Akute myeloische Leukämie (AML)

Akute myeloische Leukämie (AML)
Internationale Klassifikation (ICD) C92.-

Grundlagen

Leuk√§mie ‚Äď eine Diagnose, die wohl jeden im ersten Moment schockiert, auch wenn es in den letzten Jahren entscheidende Erfolge bei der Entwicklung von wirksameren Behandlungsmethoden gegen den Blutkrebs gab.

Die Prognose hängt aber sehr stark von der jeweiligen Form der Leukämie ab. Grundsätzlich unterscheidet man in eine akute lymphatische Leukämie (ALL) und eine akute myeloische Leukämie (AML). Während von der ALL vor allem Kinder betroffen sind, sind unter den Patienten mit AML 80% Erwachsene.

Definition der akuten myeloischen Leukämie

Wenn man den Namen der Erkrankung genau √ľbersetzt, wei√ü man schon, worum es sich handelt. Die Bezeichnung ‚ÄěLeuk√§mie‚Äú verr√§t einerseits, dass Leukozyten (wei√üe Blutk√∂rperchen) ver√§ndert sind, weswegen diese vermehrt im Blut (-√§mie) zu finden sind. Der Zusatz myeloisch gibt an, dass die myeloische Reihe der Blutbildung betroffen ist. Aus dieser gehen spezielle Formen der Leukozyten hervor, wie zum Beispiel die so genannten Granulozyten und die Monozyten. Beide tragen wesentlich zur Immunabwehr des K√∂rpers bei.

Die akute myeloische Leukämie ist also eine bösartige Erkrankung der Blutbildung, bei der vermehrt myeloische Zellen und deren Vorstufen gebildet und aus dem Knochenmark ausgeschwemmt werden. Dadurch sind nicht nur funktionslose Vorstufen im Blut vorhanden, sondern es werden auch andere Blutzellen in ihrer Entwicklung gestört.

Verbreitung der akuten myeloischen Leukämie

Die AML ist mit etwa drei Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner pro Jahr eine sehr seltene Erkrankung. Sie betrifft vor allem Menschen im fortgeschrittenen Lebensalter. Dabei sind Männer etwas häufiger betroffen als Frauen. Neben alten Menschen leiden aber auch Neugeborene und Säuglinge meistens an einer AML, wenn sie eine Leukämie ausbilden.

Ursachen

Die Ursachen f√ľr Krebserkrankungen sind meist sehr vielf√§ltig, und man kann kaum zuordnen, welcher Faktor f√ľr eine Erkrankung ausschlaggebend war. Denn es ist immer ein ganzes Netzwerk von Umst√§nden, Vorbelastungen und Sch√§digungen, die schlussendlich dazu f√ľhren, dass man an einer Leuk√§mie erkrankt.

Genetische Veranlagung

Auch wenn die genaue Entstehung der Leukämie immer noch nicht bis ins Detail erforscht ist, kann gesagt werden, dass gewisse genetische Erkrankungen die Entwicklung von Leukämie erleichtern. Dazu gehört zum Beispiel die Trisomie 21 (das Down-Syndrom) oder das Fanconi-Syndrom.

Leukämie durch Strahlenschäden

Bei der Leukämie spielt auch ionisierende Strahlung eine nicht zu unterschätzende Rolle. Deswegen sollte man unbedingt vermeiden, sich unnötig vielen Strahlen auszusetzen. Dabei sind hier nicht Handy-Strahlung oder Mikrowellen gemeint, nein, es geht vor allem um Röntgenstrahlen und radioaktiver Strahlung. Beide können die Zellen und deren Bauplan so verändern, dass die Blutstammzellen sich unkontrolliert teilen und eine Leukämie entsteht.

Wie Viren Krebs auslösen können

Auch wenn es auf den ersten Blick abwegig klingen mag, Leukämie kann auch von Viren verursacht werden. Dabei gibt es einerseits spezielle Viren, die bei einer Infektion den Krebs direkt auslösen, andererseits können aber auch viele unspezifische Viren dabei helfen, dass sich eine Zelle bösartig entartet.

Denn jeder Virus braucht eine Zelle, um sich vermehren zu k√∂nnen. Eine gesunde Zelle hat jedoch eigene Sicherheitssysteme, die zu h√§ufige Zellteilung verhindern. Denn mit jeder Teilung besteht nat√ľrlich die Gefahr, dass beim Abschreiben des Erbgutes ein Fehler passiert, was dann zu einer Fehlfunktion oder zur unkontrollierten Teilung f√ľhren kann. Viele Viren versuchen diese Sicherheitssysteme au√üer Kraft zu setzen, um sich selbst besser vermehren zu k√∂nnen. Und dadurch erleichtern sie auch die Entstehung von Krebs.

Weitere Faktoren zur Leukämieentstehung

Zudem können auch chemische Substanzen wie Benzol, diverse Medikamente oder vorherbestehende hämatologische Erkrankungen dabei mitwirken, dass eine Leukämie ausgebildet wird.

Symptome

Die AML ist eine Erkrankung des blutbildenden Systems und wirkt sich deswegen auch auf den gesamten Organismus aus. Die Krankheitssymptome sind daher sehr vielseitig und von Person zu Person unterschiedlich. Nahezu alles kann auf eine Leukämie hinweisen, aber es gibt kaum eindeutige Symptome.

Anämie durch Verdrängung

H√§ufig kommt es zur Ausbildung einer An√§mie, das ist ein Mangel an roten Blutk√∂rperchen. Deren Bildung wird n√§mlich durch die entarteten wei√üen Blutk√∂rperchen verdr√§ngt. Dadurch kann schlussendlich weniger Sauerstoff transportiert werden, was zu Atemnot, Schw√§che und Bl√§sse f√ľhrt.

Schmerzen in Knochen und Bauch

Schmerzen, die ohne konkrete Ursache auftreten, k√∂nnen auch von einer Leuk√§mie stammen. Auch hier spielt die √ľberschie√üende Bildung von Lymphozyten im Knochenmark, und die vermehrte Arbeit in Milz und Leber eine gro√üe Rolle.

Weitere Symptome

Neben diesen eher typischen Zeichen kann es aber auch zu Hautveränderungen, Nachtschweiß, Gewichtsverlust, Hämatome, Hauteinblutungen, vermehrten Infekten, Kopfschmerzen und neurologischen Defiziten kommen. Im Grunde kann also alles Mögliche auf eine Leukämie hinweisen, weswegen es wichtig ist, dass man schon beim geringsten Hinweis einen Arzt aufsucht.

Diagnose

Wie gerade er√∂rtert worden ist, ist die Symptomatik kein hinreichender Hinweis auf das Vorliegen einer AML. Anstatt dessen m√ľssen noch weitere Tests durchgef√ľhrt werden. So wird in einer k√∂rperlichen Untersuchung vor allem auf Vergr√∂√üerung von Leber, Milz oder Lymphknoten Wert gelegt.

Laborwerte

Einen guten Hinweis k√∂nnen die Laborwerte liefern, auch wenn es hier oftmals nicht sehr typische Ver√§nderungen gibt. So k√∂nnen die Leukozyten erh√∂ht, erniedrigt oder auch im Normalbereich sein. Die roten Blutk√∂rperchen und Blutpl√§ttchen k√∂nnen vermindert sein, m√ľssen es aber nicht. Das gleiche gilt f√ľr Leber- und Nierenwerte, Elektrolyte und Gerinnungsfaktoren. Einen wirklich konkreten Hinweis liefern nur die sogenannten blast√§ren Vorstufen, die im Blut eigentlich gar nicht zu finden sein sollten. Diese werden nur aus dem Knochenmark ausgesch√ľttet, wenn eine Leuk√§mie vorliegt.

Knochenmarkspunktion

Auch wenn diese √§u√üerst unangenehm ist, muss eine Knochenmarkspunktion durchgef√ľhrt werden, um die Diagnose zu sichern. Das entnommene Material wird dann von speziellen Labors genauestens untersucht, um auch den jeweiligen Typ der Leuk√§mie feststellen zu k√∂nnen.

Weitere Zusatzuntersuchungen

Um die Diagnose weiter zu erh√§rten und vor allem um festzustellen, welche Organe von der Leuk√§mie bereits betroffen sind, werden R√∂ntgenaufnahmen von der Brust und ein Ultraschall vom Bauch aufgenommen. Zus√§tzlich wird meist eine Lumbalpunktion durchgef√ľhrt, bei der durch einen Stich in den R√ľcken etwas Gehirnfl√ľssigkeit entnommen wird.

Therapie

W√§hrend der Therapie muss unbedingt auf eine keimarme Umgebung geachtet werden, weswegen spezielle Hygienema√ünahmen eingehalten werden m√ľssen. Wenn doch ein Keim in den Organismus ger√§t, muss dieser schnell mit Breitbandantibiotika behandelt werden. Um die Lebensqualit√§t zu erh√∂hen, kann bei Bedarf eine Infusion mit Blutbestandteilen (Erythrozyten oder Thrombozyten) gegeben werden.

Chemotherapie in mehreren Zyklen

Im Mittelpunkt der Therapie steht nat√ľrlich die Chemotherapie, die in mehreren Zyklen verl√§uft. Bei der Induktionstherapie, dem ersten Zyklus, wird versucht eine Remission zu erreichen. Das hei√üt, dass die entarteten Leuk√§miezellen um 95% reduziert werden. Darauf folgen Konsolidierungs- und Reinduktionstherapie, die in mehreren Zyklen bis zu ein Jahr lang dauern k√∂nnen. Diese lange Behandlungsdauer ist aber notwendig, um eine erneute Ausbildung einer AML zu verhindern.

Alternative Maßnahmen

Alternativ oder erg√§nzend zur Chemotherapie k√∂nnen auch Bestrahlungen oder eine Stammzelltransplantation durchgef√ľhrt werden. Dies muss aber f√ľr jeden Fall als solches entschieden werden, da viele Faktoren eine Rolle spielen.

Prognose

Die Prognose ist von Fall zu Fall verschieden. Jedoch kann eine Heilungsrate von 50-60% erreicht werden. Das mag zwar schlecht klingen, jedoch muss auch bedacht werden, dass vor allem alte Menschen von einer akuten myeloischen Leuk√§mie betroffen sind. Und diese verf√ľgen meist sowieso schon √ľber einen schlechten Gesundheitszustand, was die Heilung schwierig macht. Deswegen liegt das Augenmerk hier darauf, dass die verbleibende Zeit so aktiv wie m√∂glich verbracht werden kann.

Redaktionelle Grundsätze

Alle f√ľr den Inhalt herangezogenen Informationen stammen von gepr√ľften Quellen (anerkannte Institutionen, Fachleute, Studien renommierter Universit√§ten). Dabei legen wir gro√üen Wert auf die Qualifikation der Autoren und den wissenschaftlichen Hintergrund der Informationen. Somit stellen wir sicher, dass unsere Recherchen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren.
Danilo Glisic

Danilo Glisic
Autor

Als Biologie- und Mathematikstudent verfasst er leidenschaftlich Magazinartikel zu aktuellen medizinischen Themen. Aufgrund seiner Affinität zu Zahlen, Daten und Fakten, liegt sein Fokus dabei auf der Beschreibung von relevanten klinischen Studienergebnissen.

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