Entwicklung neuer Medikamente gegen Corona

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Welche Ansätze verfolgen Forscher bei der Entwicklung neue Medikamente gegen das Coronavirus

shutterstock.com / PHOTOCREO Michal Bednarek

Neben der Entwicklung eines Impfstoffes gegen SARS-CoV-2 und dem Umwidmen von vorhandenen therapeutischen Medikamenten werden auch gänzlich neue Arzneistoffe gesucht und entwickelt. Grundsätzlich gibt es hier zwei verschiedene Ansätze in der Entwicklung: 

  • Die Verwendung von Antik√∂rpern, um eine Passivimmunisierung anzuregen und
  • Die Entwicklung von g√§nzlich neuen Arzneistoffen.

1. Verwendung von Antikörpern

Besonders beim Einsatz von Antik√∂rpern gibt es mehrere M√∂glichkeiten diese anzuwenden. Am einfachsten ist die Weitergabe von Blutplasma, welches von bereits Genesenen d.h. vormals Erkrankten gespendet wurde. Dies wird in mehreren L√§ndern, u.a. auch in Deutschland und √Ėsterreich, praktiziert. Eine eindeutige Wirksamkeit dieser Therapie konnte jedoch noch nicht nachgewiesen werden.

Eine weitere Möglichkeit ist die Aufreinigung und Isolierung der Antikörper aus dem Plasma von Genesenen. Dies hat den Vorteil, dass die Wirksamkeit der verschiedenen Präparate nicht schwankt. Einige Unternehmen gehen von diesem Ansatz aus noch einen Schritt weiter: Die wirksamsten Antikörper werden ausgewählt und durch geeignete biotechnologische Methoden vermehrt. Somit kann, zumindest in der Theorie, aus den vermehrten Antikörpern ein noch wirksameres Medikament hergestellt werden.

Eine weitere Stufe dieses Ansatzes stellt die Entwicklung eines mRNA-Arzneistoffes dar. Durch die gewonnenen Informationen √ľber die Beschaffenheit der Antik√∂rper k√∂nnen RNA-Str√§nge zusammengesetzt werden, die f√ľr eben diese codieren. Das hei√üt: Es handelt sich hierbei eigentlich um eine Impfung, da der K√∂rper selbst zur Immunabwehr angeregt wird.

Es gibt auch Projekte, bei denen versucht wird, Antikörper gegen verwandte Krankheiten wie SARS-1 oder MERS einzusetzen. In Laborversuchen mit infizierten Mäusen konnte bereits eine Hemmung der Vermehrung der Coronaviren erwiesen werden.

Die letzte Möglichkeit stellen gänzlich im Labor entwickelte Antikörper dar. Diese werden entweder mittels Labortieren produziert oder ganz neu synthetisiert.

In allen genannten Szenarios gibt es einige vielversprechende Kandidaten, die sich zum Teil schon in der klinischen Testung befinden.

2. Neuentwicklung von Arzneistoffen

Viele Unternehmen verfolgen bei der Entwicklung eines wirksamen Medikamentes auch den klassischen Weg der Wirkstoffentwicklung. Dabei werden zuerst gro√üe Datenbanken von Molek√ľlen durchsucht und durch Computerprogramme ausgewertet. Vielversprechende Kandidaten werden dann zuerst im Labor und danach in Tierversuchen auf Wirksamkeit und Sicherheit getestet. Zwei Wirkstoffkandidaten aus den USA befinden sich sogar bereits in Phase-I Studien.

Einige Firmen in den USA und Asien versuchen zudem das Virus √ľber "Gene Silencing" einzud√§mmen. Dabei sollen durch Injektion von RNA bestimmte Gene der Patienten ‚Äěruhiggestellt‚Äú werden. Ziel sind hierbei die Gene des Wirtes, die das Virus zur Vermehrung ben√∂tigt. Diese Art von Wirkstoff steckt, wie viele Gentherapien, jedoch noch in den Kinderschuhen.

Wann ist mit einer wirksamen Therapie zu rechnen?

Die Zulassung f√ľr neue Medikamente dauert in der Regel mehrere Jahre, denn diese m√ľssen nicht nur auf Wirksamkeit, sondern auch auf Unbedenklichkeit getestet werden. Viele der zust√§ndigen Zulassungsbeh√∂rden haben allerdings signalisiert, dass Genehmigungsverfahren f√ľr Studien und Zulassungen betreffend Covid-19 im Schnelldurchlauf und mit oberster Priorit√§t bearbeitet werden. Dies baut zumindest b√ľrokratische H√ľrden bei der Medikamentenentwicklung ab. Wann genau diese neuen Medikamente zugelassen werden ist unklar. Viele zurzeit getestete Wirkstoffe befinden sich noch in den fr√ľhen Phasen der klinischen Testungen. Trotz Schnellzulassung d√ľrfte es noch 1-2 Jahre dauern, bis die ersten wirksamen Arzneimittel gegen das Coronavirus verf√ľgbar sind.


Quellen:

https://www.vfa.de/de/arzneimittel-forschung/woran-wir-forschen/therapeutische-medikamente-gegen-die-coronavirusinfektion-covid-19

Redaktionelle Grundsätze

Alle f√ľr den Inhalt herangezogenen Informationen stammen von gepr√ľften Quellen (anerkannte Institutionen, Fachleute, Studien renommierter Universit√§ten). Dabei legen wir gro√üen Wert auf die Qualifikation der Autoren und den wissenschaftlichen Hintergrund der Informationen. Somit stellen wir sicher, dass unsere Recherchen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren.
Markus Falkenstätter, BSc

Markus Falkenstätter, BSc
Autor

Markus Falkenstätter ist Autor zu pharmazeutischen Themen in der Medizin-Redaktion von Medikamio. Er befindet sich im letzten Semester seines Pharmaziestudiums an der Universität Wien und liebt das wissenschaftliche Arbeiten im Bereich der Naturwissenschaften.

Letztes Update

29.10.2020

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