Vitamin D Mangel

Vitamin D Mangel
Internationale Klassifikation (ICD) E55.-

Grundlagen

Bei Vitamin D handelt es sich um ein fettl√∂sliches Vitamin, welches sowohl vom K√∂rper selbst produziert werden kann als auch √ľber die Nahrung aufgenommen werden kann. Im K√∂rper wirkt es wie ein Hormon.

Biochemische Grundlagen

Biochemisch gesehen handelt es sich um ein Steroid. Andere Steroide sind zum Beispiel Hormone wie √Ėstrogen, Testosteron und Cortison. Was wir als Vitamin D bezeichnen ist jedoch genau gesehen eine ganze Gruppe verschiedener Substanzen. Man unterscheidet Vitamin D2 (Ergocalciferol) und Vitamin D3 (Cholecalciferol). F√ľr beide dieser Substanzen kommen im K√∂rper inaktive Vorstufen (Provitamine) und aktive Formen vor. Das Provitamin D2 wird auch Ergosterol bezeichnet und das Provitamin D3 hei√üt auch 7-Dehydrocholesterin. Werden die Substanzen durch Stoffwechselvorg√§nge ver√§ndert und aktiviert, so werden sie zu 1,25-Dihydroxyergocalciferol (aktiviertes Vitamin D2) und 1,25-Dihydroxycholecalciferol (aktiviertes Vitamin D3), wobei das Letztere auch einfach Calcitriol genannt wird.

Vorkommen und Produktion

W√§hrend Vitamin D2 in manchen pflanzlichen Lebensmitteln vorkommt, findet man Vitamin D3 in tierischen Lebensmitteln. Durch Stoffwechselvorg√§nge in der Haut und Leber kann der K√∂rper jedoch auch Cholecalciferol, also Vitamin D3, produzieren. Dabei bildet zun√§chst die Leber aus Cholesterin das Molek√ľl 7-Dehydrocholesterin (Provitamin D3), welches anschlie√üend in der Haut gespeichert wird. Unter Einfluss von UV-Strahlung wird dieses dann zu Cholecalciferol gespalten. In der Leber und Niere kann dieses dann weiter zum aktiven Calcitriol umgewandelt werden: n√§mlich durch zweifache Hydroxylierung, wodurch es chemisch gesehen zum 1,25-Dihydroxycholecalciferol wird. Transportiert wird dieses dann mit Hilfe des Vitamin-D-bindenden Proteins (DBP). Gespeichert wird es jedoch noch vor dem letzten Aktivierungsschritt als 25-Hydroxycholecalciferol (Calcidiol) im Fettgewebe.

Lebensmittel mit hohem Gehalt an Vitamin D und Vorstufen:

  • fettiger Fisch (z.B. Hering, Makrele, Lachs)
  • Eigelb
  • Speisepilze
  • Margarine

Funktion im Körper

Die Funktion des Vitamins liegt prim√§r in der Beeinflussung des Calcium-Phosphat-Gleichgewichts. Zum einen f√∂rdert es die Aufnahme von Calcium und Phosphat im Darm, und andererseits wird die Ausscheidung von Calcium und Phosphat in der Niere verhindert. Dadurch k√∂nnen im Blut hohe Calcium- und Phosphatspiegel sichergestellt werden, welche wichtig f√ľr eine gesunde Knochenfunktion sind. Knochen sind n√§mlich im st√§ndigen Umbau und ben√∂tigen somit konstant Mineralstoffe, um hart und belastbar zu bleiben.¬†

Umgekehrt verhält es sich, wenn zu wenig Calcium im Blut ist. Dann fördert das Vitamin den Abbau von Knochenmaterial, um die Calciumspiegel im Blut wieder zu erhöhen. Andere Funktionen von Vitamin D sind etwa regulierende Prozesse in der Blutbildung und dem Immunsystem.

Ursachen

Obwohl es das einzige Vitamin ist, das vom K√∂rper komplett selbst√§ndig hergestellt werden kann, gibt es viele Menschen mit Vitamin-D-Mangel. Da f√ľr die k√∂rpereigene Produktion von Vitamin D der Einfluss von UV-Strahlung n√∂tig ist, k√∂nnen die Vitaminreserven besonders in der dunklen Jahreszeit abfallen. Wird zudem zu wenig Cholecalciferol √ľber die Nahrung aufgenommen, so k√∂nnen bei vielen Menschen Mangelzust√§nde entstehen. Au√üerdem hat man besonders in der Wachstumsphase als S√§ugling und Kleinkind einen h√∂heren Bedarf an Vitamin D, weshalb insbesondere in den ersten zwei Lebensjahren die Einnahme von Vitamin-D-Tropfen sinnvoll sein kann.¬†

Der t√§glichen Vitamin-D-Bedarf liegt bei fehlender k√∂rpereigener Produktion bei etwa 20 ¬Ķg. Bei S√§uglingen sind es etwa 10 ¬Ķg. Durch Ern√§hrung wird im Durchschnitt jedoch nur 2 bis 4 ¬Ķg Vitamin D aufgenommen, bzw. 1 bis 2 ¬Ķg bei Kindern. Der Rest muss √ľber die k√∂rpereigene Bildung unter Sonneneinstrahlung gedeckt werden. Insbesondere im Winter ist dies kaum m√∂glich. S√§uglinge sind wiederum unabh√§ngig von der Jahreszeit nur selten ausreichend direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt. Es sollte n√§mlich zumindest ein Viertel der Haut unbedeckt sein, um gen√ľgend Vitamin D zu produzieren.

Weitere Gr√ľnde f√ľr Mangelzust√§nde k√∂nnen Magen-Darm-Erkrankungen sein, welche die Aufnahme von Vitamin D aus der Nahrung st√∂ren (z.B. bei Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa), oder Stoffwechselst√∂rungen in der Leber und Niere, welche die Umwandlung in die aktive Form st√∂ren.

Symptome

Der Vitamin-D-Mangel selbst wird von den Betroffenen meistens nicht erkannt. Erst Blutuntersuchungen, etwa bei einer Routineuntersuchung, lassen Schl√ľsse √ľber die Vitamin-D-Reserven zu. Bleibt der Mangel jedoch lange genug bestehen kommt es durch den gest√∂rten Calciumeinbau in die Knochen zu einem Krankheitsbild, welches man bei Erwachsenen Osteomalazie und bei Kindern Rachitis nennt. Zu Beginn √§u√üert sich die Problematik durch Schmerzen in den Knochen. Im Verlauf verformen sich diese, da die Festigkeit der Knochensubstanz abnimmt. Es kommt zu Fehlstellungen der Beine (‚ÄěX- oder O-Beine‚Äú) und Gangst√∂rungen. Die Belastbarkeit der Knochen nimmt so sehr ab, dass allein der Zug des Zwerchfells an den Rippen zu charakteristischen Verformungen f√ľhrt. Au√üerdem kann der Mangel von Calcium zu Tetanie (Starrkr√§mpfe) oder epileptischen Anf√§llen f√ľhren.

Auch die Osteoporose kann durch niedrige Vitamin-D-Spiegel im Blut beg√ľnstigt werden. Dabei nimmt die Knochendichte ab und es kommt vermehrt zu Knochenbr√ľchen. Diese f√ľhren im Extremfall zu Fehlstellungen der Wirbels√§ule und chronischen Schmerzen. Insbesondere Frauen sind ab der Menopause vermehrt davon betroffen. W√§hrend ‚Äěnur‚Äú 5,6% der M√§nner √ľber 65 Jahren an Osteoporose leiden, sind es bei Frauen in diesem Alter sogar 24%.

Diagnose

Ein Mangel an Vitamin D kann mittels Laboruntersuchungen festgestellt werden. Dabei sind neben dem Vitamin selbst insbesondere die Werte f√ľr Calcium, Phosphat, alkalische Phosphatase und Parathormon wichtig. In einer R√∂ntgenuntersuchung k√∂nnen au√üerdem Ver√§nderungen der Knochendichte und Verformungen erkannt werden, wie sie etwa bei Osteomalazie entstehen.

Die Messung der Knochendichte kann bei Verdacht auf Osteoporose mittels einer sogenannten Osteodensitometrie bestimmt werden. Das Standardverfahren hierf√ľr ist die Dual X-Ray-Absorptiometrie (DXA).

Therapie

Ein Vitamin-D-Mangel kann ganz einfach durch Vitamin-D-Substitution therapiert werden. Dabei nimmt man Kapseln oder √∂lige Tropfen als Nahrungserg√§nzungsmittel ein, welche √ľber die Verdauung die Vitamin-D-Reserven wieder auff√ľllen. Auch auf den Verzehr von ausreichend Calcium sollte geachtet werden.

Insbesondere bei Säuglingen und kleinen Kindern ist die Behandlung eines Mangels zur Vorbeugung von Rachitis wichtig. 

Vorbeugen

Da Vitamin D unter anderem mit Hilfe von UV-Strahlung produziert wird, kann der Aufenthalt im Freien hilfreich sein, um einen Mangel vorzubeugen. Aber auch die Ern√§hrung tr√§gt zu den Vitamin-D-Reserven bei. Menschen die viel ‚Ķ. essen haben durch ihre Nahrung mehr Vitamin D zur Verf√ľgung. Sollte es doch zu Vitamin-D-Mangel kommen, kann schwerwiegenden Folgeerkrankungen durch die zus√§tzliche Einnahme von Vitamin-D-Pr√§paraten vorgebeugt werden.¬†

Um Osteoporose vorzubeugen sind insbesondere Screeninguntersuchungen wichtig, da die Erkrankung erst sp√§t symptomatisch wird. Mittels verschiedener Scores wie etwa des ‚ÄěFRAX-Scores‚Äú kann anhand von Parametern wie Alter, Geschlecht, Body-Mass-Index und Risikofaktoren das Risiko f√ľr Osteoporose-Br√ľche berechnet werden. Dadurch kann schon vor den Frakturen durch eine geeignete Therapie ‚Äď unter anderem mit Vitamin D ‚Äď das Risiko reduziert werden.

Redaktionelle Grundsätze

Alle f√ľr den Inhalt herangezogenen Informationen stammen von gepr√ľften Quellen (anerkannte Institutionen, Fachleute, Studien renommierter Universit√§ten). Dabei legen wir gro√üen Wert auf die Qualifikation der Autoren und den wissenschaftlichen Hintergrund der Informationen. Somit stellen wir sicher, dass unsere Recherchen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren.
Danilo Glisic

Danilo Glisic
Autor

Als Biologie- und Mathematikstudent verfasst er leidenschaftlich Magazinartikel zu aktuellen medizinischen Themen. Aufgrund seiner Affinität zu Zahlen, Daten und Fakten, liegt sein Fokus dabei auf der Beschreibung von relevanten klinischen Studienergebnissen.

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