Kann der Verzehr von rotem Fleisch das Darmkrebsrisiko erhöhen?

Variety of Raw Black Angus Prime Fleisch Steaks Machete, Blade auf Knochen, Striploin, Rib eye, Tenderloin Filet Mignon auf Holzbrett Kopienraum

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Als eine der drei h√§ufigsten Krebsarten global verzeichnet Darmkrebs bei 20 bis 50-J√§hrigen in den letzten Jahren einen kontinuierlichen Anstieg. Nun ist laut einer unl√§ngst publizierten Studie ein m√∂glicher Zusammenhang zwischen dem Karzinom und dem √ľberm√§√üigen Verzehr von rotem Fleisch gefunden worden.

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shutterstock.com / Natalia Lisovskaya

Darmkrebs:

Darmkrebs, oder auch kolorektales Karzinom genannt, ist ein bösartiger Tumor des Dickdarms (d.h. Kolonkarzinom) oder Mastdarms (d.h. Rektumkarzinom), welcher meistens aus gutartigen Darmpolypen entsteht. Sogenannte Darmpolypen sind Vorwölbungen unserer Darmschleimhaut. Während diese Vorstufen des Karzinoms im Anfangsstadium noch gutartig sind, wachsen sie sehr langsam und können sich meistens innerhalb von 10 bis 15 Jahren zum Tumor entwickeln. Bei einer Darmspiegelung können diese durch Zufall entdeckt und dementsprechend vom Arzt entfernt werden, damit sie nicht zum genannten Krankheitsbild entarten. 

Inzidenz in der DACH-Region: 

In Deutschland ist dies bei Frauen die zweith√§ufigste und bei M√§nnern die dritth√§ufigste Krebsart. In √Ėsterreich ist Darmkrebs ebenso mit 11% die zweith√§ufigste Krebserkrankung bei Frauen und mit 13% die dritth√§ufigste bei M√§nnern. Ein √§hnliches Bild zeigt sich in der Schweiz: 6% der M√§nner (dritth√§ufigste Krebsart) und 3,7% der Frauen (zweith√§ufigste Krebsart) erkranken hier w√§hrend ihres Lebens am Kolonkarzinom.

Bemerkung: An erster und zweiter Stelle bei Männern liegt Lungen- und Prostatakrebs, während bei Frauen Brustkrebs an erster Stelle ist. 

Da sich Darmkrebs langsam entwickelt, machen sich auch lange Zeit keine Beschwerden sichtbar. Mögliche Anzeichen wären unter anderem: Blut im Stuhl, ungewollter Gewichtsverlust und Blutarmut.

Studien√ľbersicht:

Die im Jahr 2020, im Fachjournal Cell Death & Disease, publizierte Studie untersuchte die organische Verbindung ‚ÄěH√§m-Eisen‚Äú, welche im Verdacht steht, f√ľr die krebsf√∂rdernde Wirkung Verantwortung zu tragen. Diese Eisenverbindung ist in diesem Zusammenhang deswegen wichtig, da sie als zentraler Stoff im Myoglobin (d.h. Muskelprotein; verantwortlich f√ľr den Sauerstofftransport) von rotem Fleisch f√ľr dessen rote Farbe verantwortlich ist. Das Forscherteam der TU Kaiserslautern (DE) (in Zusammenarbeit mit der Universit√§t Konstanz und Universit√§t Potsdam) konnte ebendiese toxische Wirkung des H√§m-Eisen in gesunden Darmzellen und in entarteten Darmkrebszellen untersuchen.¬†

Zun√§chst konnte gezeigt werden, dass die organische Eisenverbindung in physiologisch relevanten Konzentrationen, wie sie auch im menschlichen Darm auftreten k√∂nnen, die Bindung von sogenannten Sauerstoffradikalen (d.h. Sauerstoff-enthaltene Molek√ľle) f√∂rdert und in weiterer Folge unsere DNA sch√§digt. Dadurch f√ľhrt das H√§m-Eisen zum Absterben der gesunden Darmzellen. Dies konnte auch in Organoiden (d.h. im Labor hergestellte, den Organen √§hnliche Gewebst√ľcke) aus normalem Darmgewebe bewahrheitet werden.

So k√∂nnte die Eisenverbindung nach dem Fleischverzehr durch die Magens√§ure vom Myoglobin getrennt werden und √ľber bestimmte Transportproteine geleitet von den Schleimhautzellen aufgenommen werden.¬†

Häm-Eisen unter die Lupe genommen:

Die zellul√§re Ebene wurde im weiteren Studienverlauf untersucht und konnte zeigen, dass H√§m-Eisen einen bestimmten Mechanismus aktiviert, wodurch in Darmzellen das Enzym H√§moxygenase 1 (Kurz: HO-1) produziert wird. Dieses Enzym dient als Schutzfaktor, da es f√ľr den Abbau von H√§m-Eisen zu anorganischem Eisen und weiteren Produkten verantwortlich ist. Im Menschlichen K√∂rper k√∂nnen die Zellen dadurch die Sch√§den an der DNA begrenzen.

Die Studie untersuchte zusätzlich die toxische Wirkung von anorganischem Eisen, bei welchem es im Gegensatz zu organischen Eisen kaum zur Bildung der Sauerstoffradikale kommt. 

Die Rolle von HO-1 wurde mithilfe pharmakologischer und molekulargenetischer Methoden genauer untersucht. Dabei wurde die Produktion von HO-1 dementsprechend deaktiviert, wodurch die Konzentration der Sauerstoffradikale deutlich anstieg. Folglich f√ľhrte dies zu vermehrten DNA-Sch√§den und Zelltod. ¬†

Kausalität:

Diese Untersuchung zeigt, dass freies H√§m-Eisen in menschlichen Zellen toxische Wirkung entfaltet und das in Darmzellen beheimatete Enzym HO-1 dabei eine signifikante sch√ľtzende Funktion besitzt. Dadurch k√∂nnte es m√∂glicherweise, als Bestandteil von rotem Fleisch, die Entstehung von Darmkrebs bei Menschen beg√ľnstigen.¬†

Redaktionelle Grundsätze

Alle f√ľr den Inhalt herangezogenen Informationen stammen von gepr√ľften Quellen (anerkannte Institutionen, Fachleute, Studien renommierter Universit√§ten). Dabei legen wir gro√üen Wert auf die Qualifikation der Autoren und den wissenschaftlichen Hintergrund der Informationen. Somit stellen wir sicher, dass unsere Recherchen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren.
Danilo Glisic

Danilo Glisic
Autor

Als Biologie- und Mathematikstudent verfasst er leidenschaftlich Magazinartikel zu aktuellen medizinischen Themen. Aufgrund seiner Affinität zu Zahlen, Daten und Fakten, liegt sein Fokus dabei auf der Beschreibung von relevanten klinischen Studienergebnissen.

Letztes Update

05.11.2020

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