Herpes genitalis

Herpes genitalis
Internationale Klassifikation (ICD) A60.-

Grundlagen

Bei Herpes genitalis handelt es sich um eine ansteckende Virus-Erkrankung, von der die Haut und die Schleimhäute des Genitalbereichs betroffen sein können. Auslöser sind dabei meistens Herpes-Simplex-Typ2 Viren (HSV-2).

Herpes-Simplex-Typ1 Viren (HSV-1) verursachen in der Regel den weit verbreiteten Lippenherpes (Herpes labialis), zeichnen sich jedoch auch f√ľr 20-30% der Erkrankungen an Genitalherpes verantwortlich.

Da das HSV-1 durch Speichelkontakt oder Schmierinfektionen leicht auf andere Menschen √ľbertragen werden kann, lassen sich bei mehr als 95% der Erwachsenen Antik√∂rper (Anzeichen f√ľr eine erfolgte Infektion) gegen das Virus nachweisen. Bei HSV-2 ist dies bei 10 bis 30% der erwachsenen Population der Fall.

Ursachen

√úbertragungsweg ist bei Herpes genitalis meist ungesch√ľtzter Geschlechtsverkehr, wobei das Risiko f√ľr Frauen h√∂her ist, als bei M√§nnern. Die Ansteckungsgefahr ist im Zeitraum, kurz bevor Bl√§schen auftreten und w√§hrend sie zu sehen sind, am h√∂chsten. Auch eine √úbertragung der Viren von der infizierten Mutter auf das Kind w√§hrend der Schwangerschaft oder Geburt ist m√∂glich.

Die Symptome bei Herpes genitalis werden durch den Angriff des Herpes-Simplex Virus auf Zellen der Oberhaut ausgel√∂st, wodurch sich fl√ľssigkeitsgef√ľllte, stark virushaltige Bl√§schen bilden. Von dort gelangt das Virus in die Nervenenden sensibler Neurone und wandert √ľber die Nervenbahnen hin zu den Ganglien (Schaltstellen zwischen Nerven), wo es sich einnistet und lebenslang in einer Art Ruhezustand (latente Phase) verweilen kann. Vor allem bei immunschwachen Personen (beispielsweise in Folge von Operationen, Immunsuppression nach Organtransplantationen oder AIDS) k√∂nnen die Herpes-Simplex Viren aus ihrem Ruhezustand reaktiviert werden, sich im gesamten K√∂rper ausbreiten und schwerwiegende Erkrankungen ausl√∂sen.

Symptome

Die Inkubationszeit nach der Erstinfektion beträgt bei Herpes genitalis zwischen 2 bis 12 Tagen. Im Anschluss können leichte Beschwerden wie Fieber, geschwollene Lymphknoten, Kopf- und Muskelschmerzen sowie brennende Schmerzen an den Geschlechtsteilen, am After oder beim Wasserlassen auftreten. Im Bereich der Genitale kommt es zur Entwicklung von kleinen, hellen Bläschen auf einer geröteten Hautumgebung. Diese liegen häufig in kleinen Gruppen eng beieinander (herpetiform) und heilen nach zirka zwei bis drei Wochen wieder ab. Die Infektion kann bei manchen Menschen komplett frei von Symptomen ablaufen.

Kommt es bei Neugeborenen (zum Beispiel im Rahmen der Geburt) zu einer Infektion mit den Herpes-Simplex Viren, kann dies zu einem lebensbedrohlichen Zustand mit hohem Fieber und Bl√§schenentwicklung am gesamten K√∂rper f√ľhren.

Da eine Infektion fast immer zur Persistenz des Virus f√ľhrt (die Erreger ruhen lebenslang in bestimmten R√ľckzugsr√§umen im K√∂rper und k√∂nnen vom Immunsystem nicht g√§nzlich beseitigt werden), kann das Virus jederzeit reaktiviert werden und abermals Herpes genitalis ausl√∂sen. Erste Anzeichen daf√ľr sind unangenehme prickelnde oder stechende Empfindungen im Genitalbereich. Innerhalb weniger Stunden bis Tage kann es zur erneuten Auspr√§gung von kleinen Bl√§schen auf der Haut kommen, die sich in schweren F√§llen von den Genitalen bis hin zu den Oberschenkeln und Ges√§√üh√§lften ausbreiten k√∂nnen.

Durch Oralsex kann es auch zu den beschriebenen Symptomen im Mund- und Rachenraum kommen. Beim Praktizieren von Analverkehr ist eine Infektion des Afters m√∂glich, die zu blutigen Ausfl√ľssen und Schmerzen am After f√ľhren kann.

Weiters besteht die M√∂glichkeit, dass die Reaktivierung der Herpes-Simplex Viren beschwerdefrei abl√§uft. Dabei ist wichtig zu wissen, dass selbst in dieser scheinbar symptomlosen Zeit Viruspartikel √ľber die Schleimh√§ute ausgeschieden werden, und andere Menschen infizieren k√∂nnen.

Diagnose

Der Krankheitsverlauf sowie der typische Ausschlag im Genitalbereich geben dem behandelnden Arzt/der √Ąrztin einen ersten Hinweis auf das Vorliegen von Herpes genitalis. Eine sichere Diagnose kann jedoch ausschlie√ülich durch eine Laboruntersuchung gestellt werden. Daf√ľr wird ein Abstrich der mit Fl√ľssigkeit gef√ľllten Bl√§schen entnommen, welcher anschlie√üend im Labor elektronenmikroskopisch oder mit einer PCR (Polymerasekettenreaktion f√ľr den Nachweis von Virus-DNA) untersucht wird. Eine weitere M√∂glichkeit ist der Nachweis von Antik√∂rpern gegen das Virus im Blut.

Therapie

Zur Behandlung von Herpes genitalis werden Virustatika (antivirale Wirkstoffe wie beispielsweise Aciclovir, Valaciclovir, Famciclovir) eingesetzt, die den Krankheitsverlauf verk√ľrzen sowie die Beschwerden mildern k√∂nnen. Der Erfolg der Therapie ist umso gr√∂√üer, je fr√ľher man die Medikamente einnimmt ‚Äď daher beginnt die medikament√∂se Behandlung bei einer Erstinfektion zumeist direkt nach der k√∂rperlichen Untersuchung, noch bevor die gesicherten Ergebnisse der Laboruntersuchung zur Verf√ľgung stehen.

Eine systemische Gabe der Medikamente (orale Einnahme von Tabletten, intraven√∂se Injektion) ist um ein vielfaches wirkungsvoller als eine lokale Anwendung mit Salben. Zus√§tzlich zu Virustatika, die √ľber einen Zeitraum von f√ľnf bis zehn Tagen eingenommen werden, ist manchmal auch die Einnahme eines Schmerzmittels notwendig. Bei einem schlechten Allgemeinzustand oder Symptomen wie Nackensteife oder Verwirrtheitszust√§nden ist eine station√§re Behandlung in einem Krankenhaus vonn√∂ten.

Kommt es bei Betroffenen zu mehr als sechs Ausbr√ľchen von Herpes genitalis pro Jahr, kann eine dauerhafte Therapie mit Virustatika durchaus sinnvoll sein, um die Anf√§lle zu reduzieren. Nach etwa einem Jahr sollte die Behandlung ausgesetzt werden, um zu √ľberpr√ľfen, ob die Anzahl der Herpesausbr√ľche m√∂glicherweise inzwischen auch ohne Medikamente niedrig bleibt.

Virustatika gegen Herpes genitalis sind nicht f√ľr die Behandlung w√§hrend Schwangerschaften zugelassen. Allerdings werden sie in Einzelf√§llen dennoch verschrieben, um das Neugeborene vor einer Infektion mit den Herpes-Viren zu sch√ľtzen.

Prognose

Der Verlauf einer Herpes genitalis Erkrankung variiert stark von Mensch zu Mensch ‚Äď die Spanne reicht von Betroffenen mit monatlichen Ausbr√ľchen bis hin zu Patienten mit jahrelangen Ruhephasen. Auch der Virustyp spielt eine gro√üe Rolle bei der Auspr√§gung der Erkrankung, da bei Infektionen mit dem Herpes-Simplex Virus Typ 2 die H√§ufigkeit von Ausbr√ľchen weitaus h√∂her ist als bei Typ 1. Bei Menschen mit einem geschw√§chten Immunstatus kommt es ebenfalls zu h√§ufigeren Ausbr√ľchen. Mit steigendem Alter tritt Herpes genitalis jedoch seltener auf.

Nach einer erfolgten Infektion verbleibt das Virus zumeist in einer Art Ruhestand lebenslang im Körper (Persistenz genannt), ohne dabei Symptome auszulösen. Unter bestimmten Umständen wie beispielsweise Stress, Immunsuppression, anderen Erkrankungen oder hormonellen Schwankungen während des Monatszyklus kann das Virus reaktiviert werden und erneut Herpes genitalis auslösen.

Bei Herpes genitalis können unter anderem folgende Komplikationen auftreten:

  • An den Herpes-Bl√§schen kann es zu einer Infektion mit Bakterien kommen, wodurch ein Entz√ľndungsherd entsteht.
  • Herpes genitalis kann auf die Augen √ľbergreifen, was zur Beeintr√§chtigung der Sehkraft f√ľhrt.
  • Im Rahmen einer Schwangerschaft ist eine Infektion des ungeborenen Kindes m√∂glich. Das Ungeborene erkrankt zumeist schwer, oftmals mit t√∂dlicher Folge.
  • Durch eine Infektion mit Herpes-Viren w√§hrend der Geburt k√∂nnen beim Neugeborenen schwere Erkrankungen wie zum Beispiel eine Enzephalitis (Gehirnentz√ľndung) oder eine Sepsis (Blutvergiftung) ausgel√∂st werden.
  • Bei immunschwachen Personen (AIDS-Erkrankten, Immunsuppression in Folge einer Organtransplantation) kann durch Herpes-Simplex Viren eine schwere Lungenentz√ľndung ausgel√∂st werden.

Vorbeugen

Da Herpes genitalis in erster Linie √ľber sexuelle Kontakte wie Geschlechtsverkehr oder Oralsex √ľbertragen wird, bietet die konsequente Verwendung von Kondomen einen guten Schutz vor einer Infektion.

Im Falle einer m√∂glichen Erkrankung sollte diese m√∂glichst fr√ľh durch einen Arzt abgekl√§rt werden, um das Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern sowie das Infektionsrisiko f√ľr etwaige Geschlechtspartner niedrig zu halten.

Redaktionelle Grundsätze

Alle f√ľr den Inhalt herangezogenen Informationen stammen von gepr√ľften Quellen (anerkannte Institutionen, Fachleute, Studien renommierter Universit√§ten). Dabei legen wir gro√üen Wert auf die Qualifikation der Autoren und den wissenschaftlichen Hintergrund der Informationen. Somit stellen wir sicher, dass unsere Recherchen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren.
Danilo Glisic

Danilo Glisic
Autor

Als Biologie- und Mathematikstudent verfasst er leidenschaftlich Magazinartikel zu aktuellen medizinischen Themen. Aufgrund seiner Affinität zu Zahlen, Daten und Fakten, liegt sein Fokus dabei auf der Beschreibung von relevanten klinischen Studienergebnissen.

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