Besteht ein Zusammenhang zwischen Sehstörungen und depressiven Symptomen?

Eine Geschäftsfrau am Arbeitsplatz im Büro massiert Ihre Augenlider um sich zu entspannen.

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Laut Stiftung Deutsche Depressionshilfe erfahren ungefähr 25 % der Frauen und 12,5 % der Männer im Laufe ihres Lebens eine Depression. Eine unlängst publizierte Studie nennt in diesem Zusammenhang eine Sehstörung im mittleren Lebensalter als möglichen Risikofaktor für eine depressive Erkrankung – die Analyse wurde im Rahmen der SWAN-Studie seit den 90ern an Frauen in ihren Wechseljahren durchgeführt.

Eine Geschäftsfrau am Arbeitsplatz im Büro massiert Ihre Augenlider um sich zu entspannen.

shutterstock.com / fizkes

Visuelle Einschränkung bei Frauen:

Sehstörungen zählen je nach Ursache zu pathologischen Änderungen der visuellen Wahrnehmung. Diese können sich als abnehmende Sehschärfe, Augenflimmern, Blitzen, Sichtfeldeinschränkungen bzw. temporäre Erblindung äußern. Obwohl sich verminderte optische Wahrnehmung auf die körperliche Gesundheit negativ auswirkt, ist die Korrelation mit depressiven Symptomen bei Erwachsenen 40 bis 65-jährigen noch nicht erforscht worden. Auswertungen zeigen, dass besonders Frauen in diesem Altersabschnitt - verglichen mit anderen Altersgruppen - die höchste Anzahl an Fällen von depressiven Erkrankungen aufweisen. Des Weiteren besitzen Frauen eine höhere Rate an Depressionsfällen als Männer. Neue Analysen geben Hinweise dazu, dass eine verminderte Sehstärke in diesem Lebensalter mit einem höheren Risiko für eventuelle Symptome einer depressiven Erkrankung in Verbindung steht. Zu erwähnen ist, dass viele dieser Erkrankungen, welche die optische Wahrnehmung beeinträchtigen, vor dem mittleren Lebensalter auftreten. Dazu gehören sowohl korrigierbare Brechungsfehler und Katarakte, als auch schwerwiegendere Erkrankungen wie Glaukom, diabetische Retinopathie, hypertensive Retinopathie oder Makuladegeneration.

Die in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Menopause publizierte Studie hat in diesem Zusammenhang den Einfluss der Sehkraft auf depressive Symptome in der weiblichen Altersgruppe bei 40 bis 65-Jährigen untersucht. Die analysierten Daten beruhen dabei auf die an mehreren Standorten durchgeführte, epidemiologische Längsschnittstudie Study of Women´s Health Across the Nation, kurz SWAN-Studie. 

Die Relevanz der Untersuchung ergibt sich aus der hohen Prävalenz von Depression global – Der Depressions-Report des österreichischen Sozialministeriums spricht von rund 6,5 % der erwachsenen österreichischen Bevölkerung.

SWAN-Studie:

Die SWAN-Studie hat die körperlichen, biologischen, psychologischen und sozialen Veränderungen während der mittleren Lebensphase untersucht. Dabei wurden Frauen mittleren Alters am Beginn ihrer Wechseljahre seit Ende der 90er Jahre begleitet, um den Einfluss der hormonellen Änderungen auf die körperliche und mentale Gesundheit zu untersuchen. Dies soll nicht nur Wissenschaftler und Personen im Gesundheitswesen unterstützen, sondern ist auch für die Gesundheit und Lebensqualität von Frauen signifikant. 

Unterstützt wurde die Analyse vom National Institute on Aging (Kurz: NIA), dem National Institute of Nursing Research (NINR), dem National Institutes of Health (NIH), dem Office of Research on Women's Health und dem National Center for Complementary and Alternative Medicine.

Dabei wurde bei sechs aufeinanderfolgenden, beinahe Jährlichen Nachuntersuchungen die Sehschärfe für die Ferne (d.h. Fernvisus) analysiert. Dabei wurde Sehstörung entweder als leicht (20/30 – 20/60) oder mittelschwer (20/70 oder schlechter) beschrieben. Patientinnen wurden zusätzlich bei jedem Besuch auch auf depressive Symptome mithilfe einer Depression Scale bewertet. Um die Assoziation zwischen den Sehstörungen und depressiven Symptomen zu analysieren, wurden statistische Analyseverfahren mit Schätzgleichungen verwendet. Schwerpunkte der Untersuchung waren altersspezifische Risikofaktoren für Depressionen, welche bei Frauen häufiger sind als bei Männern.

Resultate:

Die Ergebnisse zeigten, dass ein signifikanter Längsschnitt-Zusammenhang zwischen leichter bzw. mittelschwerer visuellen Einschränkung und späteren depressiven Symptomen bei Frauen in dieser Altersgruppe existiert. 53,5 % der untersuchten Frauen hatte eine leichte Sehschwäche und 8,0 % eine mittelschwere. Die Ergebnisse zeigten eine 2,55-fache höhere Wahrscheinlichkeit, dass diese Frauen bei der nächsten Untersuchung depressive Symptome aufzeigen, als Frauen in der gleichen Altersgruppe ohne Sehstörungen. Dabei wurden folgende Faktoren berücksichtigt: Alter, Herkunft, vorherrschenden depressiven Symptomen, Bildung, Ökonomischer Status, BMI und Rauchverhalten.

Bei einer weiteren Datenanpassung mit der Inkludierung von Diabetes, Bluthochdruck und Osteoarthritis als Faktoren waren die Zusammenhänge nicht mehr statistisch signifikant.

Fazit:

Sehstörungen waren bei Frauen in der Altersgruppe 40 bis 65 Jahren mit einem erhöhten Risiko für nachfolgende depressive Symptome verbunden. Forscher der Longitudinalanalyse weisen darauf hin, dass eine frühzeitige Erkennung und Korrektur von Sehstörungen ein signifikanter Schritt für die Aufrechterhaltung psychischer Gesundheitszustände von Frauen in dieser Altersgruppe sind. Visuelle Einschränkungen könnten sich negativ auf den psychischen Zustand einer Person auswirken und dadurch eventuell langfristig psychische Störungen begünstigen. Da viele Seheinschränkungen behandelbar sind, könnte eine Behandlung bei einem Optiker bzw. Augenarzt möglicherweise einen positiven Effekt bewirken und dadurch einen nachhaltigen psychischen Gesundheitszustand bei Frauen in der Lebensmitte erhalten. 

Bemerkung:

Depression kann eine schwere seelische Erkrankung sein, die in jeder Altersgruppe zu finden ist. Falls sie bei Ihnen selbst oder einer angehörigen Person bzw. Bekannten einen Verdacht auf depressive Symptome haben, sollten sie nicht abwarten, Hilfe zu suchen. Daher finden Sie im unteren Link (nicht gesponsert) eine Datenbank für den Raum Österreich, um je nach Bundesland und Kategorie spezialisierte Unterstützung zu finden.

Bündnis Depression: Hilfsangebote in Österreich 

Autor

Danilo Glisic

Letztes Update

14.04.2022

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