Verbessert Mifepriston die Insulinempfindlichkeit bei Insulinresistenz?

Eine hell gekleidete Person benutzt einen Insulin-Pen, blauer Hintergrund.

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In Deutschland werden mit Diabetes Typ-2 erkrankte Menschen auf etwa 8 Millionen gesch√§tzt ‚Äď also etwa 10 % der Bev√∂lkerung, ohne Dunkelziffer. Dabei verzeichnen einige davon eine Insulinresistenz. Daher untersuchten Forscher unl√§ngst, ob Mifepriston diese Resistenz bei adip√∂sen Personen mit Glukoseintoleranz bessern kann.

Eine hell gekleidete Person benutzt einen Insulin-Pen, blauer Hintergrund.

Artem Podrez

Insulinresistenz:

Die Insulinresistenz ist durch die Aussch√ľttung von Insulinantagonisten (d.h. Hemmen die Wirkung) w√§hrend der Nacht am fr√ľhen Vormittag am h√∂chsten. Im Laufe des Tages entsteht am sp√§ten Nachmittag ein zweiter, etwas schw√§cherer Anstieg der Insulinresistenz. Bei einer Insulinresistenz reagieren die eigenen K√∂rperzellen (vor Allem im Bereich der insulinabh√§ngigen Organe) auf das Hormon Insulin im Vergleich zu Personen ohne Insulinresistenz weniger. ¬†Das Hormon wird von sogenannten Betazellen in der Pankreas erzeugt und bei Notwendigkeit in das Blut verteilt. Dort sorgt es, dass der Zucker (d.h. Glukose) im Blut in die K√∂rperzellen gelangt, um Energie zu gewinnen. Bei Diabetes Typ 2 produziert zu Beginn die Bauchspeicheldr√ľse noch genug Insulin, wobei K√∂rperzellen in der Muskulatur, Leber und dem Fettgewebe weniger empfindlich darauf reagieren. Dadurch verringern sich die Bindungsstellen f√ľr Insulin an den Zelloberfl√§chen. Dieser Zustand wird daher auch als Insulinresistenz bezeichnet. In weiterer Folge wird durch den relativen Insulinmangel noch mehr Insulin produziert.

In diesem Zusammenhang ist Cortisol ein signifikanter Regulator des Glukose- und Fettstoffwechsels. Wichtige Hormone dabei sind Glukokortikoide, welche im Glukosestoffwechsel die Umwandlung von Eiweiß in Glukose und Glykogen fördert. Des Weiteren beeinträchtigt das Hormon die Insulinsekretion und Insulinsensitivität durch Wirkung bei bestimmten Rezeptoren (d.h. Glukokortikoid-Rezeptors), welche in fast allen Körperzellen zu finden sind. Das in der Studie untersuchte Mifepriston ist dabei ein Antagonist, welcher die Glukosetoleranz und Insulinsensitivität verbessern könnte, indem diese Rezeptoren blockiert werden.

Mifepriston gegen Insulinresistenz:

Die, in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift The Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism im Jahr 2021 publizierte, prospektive, randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Crossover-Studie untersuchte dabei adip√∂se Personen mit Glukoseintoleranz. Dabei wurden die Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmer (in Folge: Studienteilnehmer) nach Zufall in zwei Gruppen eingeteilt. W√§hrend die Interventionsgruppe Mifepriston in 50 mg Kapseln alle 6 Stunden bekommen hat, nahm die Kontrollgruppe ein Placebo im selben Intervall √ľber 9 Tage verteilt. Die geringe Dosis von Mifepriston wurde verwendet, um eine m√∂gliche Nebenniereninsuffizienz zu vermeiden. Die Behandlungsphase wurde mit einer Auswaschphase von 6 bis 8 Wochen unterbrochen, um danach die Behandlung f√ľr weitere 9 Tage in der anderen Gruppe fortzuf√ľhren, wodurch die Studiengruppe auch zur Kontrollgruppe gewechselt hat. Die Studienteilnehmer wurden im klinischen Zentrum der National Institutes of Health in den USA untersucht. Das prim√§re Endziel war eine √Ąnderung der Insulinempfindlichkeit.

Einschlusskriterien waren:

  • M√§nner und Frauen im Alter von 35 bis 70 Jahren
  • BMI-Wert von 25 bis 37 kg/m^2
  • Pr√§diabetes bzw. leichter Diabetes vor Studienbeginn

Ausschlusskriterien:

  • Cushing-Syndrom (d.h. erh√∂hter Cortisolspiegel im Blut)
  • Mehr als 2 (weiblich) bzw. 3 (m√§nnlich) alkoholische Getr√§nke pro Tag
  • Schwangere und stillende Frauen
  • Einnahme von blutzuckersenkenden Wirkstoffen in den letzten 3 Monaten vor Studienbeginn
  • Unkontrollierter Bluthochdruck
  • Nicht stabile gesundheitliche Konditionen (z.B.: schwere Ateminsuffizienz)
  • Stark erh√∂hte Leberfunktionstests
  • Schwere Nierenst√∂rungen
  • Und √Ąhnliches

Dabei hielten alle Teilnehmer eventuelle Nebenwirkungen fest und meldeten diese dem Studienpersonal. Zwei Wochen vor der Interventionsphase sollten die teilnehmenden Personen keine neuen Di√§ten beginnen. Nach beiden Behandlungsphasen kehrten die Probanden nach ca. 1 Woche und nach 3 Wochen f√ľr eine Sicherheits√ľberpr√ľfung wieder zur√ľck. Hier wurden Nieren- und Leberfunktion gemessen, das Blutbild untersucht und eventuelle Nebenwirkungen behandelt.

Reduzierte Insulinresistenz:

Eine Einnahme von Mifepriston √§nderte die Glukoseverf√ľgbarkeit der Insulinempfindlichkeit nicht und hatte keinen Einfluss auf die Insulinproduktion. Dabei wurden durch die Blockade der spezifischen Rezeptoren (d.h. Glukokortikoid-Rezeptoren) die Werte f√ľr die Insulinempfindlichkeit im Fettgewebe signifikant verbessert und die Insulinresistenz des Fettgewebes im N√ľchternzustand reduziert.

Fazit:

Jedoch verzeichnete die Studie laut Forschern bestimmte Beschr√§nkungen. Da die Anzahl der Probanden nicht hoch war, k√∂nnten andere bestimmte Einfl√ľsse von Mifepriston m√∂glicherweise √ľbersehen werden. Auch durch die recht kurze Interventionsphase lassen sich keine konkreten R√ľckschl√ľsse auf eine langfristige Wirkung von Mifepriston bei Gewicht, Nebenwirkungen und Blutzuckerkontrolle machen. Aufgrund der Studienergebnisse k√∂nnte eine kurzzeitige Therapie mit Mifepriston die Insulinsensitivit√§t des Fettgewebes bei adip√∂sen Personen mit Pr√§diabetes bzw. Typ-2-Diabetes verbessern. Dabei haben die Forschenden den Glukokortikoid-Rezeptoren eine Schl√ľsselrolle bez√ľglich Insulinresistenz zugeteilt, was eventuell neue Zielsetzungen in therapeutischen Behandlungen bei Insulinresistenz bietet.

Redaktionelle Grundsätze

Alle f√ľr den Inhalt herangezogenen Informationen stammen von gepr√ľften Quellen (anerkannte Institutionen, Fachleute, Studien renommierter Universit√§ten). Dabei legen wir gro√üen Wert auf die Qualifikation der Autoren und den wissenschaftlichen Hintergrund der Informationen. Somit stellen wir sicher, dass unsere Recherchen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren.
Danilo Glisic

Danilo Glisic
Autor

Als Biologie- und Mathematikstudent verfasst er leidenschaftlich Magazinartikel zu aktuellen medizinischen Themen. Aufgrund seiner Affinität zu Zahlen, Daten und Fakten, liegt sein Fokus dabei auf der Beschreibung von relevanten klinischen Studienergebnissen.

Letztes Update

27.06.2022

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