Kann eine ganzheitliche Ernährung Patienten mit Speiseröhrenkrebs helfen?

3D Illustrierung einer Speiseröhre als Röntgen mit einer Detailansicht eines Tumors.

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Während Speiseröhrenkrebs in westlichen Ländern ein seltenes Vorkommen ist, steigt die Zahl der Neuerkrankungen seit den 1980er-Jahren stetig. Dies wird auf Faktoren wie übermäßiges Essen, Alkoholkonsum und Nikotinkonsum zurückgeführt. Da Unterernährung häufig zu Komplikationen für Patienten mit dieser Krebserkrankung führen kann, analysierten Forscher nun, ob eine ganzheitliche Ernährungsweise vorteilhaft sein kann.

3D Illustrierung einer Speiseröhre als Röntgen mit einer Detailansicht eines Tumors.

shutterstock.com / Kateryna Kon

Speiseröhrenkrebs:

Speiseröhrenkrebs, Fachsprachlich auch Ösophaguskarzinom genannt, ist eine Krebserkrankung im Bereich der Speiseröhre und am Übergang von der Speiseröhre zum Magen. Global wurden im Jahr 2012 etwa mehr als 80 % der mit Speiseröhrenkrebs identifizierten Todesfälle in Entwicklungsländern, insbesondere am chinesischen Festland, gemeldet.

Dabei geht man davon aus, dass ungünstiger Lebensstil, geprägt durch übermäßigen Alkohol- und Nikotinkonsum, sowie übermäßiges Essen, ein möglicher Faktor für die zunehmen Erkrankungsfälle in westlichen Ländern sein könnten. Dies könnte auch eine Refluxkrankheit begünstigen (d.h. Magensaft gelangt in die Speiseröhre und schädigt die Schleimhaut), welche an der Entwicklung eines Adenokarzinoms (d.h. Subtyp von Speiseröhrenkrebs) mitwirkend ist. 

Dabei führt eine Mangelernährung häufig zu Komplikationen bei Patienten mit Speiseröhrenkrebs. Forscherinnen und Forscher aus der im Jahr 2020 publizierten Studie gehen davon aus, dass eine ganzheitliche Ernährungsweise dazu beitragen könnte, solche Beeinträchtigungen zu minimieren.

Zwischen 40 bis 80 % aller Krebspatienten leidet unter einer Mangelernährung, welche bei Patienten mit Speiseröhrenkrebs mit 67-80 % am höchsten ist. Eine Radiochemotherapie (d.h. Kombination aus Strahlentherapie und Chemotherapie) ist laut Forschern das signifikanteste Mittel zur Behandlung dieses Karzinoms geworden. Dabei kann eine Mangelernährung viele negative Auswirkungen besitzen, wie z.B. eine erhöhte Behandlungstoxizität, verlängerten Krankenhausaufenthalt oder eine kurzfristig erhöhte Rückübernahmequote.

Untersuchung in Henan:

Da wenige Belege bezüglich Wirkung der Ernährungsweise bei Patienten mit Speiseröhrenkarzinom existieren, untersuchten die forschenden Personen die Effizienz einer ganzheitlichen Ernährungsweise auf die Prognose bzw. Komplikationen der Radiochemotherapie im Rahmen einer kontrollierten Studie. Die im Jahr 2020, im Fachjournal Nutrition publizierte, randomisierte Studie analysierte hierfür 96 Patientinnen und Patienten mit Speiseröhrenkrebs (mit Radiochemotherapie) im Henan-Krebskrankenhaus der Universität Zhengzhou im Zeitraum von April 2017 bis März 2018.

Studienteilnehmer wurden in der Reihenfolge ihrer Krankenhaus-Aufnahme nummeriert und mit schriftlicher Einwilligung randomisiert in zwei Gruppen eingeteilt. Dabei waren die Einschlusskriterien wie folgt:

  • Mindestens 18 Jahre alt
  • Indikationen für eine gleichzeitige Radiochemotherapie wurden erfüllt
  • Keine schwerwiegenden kardiovaskulären bzw. zerebrovaskulären Erkrankungen (d.h. atherosklerotische Veränderung der arteriellen Hirngefäße) 

Dabei mussten die Studienteilnehmer bei Bewusstsein sein, keine Probleme bei der Kommunikation zeigen, ohne äußerer Hilfe gehen und eine Einverständniserklärung unterschreiben. 

Ausschlusskriterien waren unter anderem: 

  • Organtransplantation
  • Gleichzeitiges auftreten anderer bösartiger Erkrankungen, Leber- bzw. Nierenfunktionsstörung
  • Endokrine Erkrankungen, Stoffwechselerkrankungen bzw. andere Erkrankungen des Verdauungstrakts

Während die Interventionsgruppe in einem Zeitfenster von 6 Wochen mit einer ganzheitlichen Ernährungsweise durch ein „Nutrition Support Team“ behandelt wurde, bekamen Studienteilnehmer der Kontrollgruppe in diesem Zeitraum eine allgemeine Ernährungsmethode. Das Ernährungsmodell der Interventionsgruppe wurde von einer Ernährungsberaterin und einem Onkologen gemeinsam entwickelt. Die Kontrollgruppe ernährte sich von einer allgemeinen Nahrungsergänzung mit Eiweiß, Fett, Kohlenhydraten, Ballaststoffe, Mineralien und essenzielle Vitamine. 

Ab Studienbeginn wurde jede Woche vor der Entlassung die subjektiv empfundene Gesamtbewertung analysiert, sowie der Blutindex, Lebensqualität und psychologischer Zustand der Patienten. 

Mögliche Komplikationen wie Strahlenösophagitis (d.h. Speiseröhrenentzündung), Abschlussrate der Therapie und klinische Resultate wurden von den Forscherinnen und Forschern gemessen.

Signifikante Studienergebnisse:

Von den 96 Studienteilnehmern haben 45 aus der Interventionsgruppe und 40 aus der Kontrollgruppe diese abgeschlossen. Während der ganzen Studiendauer zeigten sich signifikante Unterschiede in den Serumalbumin und Gesamteiweiß-änderungen. Das Serumalbumin zeigt die Konzentration des Plasmaproteins Albumin im Blutserum, welches eine eventuelle mangelnde Eiweißbildung im Bereich der Leber zeigen oder einen Eiweißverlust die Niere betreffend hervorheben kann. Auch die Analysierten Komplikationen und Lebensqualität waren vor und nach der Studienphase signifikant unterschiedlich.

Fazit:

Die Studienergebnisse der Analyse deuten drauf hin, dass ein ganzheitlicher, von Ernährungsberaterinnen und Onkologen erstellter Ernährungsplan während der Phase einer Radiochemotherapie, den Ernährungszustand von Patienten mit Speiseröhrenkarzinom aufrechterhalten bzw. sogar bessern könnte. Dabei wurde der Schweregrad der Strahlenösophagitis minimiert, Lebensqualität und depressive Symptome verbessert. Um die dynamischen Änderungen dieser Indikatoren genau analysieren zu können und die Bedeutung der Ernährung bei Patientinnen und Patienten mit solcher Karzinomart und Radiochemotherapie besser zu verstehen, sind mehr größere, randomisierte longitudinale, kontrollierte, klinische Studien erforderlich. 

Autor

Danilo Glisic

Letztes Update

12.05.2022

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