EMA erteilt Zulassungsempfehlung für modifizierte Omega-3-Fettsäure

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Der Wirkstoff Eicosapentaensäure im Präparat „Vazkepa“ soll laut EMA nun eine Zulassungsempfehlung bekommen haben. Diese modifizierte Omega-3-Fettsäure soll bei hochdosierter Einnahme das Risiko kardiovaskulärer Ereignisse bei Erwachsenen mit hohem kardiovaskulärem Risiko senken. Die Methoden der dazu publizierten Studie sind in Fachkreisen jedoch umstritten.

Die weibliche Hand hält gelbe Medikamentenkapseln von Omega 3, Griechen aus einer weißen Flasche in Palme das Fischöl, gesunde Beipackzettel.

shutterstock.com / Farion_O

Schlechte Vergangenheit für Omega-3:

Schon in der Vergangenheit waren Omega-3-Fettsäuren für die europäische Arzneimittelbehörde EMA "nicht signifikant wirksam" - im März 2019 hat die Behörde das negative Urteil erneuert: Arzneimittel, die Omega-3-Fettsäuren enthalten, verhindern keine weiteren Herzerkrankungen nach einem Herzinfarkt. Solche Arzneimittel sollten der EMA zufolge nicht mehr in der Sekundärprävention eingesetzt werden. 

Studie abgebrochen?

Die im Dezember 2020 publizierte STRENGTH-Studie ist ein Beispiel für die nicht signifikante Wirksamkeit des Wirkstoffs Eicosapentaensäure in Omega—3-Fettsäuren. Diese Untersuchung kardiovaskulärer Risikopatienten wurde abgebrochen, da die Aufnahme von Eicosapentaensäure-Ethylester und Docosapentaensäure (im Präparat Epanova) keine Vorteile für die Probanden erzielen konnte. 

REDUCE-IT-Studie:

Die sogenannte REDUCE-IT-Studie konnte jedoch einen positiven Effekt verzeichnen. Diese randomisierte, doppelblinde, Placebo-kontrollierte Phase-3-Studie aus dem Jahr 2019 untersuchte dafür 8179 Patienten. Diese mussten mindestens 45 Jahre alt sein und eine bestätigte kardiovaskuläre Erkrankung haben oder 50 Jahre und älter sein, wenn sie Diabetiker mit mindestens einem weiteren Risikofaktor waren. Weitere Einschlusskriterien waren ein LDL-Cholesterinspiegel von 41 bis 100 mg/dl sowie eine stabile Statin-Therapie von mindestens vier Wochen vor Studienbeginn. Patienten mit Herzinsuffizienz, aktiver schwerer Erkrankung der Leber, einem Blutzuckerwert von mehr als 10 % (Normalwert: unter 7,5 %), akuter oder chronischer Pankreatitis oder Allergie auf Fisch wurden von der Untersuchung ausgeschlossen. Die Studienteilnehmer wurden dabei nach Medikamenteneinnahme, kardiovaskulärem Risikoprofil und Region eingeteilt. Diese erhielten täglich: 

  • 4 g Icosapent-Ethyl (Vascepa, ein EPA-Ethylester) mit Statinen (d.h. Cholesterinsenker)
  • Placebo (Mineralölkapseln) mit Statinen

Laut Ergebnissen der Studie reduzierte die Tagesdosis von 4 g Icosapent-Ethyl bei Patienten mit Fettstoffwechselstörungen oder Diabetes mellitus schwere kardiovaskuläre Ereignisse und verbesserte das Cholesterin-Profil. In den USA ist das Medikament Vascepa schon im Dezember 2019 durch die FDA zugelassen worden. 

Zulassungsempfehlung auch von der EMA:

Auch die EMA hat am 29. Januar 2021 eine Zulassungsempfehlung für Icosapent-Ethyl mit dem Markennamen Vazkepa veröffentlicht. Dabei soll das Medikament in der EU zur Risikosenkung kardiovaskulärer Ereignisse bei Erwachsenen, die mit Statinen behandelt werden und ein hohes kardiovaskuläres Risiko besitzen sowie erhöhte Triglycerid-Werte ab 150 mg/dl (d.h. Chemische Stoffgruppe: Ester) vorweisen, indiziert werden. Dazu sollten Patienten an einer kardiovaskulären Erkrankung oder Diabetes mellitus mit wenigstens einem weiteren kardiovaskulären Risikofaktor erkrankt sein. Folglich wurde der Antrag auf Zulassung für Vazkepa in der EU vom Unternehmen Amarin Pharmaceuticals Ireland Limited, dem Sponsor der REDUCE-IT-Studie, gestellt. Das Medikament soll als 998 mg Weichkapsel im Verkauf zu finden sein und einen multifaktoriellen Wirkmechanismus vorweisen können. Unter anderem: 

  • verbessert Lipoproteinprofil mit einer Reduktion der triglyceridreichen Lipoproteine
  • entzündungshemmend und antioxidativer Effekt
  • thrombozytenhemmende Effekte

Zu den am meisten verzeichneten Nebenwirkungen gehören dabei: Blutungen, Vorhofflimmern, Verstopfung, Gicht und Hautausschlag.  

Gestützt auf einer umstrittenen Studie?

Laut Mitteilung der EMA besteht der Nutzen von Vazkepa in der Fähigkeit, das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse im Vergleich zu Placebo zu reduzieren. Die Ergebnisse der REDUCE-IT-Studie werden jedoch in Fachkreisen hinterfragt, denn die Wahl des Placebos und Mineralölkapseln, werden hier kritisch evaluiert. Obwohl die Autoren der Studie dies selbst erkannt haben, sei es jedoch noch nicht geklärt, ob die Wirkung des Mineralöls unterbewertet wurde. Das Mineralöl reduziert die Statinresorption, was an der LDL-Erhöhung während der Untersuchung erkennbar gewesen sei. Folglich sollte auch für die schon seit der Vergangenheit bekannte Mehrfachwirkung der Statine Vorsicht geboten werden. Auch die Langzeitwirkung des Mineralöls selbst ist noch nicht bekannt. Eine begleitende, im Dezember 2019 in der Oxford University Press publizierte Studie hat Mineralöl und Nicht-Mineralöl-Placebo in Bezug auf das koronare Arteriosklerose-Risiko mithilfe computertomografischer Angiographie (d.h. radiologische Darstellung von Gefäßen) verglichen.

Laut Ergebnissen sind keine Signifikanten Unterschiede mit Mineralöl-Placebo um Vergleich zu Teilnehmern ohne Mineralöl-Placebo aus zwei verschiedenen randomisierten, placebokontrollierten Studien verzeichnet worden. Eine detaillierte Empfehlung für die Verwendung von Vazkepa wird in der Zusammenfassung der Produkteigenschaften im Europäischen öffentlichen Bewertungsbericht (Kurz: EPAR) veröffentlicht. Die Resultate der zwei erwarteten Studien können dabei die Ergebnisse der REDUCE-IT-Studie möglicherweise festigen.  

    Autor

    Danilo Glisic

    Letztes Update

    07.06.2021

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