Hallux valgus (Schiefzehe)

Hallux valgus (Schiefzehe)
Internationale Klassifikation (ICD) M20.-

Grundlagen

Unter einem Hallux valgus (dt. Schiefzehe) versteht man eine anatomische Fehlstellung der großen Zehe. Dabei kommt es zu einem Schiefstand der großen Zehe, wobei diese ab dem Großzehen-Grundgelenk zur Fußaußenseite hin gebeugt ist. Diese Fehlstellung begĂŒnstigt die Entstehung von Druckstellen sowie schmerzhaften EntzĂŒndungen im Gelenk, die durch den Druck des Schuhschafts auf den Fuß zustande kommen können.

Von einem Hallux valgus sind in erster Linie Frauen betroffen. Die Fehlstellung entwickelt sich im Laufe mehrerer Jahre, wobei die HĂ€ufigkeit mit dem Alter zunimmt.

Die Hauptursache liegt in der Verwendung des falschen Schuhwerks. Durch das Tragen von hochhackigen und spitzen Schuhen wird dem Fuß eine unnatĂŒrliche Haltung aufgezwungen, wodurch sich mit der Zeit Fehlstellungen ausbilden können. Vor allem in LĂ€ndern mit westlich geprĂ€gtem Schuhwerk ist der Hallux valgus weit verbreitet. Ein Vergleich mit LĂ€ndern, in denen Frauen keine oder nur flache sowie offene Schuhe tragen, belegt, dass in diesen Gegenden ein Hallux valgus weitaus seltener auftritt.

Ursachen

Oftmals ist ein Hallux valgus die Folge der westlichen Schuhmode, welche durch die unnatĂŒrliche Fußstellung (beispielsweise bei hochhackigen oder spitzen Schuhen) die Entstehung von Fußfehlstellungen fördert.

Bei einem Spreizfuß kommt es durch das Absinken des vorderen Quergewölbes des Fußes zu einer Verbreiterung des Ballenbereichs und dadurch zu einer schiefen Stellung der Großzehen. Der Spreizfuß entsteht vor allem durch angeborene schwache BĂ€nder und schwaches Bindegewebe sowie durch ungenĂŒgendes Training der inneren Fußmuskulatur durch seltenes Barfuß Gehen. Auch bei einem angeborenen Spreizfuß wird die Entstehung eines Hallux valgus durch ungeeignetes Schuhwerk mit nur wenig Platz im vorderen Fußbereich stark begĂŒnstigt.

Durch die anatomische Fehlstellung des Fußes kommt es zusĂ€tzlich zu verĂ€nderten Zugrichtungen der Sehnen, wodurch diese in ihrer Funktion beeintrĂ€chtigt werden. Dadurch ist beispielsweise ein Abspreizen der Großzehe nicht mehr möglich.

Symptome

In den meisten FĂ€llen verursacht ein Hallux valgus nur wenige Beschwerden. Die Fehlstellung wird von Betroffenen vielmehr als ein kosmetisches Problem angesehen. Falls es zu Beschwerden kommt, treten diese zumeist am Großzehen-Grundgelenk auf. Beim Hallux valgus springt hier der erste Mittelfußknochen markant hervor, wodurch der Fuß an seiner breitesten Stelle noch zusĂ€tzlich an Breite gewinnt. Dadurch kann die Haut an dieser Stelle bei zu schmalem Schuhwerk mechanisch stark gereizt werden, was zu Druckstellen und in weiterer Folge zu EntzĂŒndungen fĂŒhrt.

Bleibt die EntzĂŒndung bestehen, vergrĂ¶ĂŸert sich mit der Zeit der schĂŒtzende Schleimbeutel des Großzehen-Grundgelenks, wodurch der Fuß an dieser Stelle noch breiter wird und sich der Druck durch zu schmales Schuhwerk weiter erhöht. Dies fĂŒhrt zu einem Kreislauf aus Druckstellen, Schwellungen, EntzĂŒndungen und Schmerzen.

Beim Großzehengrundgelenk kann es zur Ausbildung einer Arthrose (Gelenkverschleiß ĂŒber das altersĂŒbliche Maß hinaus) kommen. In sehr stark ausgeprĂ€gten FĂ€llen kann es zu so ausgeprĂ€gten Verformungen des Fußes kommen, dass sich die große Zehe ĂŒber die zweite und dritte Zehe legt. Durch diese starke Deformation wird der Fuß an einem natĂŒrlichen Laufvorgang gehindert und es entstehen Druckstellen sowie Schmerzen am Fuß.

Diagnose

Durch die gut erkennbare Fehlstellung der Großen Zehen und den charakteristischen Beschwerden kann ein Hallux valgus zumeist als Blickdiagnose durch den Arzt bestĂ€tigt werden. Zur weiteren AbklĂ€rung wird ein Röntgenbild beider FĂŒĂŸe im Stehen angefertigt. Dadurch können andere Fußfehlstellungen wie zum Beispiel ein Spreizfuß aber auch eine Arthrose des Großzehengrundgelenks festgestellt werden.

Therapie

Da es praktisch unmöglich ist, eine einmal bestehende Fußfehlstellung im Erwachsenenalter wieder zurĂŒckzubilden, ist bei starken Beschwerden eine Besserung oft ausschließlich durch eine operative Korrektur zu erreichen. Schuheinlagen, Schienen und Bandagen können teilweise zu einer Verminderung der Schmerzen beitragen, die Fußfehlstellung lĂ€sst sich jedoch nicht beheben.

Es existieren zirka 150 unterschiedliche Operationsmethoden um einen Hallux valgus zu beheben, davon sind etwa 10 im deutschsprachigen Raum gebrĂ€uchlich. Die meisten Operationen werden ambulant und unter LokalanĂ€sthesie durchgefĂŒhrt. Dabei wird vom Chirurgen ein kleiner Hautschnitt an der Großzehe gesetzt und versucht, die ursprĂŒnglichen GelenkverhĂ€ltnisse, so weit dies möglich ist, wiederherzustellen. Welche Operationsmethode angewandt wird, hĂ€ngt in erster Linie von Faktoren wie dem Grad der Fußfehlstellung sowie dem Ausmaß der Arthrose ab. HĂ€ufig werden folgende Methoden eingesetzt:

  • Liegt nur ein geringer Knickwinkel zwischen der ersten und der zweiten Zehe und keine schwere Arthrose vor, wird bei dem operativen Eingriff zunĂ€chst der erste Mittelfußknochen leicht unterhalb des Großzehen-Grundgelenks durchtrennt. Anschließend wird ein kleines StĂŒck Knochen entfernt und der zehenwĂ€rts gelegene Teil des Mittelfußknochens zurĂŒck in seine ursprĂŒngliche Position am zweiten Mittelfußknochen geschoben. Die Knochen werden bei Bedarf mit DrĂ€hten oder Schrauben fixiert und die große Zehe mit robusten FĂ€den geradegestellt. Die Zehenmuskeln werden durch eine Verlagerung der Sehnen wieder gestrafft. Durch diesen Eingriff lĂ€sst sich die Mehrzahl der durch einen Hallux valgus verursachten Fußfehlstellungen beheben.
  • Bei einem starken Knickwinkel zwischen der ersten und der zweiten Zehe und ohne schwere Arthrose wird der Mittelfußknochen nicht unterhalb des Großzehen-Grundgelenks, sondern an der Basis des Knochens durchtrennt und gerade ausgerichtet. Manchmal ist es nötig, dass der Knochen zusĂ€tzlich knapp unter dem Großzehen-Grundgelenk durchtrennt und begradigt wird.
  • Bei einer stark ausgeprĂ€gten Arthrose muss nicht nur der Winkel des großen Zehs begradigt werden, sondern ebenso die Gelenkabnutzung therapiert werden. DafĂŒr werden ein StĂŒck des Großzehen-Grundgelenks sowie der Knochenvorsprung an der medialen Seite des Mittelfußknochens entfernt, die Knochen in die richtige Position gebracht und mit Drahtstiften geradegestellt. Der Nachteil dieser Methode besteht darin, dass dadurch die Großzehe verkĂŒrzt wird, was von manchen Patienten als optisch störend empfunden wird. Je nach Grad der Arthrose kann es empfehlenswert sein, eine Arthrodese durchzufĂŒhren – dabei wird das Großzehen-Grundgelenk mit Platten oder Schrauben fixiert. Diese Methode erzielt gute Langzeitergebnisse und es kommt nur extrem selten zum Wiederauftreten einer Hallux valgus. Obwohl das Gelenk durch die Fixierung versteift ist, fĂŒhrt dies zu keiner BeeintrĂ€chtigung beim Gehen.

In der Zeit nach der Operation muss fĂŒr mindestens drei bis vier Wochen ein Entlastungsschuh getragen werden. Dabei handelt es sich um einen Spezialschuh, in dem der Fuß nicht abrollen kann, wodurch eine Schonung des Fußes sichergestellt wird. Teilweise ist auch eine Ruhigstellung mittels Gips notwendig. Nach dieser Zeit können wieder normale, bequeme Schuhe mit Spezialeinlagen getragen werden. Nach der chirurgischen Behandlung sollte in jedem Fall fĂŒr etwa sechs Wochen eine professionelle Physiotherapie (Krankengymnastik) zur besseren Heilung und StĂ€rkung der Fußbinnenmuskulatur gemacht werden. Sportliche Belastung und weite Strecken zu Fuß sollten in den ersten drei Monaten nach der Operation vermieden werden.

Prognose

FĂŒr die operative Behandlung eines Hallux valgus ist die Langzeitprognose ausgesprochen gut. Beim Eingriff besteht wie bei jeder Operation die Gefahr, dass es zu Blutungen, Infektionen, SchĂ€digungen von Nerven oder Thrombosen kommt. Selten kann nach der Operation die Großzehe verkĂŒrzt und das Großzehen-Grundgelenk in seiner Funktion beeintrĂ€chtigt sein. Wird nach der operativen Korrektur wieder das gleiche ungeeignete Schuhwerk getragen und das Training der Fußmuskulatur vernachlĂ€ssigt, kann es erneut zur Ausbildung eines Hallux valgus kommen.

Solange es durch den Hallux valgus noch nicht zu einer starken Arthrose des Großzehen-Grundgelenks gekommen ist, sind die Ergebnisse nach einer Operation zumeist sehr gut und die Patienten leben frei von Beschwerden. In der Zeit direkt nach der Operation sollte nachts eine stĂŒtzende Schiene getragen werden. Auch sollte von nun an auf regelmĂ€ĂŸiges Barfuß gehen, Training der Fußbinnenmuskulatur durch bestimmte Übungen und weites, gesundes Schuhwerk geachtet werden.

Vorbeugen

Da einem Hallux valgus zumeist das Tragen von zu engem, hochhackigem oder spitzen Schuhwerk zugrunde liegt, kann der Fußfehlstellung effektiv vorgebeugt werden, indem man auf sein Schuhwerk achtet. Auch sollten die Schuhe öfters gewechselt werden, um die Fußmuskulatur unterschiedlich zu beanspruchen und zu stĂ€rken. ZusĂ€tzlich lĂ€sst sich das Entstehungsrisiko eines Hallux valgus durch regelmĂ€ĂŸiges Barfuß gehen, Wanderungen auf unebenem GelĂ€nde und Übungen zur StĂ€rkung der Fußbinnenmuskulatur stark senken. Falls vom OrthopĂ€den Einlagen verschrieben werden, sollten diese tĂ€glich getragen werden.

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Danilo Glisic

Danilo Glisic
Autor

Als Biologie- und Mathematikstudent verfasst er leidenschaftlich Magazinartikel zu aktuellen medizinischen Themen. Aufgrund seiner AffinitÀt zu Zahlen, Daten und Fakten, liegt sein Fokus dabei auf der Beschreibung von relevanten klinischen Studienergebnissen.

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