Lungenembolie (Blutgerinnsel in der Lunge)

Lungenembolie (Blutgerinnsel in der Lunge)
Internationale Klassifikation (ICD) I26.-

Grundlagen

Beschreibung

Wenn sich ein Blutgerinnsel (Thrombose) löst und vom Blutstrom mitgenommen wird, kann dieser sich in anderen BlutgefĂ€ĂŸen wieder festsetzen. Dadurch kommt es zu einer Embolie.

Ist der Endpunkt eine der Lungenarterien, spricht man von einer Lungenembolie.

Der Teil des Lungengewebes, welcher normalerweise von dieser Arterie versorgt wird, erhÀlt in Folge zu wenige NÀhrstoffe und Blut.

Embolien der Lunge sind sehr hÀufig und kommen bei etwa 1-2% aller im Krankenhaus behandelter Patienten vor. In vielen FÀllen verlaufen sie aber ohne Symptome und bleiben deshalb unbemerkt.

Die verursachenden Blutgerinnsel bilden sich meistens in der unteren HĂ€lfte des Körpers z.b. in den großen Becken- oder Beinvenen.

Ursachen

Die Wahrscheinlichkeit einer Venenthrombose wird durch eine Vielzahl von (Vor-) Erkrankungen, aber auch chirurgischen Eingriffen erhöht.

Gelöst werden Thrombosen oft durch eine Erhöhung des Drucks im Bauchraum. Auch bei unscheinbaren TĂ€tigkeiten wie z.b. durch Pressen auf der Toilette kann sich eine Thrombose lösen und anschließend in der Lunge festsetzen.

Risikofaktoren:

  • verĂ€nderte Blutgerinnung
  • InaktivitĂ€t, langes Sitzen (z.b. Reisethrombose)
  • chirurgische Eingriffe (v.a. Unterleib, HĂŒfte oder Knie)
  • Verletzungen (z.b. Knochenbruch)
  • BettlĂ€gerigkeit (Ă€ltere und frisch operierte Personen sollten so rasch als möglich ihr Bett verlassen und sich bewegen)
  • Übergewicht
  • Schwangerschaft
  • Hormonelle VerhĂŒtungsmittel (Pille; v.a. kombiniert mit Tabakkonsum)
  • Krebserkrankungen (bösartige)
  • Herzinsuffizienz
  • Schlaganfall

Symptome

Welche Beschwerden sich bei einer Lungenembolie zeigen, hĂ€ngt von der GrĂ¶ĂŸe des Gerinnsels ab. Kleine Embolien bleiben meist Unentdeckt, da sie selten mehr als kurzen Husten verursachen.

GrĂ¶ĂŸere Embolien hingegen verursachen plötzlich folgende Symptome:

  • Brustschmerz v.a. beim Einatmen
  • Husten (auch blutig)
  • Schweißausbruch
  • Angst, Beklommenheit, Unruhe
  • gestaute Halsvenen
  • Tachykardie (erhöhte Pulsfrequenz)
  • Zyanose (blĂ€uliche Haut- und SchleimhautverfĂ€rbung durch Sauerstoffmangel)
  • Synkope (schlagartige Bewusstlosigkeit)

Wird das Blutgerinnsel schubweise gelöst und angeschwemmt, verhÀlt es sich mit den Symptomen ebenso.

Diagnose

Der behandelnde Arzt erstellt zu Beginn eine Anamnese. Er erfragt Beschwerden und frĂŒhere Erkrankungen, gefolgt von einer körperlichen Untersuchung.

Dabei können folgende Methoden verwendet werden:

  • EKG (Elektrokardiographie)
  • Blutgasanalyse
  • Blutabnahme (zum Nachweis von sog. D-Dimeren, einem Indikator fĂŒr Thrombosen)
  • Echokardiographie (Herz-Ultraschall)
  • Lungen-CT (Computertomographie) mit Kontrastmittel
  • Lungen-Szintigraphie (BelĂŒftungs- und Durchblutungskontrolle)
  • Pulmonalangiographie (Kontrastmitteldarstellung der LungengefĂ€ĂŸe)
  • Doppler-Sonographie (Ultraschall der Beinvenen und Kontrastmitteldarstellung um die Thrombose zu finden)

Therapie

Akute Lungenembolie

  • Bettruhe
  • SchmerzbekĂ€mpfung
  • Sauerstoffgabe
  • Gerinnungshemmung durch Heparin (um Wachstum und Entstehung neuer Gerinnsel zu verhindern)
  • Lyse Therapie (um Gerinnsel aufzulösen)
  • operative Entfernung des Gerinnsels (selten)

Nach der akuten Behandlung wird die Therapie oft mit Tabletten (z.b. Vitamin K Antagonisten) oder Spritzen (Heparin) weitergefĂŒhrt, bis keine Risikofaktoren mehr vorhanden sind. Auch eine lebenslange Behandlung ist nicht ausgeschlossen.

Wenn sich trotz Therapie mit Medikamenten weiterhin Thrombosen bilden, die auch Lungenembolien verursachen können, besteht die Möglichkeit, einen Cava-Schirm (siebÀhnlich) in die Hohlvene einzusetzen. Dieser verhindert dann die Ausschwemmung eines Gerinnsels in die Lunge.

Prognose

Nach einer auskurierten Lungenembolie, muss die Grunderkrankung gefunden und behandelt werden, um erneute Thrombosen zu verhindern.

Rund 17% der Betroffenen erleiden einen RĂŒckfall. Seltener kann es zu chronischem Lungenhochdruck kommen, der pulmonalen Hypertonie.

3-4% erliegen einer Lungenembolie.

Mögliche Komplikationen:

  • Pleurtis (BrustfellentzĂŒndung)
  • Lungeninfarkt (Absterben des getroffenen Lungenreals) und blutiger Husten
  • Pneumonie (LungenentzĂŒndung)
  • Rechtherzversagen

Vorbeugen

Das Risiko einer Lungenembolie lÀsst sich durch die Behandlung der Grunderkrankung und verschiedene Risikofaktoren beeinflussen.  

  • Postoperativ: schnellstmögliche Mobilisierung, Krankengymnastik
  • BettlĂ€gerigkeit und ImmobilitĂ€t: Gerinnungshemmende Medikamente
  • Lange Reisen: regelmĂ€ĂŸiges Bewegen der FĂŒĂŸe z.b durch Kreisen od. Wippen
  • Thromboseneigung: KompressionsverbĂ€nde oder –strĂŒmpfe
  • Vermeidung von strenger Bettruhe
  • Vermeidung von hormonellen VerhĂŒtungsmitteln (östrogenhaltige)

Redaktionelle GrundsÀtze

Alle fĂŒr den Inhalt herangezogenen Informationen stammen von geprĂŒften Quellen (anerkannte Institutionen, Fachleute, Studien renommierter UniversitĂ€ten). Dabei legen wir großen Wert auf die Qualifikation der Autoren und den wissenschaftlichen Hintergrund der Informationen. Somit stellen wir sicher, dass unsere Recherchen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren.
Danilo Glisic

Danilo Glisic
Autor

Als Biologie- und Mathematikstudent verfasst er leidenschaftlich Magazinartikel zu aktuellen medizinischen Themen. Aufgrund seiner AffinitÀt zu Zahlen, Daten und Fakten, liegt sein Fokus dabei auf der Beschreibung von relevanten klinischen Studienergebnissen.

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