Syphilis

Syphilis
Internationale Klassifikation (ICD) A53.-

Grundlagen

Syphilis ist eine durch Bakterien verursachte Geschlechtskrankheit (sexually transmitted disease, STD), welche durch den Erreger Treponema pallidum hervorgerufen wird. In medizinischen Kreisen wird Syphilis manchmal auch als Lues venerea bezeichnet, manche Leute kennen die Krankheit aber auch unter dem Namen harter Schanker oder Franzosenkrankheit.

Typisch f√ľr Syphilis ist, dass die Erkrankung in verschiedenen Stadien verl√§uft. Zu Zeiten, in denen es noch keine Antibiotika gab, war vor allem das letzte (=4.) Stadium sehr gef√ľrchtet, da es hier zu Sch√§digungen des Nervensystems kommt. Heutzutage ist Syphilis aber mittels antibiotischer Therapie gut in den Griff zu bekommen. Wird die Krankheit jedoch nicht behandelt, kann sie zu Folgesch√§den oder sogar zum Tod f√ľhren.

In den 90er Jahren kam es zum einem starken R√ľckgang der Syphilis-Erkrankungen, weil sich viele Menschen aus Angst vor HIV-Infektion ausreichend beim Geschlechtsverkehr sch√ľtzten. In den letzten Jahren kam es jedoch immer mehr zu Vernachl√§ssigung des Schutzes beim Geschlechtsverkehr, so dass die Infektionsraten der Geschlechtskrankheiten wieder angestiegen sind.

Der Erkrankungsgipfel liegt zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr, wobei Männer häufiger von Syphilis betroffen sind als Frauen. Jede Infektion mit dem Syphilis-Erreger unterliegt einer Meldepflicht beim Gesundheitsamt.

Ursachen

Syphilis wird durch eine Infektion mit dem Bakterium Treponema pallidum hervorgerufen. Eine √úbertragung des Erregers erfolgt durch ungesch√ľtzten Geschlechtsverkehr. Das Bakterium bildet kleine Geschw√ľre im Genitalbereich, die dann wiederum Quellen f√ľr eine weitere √úbertragung darstellen. Treponema pallidum kann jedoch auch √ľber andere Formen sexuellen Kontaktes √ľbertragen werden, wie Anal- oder Oralverkehr. Das Risiko an Syphilis zu erkranken steigt bei Menschen mit h√§ufig wechselnden Sexualpartnern deutlich an.

Frauen k√∂nnen auch w√§hrend der Schwangerschaft ihr heranwachsendes Kind √ľber die Plazenta infizieren. Kommt es w√§hrend einer Schwangerschaft zur Infektion des Fetus, kann dies zur so genannten konnatalen Syphilis f√ľhren, was eine Fehlgeburt oder angeborene Fehlbildungen zur Folge hat.

Eine √úbertragung von Syphilis √ľber kontaminierte WC-Anlagen, Schwimmbecken oder Essbesteck ist nicht m√∂glich, ebenso wenig √ľber Blutkonserven.

Symptome

Eine Syphilis hat, wenn sie nicht ausreichend behandelt wird, eine typischen Krankheitsverlauf, der in vier Stadien unterteilt wird. Das erste und das zweite Stadium werden zur Fr√ľhsyphilis zusammengefasst, Stadium drei und vier werden zusammen als Sp√§tsyphilis bezeichnet.

Primärstadium (1. Stadium)

Die Inkubationszeit, also der Zeitraum von der Infektion bis zum Auftreten der ersten Symptome, kann zwischen 10 und 90 Tage betragen. Nach dieser Inkubationszeit kann ein Geschw√ľr an der Haut- oder Schleimhautstelle sichtbar werden, an welcher der Erreger zuvor eingedrungen ist. Dies wird auch als Prim√§raffekt oder als harter Schanker bezeichnet. Da Syphilis in den meisten F√§llen durch Geschlechtsverkehr √ľbertragen wird, sind solche Geschw√ľre meist am Penis oder an der Scheide zu finden. Tritt ein Geschw√ľr im Intimbereich auf, sollte immer an Syphilis gedacht werden. Nach Analverkehr kann ein solches Geschw√ľr aber auch im Darm und nach Oralverkehr im Mund gefunden werden.

Dabei handelt es sich um ein ger√∂tetes Geschw√ľr, das meist ein hoch infekti√∂ses Sekret absondert. In weiterer Folge werden die benachbarten Lymphknoten von der Infektion betroffen, was sich durch eine Schwellung dieser bemerkbar macht. Auch ohne antibiotische Therapie heilt das Geschw√ľr normalerweise nach ein paar Wochen ab.

Sekundärstadium (2. Stadium)

Dieses Stadium, das ungef√§hr drei bis sechs Wochen nach den ersten Beschwerden auftritt, ist durch unspezifische Symptome, wie erh√∂hte K√∂rpertemperatur, M√ľdigkeit sowie durch Glieder- und Kopfschmerzen gekennzeichnet. Au√üerdem k√∂nnen viele Lymphknoten √ľber den ganzen K√∂rper verteilt anschwellen. Nach weiteren zwei Wochen erscheint ein Hautausschlag, der zun√§chst zarte, schwach ger√∂tete Flecken aufweist. In weiterer Folge entstehen aus diesen Flecken grobe, dunkle Knoten, die auch als Pappeln bezeichnet werden. Besonders gro√üe Pappeln werden als Condylomata lata bezeichnet, die platzen k√∂nnen und dadurch gro√üe Mengen an infekti√∂sem Sekret absondern k√∂nnen. In manchen F√§llen sind solche Syphilis-L√§sionen auch der Schleimhaut des Mund- oder Genitalbereichs sichtbar. Auch Haarausfall ist in sehr seltenen F√§llen zu beobachten.

Diese Ver√§nderungen der Haut und Schleimhaut bilden sich nach bis zu vier Monaten zur√ľck, k√∂nnen jedoch ohne ad√§quate Behandlung innerhalb von 2 Jahren immer wieder auftreten.

Latente Phase

Nach den Stadien der Fr√ľhsyphilis kann es bei vielen Betroffenen zu einem Sistieren der Erkrankung kommen. Allerdings kann es aus der latenten Phase auch nach langer Zeit zu einem erneuten Ausbruch der Krankheit kommen und zur so genannten Sp√§tsyphilis f√ľhren. Auch in der latenten Phase der Syphilis sind noch immer Bakterien im K√∂rper des Erkrankten, weshalb auch zu diesem Zeitpunkt ein Ansteckungsrisiko besteht. Je mehr Zeit allerdings ohne Auftreten von Symptomen vergeht, desto weniger Gefahr besteht andere anzustecken.

Tertiärstadium (3. Stadium)

Etwa drei bis f√ľnf Jahre nach den lokalen Beschwerden (Geschw√ľre, geschwollene Lymphknoten) kann die Erkrankung einen systemischen Verlauf nehmen. Dabei sind verschiedenste Organe des K√∂rpers betroffen, wie Blutgef√§√üe, Atemwege, Magen-Darm-Trakt, Muskeln und Knochen. Au√üerdem bilden sich in den betroffenen Organen gummiartig verh√§rtete Knoten, die als Gummen (Einzahl: Gumma) bezeichnet werden.

Diese Knoten k√∂nnen aufgehen und dadurch zu einer Sch√§digung des umliegenden Gewebes f√ľhren. Treten solche Gummen im Bereich der Aorta (Hauptschlagader) auf, kann dies zu Aussackungen der Gef√§√üw√§nde (Aneurysma) f√ľhren, was lebensbedrohlich sein kann.

Neurolues (4. Stadium)

Wird die Syphilis weiterhin nicht ad√§quat behandelt, erreicht die Erkrankung zehn bis zwanzig Jahre nach Krankheitsbeginn ein Stadium, in dem es zu schweren Sch√§den des Nervensystems kommt. In etwa 25% der F√§lle ist eine anhaltende Gehirnentz√ľndung (Syphilis cerebrospinalis) zu beobachten, die zum stetigen Verlust der Gehirnleistung und schlie√ülich zur Demenz f√ľhrt.

Weiters kann die Syphilis auch das R√ľckenmark sowie davon austretende Nervenwurzeln und Nerven befallen. Anfangs macht sich dies durch starke Schmerzen bemerkbar, in weiterer Folge kommt es durch die Zerst√∂rung der Nerven zum Verlust von Schmerz- und Temperaturwahrnehmung. Auch Organfunktionen, die √ľber das vegetative (unbewusste) Nervensystem gesteuert werden, k√∂nnen beeintr√§chtigt werden. So k√∂nnen bei den Betroffenen die Kontrolle √ľber Harndrang und Stuhlgang gest√∂rt sein. Des Weiteren haben die Erkrankten Koordinationsprobleme beim Gehen. Im schlimmsten Fall kann die Erkrankung zur L√§hmung f√ľhren.

Dieses Stadium der Syphilis ist heutzutage jedoch in westlichen Staaten nicht mehr zu beobachten, da die Erkrankung mit Antibiotika gut behandelbar ist.

Diagnose

Anfangs wird der behandelnde Arzt Fragen zu Beschwerden und Krankheitsverlauf stellen (Anamnese) und eine k√∂rperliche Untersuchung durchf√ľhren. Bei Verdacht auf eine Syphilis wird er an der Infektionsstelle einen Abstrich anfertigen und etwas Blut abnehmen. Aus Blut und Abstrich kann eine bakterielle Kultur angelegt werden, was zum Nachweis des Erregers dient. Wird eine Syphilis vermutet, sollte auch untersucht werden, ob andere Geschlechtskrankheiten vorliegen.

‚ÄĘW√§hrend der Fr√ľhsyphilis (1. und 2. Stadium) kann ein Erregernachweis direkt durch einen Abstrich an der Infektionsstelle bzw. am Geschw√ľr erfolgen, indem der Abstrich unter dem Mikroskop betrachtet wird.

‚ÄĘMittels einer Untersuchung der Blutprobe k√∂nnen Antik√∂rper, die gegen den Syphilis-Erreger gerichtet sind, nachgewiesen werden. Durch eine so genannte Polymerasekettenreaktion (PCR) kann untersucht werden, ob DNA des Bakteriums im Blut vorhanden ist.

‚ÄĘLiegt bereits ein Neurolues vor, wird normalerweise eine R√ľckenmarkspunktion mit Untersuchung der Gehirnfl√ľssigkeit (Liquor) durchgef√ľhrt.

Zu Beginn einer Schwangerschaft wird heutzutage bei jeder Frau eine routinem√§√üige Untersuchung auf Syphilis durchgef√ľhrt, womit eine Infektion der Neugeborenen mittlerweile nur mehr selten vorkommt.

Therapie

Antibiotika

Syphilis kann durch eine antibiotische Therapie gut behandelt werden. Wie lange Antibiotika verabreicht werden m√ľssen, wird vor allem durch Krankheitsverlauf und ‚Äďdauer sowie durch Zustand des Patienten bestimmt.

Die Stadien der Fr√ľhsyphilis (1. und 2. Stadium) werden √ľblicherweise etwa 14 Tage lang mit Penicillin behandelt. Besonders gut eignet sich dabei die Gabe von Depotpenicillin, das ein- bis zweimal in den Muskel (intramuskul√§r) gespritzt wird. Ist die Erkrankung bereits bis zur Sp√§tsyphilis fortgeschritten, ist meist eine dreiw√∂chige Therapie notwendig.Eine Therapiedauer von diesem Ausma√ü kann von grippe√§hnlichen Nebenwirkungen begleitet werden.

Hat die Syphilis bereits das Stadium des Neurolues erreicht, ist eine hochdosierte Gabe von Penicillin notwendig.

Besteht bei den Betroffenen eine Allergie gegen Penicillin, kann als Alternative Erythromycin, Doxycyclin oder Tetracyclin verabreicht werden.

Behandlung des Partners

Da Syphilis durch Geschlechtverkehr √ľbertragen wird, ist es notwendig den Partner des Erkrankten ebenfalls auf eine Infektion zu untersuchen. Weiters sollten Personen, die an Syphilis erkrankt und im Prim√§rstadium sind, s√§mtliche Sexualpartner der letzten drei Monate kontaktieren und sie auf eine m√∂gliche Infektion hinweisen.

Wird die Diagnose erst im Sekundärstadium gestellt, sollte der Betroffen sogar die Sexualpartner der vergangenen zwei Jahre informieren.

Wie wichtig es ist, dass sich auch die Sexualpartner auf eine mögliche Infektion untersuchen lassen wird durch Studienergebnisse, die eine Infektionsrate von mehr als 50 % der Sexualpartner zeigten, hervorgehoben.

Nachuntersuchungen

Nach erfolgreicher Behandlung der Syphilis sollte in den ersten drei Monaten in monatlichen Abst√§nden Nachuntersuchungen mit Blutentnahmen durchgef√ľhrt werden. Au√üerdem sind weitere Nachuntersuchungen nach sechs Monaten und nach einem Jahr zu empfehlen. Danach sollte zumindest einmal j√§hrlich ein Arzt zur Nachuntersuchung aufgesucht werden.

Nach behandelter Fr√ľhsyphilis eignen sich normalerweise Blutuntersuchungen zur Kontrolle des Krankheitsverlaufs. Wurde die Erkrankung jedoch erst im Stadium der Sp√§tsyphilis erkannt und behandelt, liefern Blutuntersuchungen nicht immer verl√§ssliche Ergebnisse, weshalb in diesen F√§llen ein Cardiolipin-Test durchgef√ľhrt werden sollte.

Prognose

Die Prognose der Erkrankung wird im Wesentlichen vom Krankheitsstadium, das zu Diagnosezeitpunkt vorliegt, sowie durch den Erfolg der Behandlung bestimmt. Während das Primär- und Sekundärstadium der Syphilis auch ohne medikamentöse Therapie ausheilen kann, ist bei den Stadien der Spätsyphilis auf jeden Fall eine ärztliche Behandlung notwendig, da es sonst zu schweren, bleibenden Schäden kommen kann.

In den meisten Fällen sind irreversible Folgeschäden durch eine effektive Behandlung zu vermeiden, hat die Erkrankung zu Therapiebeginn aber bereits das Stadium des Neurolues erreicht, ist auch mit konsequenter Antibiotika-Therapie die Aussicht auf Heilung meist schlecht.

Vorbeugen

Man kann gewisse Ma√ünahmen setzen um einer Infektion mit dem Syphilis-Erreger vorzubeugen. Zu den wichtigsten Vorbeugema√ünahmen z√§hlt der Schutz beim Geschlechtsverkehr durch Kondome. Insbesondere Menschen, die h√§ufig Sexualpartner wechseln, sollten besonders auf effizienten Schutz beim Geschlechtsverkehr achten. Wenn auch das Risiko an Syphilis zu erkranken durch gesch√ľtzten Geschlechtsverkehr stark reduziert werden kann, ist es auch in seltenen F√§llen m√∂glich, dass der Erreger durch K√ľssen oder durch einfache Ber√ľhrungen √ľbertragen wird.

Wenn Sie glauben sich mit Syphilis infiziert zu haben, ist es empfehlenswert einen Arzt aufzusuchen. Dies sollte möglichst bald erfolgen, weil nur durch rasche Behandlung eine gute Prognose erzielt werden kann. Weiters ist daran zu denken, dass sich auch der/die Sexualpartner untersuchen und behandeln lassen sollten.

Schwangere Frauen werden routinemäßig im Rahmen des Mutter-Kind-Passes auf die Erkrankung getestet. Sollte die Schwangere wirklich mit dem Erreger infiziert sein, kann durch spezielle Maßnahmen eine Übertragung auf den Fetus weitgehend vermieden werden.

Redaktionelle Grundsätze

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Danilo Glisic

Danilo Glisic
Autor

Als Biologie- und Mathematikstudent verfasst er leidenschaftlich Magazinartikel zu aktuellen medizinischen Themen. Aufgrund seiner Affinität zu Zahlen, Daten und Fakten, liegt sein Fokus dabei auf der Beschreibung von relevanten klinischen Studienergebnissen.

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