Plasmozytom (Multiples Myelom)

Plasmozytom (Multiples Myelom)
Internationale Klassifikation (ICD) C90.-

Grundlagen

Beschreibung

Das Plasmozytom ist eine bestimmte Art von Blutkrebs, bei der Plasmazellen des Blutes bösartig außer Kontrolle geraten. Es zählt zur Gruppe der Lymphome, genauer gesagt zu den B-Zell Non Hodgkin Lymphomen. Synonyme Bezeichnungen sind Multiples Myelom oder Morbus Kahler.

Plasmazellen sind eine Unterart von wei√üen Blutk√∂rperchen, die f√ľr die Immunabwehr verantwortlich sind und im Knochenmark gebildet werden.

Sie entstehen aus ver√§nderten Plasmazellen und produzieren √ľberm√§√üig viele Eiwei√üe (Antik√∂rper), die jedoch nicht funktionsf√§hig sind (Paraproteine). Diese Aktivit√§t schw√§cht das Immunsystem und macht Erkrankte anf√§lliger f√ľr Infektionen.

Generell erkranken jährlich nur 7 aus 100.000 Menschen an dieser Krankheit, die Männer häufiger als Frauen betrifft.

Ursachen

Plasmazelle außer Kontrolle

Gesunde Plasmazellen sind Abk√∂mmlinge wei√üer Blutk√∂rperchen. Sie werden im Knochenmark gebildet und stellen Antik√∂rper her, die f√ľr das Immunsystem und Immunantworten n√∂tig sind.

Bei einem Plasmozytom reproduziert sich eine Plasmazelle unkontrolliert. Nach und nach werden gesunde, blutbildende Zellen im Knochenmark von den bösartigen Plasmozytom-Zellen verdrängt.

Die genaue Ursache f√ľr diese b√∂sartige Entwicklung der Plasmazellen ist noch nicht vollst√§ndig gekl√§rt. H√§ufig werden in Krebszellen Ver√§nderungen an Chromosomen (Bestandteile der DNA), √ľberwiegend bei Chromosom 13 und 14, gefunden.

Ebenfalls wird vermutet, dass √§u√üere Einfl√ľsse wie Strahlung (ionisierend) und Pestizide die Entwicklung eines Playmozytoms beg√ľnstigen.

Symptome

Plasmozytom-Patienten entwickeln oft erst nach l√§ngerem Bestehen der Krankheit Beschwerden. Das h√§ufigste Symptom ist R√ľckenschmerz, da Knochensubstanz abgebaut wird und Wirbelk√∂rper br√ľchig werden.

Da dieses Leitsymptom vielerlei Ursachen haben kann, dauert es oft sehr lange bis eine eindeutige Diagnose gefunden wird.

Im Blutbild sichtbare Veränderungen:

  • An√§mie (Blutarmut): Zu wenige rote Blutk√∂rperchen - Antriebslosigkeit, Luftnot unter Belastung, Kopfschmerzen, Reizbarkeit;
  • Leukopenie: Mangel an wei√üen Blutk√∂rperchen - erh√∂hte Anf√§lligkeit f√ľr schwerwiegende und langwierige Infekte;
  • Thrombopenie: zu geringe Thrombozytenzahl (Blutpl√§ttchen) - gesteigerte Blutungsneigung, Neigung zu H√§matomen (Bluterg√ľssen);
  • Hoher Blut-Calciumspiegel: durch Abbau von Knochensubstanz - √úbelkeit, Erbrechen, Verwirrtheit, seltener Wirbelbr√ľche und L√§hmungserscheinungen;

Weiter ist die Nierenfunktion ist herabgesetzt, da (Para-) Proteine die Nierenkan√§lchen verstopfen. Oft kann weniger Fl√ľssigkeit ausgeschieden werden, das K√∂rpergewicht steigt und √Ėdeme entstehen. Ein Nierenversagen ist nicht auszuschlie√üen.

Diagnose

Das Plasmozytom wird in Stadien 1-3 eingeteilt. Hier gilt: Je fortgeschrittener die Erkrankung, desto h√∂her das Stadium. F√ľr die Zuteilung in das richtige Stadium ist eine Reihe von Untersuchungen notwendig:

Blutbild

Erste Hinweise liefert eine Blutuntersuchung. Das Augenmerk liegt auf Eiweißgehalt, Calcium- und Nierenwerten. Auch Paraproteine (monoklonale Gammopathie) lassen sich beim multiplen Myelom nachweisen.

Wie stark die Abweichung von den Normalwerten ist, h√§ngt mit dem Ausma√ü der Erkrankung zusammen. Dadurch k√∂nnen von Untersuchungsergebnissen (steigende oder fallende Werte) direkte R√ľckschl√ľsse auf die Entwicklung der Krankheit gezogen werden.

Knochenmarkspunktion

Der Plasmazellen-Anteil des Knochenmarks ist beim Plasmozytom von normalen 5% auf bis zu >10% erh√∂ht. F√ľr die Wahl der Therapie und eine m√∂glichst realistische Prognose ist eine genauere Untersuchung der entarteten Zellen unerl√§sslich.

Röntgen

Vor allem Knochenabbau (osteolytische Herde oder Osteoporose) wird auf einem Röntgenbild sichtbar.

Therapie

Das Plasmozytom lässt sich zwar behandeln, jedoch nicht vollständig heilen. Das Ziel der Therapie ist, die Ausbreitung der entarteten Plasmazellen einzudämmen.

In Stadium 1 sind oft noch keine Beschwerden vorhanden. Patienten werden lediglich beobachtet, da kein Nutzen einer fr√ľhen Behandlung erwiesen ist. Schreitet das Plasmozytom voran, besteht die M√∂glichkeit einer Chemotherapie.

Bei Stadien 2 und 3 besteht die derzeitige Standardbehandlung aus hochdosierter Chemotherapie und anschließender Knochenmarkstransplantation. Es handelt sich um eine autologe Transplantation, bei der gesunde Stammzellen des eigenen Körpers verwendet werden.

Sollte eine Stammzellentransplantation unm√∂glich sein, wird die Chemotherapie mit der Gabe von Kortison kombiniert. Beides kann √ľber die Einnahme von Tabletten erfolgen.

Die √§u√üerst schmerzhaften Knochenver√§nderungen erfordern eine unterst√ľtzende Therapie. R√∂ntgenbestrahlung und Medikamente (Bisphosphonate) lindern Schmerzen. Auch vorbeugende Ma√ünahmen gegen Infektionen sind wichtig. Impfungen z.b. gegen Grippe, Pneumokokken oder H√§mophilus influenzae bieten sich dazu an.

R√ľckf√§lle (Rezidive) kommen beim Multiplen Myelom sehr oft vor, auch wenn der Patient sehr gut auf die Therapie angesprochen hat. Es werden Folgetherapien notwendig:

  • Chemotherapie: Eine erneute Chemotherapie ist nur f√ľr Patienten sinnvoll, die nach erfolgreicher Therapie mindestens 6 Monate lang vollst√§ndig frei vom Plasmozytom waren (Vollremission).
  • Bortezomib: Es handelt sich um einen sog. Proteasom-Hemmer. Er greift in den Stoffwechsel der Krebszellen ein und ist f√ľr die Behandlung eines R√ľckfalls zugelassen.
  • Lenalidomid, Thalidomid: Immunmodulierende Medikamente, die die Blutgef√§√übildung im Knochenmark verhindern und auch den Stoffwechsel der Plasmozytomzellen beeinflussen.

Prognose

Art des Multiplen Myeloms, Alter, genereller Gesundheitszustand der Erkrankten und sogar die Teilungsrate der Krebszellen beeinflussen die Prognose maßgeblich. Die Lebenserwartung schwankt stark von wenigen Monaten bis mehrere Jahre.

Chronisch wird die Krankheit meist nach einer Dauer von 2-5 Jahren. Der Tod tritt h√§ufig durch einen Mangel an Blutzellen ein. Patienten √ľber 60 Lebensjahren sterben oft aus anderen Gr√ľnden wie z.b. durch Herzinfarkte oder Schlaganf√§lle.

Redaktionelle Grundsätze

Alle f√ľr den Inhalt herangezogenen Informationen stammen von gepr√ľften Quellen (anerkannte Institutionen, Fachleute, Studien renommierter Universit√§ten). Dabei legen wir gro√üen Wert auf die Qualifikation der Autoren und den wissenschaftlichen Hintergrund der Informationen. Somit stellen wir sicher, dass unsere Recherchen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren.
Danilo Glisic

Danilo Glisic
Autor

Als Biologie- und Mathematikstudent verfasst er leidenschaftlich Magazinartikel zu aktuellen medizinischen Themen. Aufgrund seiner Affinität zu Zahlen, Daten und Fakten, liegt sein Fokus dabei auf der Beschreibung von relevanten klinischen Studienergebnissen.

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