Demenz

Demenz
Internationale Klassifikation (ICD) F03

Grundlagen

Beschreibung

Demenz ist ein Überbegriff für diverse Krankheiten, welche den Rückgang von geistiger Leistungsfähigkeit und eine Veränderung der Persönlichkeit gemein haben.

Alzheimer ist der häufigste Vertreter der Demenz.

Im Vordergrund steht die abnehmende Leistung von Gedächtnis und Denken. Die Aufnahme neuer Informationen und Wiedergabe fallen zunehmend schwerer. Alleiniges Vergessen macht noch keine Demenz aus!

Schwierigkeiten mit der Orientierung und Urteilsfähigkeit nehmen zu (Wo bin ich gerade? Was ist los?). Nach und nach verschlechtern sich Sprache und Rechnen. Das alles geschieht gleichzeitig mit einer Persönlichkeitsveränderung. Der Alltag kann nur bedingt gemeistert werden. Tätigkeiten wie Einkaufen oder Hausarbeit werden schwieriger, bis sie gar nicht mehr gelingen. Erkrankte entwickeln Aggressivität und Enthemmtheit, scheinen depressiv oder stimmungsschwankend, was eine Herausforderung für Angehörige und Pflegepersonal darstellt.

Mit zunehmenden Lebensjahren steigt das Risiko, an Demenz zu erkranken sprunghaft an.

In der Gruppe der 65-69 jährigen sind 2% betroffen. Im Vergleich dazu sind bei 80-84 jährigen bereits 10-17% erkrankt. Spitzenreiter sind die über 90 jährigen mit mehr als 30 %.

Die Anzahl der Erkrankten wird sich bis 2050 verdoppeln, da der Anteil älterer Personen an der Gesamtbevölkerung kontinuierlich steigt. Aktuell ist Demenz bereits der häufigste Grund für den Einzug in ein Pflegeheim.

Ursachen

Demenz ist ein Überbegriff für verschiedene Erkrankungen, die durch Veränderungen im Gehirn die geistige Leistung und Persönlichkeit negativ beeinflussen.

Alzheimer

Heute gilt Morbus Alzheimer als die häufigste Ursache der Demenz. 1906 wurde diese Krankheit vom Neuropsychiater und –pathologen Alois Alzheimer beschrieben und in weiterer Folge nach ihm benannt. Nervenzellen des Gehirns verlieren ihre normalerweise sehr enge Verbindung zueinander, was zu einer Herabsetzung der Gehirn- und Gedächtnisleistung führt.

Gestörte Durchblutung

Die Gehirnsubstanz kann sich auch durch eine insuffiziente Durchblutung verändern. Bei einer sog. vaskulären Demenz kommt es zu einer spontanen Beeinträchtigung der Leistung von Gehirn und Gedächtnis. Damit einhergehend zeigen sich Symptome eines Schlaganfalls wie z.B. Sprachstörungen. Seltener können diese Veränderungen auch langsam voranschreiten.

Andere Ursachen

Es gibt auch andere Krankheiten, welche abbauende Prozesse, ähnlich Alzheimer, mit sich bringen. Dabei kann es sich z.B um eine „Demenz mit Lewykörperchen“ handeln. Sie belegt Rang drei der häufigsten Demenzarten.

Weitere Gründe für die Ausbildung einer Demenz können sein:

  • Stoffwechselstörungen (z.B. Vitamin B-12 Mangel, Schilddrüsenerkrankung)
  • chronische Vergiftungen (z.B. Alkoholabhängigkeit)
  • Raumforderungen im Gehirn (z.B. Tumore)
  • Infekte des Gehirns (z.B. Aids, Creutzfeld-Jakob-Erkrankung)

Wenn eine dieser Ursachen gefunden werden kann, lässt sich die Demenz in der Regel behandeln. Oftmals handelt es sich aber nicht nur um eine Ursache. Weit verbreitete Krankheiten wie Hypertonie (Bluthochdruck) oder Diabetes Mellitus (Zuckerkrankheit) können eine bereits bestehende Demenz verschlechtern oder sie sogar durch Schädigung von Gehirngefäßen hervorrufen.

Symptome

Das erste Anzeichen einer beginnenden Demenz ist häufig eine Beeinträchtigung des Kurzzeitgedächtnisses. Nach und nach sind auch Fähigkeiten wie Konzentration, Sprache und Denkvermögen herabgesetzt. Betroffene fühlen sich zunehmend müder.

Im Anfangsstadium werden oft Symptome einer Depression ersichtlich, insbesondere dann, wenn die betroffene Person den Abbau selbst bemerkt. Vielen Erkrankten fallen diese Veränderungen jedoch nicht auf, was auf die Mehrzahl der Demenzarten zutrifft und auch Anosognosie genannt wird.

Der weitere Verlauf ist von einer Intensivierung der Symptome gekennzeichnet. Die Vergesslichkeit nimmt zu, die Orientierung fällt schwer und der Alltag gewinnt an Hürden. Selbstständiges anziehen, Haushaltsarbeit oder Kochen sind nicht mehr möglich. Im letzten Krankheitsstadium verstummen Betroffene häufig (demenzieller Sprachverfall). Bettlägerigkeit und gänzliche Angewiesenheit auf Hilfe stellen sich ein.

Nachfolgend einige Symptome, die gleichzeitig auftreten können, aber nicht müssen:

  • Vergesslichkeit
  • gestörte Konzentration und Denken
  • Probleme mit komplexen Aufgaben (z.B. Planen eines Festes, Koffer packen)
  • Orientierungslosigkeit
  • Sprachstörung
  • beeinträchtigtes Urteilsvermögen
  • Veränderung der Persönlichkeit
  • Antriebslosigkeit

Alle oben genannten Symptome sind nicht spezifisch für Demenz, sondern können auch auf andere psychischen oder Gehirn-Erkrankungen sein.

Diagnose

Um den Fortschritt und die Ursache einer Demenzerkrankung bestimmen zu können, werden Neurologen, Psychiater und Geriater notwendig. Es gibt bereits eigene Gedächtnisambulanzen bzw. Memory-Kliniken, welche sich auf die Diagnose und Beratung bei Demenzerkrankungen spezialisiert haben. Dort sind sämtliche grundlegenden Untersuchungsmethoden vorhanden, was einen deutlichen Zeitvorteil bei der Diagnosestellung bringt.

Angehörige

Patienten und Angehörige werden nach ihrer Krankheitsgeschichte gefragt und so die Anamnese erhoben. Da die betroffenen Personen Veränderungen meist selbst nicht bemerken oder aufgrund von Scham verheimlichen, sind die Angehörigen enorm wichtig. Es folgen internistisch-neurologische Untersuchungen sowie eine Blutuntersuchung, nach denen der behandelnde Arzt das weitere Vorgehen bestimmt.

Neuropsychologische Tests

Der erste wichtige Schritt ist, leichte Vergesslichkeit von Demenzerkrankung zu unterscheiden. Dafür bieten sich neuropsychologische Tests an (z.b. SKT – Syndrom-Kurz-Test, MMST – Mini-Mental-Status-Test). Mit ihrer Hilfe kann die Ausprägung der Vergesslichkeit und andere eventuell gestörte Gehirnfunktionen beurteilt werden. Bestehen Unklarheiten, meist im Frühstadium, sollte von einem speziell ausgebildeten Neuropsychologen eine ausführliche neuropsychologische Diagnostik durchgeführt werden.

Weiters ist es wichtig, eine Depression auszuschließen. Sie kann zwar Symptom einer Demenzerkrankung sein, aber auch unabhängig davon auftreten und hat generell nichts damit zu tun.

Im weiteren Verlauf müssen auch noch andere internistische bzw. psychische Erkrankungen und andere Ursachen ausgeschlossen werden.

Bildgebende Verfahren

Besteht der Verdacht einer Demenz, geben bildgebende Verfahren wie Computer- oder Kernspintomographie Aufschluss über die Gehirnstruktur. In unklaren Fällen können Veränderungen der Leistungsfähigkeit können mit Hilfe von SPECT (Single-Photon-Emissions-Tomographie) und PET (Positronen-Emissions-Tomographie) dargestellt werden.

Gefäße und Gehirnströme

Stoffwechselstörungen und Vergiftungen werden mit Hilfe von Blutuntersuchungen entlarvt. Eine Lumbalpunktion dient der Untersuchung von Liquor (Nervenwasser), wodurch eine chronische Gehirnentzündung festgestellt werden kann. Ebenfalls im Liquor zu finden sind spezielle Proteine, wie sie nur jeweils bei Alzheimer oder Creutzfeld-Jakob vorkommen.

Eine Doppler- bzw. Duplexsonographie macht Ablagerungen von Fett und Kalk (Arteriosklerose) in den hirnversorgenden Gefäßen sichtbar. Aus den Untersuchungsergebnissen lässt sich ebenfalls die Wahrscheinlichkeit einer vaskulären Demenz ableiten.

Ein EEG (Elektro-Enzephalogramm) führt selten zur Ursache, verdeutlicht jedoch das Ausmaß des geistigen Abbaus.

In sehr seltenen Ausnahmen wird eine Biopsie des Gehirns (Gewebeentnahme) notwendig. Sollte dies notwendig sein, ist es wichtig, dass diese Untersuchung nur von erfahrenen Spezialisten in einem entsprechenden Umfeld durchgeführt wird.

Therapie

Krankheit verlangsamen

Demenz ist heute zum Großteil nicht heilbar, jedoch kann der Abbau im Gehirn aufgehalten werden, wie z.B. bei Alzheimer und vaskulärer Demenz. Wenn die Minderung der geistigen Leistung auf eine andere Krankheit zurückzuführen ist (z.B. Gehirntumor, schwere Depressionen, Stoffwechselstörungen im Gehirn), so kann die Demenz oft mit Erfolg therapiert werden, indem die zu Grunde liegende Krankheit behandelt wird.

Gehirn trainieren

Die Demenztherapie ist insbesondere für die erkrankte Person wichtig, um alltäglichen Herausforderungen möglichst lange gewachsen zu sein. Dafür gibt es spezielle Häuser (z.B. Tageskliniken) die ihren Fokus auf Gehirnleistungstraining gelegt haben. Das Ziel ist hierbei, ein Grundgerüst für den Tagesablauf anzulernen, damit sich Demenzkranke besser zurechtfinden. Betroffene werden von Psychologen, Sozialarbeitern und anderen Spezialisten durch den Tag begleitet und erhalten Hilfestellung.

Ein besonderer Vorteil solcher Häuser ist die Möglichkeit, Angehörige in die Behandlung mit einzubeziehen.

Die geistige Leistung kann erhalten oder zumindest deren Abbau verlangsamt werden, indem Krankengymnastik, handwerkliches und künstlerisches Training mit Hilfe eines Ergotherapeuten genutzt wird.

Medikamente

Arzneien können mittlerweile viel ausrichten, sollten aber dennoch nur ein Element eines Therapieplans sein d.h. gemeinsam mit Gehirnleistungstraining kombiniert werden. Für die unterschiedlichen Ursachen der Demenz stehen diverse Wirkstoffe zur Verfügung.

Oberste Priorität hat das Verlangsamen der Erkrankung oder diese sogar zeitweilig zum Stillstand zu bringen. Die Arzneien haben unterschiedliche Wirkungsweisen. Ein Versuch lohnt sich sicherlich, auch wenn keine großen Veränderungen folgen. Weil Demenzen kontinuierlich fortschreiten, ist auch ein Stillstehen der Krankheit ein Erfolg.

Acetylcholinesterase-Hemmer

Im Früh- bis Mittelstadium von Alzheimer, vaskulärer Demenz und Lewykörperchen-Demenz sind sogenannte Acetylcholinesterasehemmer die erste Wahl. Diese verbessern den Signalaustausch zwischen Nervenzellen im Gehirn. Das wird erreicht, indem die Acetylcholinesterase (ein Enzym) blockiert wird, wodurch es weniger Acetylcholin abbauen kann und daraufhin mehr von dem Botenstoff verfügbar ist. Der Krankheitsfortschritt lässt sich dadurch im Durchschnitt um ein Jahr hinauszögern.

NMDA-Antagonisten

Ist die Erkrankung bereits mittel- bis schwergradig, werden NMDA-Antagonisten empfohlen. Sie können mit Acetylcholinesterasehemmern kombiniert werden und verhindern eine Überreizung von Nerven durch Glutamat (ebenfalls ein Botenstoff). Ein Überschuss an Glutamat schädigt Nervenzellen und führt zu deren Absterben. Die Anwendung dieser Medikamente ist nicht wirksam bei vaskulärer- und Lewykörperchen-Demenz.

Andere Medikamente

Weiters gibt es einige Präparate, welche sich angeblich positiv auf die Leistungsfähigkeit des Gehirns auswirken. Zu ihnen zählen z.B. Extrakte des Ginkobaums. Diese Extrakte sollen die Durchblutung fördern und zur besseren Sauerstoff- und Glucoseversorgung (Zucker) des Gehirns beitragen.

Calcium-Antagonisten sollen dazu beitragen, den gestörten Calciumstoffwechsel der betroffenen Nervenzellen wieder zu normalisieren und dadurch die Informationsübertragung zu verbessern.

Fachgesellschaften empfehlen diese Wirkstoffe jedoch nicht, da ihre Wirksamkeit bis heute nicht wissenschaftlich belegt ist.

Gegebenenfalls ist es auch sinnvoll, Mittel gegen Unruhe und Schlafstörungen, Bewegungsstörungen (ähnlich Parkinson) und Depressionen einzusetzen, um Begleitsymptome zu lindern. Deren Einsatz muss jedoch genau beobachtet werden, um Neben- oder Wechselwirkungen zu vermeiden.

Kontrolluntersuchungen

Jede medikamentöse Behandlung von Demenzen erfordert eine regelmäßige Kontrolle durch den behandelnden Facharzt oder Therapeuten. Dieser kann den Verlauf der Krankheit besser mitverfolgen, Angehörigen zur Seite stehen und die Behandlungsstrategie an sich ändernde Bedingungen anpassen.

Tipps für Angehörige

Achten Sie bei der betroffenen Person auf eine ausgewogene Mischkost mit ausreichenden Mengen an Vitaminen und Fischöl sowie reichlich Flüssigkeit (Wasser, ungesüßter Tee).

Unterstützen Sie Erkrankte durch einen klar strukturierten Tagesablauf und gut ersichtliche Kalender und Uhren.

Die Pflege von Demenzkranken erfolgt zwar überwiegend durch die Familie, jedoch sollten auch andere Angebote genutzt werden, um eine Überforderung zu vermeiden. Das sind z.B. Tagespflege bei Sozialstationen und Tagesstätten.

Es gibt Selbsthilfe- und auch Angehörigengruppen. Dort können Sie aus der Erfahrung anderer lernen und ihre eigenen austauschen. Ihr Arzt kann Ihnen mit Broschüren und weiterem Infomaterial weiterhelfen.

Prognose

In vielen Fällen von Demenz ist eine Heilung ausgeschlossen. Eine Kombitherapie aus Medikamenten und Gehirnleistungstraining ermöglicht ein Aufhalten bzw. Verlangsamen der Erkrankung und verbessert deutlich die Lebensqualität von Betroffenen.

Sehr wohl heilbar sind Demenzen, denen eine andere Erkrankung zugrunde liegt. Ein Beispiel dafür ist eine schwergradige Schilddrüsen-Unterfunktion. Ab dem Zeitpunkt, an dem die Schilddrüse wieder ausreichend normal funktioniert, bessert sich die geistige Leistung zunehmend. Das kann z.B. durch Gabe von Schilddrüsenhormonen als Tabletten erreicht werden.

Wenn die Ursache ein Abbauprozess im Bereich des Gehirns ist (wie z.B. bei Alzheimer), kommt es im Durchschnitt nach 10 Jahren ab Diagnose zum Tod der Betroffenen. Da Demenzen erst im hohen Lebensalter auftreten, wird die Lebenserwartung nur gering bzw. gar nicht verkürzt.

Vorbeugen

Einer vaskulären oder alkoholbedingten Demenz lässt sich durch einen gesunden Lebensstil (regelmäßige Bewegung, ausgewogene Ernährung) gut vorbeugen.

Anderen Formen wie z.B. Morbus Alzheimer lässt sich heute jedoch noch nicht vorbeugen. Derzeit wird aber von Spezialisten intensiv an einem Medikament geforscht, dass das Immunsystem auf jene Proteine reagieren lässt, die Alzheimer hervorrufen. Dadurch soll eine Immunisierung möglich werden. Leider handelt sich dabei um einen derart komplexen Vorgang, dass funktionstüchtige Medikamente wahrscheinlich noch Jahre entfernt sein werden.

Zufällig wurde entdeckt, dass einige Cholesterinsenker auch eine entzündungshemmende Wirkung aufweisen. Ob Cholesterin-Synthese-Hemmer (kurz CSE-Hemmer) auch Demenzen vorbeugen können, wird aktuell untersucht. Sie könnten bei Demenzen eingesetzt werden, denen eine chronische Infektion zu Grunde liegt.

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