: are they clinically relevant? J. Clin. Pharmacol 56. 2016. S73-S81.
  • Girndt M, Trocchi P, Scheidt-Nave C, Markau S, Stang A. The prevalence of renal failure‚ÄĒResults from the German Health Interview and Examination Survey for Adults. 2008‚Äď2011 (DEGS1). Dtsch Arztebl Int 2016. 113: 85‚Äď91. DOI: 10.3238/arztebl.2016.0085
  • Hoffmann, F., et al., Niereninsuffizienz und Medikation bei Pflegeheimbewohnern. Dtsch. √Ąrzteblatt Int. 2016.
  • Pourrat X, Sipert AS, Gatault P, Sautenet B, Hay N, Guinard F, Guegan F, Halimi JM. Community pharmacist intervention in patients with renal impairment. Int J Clin Pharm. Dez. 2015.
  • Niereninsuffizienz (Netdoktor) (abgerufen am 01.04.2021)
  • Folgen f√ľr die Medikation (Pharmazeutische Zeitung) (abgerufen am 01.04.2021)

Redaktionelle Grundsätze

Alle f√ľr den Inhalt herangezogenen Informationen stammen von gepr√ľften Quellen (anerkannte Institutionen, Fachleute, Studien renommierter Universit√§ten). Dabei legen wir gro√üen Wert auf die Qualifikation der Autoren und den wissenschaftlichen Hintergrund der Informationen. Somit stellen wir sicher, dass unsere Recherchen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren.
Danilo Glisic

Danilo Glisic
Autor

Als Biologie- und Mathematikstudent verfasst er leidenschaftlich Magazinartikel zu aktuellen medizinischen Themen. Aufgrund seiner Affinität zu Zahlen, Daten und Fakten, liegt sein Fokus dabei auf der Beschreibung von relevanten klinischen Studienergebnissen.

Letztes Update

08.03.2021

Anzeige

Teilen

Anzeige

Ihr persönlicher Arzneimittel-Assistent

afgis-Qualit√§tslogo mit Ablauf Jahr/Monat: Mit einem Klick auf das Logo √∂ffnet sich ein neues Bildschirmfenster mit Informationen √ľber medikamio GmbH & Co KG und sein/ihr Internet-Angebot: medikamio.com/ This website is certified by Health On the Net Foundation. Click to verify.
Medikamente

Durchsuche hier unsere umfangreiche Datenbank zu Medikamenten von A-Z, mit Wirkung und Inhaltsstoffen.

Wirkstoffe

Alle Wirkstoffe mit ihrer Anwendung, chemischen Zusammensetzung und Arzneien, in denen sie enthalten sind.

Krankheiten

Ursachen, Symptome und Behandlungsm√∂glichkeiten f√ľr h√§ufige Krankheiten und Verletzungen.

Die dargestellten Inhalte ersetzen nicht die originale Beipackzettel des Arzneimittels, insbesondere im Bezug auf Dosierung und Wirkung der einzelnen Produkte. Wir k√∂nnen f√ľr die Korrektheit der Daten keine Haftung √ľbernehmen, da die Daten zum Teil automatisch konvertiert wurden. F√ľr Diagnosen und bei anderen gesundheitlichen Fragen ist immer ein Arzt zu kontaktieren. Weitere Informationen zu diesem Thema sind hier zu finden