Thrombotisch-thrombozytopenische Purpura (TTP)

Thrombotisch-thrombozytopenische Purpura (TTP)
Internationale Klassifikation (ICD) M31.-
Symptome Thrombozytopenie, Petechenien, Anämie, Neurologische Symptomatik, Verschlechterung der Sehkraft, Fieber, Kopfschmerzen, leichte Nierenschädigung
Mögliche Ursachen Blutgerinnsel, Defekt der Zinkprotease ADAMTS13, Infektionserkrankung, Autoimmunerkrankung, Medikamenteneinnahme
Mögliche Risikofaktoren Infektion, Schwangerschaft, operative Eingriffe, verringerte Aktivität der ADAMTS13-Protease, Krebserkrankung, Fieber, Durchfall, Medikamenteneinnahme

Grundlagen

Unter Thrombotisch-thrombozytopenische Purpura (auch Thrombotisch-thrombopenische Purpura, Moschcowitz-Syndrom oder TTP genannt) versteht man eine lebensbedrohliche Erkrankung, bei der es zur Entstehung thrombozytenreicher (blutplättchenreicher) Blutgerinnsel in den kleinsten Blutgefäßen kommt. Diese verstopfen die Kapillaren besonders im Gehirn und in den Nieren, wodurch schwerwiegende Organschädigungen verursacht werden.

Die Thrombotisch-thrombozytopenische Purpura ist eine sehr seltene Erkrankung. Pro Jahr erkranken durchschnittlich etwa 3 bis 7 Personen pro einer Million Menschen an der TTP. Am häufigsten macht sich die Erkrankung im Alter zwischen 30 und 40 Jahren bemerkbar. Frauen sind durchschnittlich häufiger betroffen als Männer. Zudem weisen Menschen afrikanischer Abstammung ein höheres Erkrankungsrisiko auf.

Ursachen

Bei der Thrombotisch-thrombozytopenische Purpura handelt es sich ebenso wie beim h√§molytisch-ur√§mischen Syndrom (HUS) um eine sogenannte thrombotische Mikroangiopathie. Dabei kommt es durch die Bildung von kleinen Blutgerinnseln zu einer St√∂rung des Blutflusses in den kleinsten Blutgef√§√üen, wodurch das durch die Gef√§√üe versorgte Gewebe infolge eines Sauerstoffmangels gesch√§digt wird. Die Erythrozyten (rote Blutk√∂rperchen) werden durch die Gef√§√üverschl√ľsse zudem auch mechanisch gesch√§digt.

Nach heutigem Wissenstand wird die TTP durch einen Defekt der Zinkprotease ADAMTS13 verursacht. Diese Zinkprotease spaltet im Normalfall den Von-Willebrand-Faktor, der eine gro√üe Rolle bei der Blutgerinnung spielt. Sobald die Aktivit√§t der ADAMTS13-Protease auf unter 10 Prozent ihres nat√ľrlichen Wertes sinkt, bilden sich Blutgerinnsel in den kleinsten Gef√§√üen des K√∂rpers, wodurch diese verstopft und das Gewebe infolgedessen mit zu wenig Sauerstoff versorgt wird.

Ein Mangel an der ADAMTS13-Protease kann bei einer bestehenden genetischen Veranlagung durch einen zusätzlichen auslösenden Faktor (beispielsweise eine Infektion) verursacht werden. Zudem kann der Mangel die Folge einer Autoimmunerkrankungen sein, bei der das körpereigene Immunsystem Antikörper gegen die ADAMTS13-Protease bildet.

Es existiert bislang keine allgemein anerkannte Einteilung der verschiedenen Formen der TTP. Häufig wird jedoch zwischen einer idiopathischen, einer sekundären sowie einer familiären TTP unterschieden:

  • Idiopathische TTP: Bei der idiopathischen TTP kann kein unmittelbarer Ausl√∂ser f√ľr die Erkrankung herausgefunden werden. Dies ist in den meisten Krankheitsf√§llen der TTP der Fall. Es wird jedoch vermutet, dass es sich dabei um eine Autoimmunkrankheit handelt, bei der es zur Bildung von Antik√∂rpern gegen die Zinkprotease ADAMTS13 oder gegen ein bestimmtes Protein auf der Oberfl√§che der Thrombozyten kommt.
  • Sekund√§re TTP:¬†In etwa 15 Prozent der Krankheitsf√§lle kann ein bestimmter ausl√∂sender Faktor festgestellt werden. Beispiele hierf√ľr sind eine Schwangerschaft, Knochenmarktransplantationen, Infektionserkrankungen (HIV, Bartonellose), Krebserkrankungen (Adenokarzinom des Magens), Autoimmunerkrankungen (Systemischer Lupus Erythematodes), bestimmte Medikamente (Ciclosporin, Ovulationshemmer, Mitomycin), Chinin (Inhaltsstoff in Tonic Water sowie einigen Malariamitteln) und der Konsum von Kokain.
  • Famili√§re TTP:¬†Die Ursache der famili√§ren TTP (auch Upshaw-Shulman-Syndrom genannt) ist einen Gendefekt am ADAMTS13-Gen. Dieses Gen spielt eine wichtige Rolle bei der Produktion der ADAMTS13-Zinkprotease. Es sind bislang etwa 40 unterschiedliche Mutationen dieses Gens bekannt, die autosomal-rezessiv vererbt werden. Die famili√§re TTP macht sich bereits kurz nach der Geburt bemerkbar, jedoch variiert die Auspr√§gung der Symptome stark, sodass einige Patienten zeitlebens nichts von ihrer Erkrankung bemerken. Manche Patienten sind jedoch auf eine lebenslange Therapie angewiesen. Das Risiko, einen akuten Schub der TTP zu erleiden, steigt bei Fieber, Durchfall, Infekten, Schwangerschaft sowie bei operativen Eingriffen.

Symptome

Folgende Symptome können bei der Thrombotisch-thrombozytopenische Purpura auftreten:

  • Thrombozytopenie:¬†Bei der Blutuntersuchung wird ein stark verringerter Wert der Thrombozyten (Blutpl√§ttchen) im peripheren Blut festgestellt. Dies hat seine Ursache darin, dass die Thrombozyten aufgrund der √ľberschie√üenden Blutgerinnung schneller verbraucht werden als sie nachgebildet werden k√∂nnen.
  • Petechenien:¬†Aufgrund des Mangels an Thrombozyten kommt es zu punktf√∂rmigen Blutungen in der Haut (fachsprachlich Petechenien genannt).
  • An√§mie: Die Erythrozyten werden durch die Blutgerinnsel in den Arteriolen und Kapillaren mechanisch gesch√§digt, sodass sie absterben und eine Blutarmut hervorgerufen wird.
  • Neurologische Symptomatik:¬†Aufgrund einer Minderdurchblutung bestimmter Gehirnareale kann es zu St√∂rungen des Bewusstseins, der Motorik, Sensibilit√§t, der Sehf√§higkeit sowie der Sprache kommen.
  • Verschlechterung der Sehkraft:¬†Die Netzhaut des Auges kann durch kleine Blutgerinnsel gesch√§digt werden, wodurch eine langsame Verschlechterung des Sehverm√∂gens verursacht wird.
  • Fieber¬†
  • Kopfschmerzen¬†
  • leichte Nierensch√§digung

Diagnose

Die Anamnese (√§rztliches Gespr√§ch) gibt Aufschluss dar√ľber, ob gewisse Risikofaktoren, welche einen akuten Schub der TTP ausl√∂sen k√∂nnen (beispielsweise Infektionen, Fieber) beim Patienten vorliegen. Zudem wird eine k√∂rperliche Untersuchung durchgef√ľhrt und der neurologische Status erhoben, um etwaige neurologische Symptome festzustellen.

Bei der Blutuntersuchung kann häufig eine Thrombozytopenie (Mangel an Blutplättchen) sowie eine Anämie festgestellt werden. Im Blutausstrich sind sogenannte Fragmentozyten nachweisbar, die auf eine mechanische Schädigung der Erythrozyten durch verstopfte Kapillaren hinweisen.

Mithilfe einer gelelektrophoretischen Multimeranalyse des Von-Willebrand-Faktors im Blutplasma kann eine verringerte Aktivität der ADAMTS13-Protease nachgewiesen werden. Eine Erkrankung an der Familiären TTP kann gegebenenfalls durch eine genetische Untersuchung bestätigt werden.

Therapie

Ein akuter Schub der Thrombotisch-thrombozytopenische Purpura stellt eine lebensbedrohliche Situation dar, die ein sofortiges Handeln erfordert. Die erfolgreichste Therapie ist die Plasmapherese, bei der dem Patienten Blutplasma eines Spenders verabreicht wird. Dadurch wird dem Patientenblut die fehlende ADAMTS13-Protease zugef√ľhrt. Diese Therapie bewirkt in bis zu 90 Prozent der F√§lle ein Ausklingen des akuten Schubes.

Dabei wird das Plasma mehrere Male ausgetauscht werden, wobei es auch zu zus√§tzlicher Medikamentengabe kommen kann. Zum Zeitpunkt eingenommene Arzneimittel, bei welchen jedoch Verdacht besteht, TTP ausl√∂sen zu k√∂nnen, werden abgesetzt. Dieser Prozess kann dementsprechend durchschnittlich zwei bis drei Stunden dauern und verzeichnet im Normalfall sehr selten unerw√ľnschte Nebenwirkungen. Falls eine Grunderkrankung, wie z.B. eine Infektion vorliegt, wird diese auch behandelt.¬†

Ab dieser Behandlung wird die Anzahl der Thrombozyten 6 Monate lang regelmäßig im Labor analysiert. Falls Verdacht auf einen Relaps besteht, kann die Therapie schnell wieder aufgenommen werden. Bei chronischer Ausprägung kann es dazu kommen, dass der Facharzt eine operative Entfernung der Milz empfiehlt. Folglich werden Impfungen zu Pneumokokken, Meningokokken und Haemophilus influenzae B eingenommen, um die Immunfolgen der fehlenden Milz ausgleichen zu können. 

Hinweis

Bevor Sie sich Operationen, Punktionen (d.h. Einstich mit Hohlnadel) und Zahneingriffen unterziehen, sollten Sie dem medizinischen Personal √ľber vorherrschende Blutgerinnsel-Erkrankungen in Erkenntnis bringen. Dadurch kann das Fachpersonal das Risiko auf Blutungen bzw. Thrombosen durch bestimmte Ma√ünahmen verringern. Auch falls Sie zus√§tzliche Medikamente einnehmen sollen, ist eine Absprache mit dem Facharzt ratsam.¬†

Mithilfe von Glukokortikoiden kann das Immunsystem des K√∂rpers ged√§mpft werden, was bei Patienten mit Autoantik√∂rpern gegen die ADAMTS13-Protease zu einer Besserung der Beschwerden f√ľhrt. Zudem kann durch die Gabe des monoklonalen Antik√∂rpers Rituximab, der auf die antik√∂rperproduzierenden B-Zellen wirkt, eine Verringerung der Produktion von Antik√∂rpern gegen die ADAMTS13-Protease erreicht werden.

Prognose

Unbehandelt hat die Thrombotisch-thrombozytopenische Purpura eine sehr schlechte Prognose und f√ľhrt in zirka 90 Prozent der F√§lle zum Tode. Da die Erkrankung zu einer Minderdurchblutung im Bereich der kleinsten Blutgef√§√üe f√ľhrt, versterben die Patienten zumeist an Sch√§digungen des Gehirns oder des Herzgewebes.

Mithilfe der heutigen Behandlungsmaßnahmen kann in etwa 70 bis 90 Prozent der Fälle eine Heilung des Krankheitsschubes erreicht werden. Patienten, die an der idiopathischen TTP leiden, haben ein etwa 35-prozentiges Risiko, innerhalb der nächsten zehn Jahre erneut einen Krankheitsschub zu erleiden. Ein schlechter prognostischer Faktor ist das Auftreten von neurologischen Symptomen sowie paradoxerweise eine hohe Restaktivität der ADAMTS13-Protease.

Vorbeugen

Da es sich bei der Thrombotisch-thrombozytopenische Purpura um eine genetisch vererbte Erkrankung oder um eine Autoimmunerkrankungen unbekannter Ursache handelt, gibt es bislang keine Empfehlungen, wie der Erkrankung vorgebeugt werden kann.

Redaktionelle Grundsätze

Alle f√ľr den Inhalt herangezogenen Informationen stammen von gepr√ľften Quellen (anerkannte Institutionen, Fachleute, Studien renommierter Universit√§ten). Dabei legen wir gro√üen Wert auf die Qualifikation der Autoren und den wissenschaftlichen Hintergrund der Informationen. Somit stellen wir sicher, dass unsere Recherchen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren.
Danilo Glisic

Danilo Glisic
Autor

Als Biologie- und Mathematikstudent verfasst er leidenschaftlich Magazinartikel zu aktuellen medizinischen Themen. Aufgrund seiner Affinität zu Zahlen, Daten und Fakten, liegt sein Fokus dabei auf der Beschreibung von relevanten klinischen Studienergebnissen.

Anzeige

Anzeige

Ihr persönlicher Arzneimittel-Assistent

afgis-Qualit√§tslogo mit Ablauf Jahr/Monat: Mit einem Klick auf das Logo √∂ffnet sich ein neues Bildschirmfenster mit Informationen √ľber medikamio GmbH & Co KG und sein/ihr Internet-Angebot: medikamio.com/ This website is certified by Health On the Net Foundation. Click to verify.
Medikamente

Durchsuche hier unsere umfangreiche Datenbank zu Medikamenten von A-Z, mit Wirkung und Inhaltsstoffen.

Wirkstoffe

Alle Wirkstoffe mit ihrer Anwendung, chemischen Zusammensetzung und Arzneien, in denen sie enthalten sind.

Krankheiten

Ursachen, Symptome und Behandlungsm√∂glichkeiten f√ľr h√§ufige Krankheiten und Verletzungen.

Die dargestellten Inhalte ersetzen nicht die originale Beipackzettel des Arzneimittels, insbesondere im Bezug auf Dosierung und Wirkung der einzelnen Produkte. Wir k√∂nnen f√ľr die Korrektheit der Daten keine Haftung √ľbernehmen, da die Daten zum Teil automatisch konvertiert wurden. F√ľr Diagnosen und bei anderen gesundheitlichen Fragen ist immer ein Arzt zu kontaktieren. Weitere Informationen zu diesem Thema sind hier zu finden