Refluxkrankheit (Refluxösophagitis)

Refluxkrankheit (Refluxösophagitis)
Internationale Klassifikation (ICD) K21.-

Grundlagen

Unter einer Reflux√∂sophagitis (Refluxkrankheit) versteht man eine Entz√ľndung der Speiser√∂hre. Verursacht wird die Erkrankung durch den R√ľckfluss von saurem Magensaft (S√§urereflux) in die Speiser√∂hre (√Ėsophagus). Eine h√§ufige Ursache f√ľr den S√§urer√ľckfluss ist ein Versagen des √Ėsophagussphinkters (Schlie√ümuskel am Mageneingang). Umgangssprachlich wird die Erkrankung auch als chronisches Sodbrennen bezeichnet.

Von der Entz√ľndung ist haupts√§chlich der untere Abschnitt der Speiser√∂hre betroffen, da dieser Teil direkt in den Magen m√ľndet. Bei der chronischen Reflux√∂sophagitis (wiederkehrende Speiser√∂hrenentz√ľndung) besteht das Risiko, dass sich aufgrund des andauernden Entz√ľndungsprozesses mit der Zeit ein Speiser√∂hrenkrebs entwickelt.

Etwa jede f√ľnfte Person in den westlichen Industriestaaten leidet an der Refluxkrankheit. S√§mtliche Altersgruppen ‚Äď einschlie√ülich Babys und Kinder ‚Äď k√∂nnen davon betroffen sein. Beobachtungen zufolge nimmt sowohl die H√§ufigkeit der Reflux√∂sophagitis, als auch die H√§ufigkeit der seltenen Folgeerkrankung Speiser√∂hrenkrebs zu.

Ursachen

Die Ursache der Refluxkrankheit liegt in einem Versagen des √Ėsophagussphinkters (Schlie√ümuskel zwischen Magen und Speiser√∂hre), wodurch der saure Mageninhalt in die Speiser√∂hre zur√ľckflie√üen kann. Durch die st√§ndige Magens√§urebelastung entwickelt sich eine chronische Entz√ľndung der Speiser√∂hren-Schleimhaut.

Einer Refluxösophagitis können mehrere Ursachen zugrunde liegen:

  • Der √Ėsophagussphinkter (Schlie√ümuskel zwischen Magen und Speiser√∂hre) ist zu schwach und schlie√üt daher nicht ausreichend.
  • Die Durchtritts√∂ffnung der Speiser√∂hre durch das Diaphragma (Zwerchfell) ist zu gro√ü.
  • Der Verschluss des Magens in Richtung Speiser√∂hre wird durch anatomische Begebenheiten verhindert.

Die genaue Ursache, warum der Schließmuskel zwischen Magen und Speiseröhre bei manchen Menschen zu schwach ist, ist bislang nicht bekannt. Als gesichert gilt jedoch, dass zusätzliche Faktoren wie Übergewicht, Nikotin, Alkohol und spezielle Medikamente das Risiko einer Refluxösophagitis erhöhen.

Zudem kann die Refluxkrankheit bei Frauen gegen Ende der Schwangerschaft hin auftreten, da der Magen durch das Ungeborene nach oben gedr√ľckt wird, wodurch etwas Mageninhalt in die Speiser√∂hre zur√ľckflie√üt. Etwa jede zweite Frau leidet im letzten Schwangerschaftsdrittel unter der Reflux√∂sophagitis.

Symptome

Ein charakteristisches Symptom der Reflux√∂sophagitis ist Sodbrennen. Darunter versteht man brennende, von unten nach oben ausstrahlende Schmerzen hinter dem Brustbein. Das Sodbrennen tritt besonders h√§ufig nachts beim Schlafen auf, da der Betroffene flach im Bett liegt, wodurch der Magensaft leichter in die Speiser√∂hre zur√ľckflie√üen kann.

Zudem können folgende Beschwerden ein Anzeichen einer Refluxkrankheit darstellen:

  • Druckgef√ľhl in der Brust (hinter dem Brustbein)
  • Aufsto√üen von Luft
  • Ein seifiger oder salziger Geschmack im Mund nach dem Aufsto√üen
  • Beschwerden beim Schlucken
  • √úbelkeit und Erbrechen
  • Sodbrennen
  • Zur√ľckflie√üen von Nahrungsresten

Auch kann die Magens√§ure √ľber die Speiser√∂hre in die Luftwege gelangen, wodurch unter anderem folgende Erkrankungen hervorgerufen werden k√∂nnen:

  • Sinusitis (Entz√ľndung der Nasennebenh√∂hlen)
  • Pharyngitis (Kehlkopf-Entz√ľndung)
  • Heiserkeit
  • chronischer Husten
  • chronische Bronchitis

Diagnose

Bei der Anamnese (√§rztliches Gespr√§ch) gibt die Schilderung der charakteristischen Beschwerden der Reflux√∂sophagitis dem Arzt einen ersten Hinweis auf die Erkrankung. Jedoch k√∂nnen Brustschmerzen auch von zahlreichen anderen Erkrankungen hervorgerufen werden, die zun√§chst durch verschieden Untersuchungen ausgeschlossen werden m√ľssen.

Mithilfe einer Magenspiegelung (Gastroskopie) können die Schleimhautveränderungen der Speiseröhre sichtbar gemacht werden, wodurch eine sichere Diagnose der Refluxösophagitis gestellt werden kann. Zudem können im Rahmen der Magenspiegelung Gewebeproben entnommen werden (Biopsie), deren mikroskopische Untersuchung die Diagnose weiter festigt.

In seltenen F√§llen wird eine sogenannte Langzeit-pH-Metrie durchgef√ľhrt. Dabei handelt es sich um eine S√§uremessung in der Speiser√∂hre √ľber einen Zeitraum von 24 Stunden. Um die Messung durchzuf√ľhren, wird eine zirka drei Zentimeter lange Kapsel im Rahmen einer Magenspiegelung in die Schleimhaut der Speiser√∂hre eingebracht. Die Kapsel misst anschlie√üend die S√§urekonzentration und √ľbermittelt die Werte √ľber Funk auf ein Registrierger√§t.

Therapie

Eigene Maßnahmen

Bevor bei der Refluxkrankheit oder auch generell bei anderen Magenbeschwerden eine Therapie eingeleitet wird, ist es sinnvoll, das Risiko einer Refluxösophagitis zunächst durch allgemeine Maßnahme zu reduzieren:

  • Bei √úbergewicht eine Gewichtsreduktion
  • Verzicht auf Kaffee, Alkohol und Nikotin
  • Vor dem Schlafengehen kein reichliches Essen
  • Anstatt wenigen gro√üen Mahlzeiten besser √ľber den Tag verteilt mehrere kleine Portionen
  • Keine stark gew√ľrzten oder s√§urehaltigen Speisen
  • In einem Bett mit hochgestelltem Kopfende schlafen

Stadien der Refluxösophagitis

Die Therapie der Refluxkrankheit hängt vom Stadium der Erkrankung ab:

  • Nicht-erosive Refluxkrankheit: Dabei handelt es sich um eine Refluxerkrankung, bei der noch keine Verletzungen der Speiser√∂hren-Schleimhauthaut vorliegen. Zur Therapie werden Protonenpumpenhemmer, Antazida und Prokinetika empfohlen. Die nicht-erosive Refluxkrankheit stellt die h√§ufigste Form der Erkrankung dar.
  • Erosive Refluxkrankheit: Liegen bereits Verletzungen der Speiser√∂hren-Schleimhaut vor, stellen Protonenpumpenhemmer das Mittel der Wahl dar. In den meisten F√§llen verschwinden dadurch die Beschwerden innerhalb von zwei Wochen.
  • Barrett-√Ėsophagus: Falls es bereits zu Zellver√§nderung in der Schleimhaut der Speiser√∂hre gekommen ist, wird dies als Barrett-√Ėsophagus bezeichnet. Dabei ist das Risiko f√ľr die Entwicklung von Speiser√∂hrenkrebs erh√∂ht. Beschwerdefreie Patienten bed√ľrfen keiner besonderen Behandlung, jedoch muss die Speiser√∂hren-Schleimhaut regelm√§√üig auf b√∂sartige Ver√§nderungen hin untersucht werden. Mithilfe von Protonenpumpenhemmern k√∂nnen etwaige Beschwerden gelindert werden, das Krebsrisiko wird allerdings nicht beeinflusst.

Medikamentöse Therapie

Mithilfe von Magensäure-Hemmern können die Beschwerden effektiv gelindert werden:

  • Antazida: Mittels Antazida wird die Magens√§ure neutralisiert, wodurch vor√ľbergehend eine Besserung der Symptome erreicht wird. Die Pr√§parate sind rezeptfrei erh√§ltlich und sind unter Umst√§nden auch f√ľr die Therapie der Schwangerschafts-Refluxkrankheit geeignet. Da der Magen mit der Zeit die Antazida-Therapie durch eine erh√∂hte Magens√§ureproduktion kompensiert, ist eine Dauertherapie nicht angezeigt.
  • Histamin-H2-Rezeptorblocker: Diese Wirkstoffe blockieren den Histaminrezeptor, √ľber den der K√∂rper die Produktion und Freisetzung der Magens√§ure reguliert. Auf diese Weise wird die S√§ure im Magen reduziert.
  • Protonenpumpenhemmer: Diese Wirkstoffe hemmen in der Magenschleimhaut ein Enzym, welches f√ľr den Transport der Magens√§ure in das Mageninnere zust√§ndig ist. Da dieses Enzym haupts√§chlich am Morgen gebildet wird, m√ľssen die Pr√§parate morgens eingenommen werden. Da Protonenpumpenhemmer spezifisch auf die Magenschleimhaut wirken und relativ geringe Nebenwirkungen verursachen, stellen diese Wirkstoffe den Standard in der Langzeittherapie dar.

Durch die Einnahme von Prokinetika wird die Peristaltik (Muskelbewegungen) des Magens und des Darms angeregt, wodurch die Magens√§ure schneller vom Magen in den Darm abtransportiert wird. Zudem wird die Funktion des √Ėsophagussphinkters (Schlie√ümuskel zwischen Magen und Speiser√∂hre) verbessert. Prokinetika werden vor allem bei √úbelkeit und Erbrechen eingesetzt.

H√§ufig werden Magenbeschwerden von Bl√§hungen sowie einem V√∂llegef√ľhl begleitet. Diese Beschwerden k√∂nnen durch zahlreiche rezeptfrei erh√§ltliche Wirkstoffe gelindert werden, beispielsweise durch Tropfen oder Tees mit Mischungen aus Anis, K√ľmmel und Fenchel.

Falls sich eine chronische Refluxkrankheit nicht ausreichend mit Medikamenten beheben l√§sst, k√∂nnen die Beschwerden durch eine Operation behoben werden. Dabei wird eine sogenannte Hiatoplastik durchgef√ľhrt, bei der die Funktion des Schlie√ümuskels zwischen Speiser√∂hre und Magen wiederhergestellt wird, wodurch das Zur√ľckflie√üen von Magens√§ure verhindert wird. Dieser Eingriff wird im Normalfall minimalinvasiv im Rahmen einer laparoskopischen Operation durchgef√ľhrt.

Bei der Radiofrequenztherapie wird der Schlie√ümuskel zwischen Speiser√∂hre und Magen √ľber einen Spezialkatheter mithilfe von Radiowellen erw√§rmt. Diese Erw√§rmung bewirkt eine dauerhafte Verdickung des Bindegewebes, wodurch ein Zur√ľckflie√üen der Magens√§ure in die Speiser√∂hre verhindert wird. In manchen F√§llen m√ľssen Patienten jedoch trotz einer Radiofrequenztherapie weiterhin magens√§urehemmende Medikamente einnehmen.

Prognose

Durch eine konsequente Einhaltung der Therapie kann in den meisten Fällen eine Linderung der Beschwerden einer Refluxösophagitis erreicht werden.

Falls es durch den anhaltenden Entz√ľndungsprozess bereits zu Zellver√§nderungen in der Speiser√∂hren-Schleimhaut gekommen ist (Barrett-√Ėsophagus), ist das Risiko f√ľr eine Erkrankung an Speiser√∂hrenkrebs erh√∂ht. Im Regelfall wird dann alle drei Jahre im Rahmen einer Kontrolluntersuchung eine Magenspiegelung vorgenommen, um etwaige b√∂sartige Zellver√§nderungen fr√ľhzeitig feststellen zu k√∂nnen.

Vorbeugen

Durch die Einhaltung folgender Maßnahmen kann das Risiko einer Refluxerkrankung reduziert werden:

  • Kein Rauchen
  • Alkoholkonsum nur in geringen Mengen
  • Bei √úbergewicht eine Gewichtsreduktion
  • Keine fettreichen Speisen
  • Nur kleine Portionen vor dem Schlafengehen essen
  • Verzicht auf stark gew√ľrzte oder s√§urehaltige Speisen

Redaktionelle Grundsätze

Alle f√ľr den Inhalt herangezogenen Informationen stammen von gepr√ľften Quellen (anerkannte Institutionen, Fachleute, Studien renommierter Universit√§ten). Dabei legen wir gro√üen Wert auf die Qualifikation der Autoren und den wissenschaftlichen Hintergrund der Informationen. Somit stellen wir sicher, dass unsere Recherchen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren.
Danilo Glisic

Danilo Glisic
Autor

Als Biologie- und Mathematikstudent verfasst er leidenschaftlich Magazinartikel zu aktuellen medizinischen Themen. Aufgrund seiner Affinität zu Zahlen, Daten und Fakten, liegt sein Fokus dabei auf der Beschreibung von relevanten klinischen Studienergebnissen.

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